Ausgabe 
4.6.1904 Erstes Blatt
 
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Nab und Form:

or Noman der Pseudogräsin. In Apricale bei San Remo wurde die Gräfin della Torre von ihrem Mann mit Hammerschlägen ermordet. Der Gemahl der Gräfin, der sich unmittelbar nach dem Verbrechen erhängte, heißt aber nicht Graf della Torre, sondern ist ein einfacher Steinmetz namens Pisano, der vor Jahren wegen Falschmünzerei ver­urteilt wurde und dann nach Amerika ging, von wo er vor furzem zurückkehrte. Seine Frau benutzte ihre Schön­beit und Jugend, den alten Grafen della Torre in ihre Netze zu ziehen, und dieser hinterließ ihr bei seinem Tode ein großes Vermögen. Nun nahm sie den Namen einer Gräfin della Torre an und tauchte bald in der fashionabelsten Ge­sellschaft der verschiedenen europäischen Großstädte auf. Während sie als Emma Pisano weder lesen noch schreiben fonnte, beherrschte die Pseudogräfin mehrere Sprachen, die fic mit eisernem Fleiß erlernt hatte, und wußte mit reichen Geiftesgaben zu brillieren. So blieb es nicht aus, daß sie Beziehungen zu angesehenem Publikum anknüpfte. Wie es heißt, soll sie in letzter Zeit im geheimen Spionendienste für Rußland geleistet haben. Sie war noch fürzlich in Port Arthur gewesen, und hatte die Absicht, wieder dorthin zurück­zukehren, als sie in ihrer Villa zu Apricale ein blutiges Ende fand. Pisano soll das Verbrechen aus Wut darüber be­gangen haben, daß ihm die Gräfin" eine hohe Summe nicht zahlen wollte, die er sich als Preis für seine Einwilli­gung in eine Scheidung ausbedungen hatte. Die Ermordete mar, obgleich jetzt vierzigjährig, immer noch ene blendende Schönheit.

Gransiger Fund. In einem Kanal auf Charlotten­burger Gebiet wurde ein furchtbarer Fund gemacht, der auf ein schweres Verbrechen schließen läßt. In einem Sack fand man einen weiblichen Rumpf. Der Hals war glatt durch­schnitten und Beine und Arme aus den Kugelgelenken heraus­Jeschält. Auf die Entdeckung des Täters sind 1000 Mark Belohnung gesetzt.

A zu Tode geschleift. Ein furchtbares Unglück ereignete sich bei Spindelmühle. Ms die dreizehnjährige Tochter einer Hotelbesiberin von der Mädelstegbaude, wohin sie auf einem der Hotelreitpferde einen Spazierritt unternommen hatte, zurückkehrte, wurde das Pferd plötzlich am Ufer der Elbe schen, bäumte sich und warf das junge Mädchen aus dem Sattel, wobei dasselbe unglücklicherweise im Steigbügel hängen blieb. Das Pferd raste den Promenadenweg am rechten Elbufer hinunter und konnte erst aufgehalten werden, als die kleine Reiterin bereits tot war. Die Unglückliche war schrecklich durch Hufschläge, Anprall an Bäume und Steine verstümmelt. Der Kopf wies mehrere Schädelbrüche auf. Die Kleider hingen den Kinde in Fetzen vom Leibe.

Dämon Alkohol. In der Trunkenheit beging ein Tage­Töhner zu Bialla eine schwere Bluttat. Als er nach Hause gekommen war, taumefte er aufs Bett. Sein Sohn wollte dem Trunkenen die Stiefel ausziehen. Darüber geriet der Vater in Zorn und stach den Sohn mit dem Messer zweimal durch den Hals. Der Verletzte schmebt in Lebensgefahr.

+ Beim Rettungsversuch ertrunken. Zwischen Beuthen und Nenkersdorf wollten sich vier Handwerksburschen durch ein fühles Bad in der Oder erquicken. Dabei geriet einer an eine tiefe Stelle und versank. Ein Reisegenosse, der dem Ertrinkenden zu Hilfe eilte, wurde von diesem umflammert und mit in die Tiefe gezogen. Beide ertranten. Die Leichen der Verunglückten konnten noch nicht geborgen werden.

Eine nennundachtzigjährige Mörderin stellte sich in dem ungarischen Orte Groß- Becskerek freiwillig der Polizei. Sie hatte in Abwesenheit ihres Sohnes ihre Schwiegertochter, mit der sie lange in Feindschaft gelebt hatte, durch Arthiebe getötet. Die junge Frau lag frank im Bette, als sich ihr die Alte mit dem Mordinstrument näherte und ihr den Kopf spaltete.

