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ftöre. elmann,

einstraße 92

ere Lotterie hin

n Blatte öfters

rke.

Gießen.

Sackkalk

nhaber: Haas junior.

rossen

Nr. 282

" Ich könnte gleich kanzen vor Vergnügen," lachte Ba­

Ierie. Und er bot ihr den Arm zum Tanze, denn nebenan wurde noch immer Walzer gespielt. Beinahe hätte Valerie fich wirklich erhoben, um zu tanzen. Aber sie besann sich es wäre doch zu kindisch: Wir wollen lieber mit einander plaudern."

In unendlichem Behagen setten sie sich zusammen ziemlich dicht. Sie belachten jetzt gemeinsam ihre damalige Verlobung. Mit wachsender Heiterkeit, mit selbstironischer Lustigkeit verfolgten sie nach rückwärts alle Stadien ihrer Liebe. Sie waren beide ungeheuer gefühlvoll geweſen; bis­weilen aber hatten sie sich auch ganz vortrefflich amüsiert. Eine hübsche Erinnerung bildete der erste Walzer in der Tanzstunde. Sie waren das einzige Paar, das ihn tadellos tanzte. Sie waren damals stolz und glücklich, wie sie so bei den Klängen eines verstimmten Klaviers dahinflogen. Hier­auf bezogen sich seine ersten Verse an sie wohlgemeinte, aber sehr holperige Verse. Dann war das Tagebuch da, das fie führte, in dem Artur keinen Namen hatte, sondern nur als Gr" figurierte. Dies Er" wurde jetzt aufgefangen und wie ein Spielball im Gespräch hin und her geworfen. Artur sagte: Er hat aber doch echte und heiße Tränen geweint, als Er" sich von Ihr" trennte."

Ach, und Sie" hatte noch lange, lange geweint_um " Ihn". Ich glaube, sie hatten sich wirklich von Herzen lieb, die beiden großen Kinder."

Etwas unwirsch stieß er hervor:

,, Warum denn lachen wir die beiden aus, als wären wir alte Leute oder hartgesottene Spötter? Wollen wir nicht lieber mit Sympathie, mit aufrichiger Empfindung an das Pärchen denken?" Er" meinte es wenigstens ehrlich und ist Shr" bis heute treu geblieben."

" Und wie konnte es dann kommen, daß dieser brave Mann Sie" wollte sißen lassen"? Denn daß Sie"" Ihm" indessen ein Körbchen geflochten, konnte Er" nicht wissen."

,,,, Er" ist auch ein elender Kerl," stimmte ihr Artur zu ,,, und das hat" Er" sich heute Vormittag ins Gesicht ge­fagt. Aber wenn man so arbeitet durch drei Jahre, wie ich in Amerika, dann stumpfen sich die Gefühle ab. Man wird hart. Uebrigens wozu die müßigen Reflexionen? Sie", hatte sich ja auch eines besseren besonnen. Darf man fragen, warum?"

,,, Sie" will überhaupt nicht heiraten. Sie" ist ein bischen das neue Weib", das nicht versorgt sein will, son­dern verstanden in seiner Eigenart, Sie" meint

,,,, Sie" meint, das bei einem einfachen Kaufmann nicht finden zu können," unterbrach er sie. Dieses neue Weib" bedachte nicht, daß auch ein Kaufmann höhere Lebensinter­essen hegen kann, und weil sein Beruf ein materieller ist, eine gescheidte, hochgebildete, geistesstarke Frau haben möchte

Was eine höhere Tochter", ein sentimentaler Backfisch nie werden kann!" schnitt sie ihm das Wort ab. So vor­schnell hatte Er" geurteilt."

" So vorschnell hatte Sie"" hn" aufgegeben," sagte Artur. Aber Sie" hatte recht. Er ist ein rüder, un­angenehmer Mensch." " Und Sie" ist hochmütig und eigensinnig," versicherte

Valerie.

Das Gespräch verstummte plötzlich. Er schien sich zum Gehen zu rüsten. Beide glühten. Dann sprach sie leise aber fest:

Wir haben, ich muß es gestehen, uns übereilt mit der Entlobung. Wir hätten uns zuvor erst kennen lernen sollen, ehe wir uns entlobten. Und wir konnten lachen über unsere Liebe!"

Gesenkten Hauptes murmelte er:

AUS FERNEN ZONEN

Chinesische Gastmähler.

