Ausgabe 
9.3.1904 Erstes Blatt
 
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Hessischer Landtag.

Darmstadt, 8. März 1903.

Erster Präsident Haas eröffnet die Situng.

Die Spezialberatung des Staatsvoranschlags wird fort­gesezt bei Rapitel 124, Zentralbauwesen des Ministeriums des Innern. Bei Titel 1, Kreisamtsgebäude in Bensheim, entsteht eine längere Debatte über den beabsichtigten Ankauf des Aulerschen Grundstücke zu Zwecken der Kreisratswohnung, während in der alten Wohnung Bureaus eigerichtet werden sollen. Daneben werden Alagen über die Nichtberücksichtige ung der hessischen Steinindustrie bei staatlichen Bauten, die Vergebungsart usw. laut. Die Position wird schließlich ein stimmig bewilligt, ebenso die Titel 2, Kreisamtsgebäude in Dieburg, 3, Kreisamtsgebäude in Mainz. Titel 4, Erbau­ung von Gendarmerie wohnungen in den dret Provinzen, wird abgelehnt.

Titel 5, Neubauten an der Landesuniversität Gießen, wird bewilligt, ebenso Titel 6, Technische Hochschule zu Darmstadt; 7, Neuban eines Gymnasiums zu Worms; 8, Neubau eines Schullehrerseminargebäudes in Bensheim; 9, Bräparandenanstalt in Lich; 10, Neubau eines Museums in Darmstadt; 11, Dom zu Worms; 12, Landeshospital Hofheim; 13, Landes- Frrenanstalt Heppenheim.

Kapitel 125, Kirchen, wird gegen 4 Stimmen bewilligt; 127, Bodenmeliorations- und Wasserversorgungswesen. In Kapitel 131, Bauwesen des Ministeriums der Finanzen, werden vom Titel 1, Zentralbauwesen, die einzelnen Posi­tionen nach den Anträgen des Finanzausschusses erledigt. Ziffer 6, Neubau eines Dienst- und Wohngebäudes für den Steuerfommissär in Wörrstadt, wird abgelehnt, da die ins Auge gefaßte Ortsbesichtigung noch nicht stattfinden konnte. Nach Wiederherstellung der Forderung durch die Erste Kammer soll die Ortsbesichtigung stattfinden, damit die An­gelegenheit noch dieses Jahr erledigt werden kann. Die Biffern 8, Steueraufseherwohngebäude in Langen, 9 und 10, Dammwärterwohnungen zu Wimpfen und Sinsheim, werden gestrichen. Titel 2 wird bewilligt.

Kapitel 132, Husleihungen und Staatsschuld, sowie Kapitel 133, Indisponible und reservierte Fonds, werden bewilligt.

Abg. Möllinger erstattet mündlichen Bericht über das Finanzgesetz, dessen Annahme empfohlen wird.

Abg. Schmalbach berichtet über den Berwaltungsvoran­schlag der Zeiten Kammer für das Rechnungsjahr 1904.

Abg. Dr. Heidenreich fragt an, ob in der für die Rammer bewilligten Summe die Kosten für die bereits früher in Aussicht genommene amtliche Landtagsforrespondenz ent­halten seien. Erster Präsident Haas erwidert, daß im Bureau der Kammer die Sache neuerdings beraten worden sei, die Roften hierfür seien im vorliegenden Voranschlag nicht enthalten. Der Voranschlag wird genehmigt.

Hierauf tritt Vertagung auf Mittwoch ein.

Lokales.

9. März 1904. Privattelegramm. Bei der heutigen Ziehung der Hessisch- Thüringischen Landes lotterie wurden folgende Gewinne gezogen: 10000 Mt. auf Nr. 9010, 74446, 5000 Mt. auf Nr. 6434, 60 118, 3000 Mt. auf Nr. 11 544, 22 228.

*

Der Zweiten Kammer der Stände sind eine Anzahl Berichte des zweiten Ausschusses zugegangen, die vom Abg. Reh erstattet sind und im allgemeinen Annahme der nachstehenden Regierungsvorlagen empfehlen: 1. betreffend den Entwurf eines Feldstrafgefeßes, 2. betreffend den Ent­wurf eines Forftftrafgesetzes, 3. den Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung ves esches über das Verfahren in Forst­und Feldrügesachen.

RB. Am 2. April wird in Nienburg( Weser) eine von der Reichsbankhauptstelle in Hannover abhängige Reichs. banknebenstelle mit Sasseneinrichtung und beschränktem Giro­verkehr eröffnet werden. Wechsel auf Nienburg, welche nach dem 1. April fällig werden, werden von jet ab von der Richsbant angekauft.

