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Lokales.

1. Februar 1904. ** Staatsminister i. P. Finger ist an Samstag im Alter von 79 Jahren in Darmstadt gestorben.

** Zur Wiederbesetzung werden ausgeschrieben: die evangelische Pfarrstelle zu Großen Bused, Dekanat Gießen und die evangelische Pfarrstelle zu Nieder- Erlen­bach, Dekanat Rodheim.

* In den Ruhest and versetzt wurde mit dem 1. Februar der Wachtmeister Samba in Grünberg, an dessen Stelle tritt am gleichen Tage unter gleichzeitiger Beförderung zum Wachtmeister der bisher in Bensheim stationierte Gens­darm Jahres.

Militärnachrichten. Befördert wurde der Vizefeldwebel der Reserve Falf- Gießen zum Leutnant der Reserve des Inf. Regt. Hessen- Homberg Nc. 166; der Vizewachtmeister der Reserve Schwieder- Gießen zu Leutnant der Reserve des 1. Großh. Hess. Feldart.- Reg. Nr. 25 ( Großh. Art.- Korps).

*

Bahnhofssperre. Mit dem 1. Februar wurde auf der oberhessischen Eisenbahnlinie( Gießen- Fulda) die Bahnhofssperre eingeführt.

** Wie wir hören, beabsichtigt die Regierung in Bad­Nauheim größere bauliche Umänderungen vor­nehmen zu lassen und den Ständen demnächst darüber eine Vorlage zu machen.

*

* Die Gemeinde Gedern und eine Anzahl umliegende Orte haben an die zweite Kammer eine Vorstellung gerichtet, betr. die Errichtung eines Amtsgerichtes in Gedern. E8 tommen zusammen 18 Orte mit 7543 Seelen in Betracht und wird eine ganze Anzahl Amisgerichte aufgeführt, deren Seelenzahl noch geringer oder nicht wesentlich höher ist. Die schlechte Bahnverbindung mit dem hiesigen zuständigen Amts­gericht Ortenberg, die schwierigen Terrainverhältnisse, ſowie auch die ärmlichen Verhältnisse der Bewohner des Vogels­berg werden in der Begründung ins Treffen geführt, um die Wohlfahrt dieser Gebirgsbewohner zu heben.

Stadttheater Gießen.

Morgen Dienstag

den 2. Februar findet die 13. Dienstagabonnementsvorstellung statt und zwar gelangt diesmal die unverwüstliche Bosse Kyriz Pyrit unter der musikalischen Leitung des Herrn Musikdirektor Krause und unter Regie des Herrn Otto Con­radi zur Aufführung. Die Posse hatte bei der ersten Auf­führung bekanntlich einen stürmischen Heiterfeitserfolg. Als 14. Freitagsabonnement gelangt am 5. Februar Shakespeares Othello zur Aufführung.

+ Die Kriegerkameradschaft Gießen feierte am vergangenen Samstag im Café Leib ihr Winterfest verbunden mit Kaisers Geburtstag. Dem Vorstand muß mon Dant sagen für das äußerst ansprechende abwechs lungsvolle Programm und die Mitwirkenden bei den enzel­nen Nummern septen ihr ganzes Können zum Wohlgelmzen ein. Neven der üblichen Begrüßungs- Ansprache, en m Prolog b einigen Liedern wurden nicht wenig r we 3 That r stücke gegeben. Es tam also Humor und Amüs ment in retcher Fülle zum Ausdruck, so daß die Anwesenden auch nach Schluß des offiziellen Teiles lange beisammen blieben und das Tanzbein flott schwangen.

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** In erhebender Weise feierte gestern der evangel. Jünglings und Männerverein in Gießen den Geburtstag des Kaisers. Der Präses des Vereins, Herr Pfarrer Schwabe, hielt die Festrede. Zur rechten zuversichtlichen Festesstimmung paßten die gut vorgetragenen Gedichte sowie die gesungenen Lieder, begleitete vom Posaunenchor des Vereins.

