1904.
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efohl- Anstalt gut
spantoffeln
eftens empfohlen.
allen Schuhwaren Wolkengaffe.
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Auf dem Steckenpferd. Da reitet er hin, der kleine Fant, Gehalten von der Mutter Hand. Wie galoppiert er frisch und keck und kommt doch nimmermehr vom Fleck! Vielleicht wird er in späten Tagen Auf flinkem Roß im Wettspiel jagen; Vielleicht in wilder Reiterschlacht Losstürmen auf des Feindes Macht; Doch ob im Kriege, ob im Frieden Des Reiters Sport ihm sei beschieden Dft wird er sich mit stillem Gedenken In seiner Jugend Zeit versenken, Wo Mutterliebe treu bewährt Die ersten Ritte ihm gelehrt.
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Die Trauerfarbe.
Weiß und Schwarz waren von jeher in fast allen Ländern und fast zu allen Zeiten die Trauerfarben. Für den Sonntag, der den Toten gewidmet ist, dürfte eine nähere Betrachtung der Trauerfarben nicht uninterssant sein. Schon im Altertum entstand der Brauch, Hochzeit und Freude durch weithin leuchtende Töne in Tracht und Schmuck auszudrücken, schmerzliche Ereignisse in Dunkel zu hüllen. Der großen Göttin Isis, die zehntausend Namen trug, als menschliche Gestalt mit Geierhaube und goldener Krone abgebildet, huldigte das ganze Nilland. Bei dem viertägigen sistrauerfeste hingegen, dem die Klage der Göttin um ihren ermordeten Gatten Osiris zu Grunde lag, ward sie als vergoldete Kuh in einer schwarzen Byssushülle gezeigt. Das irrtümliche Aufhissen der schwarzen Segel auf dem Schiffe des heimkehrenden Theseus trieb seinen spähenden Vater Aegens in den Wellentod. Den Eumeniden wurden schwarze Schafe geopfert, und die Erinnyen selbst erschienen schwarz, als Töchter der Nacht, sowie Dionysos als König des Totenreiches. Die unterirdische Göttin Hekate, mit den Schlangen im Haar und mit schlangenartigen Rippenenden, ward stets in Begleitung schwarzer Hunde abgebildet. Sophokles ließ die Tyro in schwarzer Maske auftreten, und einen tiefernsten Eindruck brachte die schwarze Gestalt des Todes in Euripides' ,, Alkestis" hervor. Die Wahrheit wurde im weißen Gewande dargestellt, der Traum in einem losen Kleide weiß auf schwarz, die Reue mit zerrauftem Haar in schwarzem Gewande. Die sich in die Lüfte erhebenden Psychen der Verstorbenen waren nach griechischer Anschauung von dunkler Farbe, wenn ihnen Laster anhafteten.
Wurde bei den römischen Gerichtsverhandlungen die Verurteilung ausgesprochen, so warf man schwarze Steinchen als Zeichen in die Urne. Dem Blizzgott Summanus brachte man schwarze Lämmer dar, ebenso den bösen Winden. Cerberus wurde stets schwarz dargestellt. Unter Domitian wurden Senatoren und Ritter nachts zum Kaiser in den Palast geladen. Man führte sie in einen schwarz ausgeschlagenen Saal, in dem der Kaiser mit finsterer Miene saß. Dann ward Jedem ein Siz neben einer Säule angewieſen; auf dieser stand sein Name als der eines Verstorbenen, eine fleine Grablaterne warf ihr spärliches Licht darauf. Nun erschienen ganz nackte, schwarz bemalte Knaben, die im Trauerschritt tanzend das Gemach umzogen, worauf sie sich zu Füßen der bebenden Zuschauer niederließen. Schwarze Gestalten trugen ein Totenmahl in schwarzen Gefäßen auf. Hatte sich Domitian satt gesehen an den geängstigten Mienen, so mußten die Gequälten den Saal verlassen, wurden von schwarzen Vermummten in den Vorhof geführt, in Wagen oder Sänften gesetzt, und dahin ging's in das Ungewisse. Nach langem Hin- und Herfahren wurde endlich Jeder vor seinem eigenen Hause entlassen. Kurz darauf erschienen Sklaven bei ihnen, brachten kaiserliche Geschenke, Gefäße aus Gold, eine silberne Säule und kostbare Schätze. Diese schwarzen Feste waren ein Zeichen guter Laune dies Kaisers. Im Mittelalter gaben die Päpste die Farbe der Tracht der Geistlichen für die verschiedenen Kirchenfeste an. Am Charfreitag war den celebrierenden Geistlichen eine schwarze
