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dauerte nicht lange, so fanden sie Mr. Smyth in der Papierfiste. Auch ihm wurde die Frage vorgelegt, ob er der Verfasser des Artikels sei und als er lebhaft bedauerte, sich nicht genau erinnern zu können, versette ihm einer der liebenswürdigen Besucher ein paar furchtbare Jagdhiebe mit einer schweren Maultierpeitsche. Jetzt fiel es Mr. Smyth ein, daß er die Geschichte geschrieben hatte.
Die Sache ging sehr schnell. Mr. Smyth wurde einfach vor die Wahl gestellt, sofort gehenkt zu werden, oder unverzüglich Brenham für immer zu verlassen.
Er entschied sich für das letztere. Er hätte eine Luftveränderung nötig, sagte er. Gegen mich hatte man zwar nichts, aber der„ Brenham Herold" war mir gründlich verleidet ich fuhr nach St. Louis und wurde Reporter am ,, Globe Democrat".
Sang- und klanglos war der Brenham Herold" eingeschlafen, und das bedauernswerte Brenham ist meines Wissens noch jetzt ohne deutsche Zeitung!
Glück und Unglück. Jeden streift einmal das Glück; Nur bei wenigen weilt es lange, Doch von seinem lichten Gange Bleibt die lichte Spur zurück! Was uns das Glück bescheert, Unglück uns nimmt im Leben: Es hat keinen andren Wert, As den wir selbst ihm geben.
EINST UND JETZT
Ein Abenteuer Destroys. In der einattigen Posse:„ Die Rekrutierung in Krähwinkel", welche im Wiener Karltheater gegeben wurde, hatte der Komiker Nestroy den Feldwebel zu spielen. Nun war in einer Szene der Spaß angebracht, daß der zornige Rekrutentyrann einen der Ausgehobenen an den Schultern zu rütteln hatte, durch welche Prozedur diesem die Perrücke vom Kopfe fallen und eine darunter aufgesetzte eiglatte Platte entblößt werden sollte. Um den betreffenden Statisten unter seinen Kameraden kenntlich zu machen, hatte man ihm eine rote Perrücke gegeben und Nestroy hatte sich an diesen Modus bereits gewöhnt. Eines abends jedoch vergaß der Friseur die rote Haartour und so mußte der Figurant eine graue über die künstliche Glaze decken. Obgleich man Nestroy vor Beginn des Stückes auf diese kleine Abänderung aufmerksam machte, hielt sich dieser im Eifer seines Spiels an das gewohnte Kennzeichen. Erst im entscheidenden Moment sah er sich im Kreise seiner Umgebung nach dem Rotkopf um. Als er diesen nicht fand, blieb er stecken. Vollständig verwirrt, eilte er dem Nächstbesten zu und schüttelte ihn mit großer Gewalt an Schultern und Brust, aber vergebens, die Perrücke wollte nicht fallen. Das Publikum lachte. Da überkam Nestroy blinde Wut und Verzweiflung. Erbost faßte er den dichten Hauptschmuck des Statisten und schüttelte ihn, daß der Gemarterte laut aufschrie, denn er trug seine eigenen Haare. Nestroy riß, schäumend vor Zorn, nur desto heftiger weiter, bis man ihn endlich gewaltsam von dem unglücklichen Opfer trennte. Der Statiſt erhielt später von dem sonst überaus gutmütigen Komiker ein reichliches Schmerzensgeld, aber Nestroy blieb dabei:„ Es war trotzdem eine Gemeinheit von dem Kerl!"
Bunte Blätter.
Die Pantoffelstener." Chapin de la Reina", zu deutsch„ Pantoffel der Königin" benannte sich eine Steuer, die früher in Spanien bei der Verheiratung des Königs erhoben wurde. Dieselbe betrug nicht weniger als 150 Millionen Maravedis. Der Maravedi ist eine kleine spanische, noch jetzt im Umlauf befindliche Kupfermünze, von denen 17 Stück etwa den Wert von 10 Pfennigen haben. Trotzdem dürften 150 Millionen derselben, nur zur Beschaffung
bon Pantoffeln bestimmt, eine für diesen Zweck hoch gegriffene Bahl
darstellen.
