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gerade das vorsichtige Zudecken und Abschließen der Nahrungsmittel, wobei alles feucht bleibt, führt am ehesten zur Schimmelbildung und das Werk, das diese niederen Pilze verrichten, stellt sich als eine Orydation" dar, als eine Produktion von Kohlensäure und Luft. Aber nicht alle Arten dieser Pilzgattung sind so harmlos und nüßlich. Die Trauben­frankheit, die Kartoffelkrankheit, der Brand oder Rost des Ge­treides ist das Werk von Schimmelpilzen, und wie hoch sich solch ein durch diese Pilze verursachter Schaden belaufen kann, zeigt die statistische Berechnung der in Preußen im regen­reichen Jahr 1891 durch Getreiderost verursachten Ernteaus­fälle. Diese Ausfälle betrugen beim Weizen 73, beim Roggen 180, bei der Haferernte 165, d. h. also insgesamt 418 Millionen Mark! Uebrigens ist, was schon Goethe wußte, auch die Er­frankung der Fliegen im Herbst das Werk von Schimmelpilzen.

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Unter den Sproßpilzen sind die bedeutendsten die Hefe­pilze. Jede alkoholische Gärung wird durch diese erzeugt, indem sie Zucker zu ziemlich gleichen Teilen in Alkohol und Kohlensäure zerlegen und zugleich, je nach der Art des Hefe­pilzes, einen bestimmten Aether" erzeugen, der dem Weine das Bukett", das Aroma" u. s. f. verleiht. Aus der näm­lichen Bierwürze, sagt Buchner, läßt sich, je nachdem die eine oder andere Hefeforte zur Anwendung kommt, ein sehr ver­schiedenartiges Bier erzeugen, und ähnliches gilt auch von der Weinbereitung. Für die Bierhefe liegen ausgezeichnete in der Carlsberg- Brauerei bei Kopenhagen angestellte Ver­suche von Christian Hansen vor. Die Hefe wird rein" kul­tiviert, und von dem Freisein( ,, wilde Hefe") fremder Bei­mengungen hängt die Güte des Bieres ab. Beim Weine, d. h. dem ausgepreßten Traubensafte, pflegt man die Hefe freilich nicht fünstlich zuzusetzen, sondern schon seit Noahs Zeiten von selbst", d. h. durch die den Beeren außen an­haftenden Hefezellen, die im Most sofort wuchern, in Gärung kommen zu lassen. Auch hier hängt nach neueren Unter­suchungen die Qualität des Weines nur von der Hefcari ab; die berühmten Weinlagen verdanken also ihren Ruf weniger der Beschaffenheit ihrer Trauben als der Qualität der dort vorkommenden niederen Pilze! Daß auch Spiritus und Branntwein Erzeugnisse von Hefepilzen( aus der Kar­toffel) sind, ist wohl bekannt.- Was endlich die Bakterien anlangt der Name(= Stäbchen) rührt von ihrer Form her, und Spaltpilze nannte Naegeli sie, weil ihre Ver­mehrung in der Weise vorgeht, daß sich jede Pilzzelle in die Länge streckt und dann in zwei gleichwertige Teile spaltet- so ist ihre Bedeutung für den menschlichen Haushalt in jedem Sinne eine wohl noch größere als die der beiden anderen Gattungen niederer Pilze. Sie erfüllen allüberall die Luft, uns unsichtbar; denn nicht weniger als etwa 1 Billion der Bakterien gehen nach Naegeli auf ein Gramm, und selbst die größten sind nur etwa ein Tausendstel Milli­meter lang. Freilich ist die Zahl der Keime niederer Pilze immerhin wesentlich geringer als die Stäubchen mineralischer Art. Miquel( Paris) hat berechnet, daß auf einen Kubik­meter Luft in der Stadt etwa 500-4000 Pilzkeime( zu 200 000 Mineralstäubchen) kommen. Bakterien( z. B. das Bacterium coli commune, das im Darm des Menschen vorkommt) erzeugen die Ackerkrume; Mikroben verdanken wir die Bildung des Salpeters aus dem Ammoniak zer­setter Eiweißstoffe. Auch hier mag eine Zahl stehen: im Jahre 1900 ist Chilisalpeter im Werte von nicht weniger als rund 70 Millionen nach Deutschland eingeführt worden. An den Wurzeln unserer Hülsenfrüchte nimmt man kleine Knöllchen wahr, die früher für Auswüchse gehalten wurden. Hellriegel und Nobbe haben nun vor kurzem gezeigt, daß diese Knöllchen Produkte von Bakterien sind, deren Wirkung darin besteht, den Stickstoff der Luft in Nahrungsstoffe ( Eiweiß) überzuführen, und die Landwirtschaft beginnt bereits aus dieser weittragenden Entdeckung die Nutz­anwendung zu ziehen. Ein stickstoffarmer, ganz unfrucht barer Sandboden kann durch Ansiedelung dieser Bakterien berbessert und ertragreich werden. Ein Werk der Bakterien ist ferner die Essigfabrikation, bei der ein alkoholhaltiger, geringwertiger Wein, das sogenannte Essiggut" durch be­stimmte Bakterien in Essig umgewandelt wird. Diesen Essig säurebakterien sind die Erreger der Milchgärung nahe ver­wandt. Sie bergären" den Milchzucker der Milch zu Milchsäure, ein Prozeß, der trotz des Aergers der Hausfrau, ein nützlicher genannt werden muß. Süße Milch muß zur Verdauung erst in unserem Magen gerinnen, in der sauren Milch haben die Bakterien diese Arbeit bereits geleistet, und so ist saure Milch eigentlich bekömmlicher als süße. In­