Will in China ein Reicher seinen Freunden und Gönnern ein Mittagessen geben, so läßt er schon mehrere Tage vorher sein Haus auf das zierlichste herauspuhen. Beim Empfang führt er seine Gäste durch eine ganze Reihe von Prunkgemächern und womöglich auch durch die Vorhöfe und Gärten, welche mit Blumenbeeten, Wasserbrunnen und grünen Plätzen geziert sind; er ergötzt sich an den Ausbrüchen ihrer Verwunderung. Zuletzt unter allem betritt der Gast den Speisesaal, wo man sich unter vielfachen Zeremonien und Komplimenten zu Tische setzt. Man genießt zuerst eine Suppe von indischen Schwalbennestern, welche in kleinen Porzellantassen herumgereicht wird; nach der Subpe werden die Schüsseln fünfzehn­bis zwanzigmal gewechselt, und oft stehen ihrer sechzig auf einmal auf der Tafel. Bei vielen Gerichten ist es ganz unmöglich, Be­standteile zu erkennen, denn die Kochkunst der Chinesen ist sehr kompliziert. Zu den erkennbaren gehören unter anderen: gedämpfte Taubeneier, wildes Kazenfleisch, Frikassee von Froschkeulen, ge= trocknete und stark gewürzte Würmer, welche ungefähr die Stelle unseres Kaviars vertreten und zum Appetit reizen sollen, ge= bratene Grillen, Haifischfloßfedern und andere chinesische Lecker­bissen, welche einem europäischen Gaumen zum Teil widerstreben. Anstatt der Messer und Gabeln bedient man sich kleiner Elfenbein­stäbchen, die mit Silber beschlagen sind, und welche die Chinesen mit gewandter Zierlichkeit zu handhaben wissen. Das einzige Ge­tränk zu diesen vielfachen Speisen ist der sogenannte Sai- Hung, das ist Zuckerwasser mit Wein vermischt, welches ebenfalls in kleinen Tassen gereicht wird. In diesem unschuldigen Getränke trinken die Gäste gegenseitig ihre Gesundheit, indem sie das Täßchen mit beiden Händen fassen, es unter Verneigungen und heftigem Kopf­schütteln ausleeren und zuletzt umkehren, zum Zeichen, daß es leer iſt. Während des Speisens werden Pantomimen aufgeführt und sogenannte Symphonieen gespielt, wobei die Zimbeln, Trommeln und Trompeten ein entsetzliches Getöse verursachen.

Bunte Blätter.

Die sieben Wunder Koreas. Das Altertum hatte seine sieben Wunder; auch das in letzter Zeit so vielgenannte Korea rühmt sich derselben. Es sind folgende: 1. Eine warme Quelle von wunder­barer Heilkraft. 2. Zwei weit voneinander gelegene Quellen; so­bald die eine lustig sprudelt, ist die andere versiegt. Beide sind von durchaus süßem Geschmack. 3. Eine Höhle, durch die ein eisig= talter Luftstrom weht, der so stark ist, daß kein Mann ihm wider­stehen kann. 4. Ein unverwüstbarer Wald; die Bäume, die in dem­selben gefällt werden, schlagen sofort von der Wurzel wieder aus; die jungen Sprossen wachsen so wunderbar schnell, daß die Lücken bald wieder ausgefüllt sind. 5. Ein schwimmender Stein, um den man einen Tempel errichtet hat. 6. Ein Felsen, der fort­während angenehme Wärme ausstrahlt. 7. Ein Schweißtropfen Buddhas; dreißig Schritte weit um den Tempel, in dem er auf­bewahrt wird, wächst kein Gras, keine Blume, kein Baum, und nie wagt sich ein Tier in die heilige Nähe des Wunders.

Das Bambusrohr. In China gilt das Bambusrohr als eines der wertvollsten Naturerzeugnisse, und mit Recht, denn es wird dort nicht nur zum Bau von Häusern, sowie zur Verfertigung vieler Hausgeräte, sondern in seinen jungen Trieben sogar auch als schmackhafte Nahrung benut. In Anbetracht dieser vielseitigen Brauchbarkeit wird seine Pflege und der oft daraus hervorgehende Besitzstand leicht begreiflich erscheinen. Kaum oder nur sehr wenig bekannt dürfte nun ein Mittel sein, welches man nach der Mittei­lung eines Chinesen zuweilen anwendet, um Bambus ohne Am­pflanzung zu erzeugen. Wohnt nämlich ein Armer neben einem Reichen, dessen Grundstück in der Regel von einer Mauer umgeben ist, so sucht er den gewöhnlich in der Nähe der Mauer stehenden Bambus durch folgendes Verfahren zu sich herüber zu ziehen. Er focht die Eingeweide eines Kalbes oder Schafes und tränkt mit dem so erhaltenen Absud das Erdreich auf seiner Seite neben der Mauer mehrere Male. Diese Flüssigkeit soll, selbst bei einiger Entfernung, auf den Bambus so anziehend wirken, daß derselbe seine Wurzeln unter der Mauer hinweg in den Garten des Nachbars treibt, wo schon nach kurzer Zeit Keime hervorschießen. Durch sorgfältige Und wirklich, sie walzten freudestrahlend durch das Pflege der letzteren verschafft sich der Unbemittelte mit der Zeit Zimmer.