Trauerfarbe befohlen. Ein schwarzer Schleier verhüllte das Kreuz. In Frankreich trauerten die Könige in roten oder violetten Gewändern. Das violette Gewand Franz II. bei der Bestattung seines Vters Heinrich II. war so lang, daß es 30 Ellen bedurfte; seine abgesetzten drei Schleppen, sowie die Schleppe des violetten Mantels trugen die Vornehmsten des Königreiches. Heinrich III. war der Erste, der in Schwarz trauerte. Um seinem Schmerz über den Tod seiner Geliebten Ausdruck zu geben, zeigte sein Anzug silberne Tränen als Nesteln, kleine Totenköpfe und kleine, erlöschende Flammen aus Zinn. Die Trauerfarbe der Franzosen, die violette Farbe, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Denn neben Grau gilt bei uns, in Frankreich und England Violett als Zeichen der Halbtrauer. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts trugen in Bayern alle protestantischen Bräute schwarze Kleider, im Gegensatz zu den Katholiken, die bunt, namentlich rot gekleidet waren. Die frühere Vorliebe der Katholiken für die rote Farbe ist bekannt. Charakteristisch ist der Ausspruch des kleinen Knaben bei der Beerdigung seines Vaters:„ Wenn i mei rotes Leible net anziehe derf, dann freut mi die ganze Leich' nit!" In Japan und China ist Rot die Farbe der Freude, Weiß die der Trauer. Seltsam ist es, daß die Braut weiß gekleidet aus dem Vaterhaus hinausgeht, weil sie für die Eltern als gestorben betrachtet wird. Erst im Hause des Bräutigams, wo sie zu neuem Leben gelangt, hüllt sie sich in ihr bräutliches rotes Gewand.
Die Mode hat bei uns Schwarz und Weiß und auch beide Farben vereint auf den Schild erhoben. Die meisten Damen lieben die Zusammenstellung. Neuerdings ist auch die Farbe, die ja auch als Trauerfarbe auftritt, tonangebend für jede Gelegenheit. Trotzdem unterscheiden sich trauernde Frauen in schwarzem und grauem Anzug wesentlich von ihren fröhlichen Schwestern in Schwarz.
Praktische Winke.
Fort mit den Bildernägeln! Der„ praktische" Engländer ist eine Mythe, das wird jeder bestätigen, der unter dieser tonservativen Nation lebt. Im allgemeinen ist John Bull durch aus nicht praktisch. Das schließt jedoch nicht aus, daß manches doch bei ihm besser eingerichtet ist als in Deutschland, und dazu gehört die Art, wie Bilder in Zimmern aufgehängt werden. Die englische Hausfrau würde einen Horror davor haben, Nägel in die Wände ihrer Zimmer einschlagen zu lassen, und auch der Hauswirt würde ein Wörtchen dreinreden, wenn man ihm nach Ablauf des Mietskontrakts die Wohnung mit durchlöcherten Wänden übergeben wollte. Um das zu vermeiden, ist an den Wänden oben zum Abschluß der Tapete eine einfache hübsche Holzleiste( manchmal auch eine Messingleiste) angebracht. In diese werden Messinghaken eingehängt, die außen ebenfalls umgebogen sind, und die äußeren Umbiegungen nehmen die Schnüre auf. Die Haken lassen sich auf den Leisten verschieben, sodaß die Bilder an jeder beliebigen Stelle der Wand aufgehängt werden können. Die Höhe wird durch die Länge der Schnur bestimmt. Diese ist allerdings sichtbar, was beim Aufhängen an Nägeln vermieden werden kann, aber dieser Nachteil wenn es als ein solcher betrachtet wird wird wohl von den Vorteilen mehr als aufgewogen.
Leder von Schimmelpilzen zu befreien. Geschmiertes Leder und Schuhwerk ist häufig, wenn es längere Zeit nicht benutzt und an einem dumpfigen Orte aufbewahrt wurde, mit Schimmel behaftet. Man zerstört diese Schimmelpilze, wenn man verdünnte Carbolsänre auf das Leder oder Schuhzeug aufträgt.
