Nr. 272
Anement preis: in Gießen, abgebolt monatlich botg ine Haus gebracht 60 Pfa., durch die Post bezogen vierteljährlich Mr. 1.50.
Brattabellagen Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberheinische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft und Bartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Freitag, den 21. November 1902.
Gießener
11. Jabraang.
Junctionsvreid: Die einfvaltige Petitseile für Gießen wie ganz berbeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 refp. 40 Pfa.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28. Ferufprechauschluß Nr. 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Beitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weylar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großherzoglichen Bürgermeisterei Gießen.
Die Verjährungsfrist
für Kaufleute.
CB. Es dürfte jetzt für unsere Kaufleute die Zeit sein, sich der Verjährungsfrist zu erinnern. Am 1. Dezember 1902 verjähren alle vor dem 1. Februar 1901 entstan benen Schuldverpflichtungen für geschäftliche Lieferungen, fofern sie nicht unterbrochen worden sind. Die bloße Zusendung einer Rechnung genügt nicht, um die Verjährung zu unterbrechen. Sie wird seitens des Schuldners unterbrochen durch eine Anerkennung der Schuld, mag diese nun in Form einer Bestätigung für die Richtigkeit der eingesandten Rechnung, in Form einer Abschlagszahlung oder in Form der Angabe eines Zahlungstermines erfolgen. Seitens des Gläubigers wird sie unterbrochen durch einen Zahlungsbefehl oder einen Klageantrag.
Die Festsetzung einer Verjährungsfrist ist zweifellos eime Wohltat für die Geschäftswelt, weil sie dem unbeschränkten Borgen ein zeitlich beschränktes Ziel setzt und langsame Zahler wenigstens innerhalb zweier Jahre dem Gerichtsvollzieher näher bringt. Ein Kaufmann aber, der aus falsch verstandener Rücksicht auf seine Kundschaft die Verjährungsfrist verstreichen läßt, ohne die gefeßlichen Mittel für deren Unterbrechung zu be nußen, ist ein Feind seines eigenen Geschäftes; ein hunde, der in zwei Jahren nichts von seiner Schuld abgezahlt hat, ist ja ohnehin schon ein Schaden, weil er Zinsverluste herbeiführt. Gegen einen solchen Mann borzugehen, hat nichts Peinliches und ist geradezu eine öffentliche Pflicht.
Vor allem sollte aber auch darauf hingewirkt werben, daß die Benutzung der Verjährungsfrist durch den Schuldner als ein schimpflicher Aft gilt. Hier ist an das Wort zu erinnern, das ein westdeutscher Richter einst sprach. Vor diesem erschien als Beklagter ein Gewerbetreibender. Als in die Prüfung der Sachlage eingetreten werden sollte, stüßte dieser sich auf die Verjährung. Der Richter, übrigens ein reiner Kadi im guten Gimne, d. h. ein mit dem Volfe und seinem Denken eng berwachsener Mann, bemerkte dazu: Die Verjährung ist nur für schlechte Leute gemacht. Wenn Sie sich zu diesen rechnen, dann ist die Schuld bezahlt. Und siehe da, der Beflagte erkannte nach diesem träftigen Appell an sein Chrgefühl die Schuld an und leistete nach einiger Zeit Zahlung.
In manchen Gegenden macht die Geschäftswelt diejenigen Personen, die sich auf die Verjährung ſtüßen, daburch bekannt, daß sie ihnen in dem Anzeigenteile der Blätter die durch Vorschützung der Verjährung ge= leistete Zahlung" quittiert. Dies Verfahren ist unzulässig, in Wirklichkeit aber auch unnötig, wenn der Kaufmann, wie es Pflicht des vorsichtigen Geschäftsmannes ist, seine Bücher durchsieht und allen Schuldnern, die jeit zwei Jahren sich geniert haben, zu bezahlen, schonungslos den Gerichtsvollzieher ins Haus schickt.
Deutscher Reichstag.
Die indirekten Gemeindesteuern.
218. Sigung.
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CB. Berlin, 20. November.