Zum Krautnarren. Im Jahre 1790 lebte in der Vorstadt Weißgerber in Wien ein Wirt mit Namen Josef Bruckner, der ein fleines Gasthaus in der Kirchengasse besaß und sich des zahlreichen Besuches erfreute, weil man bei ihm das beste Sauerkraut erhielt. Man nannte nie den Namen des Wirtes, wenn man dieses Gasthaus bezeichnen wollte, sondern es hieß stets:„ Gehen wir zum Krautnarren!" Der Ursprung dieses Spißnamens war ein mert= würdiger und das ging so zu: Eine der Lieblingsspeisen des Kaisers Franz war das Sauerkraut. Der Kammerdiener des Monarchen, Jakob Hartmann, der seinem hohen Gönner über alle Wiener Neuigkeiten berichtete, hate ihm auch von der exquisiten Bubereitung des Krautes in dem genannten Gasthause gesprochen und dadurch dessen Lust erregt, davon zu kosten. Der Kaiser ging daher eines Tages auf einer der Wanderungen, die er sehr oft durch die Vorstädte machte, in dieses Wirtshaus und ließ sich Schweinebraten bringen, wobei er verlangte, daß man ihm von dem berühmten Sauerkraut dazu geben sollte. Der Wirt aber hatte den Kaiser erkannt, näherte sich ihm mit abgezogenem Käppchen und äußerte: " Euer Majestät ſan also a an Liebhaber von Kraut?"„ Ei freilich eß ich Kraut sehr gern", antwortete der Monarch.-„ So sehn's, Euer Majestät", schrie erfreut der Wirt,„ i bin halt a an solcher Krautnarr!"
Timons Feigenbaum. Der Menschenfeind Timon, ein Zeitgenosse des Sokrates, trat mit beißendem Spotte der damals in Athen einreißenden Sittenlosigkeit entgegen und vermied schließlich allen Umgang mit den Menschen. Ein großer Feigenbaum, der auf seinem Gute wuchs, war die Veranlassung, daß der Menschenfeind den Atheniensern wieder ein Lebenszeichen von sich gab. An den Aesten dieses Baumes hängten sich nämlich sehr oft Selbstmörder auf. Da beschloß Timon, den Baum umzuhauen. Um aber die Bürger von Athen seinen Spott fühlen zu lassen, ließ er ihnen sagen, daß diejenigen unter ihnen, die sich etwa noch hängen wollten, die kurze Spanne Zeit, die er ihnen zu diesem Zwecke noch bewilligte, zu benutzen.
*
Der Planetenglaube. Der Glaube, aus dem Stand der Planeten bei der Geburt eines Menschen das Schicksal desselben erfahren zu können, war vom Altertum bis auf die Neuzeit lebendig. Seit dem sechzehnten Jahrhundert war in dieser Hinsicht folgende Metode, den Planetenstand zu erfahren, sehr beliebt. Man nahm die einzelnen Buchstaben seines Namens oder vielmehr ihren Zahlenwert, wobei den Buchstaben A bis K die Zahlen 1 bis 10, L, M, N u. s. w. die Zahlen 20, 30, 40 u. f. m. entsprachen. Ebenso verfuhr man mit dem Namen des Vaters und der Mutter der betreffenden Person. Nachdem wurde addiert, dann die Summe durch irgend eine vorgeschriebene Zahl dividiert, und zuletzt der übrig gebliebene Rest in einer der dem Kalender beigegebenen Tafel gesucht, auf welchen die Einwirkungen auf die Witterung, Gesundheit, die Schicksale des Menschen angegeben Aus diesen Tafeln erfuhr man nun, daß die Zahl 5 dem Saturn, 6 dem Jupiter, 7 dem Mars, 8 der Sonue, 2 und 9 der Venus, 3 dem Merkur und 4 dem Mond gehöre. Ging die Division ohne Rest auf, so trat die der Venus gehörige Zahl 9 ein.
