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Nr. 298

Mbonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­jährlich Mr. 1.50.

Butisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Cherheffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erid eint an allen Werktagen nachmittage.

Montag, den 22. Dezember 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Jusertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Wetzlar und Marburg 10 Pfg. sonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Expedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Amtliche Bekanntmachungen.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Ausführung der polizeilichen, technischen Maß und Gewichts- Revisionen in der Stadt Gießen.

Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Interessenten, daß demnächst eine allgemeine Revision der Maße, Gewichte und Waagen in hiesiger Stadt vor­genommen werden wird. Mit Ausführung derselben

wird ein Aichmeister und ein Schußmann betraut werden. Die Gewerbetreibenden sind gehalten, diesen Beamten bei Meidung der Strafe des§ 369 Nr. 2 St. G. B. und des Artikel 73 P. St. G. alle in ihrem Betriebe benutzten Maße, Gewichte und Waagen vorzu­zeigen und die Prüfung derselben zu gestatten. Bei Der Revision sich ergebende Vorschriftswidrigkeiten werden nach den angezogenen Gesezesstellen mit Geld­ftrafe bis zu 100 Mk. oder Haft bis zu vier Wochen, auch mit Einziehung der unvorschriftsmäßigen Maße, Gewichte und Waagen geahndet.

Um Strafen möglichst zu verhindern und das Revisionsgeschäft zu beschleunigen, empfehlen wir den Interessenten, ihre der Revision unterworfenen Gegen­Ftände vorher bei dem Neuenweg Nr. 43 dahier amtierenden Großh. Aichamt Gießen prüfen zu lassen. Die Vorrevisionen finden für die Gewerbe­treibenden der nachbenannten Straßen an den jeweils angegebenen Tagen statt und zwar:

Am 14. und 16. Januar:

Bezirk 3, bestehend aus Marktstraße, Rittergasse, Neu­stadt, Löbershof, Mühlgasse, Westanlage, Hammstraße, Lahnstraße, Rodheimerstraße, Krofdorferstraße, Hardt, Schüßenstraße, Kornblumengasse, Nordanlage und D8­waldsgarten.

Am 20. und 21. Januar:

Bezirt 4, bestehend aus Bahnhofstraße, Tiefenweg,

Kriegsblockade gegen Venezuela.

England und Deutschland haben über die venezolani schen Häfen die Kriegs- Bockade verhängt. Die Folgen der Blockade haben sich Fenn auch prompt bemerklich gemacht: in den venezolanischen Hafenstädten ist eine empfindliche Steigerung der Lebensmittel eingetreten, außerdem herrscht Geldmangel, da die Banken Diskontierung ab­lehnen.

Der Schiedsgerichtsvorschlag

des Präsidenten Castro hat erfreulicherweise, wie sich ge­genüber den ersten Meldungen nachträglich herausgesteill hat, auch Englands Billigung nicht gefunden. So­wohl die deutsche wie die britische Regierung haben den Bereinigten Staa'en auf den Schiedsgerichtsvorschlag Caftros, der das Washingtoner Kabinet in London und Berlin verlegte, den gleichlautenden Bescheid gegeben: Beide Mächte lönnten den Vorschlag nur annehmen, falle die Vereinigten Staaten die Bürgschaft oder die Selbst­berantwortlichkeit für das Erkenntnis des Schiedsgerichts übernehmen, sobald das Urteil gegen Venezuela ausfällt. der Bescheid verlangt ferner die Versicherung, daß die britischen bezw. deutschen Schiffe nach Zurückziehung der riegsschiffe nicht wieder Belästigungen ausgesezt sind. Die amerikanische Regierung erklärte sich außer Stande, diese Bürgschaften zu geben, und hatte angeregt Deutschland, Großbritannien und die anderen Mächte, die Forderungen an Venezuela haben, sollten ihre Ansprüche dent Haager Schiedsgericht unterbreiten. Venezuela würde dann verpflichtet sein, die Entscheidung des Haager Ge­richts zu achten, oder es würde sich selbst außerhalb des Kreises der zivilisierten Völker stellen und dem entsprechend behandelt werden. Selbstterrändlich werder die Verhandlungen über eine schiedsgerichtliche Beilegung den Angelegenheit trotz der Verhängung der Kriegs. blockade fortgesetzt.