In der heutigen Sizung, die sich durch eine starke Unruhe auszeichnete, wurde über den von der Kommission als§ 10a in das Bolltarifgesez hineingearbeiteten Antrag auf Beseitigung aller indirekten städtischen Steuerlaften für Lebensmittel mit Ausnahme von Malz, das jur Bierbereitung dient beraten. Ein sozialdemokraischer Antrag will auch jede städtische Steuer für sontige landwirtschaftliche Gegenstände und für Malz aufheben. Der freisinnige Abg. Fischbeck begründete den Intrag mit einem weit ausholenden geschichtlichen Rückblick, in welchem er namentlich ausrechnete, wieviel die inzelnen Städte auf den Kopf der Bevölkerung aus ihren indirekten Steuern ziehen. Staatssekretär Graf PoSadowsky sprach sich gegen die Annahme dieses Paragraphen aus, weil er eine Verfasserungsänderung bebeute. Aus dem gleichen Grunde war auch der preubische Minister, der zugleich im Namen verschiedener Bundesstaaten sprach, dagegen; er bestritt übrigens auch, daß die Steuern die Lebensmittelpreise erhöhen. Im Namen der Konservativen gab der Abg. Rettich die Erflärung ab, daß sie gegen den Paragraphen stimmen, weil er eine Verfassungsänderung enthält, während Hyetold dafür eintrat. Singer ſieht in jeder indirekten Steuer eine Verfündigung gegen Humanität und Gerech fig feit. Singer schließt seine Ausführungen mit der Behauptung, daß nur der reine Kapitalismus gegen die Aufhebung der indirekten städtischen Steuern sei, weil dadurch die direkten Steuern und insbesondere der wohlhabenden Klassen stärker in Anspruch genommen würdem. Der bayerische Ministerialdirektor Ritter v. Geyger liefert eine Statistit über die Wirkung der Aufhebung des Octrois, die den direkten Steuerjag in vie
Yen Städten in die Höhe getrieben habe. Im Prinzip gegen die indirekten städtischen Steuern, sprach sich der nationalliberale Abg. Dr. Paasche gleichwohl gegen den Kommissionsantrag aus, weil er unter Umständen im Bundesrat die Zolltarifvorlage zum Scheitern bringen könne, und weil seine schroffe Durchführung die städtischen Verwaltungen in große Verlegenheiten bringen würde. Um hier eine goldene Brücke zu bauen, stellte der reichsparteiliche Abg. v. Kardorff den Unterantrag, daß die Durchführung erst mit dem 1. April 1910 beginnen soll. Der Abg. Gothein glaubte die Darlegungen Herolds, namentlich seine Bemerkung, daß die indirekte städtische Steuer die Leidenschaft der Bevölkerung erwecke, gegen die ganze Zollpolitik des Zentrums verwerten zu können, und richtet mit Pathos an das Zentrum die Aufforderung, den Zolltarif zu bekämpfen. Er mußte sich aber dafür von dem konservativen Abg. Grafen Kaniz den Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit gefallen lassen; offenbar habe er die Ausführungen Herolds gar nicht verstanden. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Preiß und Dr. Südekum beginnt die Abstimmung. Der Antrag der Kommission wird mit 145 gegen 90 Stimmen angenommen, desgleichen wird angenommen der Unterantrag Kardorff, der sozialdemokratische Antrag Albrecht aber wird abgelehnt. Abgestimmt wurde mit roten und weißen Zetteln. Die nächste Sizung findet Freitag mittag um 12 Uhr statt unter Fortsetzung der heutigen Beratung.
Die Politik.
Der Kaiser in England.
$ Bei seiner Abreise nach Schottland hat sich der Kaiser über seinen Besuch in Ausdrücken hoher Befriedigung geäußert. Es habe ihm nicht nur sein Aufenthalt bei seinen föniglichen Verwandten, namentlich sein Zusammensein mit dem Könige, für den er Gefühle wärmster Freundschaft hege, große Freude bereitet, sondern er fühle sich auch angenehm berührt durch die Freundlichkeit, mit der ihn das englische Volk überall von der Stunde seiner Landung an empfangen habe. Der Kaiser erkenne die ihm gegenüber bekundeten Gefühle hoch an und nehme bei seinem Scheiden von dem englischen Gestade die besten Erinnerungen mit sich.
Ein Rechenexempel.
