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Bekanntmachung.

Donnerstag, den 7. April 1904, nachm. 3 Nor werden auf dem hiesigen Ortsgericht 7 an der Noon­straße gelegene Baupläte versteigert. Gießen, den 31. März 1904.

Großherzog iche Bürgermeisterei Gießen. Mecum.

Bekanntmachung.

Alle noch rückständigen Rechnungen über die zur Unterhaltung der städtischen Gebäude im Rechnungsjahr 1903/04 ausgeführten Arbeiten und Lieferungen sind bei Meidung der Nichtberücksichtigung bis längstens den 1. Mal d. Js.

in doppelter Ausfertigung an uns einzureichen. Gießen, den 2. April 1904.

Städtisches Hochbauamt.

Berbel.

Bekanntmachung.

Bei Meidung der Nichtbericksichtigung sind bis spätestens den 1. Mai d. Js. alle noch ückständigen Rechnungen über die in der Zeit vom 1. April 1903 bis 31. März 1904 zur Uuterhaltung der städtischen an u. s. w. ausgeführten Arbeiten und Lieferungen iu opp iter Ausfertigung an uns einzureichen.

Gießen, 2. April 1904.

Städt. Tiefbauamt. Braubach.

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Jubiläums- Stipendien- Stiftung O

zu Ehren der 25jährigen Regierung des höchstseligen Großherzogs Ludwig III.

Aus obiger Stiftung, welche bezweckt, daß aus den Kapitalzinsen drei junge Leute, und zwar aus jeder der drei hessischen Provinzen einer, eine gleichmäßige Bei­hilfe zu den Kosten ihrer Ausbildung auf einer höheren Bildungsanstalt erhalten sollen, sind für das Jahr 1904| drei Stipendien zu vergeben.

Das Stipendium fann auf 3 Jahre ausgedehnt werden; es können jedoch nur Angehörige solcher Ge­meinden berücksichtigt werden, welche Beiträge zu dieser Stiftung geleistet haben.

Hiernach berechtigte und befähigte junge Männer, welche zum Zwecke ihrer Ausbildung eine höhere Bild­ungsanstalt besuchen oder besuchen wollen, und sich um das Stipendium zu bewerben beabsichtigen, sind einge­laden, ihre Gesuche durch ihre betreffende Bürgermeisterei an die Bürgermeisterei der Hauptstadt ihrer Provinz, also aus Orten der Provinz Starkenburg an die Bürgermeisterei Darmstadt, aus Rheinhessen an die Bürgermeisterei Mainz, aus Oberhessen an die Bürger­meisterei Gießen

bis längstens zum 1. Mai d. Js. gelangen zu lassen. Den Gesuchen sind an Zeugnissen beizulegen:

1. ein behördlich beglaubigtes Vermögenszeugnis, 2. eine behördliche Bescheinigung, daß und wo Ge­suchsteller studiert,

3. ein Führungs-( Leumunds-) Zeugnis. Außerdem ist der Nachweis zu erbringen, daß der Gesuchsteller in Hessen geboren, bezw. Hessischer Staats­angehöriger ist.

Gießen, Mainz, Darmstadt, den 1. April 1904. Das Kuratorium:

Mecum, Dr. Gaßner, Morneweg, Oberbürgermeister. Oberbürgermeister. Oberbürgermeister

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SALUTARIS

SONENTRARY CARS

Nr. 75.

Mittwoch, den 6. April.

1904.

Oberhessische Familienzeitung.

Tägliche Unterhaltungs- Beilage

der

Gießener Neueste Nachrichten.

Sand and Bering ber ebener Berlag@ braderet, vorm. Bih. Keller'sche Bucheruderat( gegr. 1783); standout: Ibi& lets

( 4. Fortsetzung.)

Gewissensqualen.

Kriminal- Roman von Robert Buchanan.

,, lid Sie sagen, daß Fräulein Craig ihn liebt?" ,, Ganz gewiß; sie liebt ihn und sie wollte ihn auch hei. raten, aber der Herr haßte ihn und seine Verwandtschaft und schwor, daß er niemals in diese Heirat einwilligen wärde. Eines Abends brachte man den alten Herrn ermordet nach gelegt." Hauſe, und die schändliche Tat wurde Mr. Michael zur Last

Fräulein Craig versicherte mir aber, daß er unschul­

dig ist."

,, Und das ist er auch, Herr!" rief die Witwe hastig. Aber die Umstände sprechen gegen ihn, und das Fräulein fürchtet, daß es ihn den Hals kosten könne. Und ein Unglück kommt selten allein, Herr: als sie Mr. Michael einsperrten, wurde der gute Pater Antonius, sein Bruder, der bei mir wohnte, aus Summer und Gram krank, und ein paar Wochen darauf Krankenbett nicht mehr aufstehen." bekam er das Fieber, und jetzt sagen sie, er würde von seinem

Sie sind also Brüder, Pater Antonius und der unglück­liche junge Mann, der im Gefängnis ſitzt?"

" Jawohl, Herr, und ihre brüderliche Liebe zu einander ist in der ganzen Gegend sprichwörtlich

Der Eintritt von Andreas, der mein Gepäck brachte, un­terbrach unsere Unterhaltung.