dustrielle Verwendung finden die Wiilchjaurebatterten schon lange in den holländischen Molkereien bei der Butter­fabrikation. Man hat nämlich gefunden, daß Butter aus saurer Milch ein feineres Aroma besigt als solche aus süßer, was auf den durch Milchsäurebakterien erzeugten Aether" zurückzuführen ist. So wird der Milch vor dem Verbuttern eine Reinkultur derartiger Bakterien zugesetzt. Was von der Butter gesagt, gilt auch vom Käse; der bekannte Gervais" z. B. verdankt seinen Wohlgeschmack den Bakterien. Die Herstellung des Sauerkohls", die Verbesserung der Tabaks­blätter, das Schwißen der gegerbten Häute, die Gewinnung des Indigo, die Bereitung des Stärkemehls u. s. f. sind an die Entwickelung von Bakterien geknüpft. Uebrigens ver­werten Chinesen und Japaner dir Bakterien schon längst in ihrem Haushalt. Neben dem aus Reis durch Mikroben­gärung gewonnenen Safe, dem Nationalgetränk, sind es namentlich die Produkte der eiweißreichen, schwer ver­daulichen Sojabohne, die Soja- Sauce- auch bei uns nicht unbekannt und der Soja- Käse, die sie mit Hilfe von Bakterien bereiten.

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AUS FERNEN ZONEN

Reiseverlegenheiten des Schahs von Persien.

Die Gebieter Persiens sind in Europa ständige Gäste geworden. Daß sie es aber konnten, war mit großen Schwierigkeiten ver­knüpft. Es ist nicht uninteressant, einen kleinen Rückblick auf die Hindernisse zu werfen, welche sich der ersten Reise der Sonne des Weltalls" in das Land der Ungläubigen, deren Namen kein rechter Muselmann ausspricht, ohne Allahs Verzeihung dafür an­zuflehen, entgegenstellten.

Mehr noch als durch die fanatischen Mullahs, die in einer solchen Reise eine flagrante Regilionsverletzung sahen, wurden die Reisepläne des Schahs durch seine eigenen Lebensgewohnheiten erschwert. So hatte er bis zu jener Zeit sich gleich allen Persern beim Essen ausschließlich seiner Finger bedient. Wie war es nun möglich, ihn in der europäischen Art des Speisens zu unterweisen, ohne seiner Würde dabei zu nahe zu treten? Diese heikle Frage ward von dem Großvezier, der auf seinen Reisen mit dem Gebrauch von Messer und Gabel vertraut worden war, in ingeniöser Weise gelöst. Er veranstaltete eigene Gastmähler, bei denen die Gäste nach seiner Anleitung Messer und Gabel gebrauchen mußten, während der Schah, hinter einer mit kleinen Bohrlöchern ver­sehenen Holzwand verborgen, ihrem Tun zusah. Da er das Gesehene vermutlich im stillen Heiligtum seiner Privatgemächer fleißig übte, so war es ihm schon nach acht Tagen möglich, den ganzen Hof durch seine Geschicklichkeit zu überraschen.

Die zweite Verlegenheit bereitete ihm die Zahl seiner Frauen. Alle fünfundfünfzig mitzunehmen, ging nicht wohl an, und als Junggeselle zu reisen, fühlte er wenig Lust; so entschloß er sich endlich, sich während seiner Reise mit seiner Favoritin und einer alten Dienerin zu begnügen, die es besonders gut verstand, ihm des Abends die Kissen auf dem Boden zum Bette zu ordnen. Als er indessen bis nach Petersburg gekommen war und sich überzeugt hatte, daß es in Europa nirgends an hübschen Frauen fehle, machte er wenig Umstände und sandte seine beiden Begleiterinnen, all ihres Bittens und Weinens ungeachtet, auf dem kürzesten Wege nach Hause zurück.