* Der vom 14. bis 19. Dezember v. J. in Darmstadt vorgenommenen Prüfung für Gerichtsschreiber­Aspiranten hatten sich 35 Aspiranten unterzogen, von denen 2 am ersten Prüfungstage zurücktraten. Die übrigen 33 sind fast sämtlich als bestanden aus dem Examen hervor­gegangen. Der vom 7. bis 11. Dezember v. I stattgehabten Prüfung für Gerichtsvollzieher- und Polizeikommissariats­Aspiranten hatten sich 18 Gerichtsvollzieher- und 11 Polizei fommissariats- Aspiranten unterzogen. 23 Kandidaten bestanden.

Meister prüfungen in Oberhessen. Wie uns mitgeteilt wird, soll bei genügender Beteiligung auch in diesem Jahre durch den Ortsgewerbeverein Gießen in der Zeit vom 18. april bis 14. Mat, ein Vorbereitungskursus für die Meisterprüfungen abgehalten werden, um den jungen Handwerkern in der Uebergangszeit die nötige Gelegenheit zu geben, sich in den vorgeschriebenen Prüfungsfächern hinreichend auszubilden. Alle diejenigen, welche durch die nächstgelegenen Ortsge­werbevereine feine Gelegenheit zum Besuche eines solchen Vorbereitungskursus finden sollten, werden auf diese Ge­legenheit aufmerksam gemacht und tönnen ihre Anmeldungen schriftlich an die Schulleitung der Gewerbeschule Gießen z. 5. des Vorsitzenden der Meisterprüfungskommission für die Brovinz Oberhessen Herrn Hauptlehrer Traber richten.

* Ihr 25jähriges Geschäftsjubiläum feierte die Firma W.& G. Schuchard in Gießen.

Die Anmeldungen zur ersten hessischen Landes­Geflügel- und Vogel- Ausstellung die vom 11.- 14. März in Offenbach stattfindet, sind aus dem ganzen Lande zahlreich eingegangen. Hervorragend vertreten sind: Italiener, Minorka, Wyandottes, Hamburger, Plymouth Rocks, Langshan, die Zwerghühner- Rassen und die Sammel­flassen, ferner Enten und sonstiges Wassergeflügel, sowie Truten und Zier- und Parkgeflügel. Zirfa 110 Ehrenpreise stehen dem Preisgericht zur Verfügung, bei deren Stiftung

sich namentlich die Stadt Offenbach hervorgetan hat. In Verbindung mit der Ausstellung findet Sonntag Mittag im Ausstellungslofal eine große allgemeine Versammlung statt, mit der Tagesordnung: Gründung eines Hessischen Landes­verbands. Das einleitende Referat hat, wie wir hören, der Vorsitzende des rheinhessischen Verbandes, Herr Disiriks­einnehmer Mühler übernommen.

+ Darmstadt, 8. März. In Hannover starb Professor Alexander Büchner, ein Bruder von Georg und Louis Büchner, gebürtig aus dem benachbarten Goddelau. Aus dem Gerichtssaal. Schwurgericht.

Gießen, 9. März 1904. Wegen Sittlichkeitsverbrechen wurde in heutiger S Bung gegen den wegen Schlägerei vorbestraften Schneidermeister Johann Valentin Keizer zu Lauterbach verhandelt. Dem Angeklagten mird zur Last gelegt, daß er am 4. Januar 1904 in stark angetrunkenem Zustande das noch nicht 16jährige Dienstmädchen Marie Gerbich dortselbst gewaltsam geschlechtlich mißbraucht hat. Der Angeklagte leugnet ent­schiesen dieses Verbrechen begangen, gibt vielmehr an, von anderen auf die Marie G. gestoßen worden zu sein und dieselbe in seiner Trunkenheit nur unzüchtig belästigt zu haben. Zu dieser Verhandlung waren ca. 27 3 ugen ge­laden und stellt der größte Teil derselben dem Angeklagten ein gutes Leumundszeugnis aus. Wegen der bis spät Nach­mittag andauernden Sißung veröffentlichen wir das Urteil in morgiger Nummer unserer Zeitung.

Deueste Nachrichten.

Ueber Berlin wird uns folgendes gemeldet: Kopenhagen, 9. März. Die erste elektrische Eisen­bahn soll in Dänemark angelegt werden und die Insel See­land in einer Länge von 97 km. durchqueren.

Petersburg, 9. März. In dem Hauptquatier wurden von fremden Nationen nur zugelassen deutscherseits die Majore von Lauenstein und v. Tettau französischerseits ein General und ein Oberst; England und Amerika wurde die Entsendung von Offizieren vorläufig abgeschlagen.

Odessa, 9. März. Hier fanden regierungsfeindliche Demonstrationen statt, namentlich seitens Studierender alg Gegenfundgebung gegen die fürzliche Sympatiefundgebung für die kriegerise Politik der Regierung. Kosaken um­zingelten das betreffende Stadtviertel und nahmen viele Verhaftungen vor.

*

Martiberichte.

* Frankfurter Heus und Strohmarkt vom 8. März.( Amtliche Notierungen.) Heu per 8tr. 3.20-3.50 Mart, Strob 2.20-2.40 M.

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