Streifunruhen in Ungarn. In Arad wurden sechzig Tischlergesellen wegen Aufreizung verhaftet. Während in Wien der Bauarbeiterstreit gütlich beigelegt wurde, ist die Bewegung in Ungarn an verschiedenen Orten zum Ausbruch gekommen, und den Bauarbeitern haben sich andere In­dustrien angeschlossen. Die Stimmung ist sehr gereizt, und es ist bereits mehrfach zu Unruhen gekommen.

Aus dem Gerichtsfaal.

§ Eine Geisterbeschwörerin hatte sich vor der Kölner Straffammer wegen Betruges zu verantworten. Die Frau eines Schuhmachers aus Ehrenfeld hielt in ihrer Wohnung täglich Sigungen ab und zitierte Geister, die auch, wie eine Anzchl Zeugen und Zeuginnen angaben, wirklich erschienen. Nach der Aussage ihrer Kunden und Kundinnen unterhielten sie sich bei der Angeklagten oft stundenlang mit den Seelen ihrer verstorbenen Anverwandten. Dafür legten die Kunden der Schustersfrau meistens als Geschenk 50 Pfg. hin. Nach der Anflage lag darin, daß die Frau angeblich Geister zi­tierte und dafür das Geld annahm, die Vorspiegelung einer falschen Tatsache. Die Angeklagte erklärte in der Verhand­lung feierlich, daß sie an die Zitierung der Geister fest und bestimmt glaube. Die Geister erschienen auf Rufen und ant­worteten auf Klopfen nach dem Alphabet, Buchstabe für Buch stabe, bis die Antwort erteilt sei. Man müsse nur Gedule und vor allem Vertrauen zu der Sache und den abgestorbenen Seelen haben. Die Hände müßten auf dem Tische liegen, der dann klopfe. Die Angeklagte gab in der Verhandlung an, ein höheres Wesen, mit dem sie verkehre, der Grzengel Gabriel, habe ihr geraten, den Rechtsanwalt Dr. Schreiber als Verteidiger zu wählen, und dieser hatte dem Wunsche entsprochen. Die meisten Geisterseher, die als Zeugen ver­nommen wurden, waren Frauen und junge Mädchen, aber auch Männer zeigten sich besonders überzeugt und verfochten fast fanatisch ihren Glauben an den Spiritismus. Ein Zeuge wollte sogar mit Geistern verkehrt haben, die schon vor mehr als 1000 Jahren dahin gegangen sind, von wo feine Wieder­kehr ist, und auf seinen Wunsch rief die Angeklagte die Geister von Goethe, Schiller und Pfarrer Kneipp, mit denen er ge­sprochen haben will. Da die Zeugen erklärten, sie würden der Frau für ihre Mühewaltung und Zeitverlust auch dann die halbe Mark gegeben haben, wenn sie geahnt oder gewußt hätten, daß alles nicht wahr sei, erfolgte die Freisprechung der Angeklagten.

§ Um ein hohes ärztliches Honorar handelte es sich bei einem Prozeß, der in Brüssel zum Austrag kam. Der be­rühmte Pariser Chirurg Doyen hatte einen Einwohner in Chestion bei Dinant operiert. Der Patient starb. Die Fa milie zahlte dem Gehilfen Doyens 2000 und bot Doyen 4000 Frank. Doven forderte vor Gericht aber 30 000 Frank. Das

Gericht wies heute die Klage mit der Begründung ab, daß 4000 Frank hinreichend seien. Doyen wurde überdies in die Kosten verurteilt.

§ Ein Kind zu Tode gemartert. In Wien wurde der Schuhmacher Gradingen zu vier und seine Frau Anna zu viereinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt, weil sie schuldig befunden wurden, einen von der Frau in die Ehe mitgebrachten unehelichen Knaben in unmenschlicher Weise gemartert zu haben. Das fünfjährige Kind mußte in seiner letzten Lebenszeit entsetzliche Qualen erlitten haben. Es wurden bei ihm einundzwanzig Nippenbrüche konstatiert, ferner Verwundungen am Kopfe, Würgspuren am Halse, ein Bruch des Schlüsselbeines und Brandwunden am Fuße. Nur aus dem Grunde, weil die Gerichtsärzte erklärten, daß das Kind an chronischer Tuberkulose gelitten habe und möglicher­weise auch daran gestorben sein könne, wurde keine Anklage wegen Mordes erhoben.