*

* Karneval- Mastenb all hatte der Gießener Bither- Klub am Sonntag Abend im Café Leib veranstaltet und wirklich orginell arrangiert. Die Gruppen- Aufführungen und lebenden Bilder waren ausgezeichnet und wenn heute morgen ein Besucher händeschüttelnd fragte, waren Sie auf dem gestrigen Mastenball?" auf die verneinende Ant­wort sagte da haben Sie etwas versäumt!" fo hatte er damit recht, wir fönuen ihm darin vollkommen beipflichten. Der Besuch war gut.

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** Statistik vom Standesamt in der Stadt Gießen für 1903. Es wurden im abgelaufenen Jahre in das Geburtsregister 978 Geburten eingetragen, von denen auf die städtische Bevölkerung entfallen, 576 Kinder, von welchen genau die Hälfte, also 288 Knaben und 288 Mädchen waren. In der Klinit wurden 402 Kinder geboren, davon waren 191 Rnaben und 211 Mädchen. Das Sterberegister für 1903 weist 651 Todte auf, davon find 351 männlich und 300 weiblichen Geschlechts. Ven der städtischen Bevölkerung allein starben 334 Personen und zwar 168 männlichen und 166 weiblichen Geschlechts. In den Kliniken verstarben 174 männlichen und 122 weiblichen Geschlechts. Im Provinzialsiechenhaus starben 9 Männer und 12 Frauen.

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*** Gießener Volksbad. Im Januar wurden verabreicht, 7421 Bäder gegen 6737 im Dezbr. 1903 und 7418 im Januar 1903, oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 270 Bäder gegen 250 tm Dezember und 270 im Januar 1903.

Der Besuch hat sich wie folgt verteilt:

Schwimmbad: 4107 Männer, darunter 726 zu 10 P. 73 10 499 Frauen

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Wannenbäder: 1. I. 226 Männer, 52 Frauen, 2. I. 602 373

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Dampf und Heißluftbäder, sowie Massage zu­sammen 142 Männer, 19 Frauen.

Brausebäder 1246 Männer, 155 Frauen.

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Die Personewage wurde von 200 Personen benutt, das Bad von 4 Personen besichtigt.

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Der Darmstädter Vergiftungsfa II. Als neuntes Opfer ist am Samstag Nachmittag ta Kranten. haus die 62 Jahre alte Witwe des Privatiers Gauf ge­

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storben, die ebenfalls von dem Bohnensalat gegessen hatte. In dem Befinden der noch an den Folgen des Vergiftungs­falles darniederliegenden Persoren ist im Laufe des Tages teine wesentlich Anderung zu verzeichnen. Der Bustand der Patienten ist nach wie vor sehr bedenklich. Wie von medizinisch r Seite verlautet, handelt es sich bei dem ebenso folgenschweren wie seltenen Fall um eine sogenannte Btomatnvergiftung. Der verdorbene Inhalt der Konser venbüchse muß eine Substanz enthalten haben, die, in den Darm gelangt, bei dessen Produkten einen Zerseßungs­prozeß hervorrief. Das so im Darm entstandene Gift ift sodann in das Blut übergegangen. Bei den Erkrankten stellten sich gleichmäßig, und zwar bei den meisten plöglich und erst einige Tage nach dem Genuß des Salates, zunächst Schluckbeschwerden und eine Erschlaffung der Augenmuskeln ein. Dann folgten Lähmungserscheinungen, die sich auf die Gliedmaßen und schließlich auf alle Organe erstreckten. Den Lähmungen suchen die Aerzte durch Anwendung von Stroych­nin, der großen Herzschwäche durch Injektionen von Koch­salzlösungen und Kampher entgegenzuwirken Außerdem sucht man den Darm durch Rizinusöl und Klystiere zu reinigen.

