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Nr. 163.
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Gratisbellagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Donnerstag, den 17. Juli 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
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Nenelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
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Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
Die Finanzlage des Reiches. In den nächsten Tagen ist die Veröffentlichung des Jahresabschlusses für den Reichshaushalt fällig. Das Rechnungsjahr endigte bekanntlich mit dem 31. März; der Abschluß der Generalstaatskasse erfolgt am 20. Juni. Es muß sich dann herausstellen, ob das Defizit des Jahres wirklich 51 Millionen Mart beträgt, wie der Staatssekretär es Mitte Februar in der Budgetfommission veranschlagte. Bisher find nur die Einnahmen aus Steuern bekannt geworden. Diese ergaben, soweit sie dem Reich verbleiben, einen Ausfall gegen den Etat von 8 Millionen, das ist eine Million weniger, als der Staatssekretär es veranschlagte. Die Ueberweisungen an die Einzelstaaten stellen sich gegen seinen Anschlag um 13 Millionen Mart höher heraus, bleiben aber auch damit noch um 14 Millionen Mark hinter dem Etat zurüd.
Auf das Einnahmeergebnis des laufenden Jahres läßt sich aus den vorliegenden beiden ersten Monatsabschlüssen für April und Mai noch kein Schluß ziehen. Die Bolleinnahmen ergaben zwar unter der Nachwirkung der vorjährigen Ernte noch ein Plus; wie sie sich aber weiterhin gestalten werden, wird wesentlich durch den Ausfall der neuen Getreideernte bedingt sein. Gestaltet dieselbe sich so günstig, wie man bis jetzt erwarten fonnte, so werden mit dem Zuschußbedarf aus dem Auslande die Zolleinnahmen herabgehen, während allerdings andererseits aus Preisermäßigungen des Getreides ein Minderbedarf für die Naturalverpflegung des Heeres erwächst. Der Ertrag der Zuckersteuer, der im vorigen Jahr einen Ausfall brachte, ist nicht zu schäßen. Wenn auch die Preisrückgänge den Inlandskonsum zu steigern geeignet sind, so weiß man doch andererseits nicht, wie weit die demnächstige Annäherung an das Inkrafttreten der Brüsseler Convention die Ausfuhr steigert und damit auch den Betrag für Prämien. Die Branntweinsteuern sind in ihrem Ertrag davon abhängig, wie weit dem Spiritusring die angestrebte Einschränkung der Produktion gelingt. Bei den Börsensteuern haben die beiden ersten Monate in den Einnahmen aus dem Stempel auf Wertpapiere ein Plus von über vier Millionen gebracht, was mehr als eine Verdoppelung gegen dieselbe Zeit des Vorjahres bedeutet. Freilich standen damals diese Monate noch unter der Einwirkung der Krisis im Erwerbsleben, während jeßt sich mehr und mehr ein Aufschwung in der Induſtrie bemerkbar macht, insbesondere nach der Beendigung des südafrikanischen Krieges. Den Hauptausfall brachten im Vorjahre die Verkehrsanſtalter der Post und der Reichseisenbahnen.
Das Defizit des nächstfolgenden Etats jahres 1903/4 hat der Schaßsekretär unlängst bei den Beratungen über das neue Zuckersteuergesetz auf 70 bis 80 Millionen Mark veranschlagt. Darin ist wohl allerdings einbegriffen die Deckung des Defizits von 50 Millionen aus dem zweitvorhergehenden Jahre.
20 bis 30 Millionen in Frage kommen, welche nicht gedeckt werden durch( rhöhte Anschläge aus den vorhandenen Einnahmequellen. Unlängst wurde offiziös versichert, daß das Reichsschazamt angesichts der ungünstigen Finanzlage diesmal die Anschläge der einzelnen Ressorts besonders streng prüfen werde. Da hätte das Reichsschazamt sogleich eine Gelegenheit, auf Ersparnisse zu dringen bei den Ausgaben für die ostasiatische Besazungsbrigade. Dieselbe kostet jähr= lich nicht weniger als 20 Millionen Mark, auch nachdem sie jüngst um ein Drittel vermindert worden ist. Wenn es sich bestätigt, daß nunmehr Tientsin den Chinesen übergeben werden soll, so werden 1300 Mann überflüssig, welche nach dem Dislokationsplan vom Juni in Tientsin verbleiben
sollten. Tientsin sollte danach der Siß des Brigadetommandos bleiben. Außerdem waren in der Provinz Betschili noch vier Rompagnien Infanterie und in Pefing als Gesandtschaftswache zwei Kompagnien vorgesehen. Zwei Bataillone sollten in Shanghai verbleiben und ein Bataillon nach Kiautschau verlegt werden. Das Auftreten der Cholera in Ostasien giebt noch einen Grund mehr, alle noch dort verbliebenen Truppen bis auf die Pekinger Gesandtschaftswache alsbald zurückzuholen.