Die Haltung Amerikas.

Amerika betreibt die Sache weiter; der amerikanische Banfier Seligmann hat sich bereit erklärt, der venezola nifchen Regierung die 108 millionen Mark, die zur Be friedigung Deutschlands und Englands nötig sind, zu lei hen; die Union dürfte diese Absicht unterstügen, sowei sie, ohne sich selbst zu verpflichten, es tun kann. Natürlic tut die Union das nicht des lieben Friedens halber, auch ni ht um der schönen Augen der an den Wirren beteiligten Mächte willen, sondern um dabei selbst ihr Schäfchen zu ieren. Nachdem erfreulicherweise die Intriguen, Deutsch

Kaplansgasse, Katharinengasse, Wolfengasse, Schanzen­straße, Frankfurterstraße, Alicestraße, Wilhelmstraße, Liebigstraße, Leihgesternerweg, Riegelpfad, An den Bahnhöfen, Ebelstraße, Hofmannstraße, Crednerstraße, Grabenstraße, Hinter der Westanlage, Klinikstraße.

Am 23. und 27: Januar: Bezirk 5, bestehend aus Neuenweg. Keuenbäue, Sonnen­straße, Erlengasse, Weidengasse, Gartenstraße, Stephan­straße, Hessenstraße, Schiffenbergerweg, Ludwigsplay, Gutenbergstraße, Ludwigsstraße, Südanlage, Bismard­straße, Goethestraße, Bleichstraße, Bergstraße, Löber­straße, Licherstraße, Grünbergerstraße, Moltkestraße, Eichgärten, Wolfstraße und Großer Steinweg.

Am 28. und 30. Januar:

Bezirk 6, bestehend aus Wallthorstraße. Weßsteinstraße, Wetzsteingasse, Lindengasse, Brandgasse, Kanzleiberg, Hundsgasse, Asterweg, Schillerstraße, Braugasse, Stein­straße, Weserstraße, Dammstraße, Ederstraße, Mar­burgerstraße, Wieseckerweg, Oftanlage und allen unter den Bezirken 1-6 noch nicht aufgeführten Straßen 2c. Im Interesse eines besseren Fortgangs der Revisionen und um die Bewerbetreibenden vor unnötigen Kosten zu bewahren, ist es unbedingt erforderlich, daß sämtliche zu prüfenden Gegenstände in gehörig gereinigtem Zustande und reparaturbedürftige Maße und Waagen erst nach vollzogener Reparatur in das Aichlofal verbracht werden.

Gießen, den 15. Dezember 1902. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler.

Bekanntmachung.

Betr. Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft in Flur VIII. der Gemarkung Steinbach.

land zu isolieren, erfolglos geblieben zu sein scheinen, suchen die Amerikaner sich für den Ausfall des erhofften Plus an politischem Prestige schadlos zu halten, indem sie von Venezuela für ihre gegenwärtigen und zukünftigen Dienste nichts weniger als die Verpachtung oder den Verkauf der Insel Margarita verlangen!

Weitere Nachrichten aus Venezuela besagen, die vene­zolanischen Aufständischen hätten Rio Chico und Tucacas genommen und belagerten Coro.

Von deutscher Seite meldet ein Telegramm aus Ham burg, daß die für das beschlagnahmte venezolanische Kriegsfahrzeug Restaurador" bestimmte Besatzung mit dem Dampfer ,, Sibiria" am 23. d. Mts. die Ausreise an­treten wird.

Die Politik.

Vem Reichsinvalidenfonds.