Ich hätte überhaupt kein Wort davon herausbekommen, wenn du nicht mit der Entlobung angefangen hättest. Wenn ich auch ein Dickschädel bin nun ich dich sah, kam mir die Reue, und wenn ich mich nicht so sehr geschämt hätte..." In stürmischem Rythmus begann nebenan ein neuer Walzer. Der Bruder, der hereingerufen werden sollte, war ungeduldig geworden.

Artur legte den Arm um Valerie und zog sie an sich. ,, Wie in der Tanzstunde," jubelte sie.

,, Wir fangen ganz von vorne an," meinte er.

so manchmal eine Bambuspflanzung, die seinen späteren Wohl= stand begründen kann.

Nr. 106

Freitag, den 13 Mat.

Oberhessische Familienzeitu

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

1904.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); verantwortlich: Albin Klein.

( 15. Fortseßung.)

Iwan der Schreckliche.

Original- Roman von Hans Hoffmann.

Was aber vor einigen Minuten sein Heil gewesen wäre, ward jetzt das Signal zum offenen, allgemeinen Aufstand. Die Würde der Tertia war beleidigt von einem, der sich nicht durch absolute Furchtbarkeit ein Recht dazu erworben hatte. Seine Furchtbarkeit hatte soeben schon einen Riß bekommen.

Die schwirrende Musik der Federspitzen ward übertönt von einem wirren Schurren und Klappern, vermischt mit einem dumpfen Brummen, das sich nur erst unsicher aus feſt­geschlossenen Lippen hervorwagte.

Als aber weder der Himmel noch die Zimmerdecke ein stürzte, kein Blitz aus blauem Himmel niederfuhr, Iwan der Schreckliche selbst aber weder einen Revolver noch eine Dyna­mitpatrone aus der Tasche zog, sondern nur in hilfloſem Grimm bleich mit starren Blicken vor der aufgeregten Masse stand, da kam ein Taumel der Wut über sie alle, daß sie sich so lange hatten knechten lassen von dem da dem da, der sie bloß betrogen hatte mit seinem finstern Gesicht, dem da, vor dem sie sich so wenig zu fürchten brauchten, wie sein Hund sich fürchtete, dem da, der sich in die Schwester eines ganz ge­wöhnlichen Tertianers verlieben konnte und also jedenfalls auch gefühlvolle Gedichte machte und überhaupt eine sanfte, gute Seele war, denn wie hätte er sich sonst verlieben können?

Ein immer wüsteres Poltern, Trampeln, Pochen, Scharren und Trommeln erhob sich, dazwischen sogar einmal ein gellender Pfiff und ein Heulen und Winseln- das war der große Racheschrei der gefnechteten Untertertia wider ihren Tyrannen.

Jezt aber ging plötzlich mit dem besiegten Tyrannen eine auffallende Veränderung vor. Sein Gesicht verlor den starren Ausdruck, sein Auge glitt ganz ruhig und gelassen über die aufgeregte Schar hin, und etwas wie ein mitleidiges Lächeln spielte um seine strengen Lippen.

Das verblüffte sie für einen Augenblick, und der Lärm ließ ein wenig nach. Da sagte er mit einer stillen, sehr gleichmütigen, aber doch allen vernehmbaren Stimme zu ihnen:

,, Wenn ihr wüßtet, was ihr mir heute angetan habt, die besseren unter euch hätten sich vielleicht doch anders besonnen. Aber es ist nun einmal geschehen; und ich denke, wir haben uns nun wohl heute zum letztenmal gesehen. Ich gehe jetzt, dem Herrn Direktor Meldung zu tun.

Ein jähes Verstummen antwortete dieser ruhigen Anrede; ein geheimnisvoller Gewissensschreck zuckte durch alle Gemüter, ein dunkles Schaudern vor einer halb unbekannten, schwer­lastenden Schuld.