Eine Hauptursache der ungünstigen Finanzlage ist das Flottengesez von 1900. Nach dem dazu in der Budgetkommission damals aufgestellten Plan sollen im Jahre 1903 wiederum die aus laufenden Mitteln zu bestreitenden Ausgaben der Marine um 112 Millionen Mark erhöht werden. Allerdings kann die auf die Zeit bis 1920 berechnete Durchführung des Gesamtplans verlangsamt werden durch den Reichstag; an solche Beschlüsse aber ist nicht zu denken, zumal erst in den letzten Wochen angefündigt ist, daß die Regierung für 1904 eine Erweiterung
des Gesamtplanes fordert durch jene Vermehrung der Auslandsschiffe, die bekanntlich 1900 abgelehnt worden ist.
Das nächstfolgende Etatsjahr ist das letzte Jahr des 1899 feſtgeſetzten Militärquinquennats. Bekanntlich hat sich 1899 die Regierung vorbehalten, die damals von der Mehrforderung an Präsenz abgestrichenen 7000 Mann noch innerhalb des Quinquennats nachzufordern. Indeß erhält inzwischen innerhalb der bewilligten Präsenz die Regierung mehrere Tausend Mann zur Verfügung dadurch, daß bei den Bekleidungsämtern die Militärmannschaften durch Civilarbeiter abgelöst werden. Ohnehin erheischt die Durch führung des Quinquennatsgesetzes im Uebrigen schon beträchtliche Mehraufwendungen, zu denen auch noch fortgesezt Mehrausgaben für Festungsbau und für das Geschützwesen der Fußartillerie hinzukommen. Für die Ausführung des neuen Gesetzes inbetreff der Kriegsinvaliden, welche 15 Mill. Mark tostet, fehlen dem Invalidenfonds die Kapitalien, und sind auch etatsmäßig noch keine Mittel vorgesehen.
Ohnehin erhöht sich der Pensionsfonds des Reiches all jährlich um Millionen, ebenso wie der Reichszuschuß für die Invaliditätsversicherung der Arbeiter. Dazu wächst der Ausgabebetrag an Schuldzinsen mit den alljährlich zur Balancirung des Etats erforderlichen Anleihesummen.
Politische Nachrichten.
Der Kaiser hat gelegentlich seines Besuches in Emden die Bekanntgabe der Verlegung einer MarineGarnison nach Emden in Aussicht gestellt.
Podbielski hat gesprochen.
Der Landwirtschaftsminister von Podbielski hielt auf seiner Reise zur Besichtigung der Moor- Kulturen und des kleinbäuerlichen Besizes bei dem ihm zu Ehren in welcher er erklärte, er habe die Moor- Kulturen noch veranstalteten Bankett in Stolt am 24. Juni eine Rede, sehr im Argen gefunden. Es seien noch Millionen vergraben. Etwas set schon geschehen, aber noch lange nicht genug, um Alles nutzbar zu machen. Die Landstraßen seien vielfach verwahrloft und befänden sich in traurigem Zustande. Solange Sie, sagte der Minister zu den Landwirten, am alten Zopfe festhalten, können Sie nicht verlangen, daß Sie vorwärts kommen. sollen nicht immer nach dem Staate schreien. Die Sie anderthalb Mark Zoll über die Regierungsvorlage hinaus, auf die Sie und der Bund der Landwirte sich besonders kapriziren und die Differenzirung des Spiritus werden Ihnen wahrlich nichts nußen. Arbeiten Sie zunächst an der Ausbesserung aller Wege und halten Sie nicht an dem alten Zopfe fest. Hüten Sie sich in die Fußtapfen der Sozialdemokratie zu treten. Halten Sie treu zu Kaiser und Reich, wie Ihre Vorfahren es gethan, und wenn Sie glauben, daß die Regierung Ihnen nicht alles nach Wunsch macht, bilden Sie sich nicht ein, daß die Regierung auch nur einen Pfifferling nachgiebt." Die anfängliche Begeisterung für den Minister machte, so fügt das Berliner Tageblatt hinzu, im Verlaufe der Rede allmählich einer kühleren Stimmung Plaz und man konnte die Aeußerung hören: Das ist fein Minister für uns.
Eisenbahnminister Budde wurde zum Bundesratsbevollmächtigten ernannt.
Posen mit der Vornahme der allgemeinen Vorarbeiten - Der Minister Bud de hat die Eisenbahndirektion für eine Nebenbahn von Oels nach Ostrowo beauftragt.
Die Bolltarifkommission des Reichstags beriet heute zunächst die Zölle auf Möbel. Die Zollfäße der Regierungsvorlage wurden mit einem von der Regierung bekämpften Busaz angenommen, wonach für Möbel und Möbelteile aus massiv gebogenem Holze sich der Boll um 30 Mt. erhöht. Bei den Rollsäßen für Tischler-, Drechsrahmen, Thüren u s. w. von 10 auf 8 Mr herabgesetzt. ler- und Wagnerarbeiten wurde der Saz für rohe FensterFür Korkwaren wurde ein einheitlicher Zollsaß von 30 Mart festgesetzt. Endlich wurden die Bollsäße für Celluloid und Waren aus Bellhorn nach der Vorlage ange nommen.
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Königin Wilhelmine der Niederlande reist mit dem Prinzgemahl am Samstag früh von Schaumburg ab.