Soeben wird der Etatsvoranschlag für den Reichsin­validenfonds bekannt. Danach muß zur Bestreitung der Ausgaben für die Versorgung der Kriegsinvaliden und ihrer Hinterbliebenen der Kapitalbestand des Fonds auch im nächsten Jahre wieder angegriffen werden; und zwar müssen aus dem Kapitalbestande diesmal nicht weniger als 38,8 Millionen Mark hergegeben werden. Schon seit dem Jahre 1891 wird regelmäßig der Fonds selbst in An­spruch genommen, da die Zinsen zur Deckung der durch die Aufbesserung der Invalidenbezüge im Jahre 1901 noch erhöhte Ausgaben nicht ausreichen. 1901 wurden 15 Mil­lionen Mark, 1902 schon 32 Millionen und jetzt werden beinahe 39 Millionen aus dem Fonds genommen, dessen Zinsertrag sich dadurch natürlich ständig vermindert. Erfreulicherweise stellt aber soeben eine offiziöse Korre­spondenz eine Besserung der Reichsfinanzen in absch­Earer Zeit in Aussicht. Damit würde die Möglichkeit ge­geben sein, den Invalidenfond nicht weiter anzutasten und seinen Kapitalbestand eher noch auf das ursprüng­liche Maß hinaufzubringen.

Die Memoiren des Sultans.

Der Beherrscher aller Gläubigen will jetzt unter die Chronisten gehen: Wie aus Konstantinopel gemel det wird, steht der Sultan Abdul Hamid im Begriff, seine Memoiren zu schreiben, mit der Bestimmung, daß sie nur nach seinem Tode veröffentlicht werden sollen. Der Gedanke, die Geschichte seiner Regierung zu erzählen, ist ihm, so heißt es, gekommen, als er die Angriffe der

Nachdem Großh. Ministerium des Innern dem Statut für die öffentliche Wassergenossenschaft zur Ent­wässerung von Grundstücken in Flur VIII der Gemarkung Steinbach unterm 12. 1. M. die Genehmigung erteilt hat, bringen wir nachstehenden Auszug aus demselben gemäß Ar­tifel 39 des Bachgesezes( in der Fassung der Bekanntmachung vom 30. September 1899) unter dem Anfügen zur öffent­lichen Kenntnis, daß das Statut mit Bekanntmachung in Kraft tritt.

1. Namen der Genossenschaft: Wassergenossenschaft Lundorf.

2. Sitz derselben: Steinbach.

3. Gegenstand des Unternehmens: Entwässerung von Flur VIII der Gemartung Steinbach.

4. Die von der Genossenschaft ausgehenden Bekannt­machungen werden unter der Bezeichnung ,, Wasser­genossenschaft Lundorf zu Steinbach" im Amtsblatt des Kreises Gießen erlassen und vom Genossenschaftsvorsteher unterzeichnet. Die Be­fanntmachungen der Genossenschaft sind ferner in der Gemeinde Steinbach in ortsüblicher Weise zu ver­öffentlichen.

Gleichzeitig wird Tagfahrt zur Wahl, Vereidigung und Einsetzung des Genossenschaftsvorstandes auf

Donnerstag, 15. Januar 1903, vormittags 10 Uhr,

im Gemeindehause zu Steinbach anberaumt und die General­versammlung zum Zwecke der Vornahme der Vorstands­wahl hierzu einberufen.

Gießen, den 18. Dezember 1902. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Breidert.

europäischen Blätter zur Zeit der armenischen Vorgänge las. Diese Angriffe hätten ihn furchtbar gekränkt. Man nimmt in Diplomatenfreisen an, diese Memoiren würden großes Aussehen erregen, weil sie eine Art Gegenklage gegen die europäische Politik enthalten.