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Wortkämpfe. Napoleon I., der über jedermann unzart zu sprechen pflegte, schonte damit auch Talleyrand nicht, von dem er sagte, daß er ein Mann sei, der auf dem Gesicht das gewohnte Lächeln bewahren werde, wenn er auch von rückwärts einen Fußtritt erhielte. Talleyrand, dem das zu Ohren kam, erklärte darauf gelassen:„ Es ist doch traurig, daß ein so großer Mann so schlechte Manieren hat."- Macauley sagte bei einem Vergleiche Cäsars mit Napoleon etwa dasselbe:„ Alles in allem war Cäsar doch ein Gentleman!" Napoleon spöttelte einst über eine Dame, die er fast mit Gewalt an den Hof der Kaiserin Josephine gezogen hatte, nur deshalb, weil man an ihr noch die Spuren überstandener Pocken bemerkte, erhielt darauf aber die Antwort:„ Ein Franzose würde mir das niemals gesagt haben!" Als Frau von Talleyrand am Hofe vorgestellt wurde, hatte der Kaiser ihr nichts Verbindlicheres zu sagen, als:„ Ich hoffe, daß das Verhalten der Madame Talleyrand das Leben der früheren Madame Grand ver gessen machen wird!"- eine Beleidigung, der als sofortige Entgegnung die Antwort folgte:„ Dann könnt' ich ja keinem bessern Beispiele als dem des Bürgers Napoleon folgen."
Nr. 55.
Mittwoch, den 9 März.
Oberhessische Familienzeitung.
Tägliche Unterhaltungs- Beilage
der
Gießener Neueste Nachrichten.
Smd and Borleg ber Gleboner Berlagsbenderet, verm. Bilh. Reller'sche Sucheruderet( gegz. 1793); vezants: Ils lein
( 18. Fortseßung.)
Der Goldmarder.
Original Roman von M. Behold.
„ Eine Wohnung?" sagte da mit einem prüfenden Blick auf den Bruder. Wir haben im Hintergebäude drei helle, luftige Zimmer, die nicht benutzt werden; könnten wir sie nicht zu diesem Zweck hergeben, Martin?"
Wir könnten das wohl, aber bedenke die Folgen! Würde der Fürst uns nicht einen Vorwurf daraus machen? An der Schuld des Kustos zweifelt außer unserm Freund wohl niemand; man würde es seltsam und mindestens sehr töricht finden, wenn wir die Familie des Diebes in unser Haus aufnahmen. Ueberdies hängt auch mein Geschäft von der Gunst des Hofes ab-
Alle diese Rücksichten lasse ich nicht gelten," unterbrach ihn Ida rasch. Niemand kann und wird dir zürnen, wenn du eine gute Tat vollbringſt. Und deinem Geschäft wird sie auch keinen Abbruch tun; wer ein Geschmeide kaufen will, der kommt nicht zu dir, um dich zu unterstüßen, sondern weil er weiß, daß er hier reell bedient wird. Die Räume stehen leer, das Hinterhaus hat seinen besonderen Ausgang, wir werden also keine Laſt von den Bewohnern haben.
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" Sage das nicht," warnte ihr Bruder,„ nimmt man arme Leute in's Haus, so muß man sie auch in anderer Weiſe unterstützen."
" Das zu verlangen, oder auch nur darum zu bitten, sind diese Leute zu stolz," ſagte Adolf,„ ich gebe dir mein Wort, sie werden euch in keiner Weise zur Last fallen. Ich will dich nicht bestimmen, ihnen die Wohnung einzuräumen, aber wenn du es tuſt, ſo wüßte ich nicht, welche bösen Folgen es für dich haben könnte."
Um dich über diesen Punkt zu beruhigen, will ich selbst vorher die Familie besuchen," fügte Ida hinzu,„ ich glaube, der Herr Doktor würde sich ihrer nicht so warm annehmen, wenn sie es nicht verdiente."
Die Glocke an der Ladentür rief Martin hinaus.
" Ich danke Ihnen," sagte Adolf, dem gutherzigen Mädchen die Hand reichend, berlassen Sie sich auf meine Worte, Sie werden sich nicht getäuscht sehen, wenn Sie die unglückliche Familie kennen lernen, die in jeder Beziehung unser Mitleid verdient."
Martin kehrte mit Irma zurück, er ſtellte sie Adolf als seine Braut vor, da er wußte, daß er auf die Verschwiegenheit des Freundes vertrauen durfte, die ihm bereitwillig zugesagt wurde.