Der Lehrer hatte schon den Griff der Tür in der Hand; er kehrte sich noch einmal um, an das plötzliche Schweigen eine dunkle Hoffnung knüpfend; er sah verlegene, einige fast ver­störte Gesichter; der junge Gruber lag mit dem Kopf auf dem Tisch und schluchzte krampfhaft.

Da stieß einer, vielleicht nur um sich von dem quälenden Bangen zu lösen, ein kurzes Lachen aus, ein anderer ant­wortete etwas lauter und roher, und nun folgte als allge­meines Echo ein wüstes, brüllendes, zügelloses Gelächter. Es klang wan dem Schrecklichen nach draußen so widerlich gemein, wie wenn eine stumpfsinnige Horde über die letzten

( Nachdruck verboten.)) Buckungen eines Gehängten johlt. Denn ihm war nicht viel besser als einem solchen Galgenvogel zu Mute.

Doktor Belling hatte jetzt mit seinem Direktor eine längere Unterredung, infolge deren dieser sich sehr erstaunt und sehr aufgeregt in das Lehrerzimmer begab, um hier ebenfalls eine allgemeine Aufregung und großes Erstaunen zu erregen.

Hm, hm." sagte der Professor Heding, ich habe es längst gewußt, daß es so kommen würde. Allzu scharf macht schartig. Hochmut kommt vor dem Fall. Ein zu straff ge­spannter Bogen muß eben reißen. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Hm, hm, ja, die Disziplin, die Disziplin!"

Mit sorgenvoll gefurchter Miene verließ er die Kollegen. Eine Viertelstunde darauf saß Frau Professor Heding auf dem guten Sofa der Frau Doktor Quade; jezt eben wurde sie erst mit dem Zuknöpfen der Handschuhe fertig.

,, Wie es gekommen ist?" rief sie eifrig. Ganz einfach. Der Hund ist die erste Veranlassung. Sie kennen doch den fürchterlich häßlichen Hund, der dem Herrn so ähnlich sieht?" Frau Quade nickte mit einer Geberde des Abscheus. ,, Nun also, das Tier soll es gar zu toll getrieben haben. Ueberall hat es den greulichsten Unfug gestiftet, so zum Bei­spiel soll es geſtern Fräulein Gruber auf einer Eispartie alle Kleider vom Leibe gerissen haben und aus Bosheit allen Schlittschuhläufern zwischen die Füße gestürzt sein, bis sie elend zu Falle kamen. Und sein Herr hat das ruhig mit an­gesehen und höchstens gelacht, statt das Viehzeug zu strafen. Und nun denken Sie doch bloß, liebe Frau Doktor, was so ein zügelloses Geschöpf alles für Unheil stiften kann und sicher auch schon gestiftet hat! Seßen Sie zum Beispiel den Fall, der Hund fällt ein wehrloses Kind auf der Straße an- wer fann wissen, ob es in diesem Augenblick nicht schon ge­schehen ist?"

" Ich schwöre darauf, daß es geschehen ist!"

Sehen Sie wohl? Ein wehrloses Kind gebissen, zer­fleischt, in seinem Blut schwimmend und obendrein so ein unglaublich häßliches Vieh! und sein Herr steht gemächlich daneben und rührt nicht die Hand, das Ungeheuer zurück­zuhalten und das Kind zu retten."

"

Furchtbar! Das muß ich aber sofort der Frau Polizei­leutnant erzählen, sofort, sage ich, die wird mit ihrem Manne reden o Gott, ich selbst habe Kinder!"

Das konnten unsere Gymnasiasten nicht länger mit an­sehen! Sie haben sich empört gegen diesen Lehrer und ihm offen gezeigt, wie sehr sie sein Betragen mißbilligen. Sie haben ihn herausgetrommelt mit blutendem Herzen haben fie es getan, ich bin davon überzeugt, denn sie wissen, daß es an sich ein Unrecht ist und ein strafbares Vorgehen gegen die Disziplin, aber die wackeren Knaben wollten lieber die grau­samsten Strafen erdulden, als solche Dinge länger mit an­sehen. Es ist schrecklich, die unschuldigen Knaben selbst zur Meuterei zu zwingen! Es tut mir zu leid, liebe Frau Doktor, daß ich nun aber gar keine Zeit mehr übrig habe, ich bin nur so heraufgesprungen auf einen Augenblick aus be­ſonderer Freundschaft; ich bin eigentlich auf dem Wege zu Frau Ingenohl und Frau Wippermann und Fräulein Leine­

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