Vermischtes.

[ Launen des Glückes.] Die Prämie der letztgezogenen preußischen Klassenlotterie im Barbetrage von 300 000 mt., Die zugleich mit einem Gewinn von 1000 Mt. auf die Nr. 110 718 fiel, ist, wie jetzt bekannt wird, einer Kollekte im Rheinlande zu teil geworden. Die Laune Fortunas hat auch diesmal wieder segensreich gewaltet, indem sie den Riesengewinn bedürftigen Leuten in die Hände spielte. Von einem besonderen Mißgeschick wurden indessen hierbei drei Finwohner von Lüdenscheid heimgesucht, die von dem Glücks­lose zusammen ein Viertel spielten. Der eine der Herren, der das Los in Verwahrung hatte, verabsäumte nämlich zu Anfang dieses Jahres die Erneuerung, weshalb das Viertel In andere Hände überging.

[ Die Trauung mit Hindernissen.] Aus dem reichs­ländischen Orte W. bei Vallerystal wird eine heitere Ge­schichte gemeldet. Ein Brautpaar von der Annere St. 2. jollte vormittags bürgerlich getraut werden und hatte sich zu diesem Zwecke nebst Zeugen auf dem Gemeindehause zu W. pünktlich eingefunden. Da war aber weder der Bürger­meister noch der Beigeordnete anwesend. Da man des lan­gen Wartens überdrüssig wurde und die Zeit herannahte, zu welcher die kirchliche Trauung geschehen sollte, wurde nach den beiden Standesbeamten, die von dem Trauakte wahr­scheinlich gar nicht benachrichtigt waren, eifrig gefahndet und zugleich an den Ortsausgängen Wachen aufgestellt. Da auf einmal erschien auf dem vom Walde herführenden Wege der Beigeordnete mit einer Fuhre Holz. Und so wie vor etwa 1500 Jahren Cincinnatus vom Pfluge hinweg zum römi­schen Konsul gemacht wurde, so wurde der Beigeordnete, nachdem er die Peitsche abgegeben hatte, in seinem Arbeits­gewande schleunigst nach dem Gemeindehause geholt, wo er dann, mit der Amtsschärpe umgürtet, die Ziviltrauung vollzog.

[ Der Papst- ein Pole.] Die wunderbaren Ent­deckungen, die man über die Abstammung der Helden des japanisch- russischen Krieges gemacht hat, daß z. B. Kuroki ein Grieche, der Russe Stössel ein Schweizer sei, und der­gleichen mehr, wirken augenscheinlich ansteckend. Sonst wäre es nicht zu erklären, daß ein polnisches Blatt jetzt plötzlich mit der kühnen Behauptung hervortritt, Papst Pius X. sei schlesischer Herkunft. Die Gaseta Opolska" erzählt nämlich folgendes hübsche Histörchen: Im Laden des Kaufmanns Spychalski zu Opveln erschien kürzlich ein Landmann und erzählte, in Budapest befinde sich eine Ordensschwester, die aus Bogutschütz, Kreis Oppeln, gebürtig sei. Diese habe ihre dortigen Verwandten brieflich um die Zusendung von gewissen Familienpapieren ersucht. Es handelt sich um die Familie Krawieß, weil angeblich ein Großvater oder Ur­großvater des gegenwärtigen heil. Vaters Krawieß hieß und aus Bogutschüß stammte. Während irgend eines Krieges jei er nach Italien ausgewandert und habe sich dort Sarlo, d. h. polnisch Kramies( deutsch Schneider) genannt. Man weiß nicht, bemerkt die Gaseta", wie die Sache steht, aber in unserer Gegend geht es von Mund zu Mund, daß der Papst ein Pole sei.

[ 13 600 Mark für eine Blume] ist ein Preis, der natürlich nur in England gezahlt werden kann, wo die Lieb. haberei für Orchideen allmählich in eine krankhafte Manie msartet, wie einst in Holland die Tulpenzucht sie hervor brachte. Für ein Eremplar von Odonglossum crispum Cook soni wurde auf einer Londoner Auktion dieser fabelhafte Preis erzielt. Zur Entschuldigung des sonderbaren Schwär mers sei noch angegeben, daß es das einzige augenblicklich im Handel existierende Exemplar dieser Blume war. Wie vie len jungen Menschenblüten, die kümmerlich in den Straßen Londons verdorren und verkommen, ließe sich mit der für diese eine Orchidee verschwendeten Summe Licht, Luft und Nahrung zuführen!