Zar Nicolaus und der Spiritismus. Durch die Presse ging fürzlich die Nachricht, der Zar habe den französischen Geisterbeschwörer" Philippe an den russischen Hof gerufen. Als die Nachricht sich bestätigte, tauchte in englischen Blättern die Meldung auf, der Zar sei völlig unter den Einfluß Philippes geraten, der am Hofe den tollsten Hokuspokus treibe und u. a. den Geist Alexanders II. habe erscheinen lassen! Von russischer Seite sucht man diesen ziemlich bestimmt auftretenden Gerüchten zu begegnen. Der Leibarzt des Zaren, Dr. Hirsch, erzählt, Philippe sei auf besonderen Wunsch der Zarin au den Hof gerufen worden, um das Geschlecht des zu erwartenden Kindes festzustellen. Alle Gerüchte der Presse über den Einfluß, den er über den Zaren gewonnen haben solle, seien nicht ernst zu nehmen. Der Zar sei außerordentlich gutmütig, und es mache ihm das größte Vergnügen, wenn er den Hof unterhalten könne. So habe denn Philippe seine Anwesenheit benutzt, um das Kaiserpaar durch spiri­tistische Sigungen aufzuheitern. Der Zar habe die Vor­führungen des Spiritisten scherzhaft aufgefaßt.

* Der Kaiser verlieh sein Bild sämtlichen Mann­schaften der Kaiserjacht Hohenzollern" und des Kaiser­bootes ,, Sleipner", die an der Englandreise teilgenom­men haben.

* Der Reichskommissar für Auswanderungswesen in Bremen, Kapitän v. Levezow, ist in Oldenburg einem Echlagfluß erlegen.

* Bei der Reichstagsstichwahl in Liegnih wurde der freisinnige Kandidat Pohl gegen den Sozialisten Bruhns gewählt.

* Daß bei Korjör bei seiner Probefahrt auf den Strand geratene deutsche Linienschiff Wittelsbach" ist Sonnabend früh wieder flott geworden. Es wurde durch den großen Kreuzer Prinz Heinrich" und das Linienschiff ,, Kaiser Wilhelm der Große" abgeschleppt. Seit Dienstag hat das Schiff festgesessen. Wie aus Miel verlautet, ist das Schiff anscheinend unbeschädigt.

* Die oft angekündigte Novelle zum Börsenge­sez wird dem Reichstage in dieser Tagung kaum mehr vorgelegt werden. Sie liegt seit etwa einem halben Jahre dent Bundesratsausschuß für Handel und Verkehr vor, der sich über den Entwurf noch nicht schlüssig gemacht hat.

willig Aufflärungen geben.

Fragen vollte er

beantworten,

aber nicht frei­

Leben auszuschließen, dachte er mit Bitterfeit. Antriebe allen Sonnenschein aus Ein Mensch brauche doch nicht feinem

aus eigenem

Sie gehörten, plöglich gestorben sei," nahm Mr. Francis fach, daß eine Schauspielerin in der Truppe, zu welcher Ihr Brief, wenn ich mich recht erinnere, fagt ein­

stoßenb.

und ge

nung gehabt. seiner Mitter versprochen ,, Und seit dem Tode seiner Mutter ist das Kind " In meiner Obh it gewesen," ergänzte Mark. Ich von solch bodenloser Schlechtigkeit hatten sie keine Ah mein, war ihnen ja hinlänglich bekannt gewesen, aber Daß sein Lebenswandel nichtswürdig

hatte

Mohr meine

Sie

mir

bas

Zeugnis

der Anwalt fort.

hier lassen,

Mx.

über­

,, Wollen von geringerer Wichtigkeit. Robson?" fuhr Ich muß mich nach Aufrufe erlassen; aber wir möchten die ganze Sache daß Sie nicht wissen, wo das Kind geboren; doch ist dies id aft darüber Mitteilung mache. Es trifft sich unglüdlich, zeugen, daß alles in Ordnung ist, bevor ich seiner Lord­Natürlich fönnten wir dar

Sie

hatte

vor sich

hingeträumt,

schnellsten wieder losbrächte,

fie

und horchte

und

drehte

Kopf gegen ihn. legten Worten auf. denn sonst als für mich Für wen?" fragte Für wen?" wiederholte er beleidigt.

erst bei einen

den

reizenden

,, Ra, für wen