Nr. 303.
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Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberheffische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft und Bartenban, sowie die Gießener Seifenblasex wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Dienstag, den 30. Dezember 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Infectionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz berbessen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umg hung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Morganatische Eben.
( Nachdruck verboten.)
Bei dem Aussehen, welches die Angelegenheit der Kron prinzessin von Sachsen und ihres Bruders, des Erzherzogs Leopold Ferdinand, erregt hat, ist es gewiß ganz angebracht darauf hinzuweisen, daß Liebesbündnisse und Ehen zwischen fürstlichen und bürgerlichen oder dem niederen Adel angehörenden Personen in alter wie neuer Zeit feineswegs selten waren.
Eine der glücklichsten derartigen Ghen war wohl die des Fürsten Leopold von Dessau, des alten Dessauers", wie er später von den Soldaten Friedrichs des Großen genannt wurde. Als er zu der schönen Apothekertochter Anna Föhse( ,, Anna- Liese") in Dessau in heftiger Liebe entbrannte, fonnte er jedoch auf diesen Beinamen noch feinen Anspruch machen: er war faum 17 Jahre alt. Gleich nach dem Ableben seines Vaters, 1693, erklärte cr, daß er die Jungfrau Föhse heiraten werde". Aber erst 1697 gelang es ihm, die entgegengebrachten Schwierigfeiten zu überwinden und seine Anna- Liese heimzuführen. Als diese ihm im Jahre 1745 starb, brach ihm das Herz und zwei Jahre später folgte er der Unvergeßlichen ins Grab nach. Viel besprochen wurde auch die Ehe König Friedrich Wilhelms III. mit der Gräfin Augusta Harrach, der späteren Fürstin Liegniß, mit der sich der König im November 1824, 14 Jahre nach dem Tode der Königin Luise, im Charlottenburger Schlosse vermählte.
In seiner Neigung zu einer Schauspielerin hat Erzherzog Leopold Ferdinand auch eine ganze Anzahl be rühmter Vorgänger. So ließ sich der spätere König Lezpold I. der Belgier, welcher seine erste Gemahlin durch den Tod verloren hatte, 12 Jahre später die reizvolle 22jährige Schauspielerin Karoline Bauer, die Tochter eines badischen Rittmeisters, die damals( 1824) an der Berliner Hofbühne tätig war, antrauen. Herzog Ludwig von Bayern vermählte sich im November 1892 mit der zur Frau v. Bartolf erhobenen Antonie Barth, der Tochter einer Goldstickerin in München, die er als Elevin des Hoftheaters tennen gelernt hatte. Interessant ist auch die morganatische Che des Herzogs Georg von Sachsen- Meiningen mit der Freifrau von Heldburg( als Schauspielerin Ellen Franz). Nach etwa zehnjähriger Tätigkeit an verschiedenen Bühnen fam sie 1867 nach Meiningen, und am 18. März 1873 meldete das Meininger Regierungsblatt zur allgemeinen leberraschung die morganatische Vermählung des Landesfürsten. Endlich wäre hier noch zu erwähnen, daß sich Graf Hartenau, der ehemalige Fürst Alexander I. von Bulgarien, mit der Darmstädter Opernsängerin Loisinger vermählte.
Eine sehr glückliche morganatische Ehe war die Viktor Emanuels II. von Italien mit der früheren Tänzerin Rosina Vercellone, der Tochter eines Tambour majors, die der alle hösischen Schranken verachtende Fürst nach dem Ableben seiner Gattin, ciner österreichischen Erzherzogin, zum Altar führte. Sehr bekannt ist auch die Che zur linken Hand, die den Kaiser Alexander II. von Rußland am 30. Juli 1880 mit der schönen Prinzessin Katharina Dolgorufy, späteren Fürsten Juriewskaja, vereinigte.