$ Durch den Telegraph wird die sehr schlichte Nachricht verbreitet, daß das englische Unterhaus das Enteignungsgeset angenommen hat. Diese Tatsache ist von größerer Tragweite, als sich bei dieser kurzen Meldung übersehen läßt, denn mit Hilfe dieses Gesezes tann unter Umständen das Minengebiet in Südafrika verstaatlicht werden. Und dieser Plan besteht tatsächlich, und er wird dem Volke in Form des nachstehenden Rechenerempels sympathisch gemacht: Jm Minengebiet am Rand lagern noch Goldschätze im Werte von 500 Millionen Pfund Sterling, für die Minen können die Besizer nach dem jetzigen Standpunkte etwa 110 Millionen verlangen, die Arbeitskosten bis zur völligen Ausbeutung der Minen belaufen sich auf 250 Millionen Pfund Sterling. Es verbleiben sonach noch netto 500 minus 360 Millionen Pfund, also 140 Millionen. Davon ab die Kriegsschuld mit 90 Millionen Pfund; also hat England durch den Burenkrieg nach Enteignung der Minen 50 Millionen Pfund Sterling, oder rund und nett eine Milliarde Marl verdient.
Ministerwechsel in Serbien.
Die äußere Politik Serbiens ist wieder stramm in das österreichische Lager übergeschwenkt. Im Innern steht eine Schwenkung zum radikalen Programm bevor. Aus diesem Grunde hat ein Kabinettswechsel stattgefunden; das neue Ministerium unter dem Vorsize des Generals Markowitsch hat sich bereits formiert. In nächster Zeit steht der dreißigste Gedenktag der Erhebung Serbiens zu einem Königreich bevor. Für diesen Gedenktag fürch tet man eine Volkserhebung gegen die Dynastie Obrenowitsch.
Der Aufstand im Balkan.
Die Erhebung bulgarischer Banden gegen die türtische Oberherrschaft ist so ziemlich niedergeschlagen. Die einberufenen Reservemannschaften sollen deshalb demnächst wieder entlassen werden. Zugleich wird den Be hörden an der bulgarischen Grenze anbefohlen, daß bei ber Säuberung des Landes von den Banden die größte Humanität und Gerechtigkeit zu beobachten fei, und je nen Organen, die dieser Vorschrift nicht nachfommen, strengste Bestrafung angedroht wird. Nach Angaben von türkischer Seite ist in Gjevgelü( Vilajet Saloniki) eine griechische Familie von bulgarischen Komiteemitgliedern ermordet worden.
Nach Depeschen aus Trikala( Thessalien) melden die
Beitungen, einige aufständische Bulgaren hätten sich, von Türken verfolgt, auf griechisches Gebiet geflüchtet und den griechischen Behörden gestellt. Sie seien sämtlich verhaftet worden.
Die Verständigung in der Zolltariffrage.
CB Jn den Wandelhallen des deutschen Reichstags wurde heute erzählt, die Verstän jung zwischen den Mehrheitsparteien und der Regierung seien gescheitert. Diese Meldung ist nach unseren durchaus zuverlässigen Informationen falsch. Zum Gegenteil! Die Verständigung nimmt bereits greifbare Formen an. Die Mindeſtsäße für Gerste werden jedenfalls erhöht. Sonstige Zugeständnisse außer geringen Ermäßigungen bei einzelnen Industriezöllen werden nicht gemacht.
Zweck der Reise des Ministers Budde.
K Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt, allerdings etwas spät, folgende Erklärung über den Zweck der Reise des Ministers Budde:
Den Reisen des preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten nach Süddeutschland und Dresden lag der sehr nahe liegende und selbstverständliche Wunsch des Ministers zu Grunde, mit den Leitern der übrigen deutschen Staatsbahnen in persönliches Benehmen zu treten. Die innigen Verkehrsbeziehungen zwischen den deutschen Eisenbahnen werden naturgemäß dadurch wesentlich gefördert, daß die leitenden Personen auch im mündlichen Verkehr sich über wichtige Fragen aussprechen. Die hierüber hinausgehenden Vermutungen in der Tagespresse über den Zweck der Besuche sind daher unzutreffend. Insbesondere gilt dies von der neuerdings aufgestellten Behauptung, daß es sich bei dem Besuch in Dresden um eine Reform der Personentarise handeln werde. Von einer derartigen Reform ist für die preußisch- hessische Eisenbahngemeinschaft zur Zeit keine Rede. Wie mangelhaft die Blätter, die jene Gerüchte verbreiten, unterrichtet sind, ergibt sich aus ihrer weiteren Behaup tung, daß jene Reform auch auf der im Sommer d. J. in Freiburg abgehaltenen Generalkonferenz des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen erörtert sei. Dieser Verein, dem außer den deutschen auch die österreichische, die ungarische und andere außerdeutsche Verwaltungen angehören, ist zur Verhandlung über diese Frage garnicht zuständig, und sie hat daher auch nicht den Gegenstand der Beratung auf der Freiburger Versammlung bilden können.
Verkehrsverbesserungen infolge des Wettbewerbs.