Das gnädige Fräulein, bestellte er, würde mit größtem Vergnügen bereit sein, Pferd und Wagen für die Zeit meines Aufenthaltes zu beherbergen. Auch läge ihr viel daran, mich bald zu sprechen, und es wäre ihr daher sehr angenehm, wenn ich so bald als möglich in das Schloß kommen würde. Und die Haushälterin Bridget hatte aus eigenem Antriebe hinzugefügt, es sei gut, daß ich bei der Witwe Macrae ge­mietet hätte, die könnte mir meine Wäsche inſtand halten und auch für mich kochen, denn sie wisse, wie man einen feinen" Herrn zu behandeln habe. Sollte ihr irgend etwas fehlen, um mir das Leben bequem zu machen, so möge sie es nur vom Schlosse holen lassen.

Nachdem ich meine neue Wohnung einigermaßen ein gerichtet hatte, machte ich mich wieder auf den Weg nach dem Schlosse.

Im Wohnzimmer saß Fräulein Craig und blickte zum Fenſter hinaus auf die ruhige See. Als sie meiner ansichtig wurde, ging sie mir ein paar Schritte entgegen und streckte mir die Hand hin, als wäre ich ein alter Freund.

Ich freue mich so, daß Sie gekommen sind, Herr Doktor. Ich fürchtete schon, Sie kämen nicht; ja, ich hatte bereits Angst, ich würde Sie überhaupt nicht mehr sehen."

" Es besteht durchaus keine Gefahr, daß ich unversehens verschwinde", erwiderte ich. Dazu gefällt es mir zu gut hier. Sie bemerkten, gnädiges Fräulein, daß Ihnen mein Kom­men erwünſcht wäre. Darf ich fragen, auf welche Weise ich Ihnen dienen fann?"

In dem Tone, in dem ich dies sprach, und in meinem Benehmen schien etwas zu liegen, das sie daran erinnerte, daß ich doch fast vollkommen fremd war. Sie zog ihre Hand zurück und wandte sich ein wenig abseits.

..Haben Sie bereits gehört, daß mein teurer Vater er­

( Nachdrud verboten.))

mordet worden ist?" fragte sie, indem sie mit zitternden Hän­den mit ihrem Taschentuche spielte.

" Ja, gnädiges Fräulein, ich habe davon sprechen hören, und ich bitte Sie, mir zu glauben, daß..

,, Dem Toten zu helfen ist es zu spät", unterbrach sie mich schroff, mein ganzes Sinnen und Trachten geht jetzt nur darauf, den Lebenden zu retten. Für mich gibt es nicht eher Ruhe und Frieden als bis ich den Mörder meines Vaters ge­funden habe."

Aber es ist doch bereits jemand als vermeintlicher Täter verhaftet?" Ihre Augen schossen zornige Blicke auf mich. Der ist unschuldig!" rief sie heftig.

,, Können Sie das beweisen?" fragte der Arzt.

Noch nicht", gab sie mir zur Antwort; aber ich werde es beweisen, ich muß es beweisen, Gott wird mir dazu beistehen."

,, So haben Sie gar keine Beweise?" fuhr ich fort. Darf ich mir die Frage erlauben, ob der Schein gegen den Ver­hafteten spricht, ich meine, ob Umstände vorliegen, die ihn verdächtigen.'

An allen Gliedern zitternd, zögerte sie mit der Antwort und sah mir fest ins Gesicht. Leider Gottes, es spricht vieles gegen ihn. Und doch ist er unschuldig, ich weiß das! Und ich habe geredet und gebetet und gefleht und alles versucht, um sie von seiner Unschuld zu überzeugen, und jetzt glauben alle, daß das Unglück meinen Geist verwirrt habe. Niemand will mir helfen; Michael tut ja allen leid, aber dennoch halten ihn alle für schuldig. Das ich furchtbar grausam. Ich bin so schwach und elend und habe keinen einzigen Freund. Aber ich weiß, da Gott Sie mir hierher gesandt hat, und vielleicht fönnen Sie mir helfen."

Was sollte ich antworten? War es denn nicht möglich, daß das, was sie selbst angedeutet, wahr sein mochte? Daß ihr großes Unglück ihr den Verstand getrübt hätte? Der seltsame wilde Blick ihrer Augen, ihr heftiges Sprechen, die sonderbare Gewohnheit, ihre Hand fortwährend an die Stirne zu führen! Innigstes Mitgefühl für das arme Mädchen be­mächtigte sich meiner bei dem furchtbaren Gedanken, und sie schien diese Empfindung in meinen Augen zu lesen. Als ich ihre Hand ergriff und sie teilnahmsvoll drückte, zog sie dieselbe heftig zurück.

" Ich will Ihr Mitleid nicht", rief sie schnell, wohl aber Ihre Hilfe! Und Sie wollen mir helfen, nicht wahr?"

Selbstverständlich bejahte ich. Ich will alles tun, was in meinen Kräften steht. Aber Sie werden zugeben, gnädiges Fräulein, daß ich mich jetzt noch vollkommen im Dunkeln be­finde. Ich kenne weder die näheren Umstände, noch weiß ich, welche Personen bei dem verhängnisvollen Geschehnis mit­gewirkt haben, und ohne nähere Unterrichtung darüber weiß ich nicht, wie ich raten soll."

,, Sie haben vollkommen recht, Herr Doktor. Mein Un­glück hat mich in den letzten Wochen so ausschließlich in An­spruch genommen, daß ich glaube, jeder müsse so viel davon wissen wie ich selbst. Da Sie aber so gütig sind, mir bei.