Gar nicht so selten sind auch die Fälle, wo sich eine Fürstentochter entschloß, einem weniger hochgestellten Mann Herz und Hand zu bieten. Marie Luise von Cesterreich, die Tochter Franz I., Witwe des Kaisers Napoleon, vermählte sich 1821 mit ihrem Oberhofmeister Grafen Neipperg. Ein zweites Beispiel aus neuester Zeit bietet die Verbindung der Prinzessin Pauline von Württemberg mit dem Dr. der Medizin Melchior Willim in Breslau. Dem Professor Johannes Friedrich August Esmarch in Kiel, geboren 1823, reichte am 28. Februar 1872 die Prinzessin Henriette von Schleswig- Holstein- Sonderburg- Augustenburg, geboren 1833, eine Tante der deutschen Kaiserin, die Hand zu einer überaus glücklichen Ehe. Königin- Witwe Marie Christine von Spanien, geboren in Neapel 1806, vermählte sich mit einem Leibgardisten, Don Fernando Munoz, erst heimlich am 28. Dezember 1833, und öffentlich am 13. Oktober 1844; Munoz wurde zum Herzog von Rianzares erhoben. In England sind zwei Prinzessinnen gleichen Namens mit Männern aus nichtregierenden Häufern Chen morganatische oder ,, unebenbürtige" Then fennt man in England nicht eingegangen; zuerst die 1848 geborene Prinzessin Luise, die vierte Tochter der Königin Viktoria, mit dem späteren Marquis of Lorne und in neuerer Zeit eine Tochter König Eduards, die am 20. Februar 1867 geborene Prinzessin Luise, die den früheren Grafen, jeßigen Herzog von Fife die Hand reichte. Man sieht, die Liebe hat nie nach Rang und Titel gefragt und sich rücksichtslos über die Schranken der Etiquette hinweggejetzt. Auch die Großen der Welt sind am letzten Ende nur Menschen und menschlichen Leidenschaften und Schwächen unterworfen.
Die Politik.
Beamtenwechsel in der Rheinprovinz.
1 Der Oberpräsident der Rheinprovinz, Nasse, beab= sichtigt demnächst zurückzutreten. Als sein Nachfolger wird Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz, Frhr. v. Schorlemer Lieser, genannt. Ferner tritt der Landeshauptmann derselben Provinz, Dr. Klein, in den Ruhestand, sein Nachfolger wird der Regierungspräsident in Arnsberg, v. Reuvers. Schließlich wird auch der Posten des Düsseldorfer Regierungspräsidenten v. Holleuffer, der am Sonntag an Influenza gestorben ist, neu besetzt werden müssen.
Die Verschleppung der Venezuela- Affäre. Ter ganze venezolanische Handel ist nun richtig dadurch, daß die Mächte die amerikanische Einmischung nicht zurückwiesen, auf ein totes Geleise überführt worden. Nach einer Meldung aus Washington wird es sicherlich längere Zeit dauern, bevor irgend ein Dokument in der venezolanischen Angelegenheit zur Unterzeichnung bereit sein wird. Aus Venezuela selbst liegt nur die Nachricht vor, daß ein gegen den Präsidenten Castro gerichteter Staatsstreich vom Vizepräsidenten der Republit vorbereitet werde. Hoffentlich wird der Frechling dabei von der Bildfläche verschwinden. Dieser halbindianische Mestize hat fürzlich auf die Frage eines Deutschen, ob er bereit sei, die Mächte um Entschuldigung zu bitten, geantwortet:„, General Castro hat nichts zu entschuldigen." Die Umgebung des Präsidenten brach natürlich bei dieser Tirade in lebhafte Hochruse auf ihn aus. Die Nachrichten von Gefechten zwischen den Aus ständischen und den Truppen Castros bringen ebenfalls nichts überraschendes. Castros Parteigänger werden da bei mit erstaunlicher Regelmäßigkeit geschlagen.
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König Alexanders Blamage.
= Frau Draga und ihr Gemahl, der Milansprosse, haben eine bittere Demütigung erlitten. Graf Lamsdorff, der russische Minister des Aeußern, hat bei seinem Besuch in Sofia dem Königspaar zu verstehen gegeben, daß man es am russischen Hose nicht sehen will. Nichtsdestoweniger scheint Alexander der Unwillkommene noch immer auf die Verwirklichung seines Traumes, vom weißen Zaren empfangen zu werden, zu hoffen. Anders ist es kaum zu deuten, daß er dem Grafen Lamsdorff, der den höchsten serbischen Orden bereits besitzt, sein Bildnis in funstvoll gearbeitetem Rahmen verliehen hat. Verlorne Liebesmüh!
Der Sultan von Marokko in Bedrängnis!