** Lehrkursus in Darmstadt. Am 25. Januar d. Is. ist der zwölftägige Lehrer- Ausbildungskursus in dar­stellender Geometrie und im Fachzeichnen eröffnet worden. An demselben nehmen 9 Lehrer der Handwerkerschulen teil und zwar 6 aus Starkenburg und 3 aus Oberhessen.

= Nidda, 30. Jan. Mit dem 1. Februar d. Is. verkehrt zwischen hier und Ulfa statt der seitherigen Land­briefträgerpost ein geschlossener Omnibus, der gegen eine jährliche Vergütung seitens der Post durch einen Privatmann von Ufa gefahren wird Die Abfahrzeiten von hier nach und 6 Uhr 15 Min. nachmittags. Ulfa bleiben dieselben wie seither, 9 Uhr 25 Min. vormittags

× Ettingshausen, 31. Jan. Am Donnerstag abend ereignete sich hier ein beklagenswerter Unglücksfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Die 78jährige Frau Albach fiel derart die Treppe hinunter, daß sie bewußtlos liegen blieb und mehrere Verlegungen davontrug, die schon am Freitag ihren Tod herbeiführten.

Ettingshausen, 31. Jan. Wie wir hören, soll auch die zweite Beigeordeten- Wahl, in der Herr Joh. Opper V. gewählt wurde, nicht bestätigt werden; sollte dies zutreffen, wird zum dritten Mal Beigeordnetenwahl stattfinden. Schon die erste Beigeordnetenwahl brachte viel Aufregung in unseren Ort und bei der zweiten war diese Aufregung schon so ge­steigert, daß Beleidigungsklagen anhängig gemacht wurden, wie wird es nun aber bei einer eventuellen dritten Beige­ordn ten mahl auss hen?

+ Flensungen, 31. Jan. Heute abend feierte der Kriegerverein im Lofale des Kameraden C. Reiß eine in all n Teilen gelungene Ka sersgeburtstagsfeier durch Theater, farg und einen fl tren Pall. Der Besuch war gut.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Gießen, 29. Januar 1904. Der Landwirt Justus Krug von Udenhausen hat sich wegen widernatürlicher Unzucht zu verantworten. Da der Angeklagte sich aufs Leugnen verlegte, war eine sehr

große Anzcht Zeugen zu vernehmen; auch ſah ſich die An­flagebehörde veranlaßt, Sachverständige über dessen Geistes zustand zu vernehmen, welche aber nichts abnormes feststellen

fonnten.

zu 6 Mate wird für schuldig befunden und 3 verurteilt; auch wird seine so= fortige Verhaftung verfügt. Der vielfach vorbestrafte An­dreas Hahn aus Frankfurt a. M. wir sodann wegen Be­trugs und Diebstahls begangen zu Büdingen und Grün­berg in eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten genommen, worauf 2 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen. Die Berufung der Landwirte Johannes und Ludwig Böckner von Maulbach wird verworfen.

Gießen, den 30. Januar 1904

Strafe des Angeklagten auf 10 mt. herabgesezt und die Strafe des Klägers beibehalten wird. Die Privatklage­sache des Schreiners Friedrich Mölig von Merlau gegen die Ehefrau des Auguft Hohl dortselbst, der ein die Ange­flagte freisprechendes Urteil des Schöffengerichts Grünberg zu Grunde liegt, wird durch Berufungsrücknahme erledigt.

Den Echluß bildet die Berufungsflage des Schneider­meisters Georg Pfaff zu Gießen, gegen den Vereinsdiener Josef Schumann daselbst, wegen Beleidigung. Die Kammer hält den vom Angeklagten angebotenen Wahrheitsbeweis als erbracht und bestätigt das vom Schöffengericht gefällte frei­sprechende Urteil.

Neueste Nachrichten.