[ Unterkunftsbaracken auf Island] werden jetzt von der dänischen Regierung an verschiedenen Punkten der Küste angelegt. Die Schiffahrt an der isländischen Küste ist sehr gefährlich, und die Mannschaften gestandeter Schiffe gehen, auch wenn sie sich ans Land retten können, in den meilen­weiten Steinwüsten, wo fein menschliches Wesen anzutreffen ist, meist elendiglich zu Grunde. In den Baracken sind Betten, Wäsche, Kleider, Lampen, Del. Kochapparate, Nahrungs­mittel auf 14 Tage für 14 Mann, ein Medizinkasten und Karten vorhanden, die den Weg aus der Einöde genau an­geben. Zu den Baracken werden die Schiffbrüchigen durch zahlreiche, weithin sichtbare Wegweiser geleitet.

A[ Idyllische Postzustände] müssen in Norwegen herr schen, wenn der nachstehende von dortigen Blättern mit geteilte Vorfall auf Wahrheit beruht. Kürzlich hatte eine Familie auf dem Lande per Karte Freunde zu sich geladen und später beim nächsten Meßger gleichfalls per Karte einen Braten bestellt. Die befreundete Familie war verhindert und teilte dies ebenfalls auf einer Postkarte mit. Bevor diese jedoch dem Gastgeber zur Hand kam, fand sich dieser auf der Post ein, um den erwarteten Braten in Empfang zu nehmen. Zu seiner Verwunderung war jedoch keine Sendung angekommen. Das ist doch sonderbar," sagte er halb zu sich selbst, der Schlächter ist doch sonst so pünktlich!" - Ach!" erwiderte ihm zuvorkommend der Postvorsteher, ..meinen Sie den Braten?" Wollen Sie den denn dock haben, obgleich Ihre Freunde verhindert sind?" Na türlich will ich den Braten haben!" Ja dann bitte ich um Entschuldigung! Als nämlich Ihre Freunde absagten, glaubte ich, daß aus der Gesellschaft nichts würde, und de habe ich die Karte an den Schlächter gar nicht erst abge: sandt!" Der Begriff Briefgeheimnis" scheint den nor wegischen Vostbeamten gänzlich fremd zu sein.

[ Die Doppelhochzeit auf dem Trapez.] Die Amerika ner sind unerschöpflich im Ausbecken der abenteuerlichster:

ocen. gent vat auf Anregung eines indigen Journa listen hin in einem Zirkus zu Carson City eine Doppelhoch. zeit zwischen Artisten auf dem Trapez stattgefunden. Die Zeremonie fand in der großen Manege des Zirkus statt, unt cine tausendköpfige Menge war bei der Trauung zugegen. Die beiden Brautpaare in hochzeitlich prächtiger Kleidung schwangen sich auf die Trapeze. Gar prächtig paßte das grelle Rot der Seide zu den fleischfarbenen Trifois, und die jungen Damen standen lächelnd vor ihren Auserwählten. Der Standesbeamte klomm zu seinem hohen Size auf einer eigens errichteten Pyramide empor, und als er vor den bei den Paaren stand, die auf den Recken saßen, vollzog er die feierliche Handlung. Wenige Minuten darauf führten die glücklichen jungen Frauen ihre Trapezkunststücke aus. *[ Der Bastard".] Von dem verstorbenen Großherzog von Meulenburg wird eine hübsche Anekdote mitgeteilt. Be kanntlich war der Großherzog äußerst sparsam, und diese Sparjamfeit, weldje ihn im Laufe seiner fast 45jährigen Ne gierungszeit zu einem der reichsten deutschen Fürsten gemach hat, sachte er mit auch auf seine Untertanen zu übertragen. Immer, wenn jemand ihm ein Anliegen vorzutragen hatte, ermahnte er vir Sparsamkeit. Reichen Kinderseger betrach tete er als Sindernis zum Sparen. Deshalb verknüpfte er mit seinem Glückwunsch, welchen er seinen Beamten bei Ge­legenheit von Geburten aussprechen ließ, auch stets die Mah­mung. numebr es an Kindern genug sein zu lassen. Ginem seiner böheren Forstbeamiten ließ er bei gleicher Gelegenheit durch einen Sofjäger mit seinem Glückwunsch die mündliche Bestellung ausrichten: Und dannit Basta". Der Jäger, der nicht gut verstanden hatte, machte aus diesem Basta" am Schlusse seiner Bestellung:.Sc. fönigl. Scheis ließe mich noc lagen, es wäre vehl ein Bastard." Noch lange pflegte der Großherzog seinen Besuchern diese Geschichte zu erzählen und sich dabei vor Lachen zu hitteln.