Die marokkanischen Rebellen sind dem Sultan ganz erheblich über: Die Sultanstruppen haben bei dem letzten Zusammenstoß mit den Ausständischen 2000 Tote und Verwundete verloren. Ein Teil der Truppen des Sultans hat sich dem Führer der Aufständischen Buttamara angeschlossen, der die dem Sultan treuen Truppen bis nach Fez zurückgetrieben hat. Fez ist nicht länger als einige Tage zu halten. Die Einwohnerschaft wird nur so lange loyal bleiben, als der Sultan sie schützen und ernähren kann. Eine Belagerung von wenigen Tagen aber bedeutet Hungersnot. Das Ansehen des Prätendenten ist beständig im Wachsen, wahrscheinlich werden sich auch die noch zunt Sultan haltenden Stämme den Rebellen anschließen. Entkommt der Sultan, oder kann er Fez halten, so wird ihn der Süden unterstüßen, in welchem Fall ein Bürgerkrieg unvermeidlich ist. Tatsächlich ist die ganze Armee des Suttans geschlagen, da in Fez nur verhältnismäßig wenig Truppen zurückgelassen worden sind. In Spanien werden bereits Maßnahmen für ein etwa nötiges Eingreifen getroffen. Spanien ist bekanntlich an der Lage in Marokko mehr interessiert als alle anderen Mächte.
Kurze politische Nachrichten.
* Berlin, 29. Dezember.( Hofbericht.) Der Kaiser und die Kaiserin, sowie deren Söhne empfingen am Sonntag eine Anzahl hervorragender Berliner Bildhauer und Architekten, um ihnen die von Professor Jhne ausgeführte Umgestaltung der Räume des Königlichen Schlos jes zu zeigen. Der Weiße Saal ist völlig umgebaut, dazu sind eine Reihe von Prunkgemächern im Stile der Renaissance, Louis XIV. und Louis XVI. neu entstanden. Nach der Besichtigung verabschiedete sich die Kaiserin. Der Kaiser lud seine Gäste zu einem falten Abendbrot, dem sich ein Bierabend mit Zigarren und Zigarretten anschloß, der bis nach 1 Uhr dauerte.
* Der Großherzog von Hessen ist am Sonntag Abend in Delhi im Höslager des Vizekönigs von Indien eingetroffen.
* Ju Stettin soll im Januar eine Pommersche Ansiedlungsgesellschaft ins Leben gerufen werden. Zweck der Gesellschaft ist unter anderem die Unterstützung ar mer Bauern und die Schaffung von Arbeiterrentengütern. * Aus Anlaß des 100 jährigen Jubiläums der Dorpater Universität sind eine große Anzahl deutscher Gelehrter zu Ehrenmitgliedern dieser Hochschule ernannt worden.
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Die Zukunft der städtischen Oftrois in Hessen.*)
Vor anderthalb Monaten haben wir an dieser Stelle in einem Leitartikel unter dem Titel ,, Der Zolltarif und die Aufhebung der städtischen Oftrois" darauf hingewiesen, daß im Deutschen Reichstage ein Antrag angenommen worden ist, wonach vom 1. April 1910 die deutschen Städte Abgaben auf Getreide, Mühlenfabrikate, Backwaren, Vich und Fleischwaren nicht mehr erheben dürfen. Dieser Antrag wurde in Form eines besonderen Paragraphen 10a dem neuen Zolltarifgesetze einverleibt. Die Tendenz dieses Amendements liegt auf der Hand. Die Mehrheit des Reichstags, die entschlossen war, die Getreide- und Viehzölle zu erhöhen, und von dieser Erhöhung das Zustandekommen der neuen Handelsverträge abhängig zu machen, wollte, um den Vorwurf der fünstlichen Nahrungsmittelverteuerung, den die städtische Bevöl ferung gegen sie erhob, zu entkräften, gleichsam als Kompensation wenigstens diejenigen Einrichtungen be seitigt wissen, die eine Anzahl von deutschen Gemeinden im Wege der indirekten Kommunalbesteuerung von Fleisch und Brot getroffen hatten. Man konnte zwar nicht bestreiten, daß der höhere Grenzzoll, sofern er überhaupt die erhofften Wirkungen haben würde, die inländischen Marktpreise für Brot und Fleisch verteuern würde. Man wollte aber dasselbe Recht, was die Reichsgesetzgebung für sich in der Form des Schutzzolles in Anspruch nahm, den kommunen nicht in Form des Finanzzolles zugestehen.