" Ich glaube, diese Verschwiegenheit wird nicht lange mehr nötig sein," sagte Irma erregt, nachdem sie die Glück wünsche ihres Vetters in Empfang genommen hatte ,,, alle Pläne meines armen Vaters müssen ja nun in Nebel zerrinnen. Er ist vorhin zum Fürsten befohlen worden, mit der Entlassung aus seiner Stellung wird er heimkehren. Alle werden sich von ihm abwenden, wir stehen fortan allein, an seine Verlobung mit Fräulein v. Derendorf ist nicht mehr zu denken
„ Nun, das wäre kein großes Unglück!" unterbrach Martin sie beruhigend, während sie sein Arm feſt umschloß. Und an die Entlaſſuna alaube ich auch noch nicht: deinem
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( Nachdrud verboten.))
Vater kann ja im Grunde genommen fein Vorwurf gemacht werden. Aber sollte aud; das Schlimniste eintreten, ich stehe fest und treu zu euch, sobald dein Vater in unsere Verlobung eingewilligt hat. Mache dir keine unnötigen Sorgen, an Aerger und Aufregung wird es euch ohnedies nicht fehlen."
" Der Kustos leugnet alles," fuhr Irma fort, den angstvollen Blick nun auf Adolf heftend,„ er nimmt auch seinen Sohn und seinen Bruder gegen jeden Verdacht in Schutz, eine Lösung des Rätsels will er nicht geben können. Du warst ja bei der Entdeckung des Diebstahls zugegen; welchen Eindruck machte Schönbach auf dich?"
Den eines völlig schuldlosen Mannes," Adolf in seiner ernsten, ruhigen Weise.
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,, Das wird dir wohl kaum jemand glauben," sagte Irma erregt. Hat er auch die Tat nicht begangen, so hat er doch sicher seinem Sohne oder seinem Bruder Gelegenheit dazu geboten, und auch das ist strafbar."
„ Wir wollen darüber nicht streiten," erwiderte Adolf, ,, warten wir das Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung ab, sie wird hoffentlich die Wahrheit an den Tag bringen! Inzwischen ist es wohl Menschenpflicht, die Familie des Verhafteten zu unterſtützen, ich hoffe, darin wirst du mit mir übereinstimmen."
Irma schüttelte ablehnend das blonde Haupt, ein herber Zug umzuckte ihre Mundwinkel. Ich kenne diese Familie und beklage sie," sagte sie, aber mit dem Gedanken, sie unterstützen zu sollen, kann ich mich nicht befreunden. Wenigstens heute noch nicht," fuhr sie fort, als sie nicht nur in den Zügen des Arztes, sondern auch in dem Blick Idas Befremden las, ich bin zu sehr über den Kustos empört, als daß ich für seine Angehörigen ein freundschaftliches Gefühl hegen könnte."
„ Das finde ich natürlich und begreiflich," sagte Martin. „ Nun aber lege Hut und Mantel ab, Irma, du bleibst heute Nachmittag bei uns."
Das ist mir unmöglich!" erwiderte sie rasch, während Ida leise den Doktor bat, auf die Unterstützungsfrage nicht mehr zurückzukommen, und das weitere ihr zu überlassen, ich breche jetzt wieder auf, denn ich muß zu Hause sein, wenn der Vater heimkehrt, um ihn zu trösten und zu be schwichtigen. Innere Unruhe, der ich nicht gebieten konnte, trieb mich hierher, die schwüle Luft in unserem Hause beengte mir den Atem, nun treibt die Kindespflicht mich wieder fort, mir bangt für meinen armen Vater."
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Irma nahm nach diesen Worten Abschied, die Bitten Martins konnten sie nicht bewegen, länger zu bleiben.
Du erlaubst wohl, daß ich dich eine Strecke begleite," sagte Adolf, der nun auch seinen Hut nahm, wir haben denselben Weg, der Patient, den ich besuchen will, wohnt in eurer Nähe."
Beide waren noch nicht weit gegangen, als ihnen Gustav begegnete, der stutzerhaft gekleidet, mit gleichmäßiger Miene seine Zigarre rauchte.
Kommst du von daheim?" fragte Irma erregt.
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