Eine dritte Schwierigkeit bot die Herbeischaffung des nötigen Reisegeldes, denn obwohl der Schah eine der reichsten Schatz­kammern der Welt besaß, liebte er doch keineswegs, diese ohne die zwingendste Notwendigkeit zu öffnen. Doch auch hierfür fand sich ein einfaches Auskunftsmittel. Er machte einige Besuche mehr als gewöhnlich bei seinen Untertanen und die Geldmittel fanden sich. Bei diesen Besuchen weiß nämlich der Schah in bewunderungs­würdiger Weise das Angenehme mit dem Nüßlichen zu verbinden. Er wählt unter seinen Hofleuten die Reichsten aus und läßt ihnen seinen Besuch ankündigen; diese, welche wohl wissen, daß eine solche Auszeichnung sehr bedeutende Vorteile, meist die Verleihung eines einträglichen Staatsamtes nach sich zu ziehen pflegt, beeilen sich, ihrer Freude durch die kostbarsten Geschenke: edle Pferde, Schmucksachen, Goldgeräte Ausdruck zu geben. Auch versäumen sie nicht, überall auf Gestellen und in Nischen kleine Säcke mit Gold­stücken anzubringen, die von den Dienern des Schahs sogleich für ihren Herrn in Beschlag genommen werden.

Nr. 36.

Montag, den 15. Februar

1904.

Oberhessische Familienzeitung.

Cägliche Unterhaltungs- Beilage

bez

Gießener Neueste Nachrichten.

und unt Berlag ber Glebener Berleg# bruderet, vorm. Wilh. Reller'sche Buchbinderst( gegr. 1789); ser

( Schluß)

Der Zeuge.

Roman von Marie Bernhard.

So beginnt er denn, ihr allerlei zu erzählen, von diesem und jenem, ziemlich gleichgiltige Dinge, und konnt dann auf die geschäftlichen Unternehmungen zu sprechen. Diese Zeit heiße in der kaufmännischen Welt die stille", aber oft wahr lich mit Unrecht! Zum Beispiel eben jeẞt! Man wolle eine neuc Kreditbank gründen, ein Unternehmen von großer Tragweite, aber nur durch persönliches Eingreifen, genau eingehelten Informationen gutzuheißen. Da könne man sich auf feinen andern verlassen, man müsse selber an Ort und telle sein, mit den Aktionären reden und dergleichen mehr. Die Geschichte hat Hellmut sich während seiner Fahrt von kinem Geſchäftslokal hierher ausgedacht und findet sie sehr gut, hat sie auch in leidlich unbefangenem Ton vorgetragen, dabei aber immer Hildas Haar gestreichelt und sie an seiner Brust festgehalten, damit sie ihm ins Gesicht sehen kann. Also willst du verreisen!" sagt sie ruhig und richtet sich halb in seinen Armen auf. Wohin denn und wann?"

Mein Kleinod, wie schwer es mir fällt, dich, auch nur auf furze Zeit, jetzt allein zu lassen. Aber siehst du, es muß diesmal wirklich sein! Eine Affaire von so großer Wich tigkeit

Also wohin und wann?" unterbricht sie ihn von neuem. Ja, nach Hannover," kommt es etwas zögernd über seine Lippen und wann? Schon mit dem heutigen Nachtzug vom Lehrter Bahnhof. Ich hab' es verspätet erfahren, es ist, aber ich bin bald wieder bei dir, Liebling, sehr bald, ich hoffe, in zwei Tagen schon! Ich schreibe oder telegraphiere dir täglich!

Hilda richtet sich vollends auf und sieht ihm in die Augen. Sag doch, Hellmut, ist das Schiff schon ange

kommen?"

Welches Schiff denn, mein Kind?" Er bückt sich, seine Verwirrung zu verbergen, und nimmt mit sehr spißen Fingern überaus behutsam ein welches Blättchen vom Blumentisch, das sich an die Spizen von Hildas Morgenkleid genestelt hat, von dort weg.

Das Schiff, das Herrn Hendrichs und vielleicht auch deinen Vater bringt, die Swallow" von Yokohama! Sie fönnte schon seit mehr als acht Tagen zurück sein!"