Seit Veröffentlichung unseres ersten Aufsages haben sich eine Reihe von Vermutungen, die wir damals aussprachen, in vollem Umfange als zutreffend erwiesen. Wir erklärten es damals für wahrscheinlich, daß die Reichsregierung und die agrarische Mehrheit des Reichstags sich über das Zolltarifgesetz doch noch einigen würden.
Das ist inzwischen geschehen. Der„ llmfall" ist Thatsache geworden. Man soll zwar eigentlich in politischen Dingen nicht prophezeien. Trotzdem haben wir uns damals dazu verleiten lassen und wir haben diesmal ziemlich Glück damit gehabt. In unserem Aufsatze, der schon über sechs Wochen alt ist, heißt es: „ Wer umfällt und seine feierlichen Erklärungen Lügen straft, weiß man noch nicht. Vielleicht fallen Beide um und zwar so, daß sie sich in die Arme fallen und den Versöhnungsfuß geben. Anzeichen für einen solchen Doppelumfall liegen bereits vor. Aufmerksamen Beobachtern ist nämlich nicht entgangen, daß der Reichsfanzler gegen den erhöhten Gerstenzoll, den namentlich die bayerischen Bauernbündler und mit ihnen das Zentrum forderten, sich nicht selbst ausgelassen hat, sondern dies durch Bundesratsbevollmächtigte hat besorgen lassen. Vielleicht handelt es sich um eine von vornherein vorbereitete Rückzugstaftif. Ist diese Vermutung richtig, so kann der Reichskanzler gerade bei dieser Tarifnummer einlenfen und damit auch dem Gegner eine Rückzugsbrücke bauen. Als Gratisbeigabe fönnen dann noch die Reichstagsdiäten in sichere Aussicht gestellt werden."
Dies war zu Papier gebracht zu einem Zeitpunkte, wo sich der Reichstag noch mitten in der zweiten Lesung des Zolltarifgefeßentwurfes sich befand. brauchen also jetzt, wo die dritte Lesung beendet und der Gesetzentwurf im Reichstag und im Bundesrat verabschiedet ist, nichts von dem damals Gesagten zurückzunehmen. Beide, die Reichsregierung und die Reichstagsmehrheit, sind umgefallen, nachdem man die Majorität reichlich mit Futtergerste gesättigt hat. Der Bundesrat hat dann zu dem Kompromisse Ja und Amen gesagt, und so kann jeder Tag eine Nummer des Reichsgesetzblattes bringen, in der das Zolltarifgesetz in seiner ganzen Größe zu lesen ist.
Kaum war der Vorhang über den dritten und letzten Aft der Ritter- und Junker- Komödie, Zolltarif" genannt, gefallen, da trat der alte possenhafte Einafter für kleine ,, die Diätenfrage", wieder im Reichsspielplan auf. Durch die Zeitungen ging die Nachricht, daß sich jetzt im Bundesrate eine hinreichende Majorität für die Bewilligung von Anwesenheitsgeldern an die Reichstagsabgeordneten gefunden habe, und ist diese Nachricht.
*) Nachdruck nur mit genauer Quellenangabe gestattet.
furz. Es ist sehr sonderbar! Barbara, hörst du?" ein Versehen begangen haben sollte," äußerte Lord Elsdale Es ist faum wahrscheinlich, daß Mrs. Fairfax folch
ber junge Mann an ihrer Seite ihr zugeflüstert.
verloren, und eben lächelte sie über eine Bemerfung, welche
und Bergnügungen
süßes, mielodisches Lachen wird Elsdale wahrscheinlich tot erscheinen." Ihrem Glanz!" lachte Barbara Hatton und Schmeicheleien und uidigungent Nichts ist übrig geblieben als beschmuste HandDh, der ist jest verschwun solch eit
den!
In Bezug
Rosen."
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verzeihen Ste
auf den Geber d
Blick auf sein Gesicht. ,, Den Geber meiner Blumen?" lächelte sie. einem Zuge fragenden Erstaunens richtete sic Sind sie
drei Frauen an
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Promenadenanzuge die Theater- Toilettemachens widmen? Die Männer sind vielleicht um eine einigfeit es auf Sie nicht den Eindruck, als ob sie des beständigen gebührende zu müde wären, um Aufmerffamfeit ihrer 318
nachlässig frisiertes Haar! Mach