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O[ Der Verkauf des alten prenßischen Abgeordneten­hauses hat dem Fiskus das hübsche Sümmchen von 7 200 000 Marf eingebracht. Das Grundstück wurde unter der Hand dem Aktienbauverein Unter den Linden" über­lassen. Ein weit besseres Geschäft aber hätte der Fiskus noch machen können, wenn er das Verkaufsobjekt öffentlich ausgeschrieben hätte. Das geht daraus hervor, daß dem neuen Besitzer schon wenige Stunden, nachdem der Verkauf perfekt geworden war, von solventer Seite 8 450 000 Mart geboten worden sind. Ein Nußen von 1 Million an einem eben erst gekauften Grundstück ist ein recht fetter Bissen.

[ Wie viel Kriege werden zurzeit geführt?] Der Auf­stand in Südwestafrika und der Krieg zwischen Rußland und Japan sind es, von denen bei uns alle Welt spricht. Allen­falls noch von den Scharmützeln zwischen Engländern und Tibetanern. Doch daran denken die wenigsten, daß zurzeit auf dem Erdenrunde mindestens noch ein Dußend anderer Kriege geführt werden. Die Freistaaten von Nordamerika sind mit den Philippinen noch keineswegs zum Frieden ge­langt, und es werden wohl noch etliche Jahre vergehen, ehe die Vereinigten Staaten die Herzen ihrer neuen Untertanen erobert haben. In Südamerika hören die Kriege über­haupt niemals auf. Die Südamerikaner haben zwei Haupt beschäftigungen: Die eine besteht darin, nichts zu tun, die andere, Revolution zu machen. Wenn der Südamerikaner müde ist, vom Nichtstun, zettelt er sofort eine Revolution an. Augenblicklich ist Uruguay der Schauplatz einer ameri­kanischen Revolution. Auch im nahen Osten gibt es fort­während Unruhen und Krieg. Die armenische Nation ist, wenn man den Pro- Armeniern glauben will, schon zehnmal völlig vernichtet worden. Aber es ist immer noch ein starker Rest übrig, und dieser Rest kämpft gegen die Türken. Ebenso machen es die Mazedonier. Der Kampf im Somaliland richtet sich jetzt mehr gegen Italien als gegen England. Außerdem gibt es noch einige kleine Kriege auf dem mächtig fortschreitenden afrikanischen Kontinent. Drei britische Ex­peditionen gehen in Nigeria vor. In Zwischenräumen wer den auch die britischen Waffen in dem Hinterland von Aden attackiert, und in Marokko macht ein Kronprätendent den dortigen Sultan viel zu schaffen. Schließlich haben wir noch im Norden von Sumatra einen ewigen Krieg zwischen den Eingeborenen Abchinesen und den Holländern zu verzeichnen. Es scheint, als ob dieser kleine Krieg" so lange dauern wird, wie die Insel selbst.

[ Ein schrecklicher Kampf mit einem Löwen] wird eng­lischen Blättern aus Somaliland berichtet. Der englische Major Ewing hatte gehört, daß ein Mann und ein Bony von einem Löwen getötet worden waren, und ging ins Feld, um auf das Raubtier Jagd zu machen. Er folgte mit einem anderen Offizier der Fährte des Löwen, als dieser plötzlich aus einem Gras- und Dornendickicht hervorkam und nur ungefähr 20 Meter entfernt von ihnen stand. Der den Major begleitende Offizier feuerte, verwundete das Tier aber nur, das jetzt gerade auf die beiden Jäger losging. Diese ver­suchten, dem Ansprung des Löwen seitwärts auszuweichen. Major Ewing verwickelte sich jedoch mit dem Fuß im Grase und fiel hin. wobei er sein Gewehr verlor. Im nächsten Augenblick stand der Löwe über ihm, riß ihm mit einem Schlage die Schenkel auf und zerfleischte ihn furchtbar. Der Begleiter des Majors feuerte mehrere Schüsse auf den Löwen ab, den er aber erst mit dem vierten Treffer tötete, jedoch zu spät, um den Major zu retten, der fünf Stunden später unter furchtbaren Schmerzen starb.

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