,, Seit mehr als acht Tagen? Was du da sagst... nun. aber Hendrichs würde mich das immer wissen lassen, dessen fannst du sicher sein! Und es steht noch gar nicht fest, ob. du entschuldigst mich für einen Augenblick, liebes Herz, ich will nur eben sehen, ob Heinrich dabei ist, wenn mein kleiner Mantelsack gepackt wird, ich beauftragte beim Kommen Hot­sumi damit, aber wenn der zufällig nicht bei Laune ist, dann ist er weiter nichts als eine japanische Attrappe. Gleich bin ich wieder da!"

Mit einem nicht ganz natürlichen Lachen über die ja­panische Attrappe" verschwand Hellmut. Seine Frau sah ihm mit trüben Augen nach; wie schwer es ihm wurde, sich zu ver­stellen! Sie wußte es jetzt ganz genau, wohin und zu wem er reiste!

Ein wütender Gewittersturm war über Nacht losge­brochen, und mit schwerer Sorge gedachte Hellmut Norden

( Nachdruck verboten.),

seiner Gattin, die, seit sie körperlich leidend war, eine heftige Angst bei einem Gewitter empfand. Zu der Aufregung, die ihm der Gedanke an das nahe Wiedersehen mit seinem Vater und dessen bevorstehende Gröffnungen bereitete, gesellte sich die Vermutung, Hilda habe ihn, trop seinen vorsichtig ge­troffenen Maßregeln, durchschaut, und ihr Gesundheitszustand könne sich durch die gewonnene Erkenntnis verschlechtern! Mit bang klopfendem Herzen lauschte Norden junior auf den niederstürzenden Regen und den Sturm, der mit unheim­lichem Pfeifen über die Ebenen fegte.

Am nächsten Morgen früh qut e3 in Hamburg das da­selbst berühmte Weltuntergangswetter". Hellmut war mit. ten in der Nacht von seinem alten Freunde Hendrichs auf dem Bahnhof empfangen und nach dessen Bause mitgenom men worden. Er hatte aber fast gar feinen Schlaf und wenig Appetit zu dem früh servierten Imbiß gehabt, und jetzt, um zehn Uhr schon, hielt sein Mietwagen in vollem Regen vor dem Hotei International", woselbst ihm ein herbeicilender Kellner mitteilte, Herr Norden sei schon außer Bett und be­reit, ihn zu empfangen. Vor der bezeichneten Tür verab­schiedete Hellmut seinen Führer und stand still, um Atem zu schöpfen, es dauerte sehr lange damit.

Endlich, ein leises, zögerndes Klopfen; von drinnen eine matte Stimme: Herein!"

Der gute Hendrichs hatte Hellmut mündlich wie schriftlich vorbereitet, sein Vater sei bedenklich verändert; demgemäß hatte Jener sich ein Bild gemacht, aber nun

Alles, was er sich vorgenommen: ruhig, gefaßt zu er scheinen, keine Ueberraschung, vor allem, feinen Schmerz zu zeigen, um des Himmels willen dem kranken Mann keine Szene zu machen... es verschwand in diesem Augenblick. Mit einem Ausruf des Jammers, des Mitleids stürzte der Sohn seinem Vater entgegen, zog ihn ungeſtüm in seine Arme und hielt ihn da schluchzend fest.

Und der Senior, als ob er den jungen Mann nie, nie mehr loslassen wollte, so hielt er ihn an sich, küßte sein Haar, sein Gesicht, stammelte vorworrene Liebesworte, in einem Fieber der Leidenschaft, mit einer Inbrunst und Hingebung, als müsse er dies Gnadengeschenk der Vorsehung, die ihm den Sohn einmal noch in die Arme führte, auskosten bis zuletzt. Wie ein verzweifeltes Stoßgebet rang es sich aus der Seele dieses schuldbeladenen Mannes los: Laß mich jetzt sterben, jetzt, auf der Stelle, barmherziger Gott!"

Aber solche Gebete finden niemals Erhörung!

Seine zitternden Hände ließen den Sohn los, schoben ihn sanft von sich: Es ist genug!" Aber er konnte noch nicht, nein, jetzt noch nicht! Wieder preßte er ihn an sein Herz, das in dumpfen, wilden Schlägen pochte: Hellmut, Hellmut!" Mein armer, lieber Vater! Warum hast du mich von dir gehen lassen? Warum famst du nicht gleich mit mir? Du kannst nicht ohne mich leben, ich sehe es jetzt!"

Das werde ich müssen, mein Sohn, aber ich hoffe, nicht auf lange! Hier, set' dich, mich tragen die Füße nicht mehr, ja, ich bin sehr schwach! Ich habe dir schreiben wollen, denn was ich dir zu sagen habe... aber ich vermochte es nicht!

ohnung,

er Stadt ge­

berm.

ermieten.

Der 1. April

Herrn Forft

d. Bl.

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