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Küche und Keller.
Mandelmilch, die nicht nur für Gesunde, sondern auch für Fieberkranke ein sehr erfrischendes Getränk bildet, bereitet man wie folgt: 125 Gramm süße und 8 Gramm bittere Mandeln werden geschält und unter Hinzufügung von etwas kaltem Wasser sehr fein gestoßen oder gerieben, dann setzt man nach und nach ein Liter Wasser zu, preßt das Ganze durch ein ausgewaschenes leinenes Tuch und versüßt die Mandelmilch nach Belieben mit einigen Löffeln gestoßenem Zucker. Setzt man beim Stoßen oder Zerreiben der Mandeln allmählich einen Löffel Orangenblütenwasser zu, so giebt dies dem Getränk einen besonders angenehmen Geschmack; soll die Mandelmilch indessen als Erfrischung für Kranke dienen, so läßt man eine solche Zutat weg und bereitet sie auch nur aus füßen Mandeln.
Nr. 12
Freitag, den 15. Januar
1904.
Oberbessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Send mit Verlag der Gießener Berlagsbenderet, vorm. With. Reller'sche Bucheruderet( gegr. 1789);: Nibin lela
(( 9. Fortsetzung.)
Der
Beuge.
Roman von Marte Bernhard.
So waren sie nach einem besonders hoch und geschützt gelegenen Gebirgsdorf in Südbayern, das sich, nach langer Auswahl, am meisten zum längeren Aufenthalt eignete und alle von den Aerzten gestellten Bedingungen in sich vereinte, abgereiſt, und hier richteten sie sich in einem kleinen, ziemlich isoliert gelegenen Hotel, das sie vorläufig allein bewohnten, so behaglich und komfortabel wie möglich ein.
Fritz schrieb ein paar rekommandierte Briefe hierhin und dorthin, unter anderem auch an das Handelshaus in NewYork, dem er das vor einigen Jahren entliehene Kapital schuldete; im übrigen lebte er nur für Helene und ſeinen Sohn, den er selbst weiter unterrichtete, da die Mutter sich zu angegriffen fühlte. Er las Helene stundenlang vor, er unternahm weite Spaziergänge und Ausfahrten mit ihr und dem Knaben, er war unermüdlich im Aussinnen von Liebesbeweisen und Ueberraschungen aller Art, wie der zärtlichste Bräutigam," sagte Helene oft, und ein glückliches, gerührtes Lächeln ging in ihren Augen auf.
Hellmuth war glückselig; er war entzückt, von dem Vater, der für ihn das Ideal eines Mannes war, Unterricht zu bekommen, er lernte rasch und eifrig, wetteiferte mit seinem Papa in Bedienung und Pflege der leidenden Mutter, trieb ſich ſtundenlang mit den Dorfkindern im Freien herum und entwickelte sich so stark, schön und gewandt, daß die Eltern mit Recht oft ſtolze, frohe Blicke mit einander tauschten, wenn ihr Liebling sich vor ihnen tummelte oder ſtill bei ihnen im Zimmer saß und seine klugen Fragen und Bemerkungen in ihre Gespräche mischte.
Es war ein köstlicher Sommer gewesen damals, der letzte Sommer, den Frizz Norden in Deutschland erleben sollte. Von dem ersten Morgensonnenstrahl, der die Gipfel der umliegenden Berge küßte, deren höchste und fernste mit ewigem Schnee bedeckt waren, bis zum Abendschatten, der weich und dunkelblau, alles wie mit einer leisen Liebkosung umhüllend, auf Tal und Flur niederschwebte... es war wie ein einziger Accord von ununterbrochener Schönheit. Zuweilen bei Nacht zog ein starker Regenguß, ein heftiges Gewitter vorüber, dann dröhnte in den Bergen der Widerhall, und der in der Nähe des Hotels vorüberfließende Gebirgs bach stürzte rauschend zu Tal, aber am andern Morgen lachten Wald und Flur neu erquickt, und Sonne und Sommerwind fannten keine andere Aufgabe mehr, als die zahllosen Wassertropfen hinwegzukosen, die über Nacht als glizerndes Prachtgeschmeide an Busch und Baum aufgereiht
waren.