§§ Berlin, 1. Febr. Die Aufteilung der Enklave Neutral Monbart wir jezt halbamtlich als binnen furzem bevorstehend bezeichnet. Ueber die Art und Weise, wie der Landstrich zwischen Preußen und Belgien geteilt werden wird, schweben zur Zeit noch Verhandlungen.

Die legten Meldungen vom Kriegsschau= plaz wissen von einem erfolgreichen Refognoszierungsgefecht unter Leitung des Oberleutnants Jersow bei Farm Hoffnung, etwa 10 Kilometer nordwestlich von Windhok zu melden, das am 15. Januar stattgefunden hat. Es fielen bei diesem Gefecht der Sohn des Kieler Inspektors Weiß und außerdem der Geh. Registratur- Assistent in der Kolonialabteilung des auswärtigen Amtes Roch.

Petersburg, 1. Febr. Petersburger Meldungen vom gestrigen Tage wollen etwas Näheres über den Inhalt der russischen Ant­wort- Note wisser. Danach soll der Ton der russischen Antwort wohl friedfertig, der Inhalt aber für die Japaner gänzlich unan­nehmbar sein. Jede Unterhandlung in Bezug auf die Mandschurei wird stritt abgelehnt und die scheinbaren Konzessionen in Korea beschränkten sich nur auf ökonomische Fragen. Rußland soll jeder Tag im fernen Often 200 000 Rubel fosten.- Bemerkenswert ist, daß infolge der Kriegsgerichte auch in China der Fremdenhaß wieder hell auflodert.

Briefkasten.

H. D., Gießen. Bevor Sie nicht Ihren Namen uns mitteilen, fönnen wir auf Ihr Eingesandt" nicht eingehen. Wir müssen wissen, mit wem wir es zu tun haben.

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Marktberichte.

Frankfurter Hen- und Strohmarkt vom 29. Januar.( Amtliche Notierungen.) Heu per Str. 3.00-3.50 Mt., Stroh per 3tr. 1.70-2.20 Mt.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen. Gartenstraße Nr 2( Bürgermeisterei­gebäude) Zimmer Nr. 14.

Es können eingestellt werden:

1 landwirtschaftlicher Knecht, 1 landwirtschaftliche Magd, 1 Schmied, 1 Küfer, 1 Metzger, 1 Buffetfräulein, 1 Küchenmädchen, 2 Köchinnen, 10 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und auswärts, 1 Laufmädchen.

Lehrlinge: 1 Schlosser, 1 Spengler, 1 Fein­mechaniker, 1 Mechaniker, 1 Kaufmann, 1 Bäcker, 1 Buch­binder, 1 Tapezierer, 1 Schreiner, 1 Weißbinder und Lackierer.

Es suchen Arbeit:

1 Schmied, 1 Spengler, 2 Buchbinder, 2 Schreiner, 1 Metzger, 2 Lackierer, 1 Schriftsetzer, 1 Kassierer, 4 Fahr­burschen, 5 Haus burschen, 2 Dienstmädchen, 5 Lauffrauen, 1 Wäscherin, 2 Bureaugehilfen.

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Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Ibin Klein für das Lokale, den Gerichts-" und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermana

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Beste Seifenah undfern!

Der Spengler August Pasbach zu Gießen erhob gegen den Schreiner Karl Wacker daselbst Privatklage wegen Beleidigung. Dieses gab legterem Veranlassung gegen den Ersteren klagend vorzugehen. Beide wurden vom Schöffen= gericht zu 20 Mt. Geldstrafe nebst entsprechendem Kosten- ¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤0000 anteil verurteilt. Auf beiderseitige Berufung fand heute wiederholt Berreisaufnahme statt, welche im wesentlichen das­selbe Resultat hatte wie bei dem Untergericht. Wiederholte Vergleichsversuche scheitern an dem Verhalten des Klägers bezw. Widerbeklagten. Das Gericht ist der Ansicht, daß

der Letztere eine V höhere Strafe verdient als der Angeklagte,

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