Die Antiduellliga, welche unter dem Vorsitz des Fürsten Löwenstein- Wertheim- Rosenberg in Staffel tagte, hat beschlossen, die Liga einheitlicher zu organisieren und weiter auszubauen, auch den Versuch zu machen, für die Bestrebungen die Monarchen, insbesondere den Deutschen Staiser, zu interessieren.
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Die Heimkehr der deutschen Kriegsgefangenen aus Südafrika wird jezt a tempo betrieben. Nachdem die englische Regierung die Abreise der in Kriegsgefangenschaft befindlichen Deutschen aus den Gefangenenlagern genehmigt und der deutsche Buren Hilfsbund für den Transport der mittellosen Gefangenen die Summe von 60 000 MF. bereitgestellt hat, sind vom Auswärtigen Amt Vereinbarungen mit deutschen Rhedereien getroffen worden, um eine mög= lichst baldige und billige Beförderung zu erwirken. Soweit die Gefangenen mittellos find, erhalten sie auf der Heimfahrt neben freier Verpflegung ein tägliches Behrgeld und bei etwaiger Ausschiffung in einem fremden Hafen im Bedürfnisfalle eine weitere Geld- Unterstützung. Polnische Anmaßungen.
Bei den letzten in Berlin stattgefundenen ControllVersammlungen und Gestellungen zur Ableistung einer Reserve- und Landwehr- llebung von verschiedenen Personen ist von mehreren Gestellungspflichtigen beim Namensaufruf statt des üblichen hier, die polnische Wortbezeichnung 3de gebraucht worden. treffenden sind hierfür mit Arreststrafen bis zu zehn Tagen belegt worden.
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Die Be
Der 25. deutsche Fleischer- Verbandstag tagte gestern und heute in Stuttgart unter dem Vorsitz von Mary- Frankfurt a. M. Der Eröffnungssigung wohnten Vertreter der württembergischen Regierung, der föniglichen Bentralstelle für Gewerbe und Handel, der Kreisregierung des Neckarkreises und der Stadtverwaltung sowie mehrere Gäste aus Desterreich- Ungarn, Holland und der Schweiz bei. Der Verbandstag sprach sich einstimmig für die Aufhebung des Verbots der Einfuhr von lebendem Schlachtvieh und gegen die von der Zolltarif- Kommission im Reichstage beschlossenen Erhöhung der Viehzölle aus.
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In Sachsen hat man wieder lebhafte Beflemmungen über die preußische Eisenbahn, weil die neue Schnellzugsverbindung von Berlin nach Wien über Görlig- Glaz- Mittelwalde angeblich beschlossene Sache ist. Die Umgehung des sächsischen Eisenbahnnezes ruft großes Aufsehen hervor. Blätter beschweren sich über diesen abermaligen Vorstoß sächsische Regierung solchen Erdrosselungsversuchen gegender preußischen Eisenbahnpolitik und beklagen, daß die über wehrlos sei. unter welchen Umständen dieser hilflose Zustand verMan will wissen, durch wen und ursacht worden sei.
München. Der bisherige Geschäftsträger der Münchener Nuntiatur Nicotra tritt im Oktober den ihm 1901 verliehenen Posten des ersten Auditors der Wiener Nuntiatur_an.
-Wie aus Tetschen telegraphirt wird, wurde dort gestern die deutsche Gewerbe, Industrie- und landwirtschaftliche Ausstellung eröffnet. Ihr Proteftor Graf Franz Thun sagte in der Eröffnungsansprache: Auf dem Gebiete der geistigen und wirts schaftlichen Arbeit reichen wir von hier aus dem befreundeten Nachbarlande in Treue die Hand. Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Kaiser Franz Joseph.
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Bar Nikolaus hat den König von Italien zum Chef des 14. litauischen Dragonerregiments er| nannt. Der Sultan von Zanzibar hat einen leichten Schlaganfall erlitten.
Prinz Louis Napoleon, bisher Kommandeur des russischen Garde- Ulanen- Regiments Kaiſerin Alexandra, hat das Kommando der kaukasischen Kavalleriedivision erhalten.
Brüssel, 16. Juli. Das Befinden der Königin hat sich wieder etwas gebessert. Dieselbe empfing gestern Mittag eine Abordnung von Schulkindern, welche mit dem Wunsche Arrangement überreichten. auf baldige Genesung der Königin ein prachtvolles Blumen
Antwerpen, 16. Juli. Der holländische Ministerpräsident Kuypers ist infognito hier eingetroffen. Er erflärte in einer Unterredung, daß die Handelsbeziehungen zwischen Belgien und Holland einer Verbesserung bedürften. Man sieht hier in der Reiſe des holländischen Kabinettchefs ein Anzeichen für einen bevorstehenden Zollkrieg. Paris, 16. Juli.„ Echo de Paris" veröffentlicht ein Telegramm aus London, worin es heißt, Kaiser Wilhelm werde sich demnächst zur Stärkung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Drei- und Zweibund- Mächten nach Paris begeben. 3wist unter den Boeren. Kaum ist die Waffenstreckung der tapferen Boeren