Aber Sonnenschein und Blumenduft und jubelnder Vogelsang, sie alle hielten den stillen, ernſten Gast nicht zurück, der lange schon auf unhörbaren Tritten hinter der schönen blonden Frau mit den goldig leuchtenden Augen einher gewandelt und nun hinter ihr stehen geblieben war, das langsam verrinnende Stundenglas in der Hand.
Sie selbst ahnte nichts davon. Wohl wunderte es sie, daß sie schwächer und schwächer wurde, daß ihr das Gehen so schwer fiel und daß sie fast gar keine Nahrung mehr brauchte, aber sie fühlte ja keine Schmerzen, sie war wohl, ganz wohl,
( Nachdruck verboten.)
oft war ihr so leicht zu Sinn, als schwebe sie im Aether. Ein schönes, friedvolles, sanftes Hinscheiden war's, schöner konnten sie, die es liebten, es nicht für sie wünschen auf Erden!
Und Fritz Norden verstand es, sich zu beherrschen mit eiserner Kraft. Ob ihm sein Herz oft fast in Stücke brach vor Jammer, er sprach, gleich ihr, nur von Besserwerden und Zunehmen der Kräfte, ja, er scherzte mit ihr, daß sie so feder leicht jetzt sei wie ein Kind und daß er sie so mühelos auf ſeinen Armen tragen könnte. Aber zuweilen, wenn sie in furzem Schlummer lag, dann stürzte er hinaus und vertobte seinen wilden Schmerz in der schönen, lachenden Natur, und gewaltsam mußte er sich mahnen an sein geliebtes Kind, denn ohne dieses, was konnte er im Leben noch wollen, wenn Helene von ihm ging?
Auch Hellmut ahnte, wußte zuletzt, wie es um seine Mutter ſtand. Oft schon hatten seine schönen Kinderaugen mit tiefem Bangen auf der ätherischen Gestalt, den durch sichtigen Händen, dem hinschwindenden Antlig Helenens geruht, und eines Abends, als sie vor Mattigkeit in Schlum mer gesunken war, wie ihr das jetzt so leicht geschah, schlich sich der Knabe seinem Vater nach, und als er ihn unweit des Hotelgartens in einer kleinen Felsgrotte fand, da rührte er mit seiner warmen Hand leicht an die wie leblos herabhängende Rechte des in sich versunkenen Mannes und flüſterte
beklommen:
Nicht wahr, Vater, das Mütterchen ist sehr krank muß sie sterben?"
Und Frizz Norden riß seinen Knaben, das Ebenbild der geliebten Frau, ungeſtüm an sein Herz und schluchzte ein paarmal auf, hart und tränenlos, und dann sagte er mit heiſerer, gebrochener Stimme:
" Ja, Hellmut, sie wird von uns gehen, wir müssen sie hingeben, und fortan habe ich nur dich, nur dich, du mein ein und alles! Vergiß das nicht, mein Kind, und sei stark und klug, laß deine arme Mutter nicht merken, daß sie uns bald genommen werden soll, sie ahnt es nicht!"
Und um sie her blühte und glühte und duftete es so wonnig schön; Hochsommer war's geworden, und die Augustsonne malte alles mit ſatten, warm leuchtenden Farben, nichts in der Natur sprach von Scheiden
Helene verließ nun nie mehr das Ruhebett, auf dem sie angekleidet lag, das man ihr ganz nahe an das breite Fenster gerückt hatte. Eine pittoreske Gebirgslandschaft rollte sich vor ihren Blicken auf. Früher, als sie hier nur angekommen waren, hatte sie einmal einen Ritt auf einen der nächsten Ausläufer der Berge gemacht und von dort zu den schroffen Höhen hinaufgestaunt und wieder hinab in die Talsen. fungen, wo friedliche Dörfchen ins saftige Grün hingeschmiegt lagen, hier und da eine verstreute, zierliche Villa, die ntan an Sommergäſte vermietete. Es war so herrlich gewesen, da oben zu stehen und all das weite Land zu überschauen; aber auch so war es schön, wer hatte es denn so gut wie sie? Thr Gatte wich kaum für eine halbe Stunde von ihrer Seite, ließ ihre Hand fast nie mehr aus der seinen; wenn sie aus
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