K Bei der Generaldirektion der württembergischen Staatseisenbahnen haben am Mittwoch Verhandlungen mit italienischen, österreichischen und schweizerischen Be amten stattgefunden, um den Personenverkehr nach und aus Italien zu erleichtern und zu beschleunigen. Das Ganze ist ein Akt des Wettbewerbs gegen Preußen, das mit seinem hessischen Bahnnez den italienischen Verkehr auffängt und durch seine Bolitik auf die umliegenden Staa ten scharf einwirkt. Mit diesem Druck des Nordens auf den Süden kann der Eisenbahnfahrer sehr zufrieden sein, benn auf diese Weise kommt er zu bequemeren, billigeren und schnelleren Fahrten
Kurze politische
amrimren.
* Behuss Abschlusses eines Staatsvertrages zwischen dem Deutschen Reich und Desterreich- Ungarn zur Herstellung der Eisenbahnverbindung Friedeberg a. D- beinersdorf finden gegenwärtig in Berlin fommissarische Berhandlungen statt.
Die Burengenerale brachen ihre Rundreise in Europa ab, um mit Chamberlain in Südafrika selbst weiter zu verhandeln. Dort ist inzwischen das Kriegscecht aufgehoben worden. Der Burengeneral Delarey ist aus London in Berlin eingetroffen, um einer Sigung bes Burenhilfskomitees beizuwohnen.
* Der König von England wird im nächsten Jahre in Portugal seinen Gegenbesuch abstatten und auf Schloß Belem wohnen, das zu diesem Zwede bereits hergetellt wird.
* Die Königin von Italien ist von einem Mädchen entbunden worden.
* Frankreich sendet zum Schuße seiner Untertanen einen Kreuzer nach Marokko.
* Zwischen dem Zaren und dem König von Rumänien sind sehr freundliche Telegramme gewechselt worden. * Gegen den Emir von Afghanistan ift ein Aufstand ausgebrochen.
Nab und fern.
Eisenbahnkatastrophe in Bayern. Der Schnellzug D21 von München nach Berlin stieß in Station Schwarze
би
er
deiner benötigt wäre. Ist das recht?"
Berga, gegnete Leberecht trobig ,,, und ich trage volle
ihn verlassen, gerade jeßt, wo es scheint, als ob
Sch an
für mein Tun."
mein Sohn,
doch ich will
deiner Stelle, in dem Namen, den ich dir gab, enthalten. Tue, recht gemacht hatte. Alles, was ich zu sagen habe, ist bereits Schweigen, fuhr er fort, nachdem er eine kleine Pause Das ist mir lieb zu hören," meinte der Rendant.
Rendant, darf
ich
uns
|_ anzu=
schließen?" Begleitung ab, und so brachen Kerner und das junge Sie auffordern, Der Rendant war müde, auch Leberecht lehnte seine um, wie die meisten Ausflügler, sich
Mädchen
allein
Leberecht bestellte sich ein auf
ben Weg nach dem See in een.
Glas Bier.
Nun, Vater, wie findest du es hier?" fragte er im
Laufe des Gesprächs.
nett Robarecht
Treund
gegangen war, übertam ihn wandten Sprunge setzte er über das
Ms Leberecht ein Stückchen
der Mauer entlang
näheren Einblick
Piemand hatte sein Eindringen bemennerne Schußwert. in die grüne Herrlichkeit zu emit einem ge
zu sehen.
Dazu eine fast andächtige Ruhe und Stille. eines märkischen Gutes in Sonntagsnachmittagsstimmung Herrliche, alte Bäume, Sonnenschein, Bogelsfimmen, und Leberecht blickte sich aufmertfam um: der Park niemand war
Der
junge Ingenieur durchtreuzte den Bark Er war herrlich, wennaleich er fein nach
allen Richtungen.
gab er entrückt. getragen. Bleich und sie stand blühend vor ihm. fonnten alle Wünsche zur Wirklichkeit werden! Band war, welches sie aneinander fnüpfte. Bater mußte sein Kind verlieren Wenn dieses Kind, dieser lleine André starb, dann Fabrices Raucher war plößlich dem Bette des fleinen André ihr die Hoffnung auf ihr Lebensglüld zurück, Seine Phantasie hatte ihn zu seiner Tochter und abgezehrt sah er sie liegen. Da
Herz einnahm, und daß der Knabe das einzige
Fabrice. Ein
Raucher
recte die Glieber.
Er versuchte seine er ober


