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Aus Hessen und nachbargebieten.
A Groß- Felda. Im hiesigen Gewerbeberei wird stramm gearbeitet, zu jeder Stunde, bei jeder Gelegenheit sucht man neue Mitglieder zu gewinnen. Begenwärtig zählt der Verein 116 Mitglieder, also ein Beweis, daß die Agitation und Werbung den Nagel auf den Kopf trifft.
Ober- Breidenbach. Vor einigen Tagen besuchte eine Frau aus Liederbach bei Alsfeld ihre hier verheiratete Tochter. Wohl infolge des sehr falten Wetters etwas erfältet auf der Reise, wurde sie am zweiten Tage nach ihrer Ankunft frant und verstarb bald Sarauf an Lungenentzündung. Die Freude über den Besuch war in diesem Falle nur von furzer Dauer.
** Siegen, 12. Dez. Eine merkwürdige Auslegung der lex Heinze ift von hier zu berichten. Am vergangenen Donnerstag erschien in einem großen hiesigen Spielwarenge schäft ein Bolizeisergeant und forderte den Inhaber auf, die im Schaufenster ausgeftellten Badepüppchen( etwa 10 Erm. große Figürchen) sofort zu entfernen, da die nackten Figürchen das sittliche Gefühl eines Siegener Herrn"- dessen Name wurde nicht genannt beleidigt hätten. Leider wurde dem bis jetzt wohl einzig in seiner Art dastehenden Anfinnen
entsprochen.
Aus dem Gerichtssaal.
Straffammer fignng.
Gießen, 13. Dezember.
In der Berufungsinstanz wurde die Privatflage des Peter Müller IV. von Saasen gegen Franz Göbisch von Laubach verhandelt. Die Beweisaufnahme ergiebt, daß sich die Parteien gegenseitig beleidigt haben. Das Schöffen gericht sprach den Angeklagten Göbisch frei, während die Bieberflage gegen Müller unberücksichtigt blieb. Auf die von Göbisch verfolgte Berufung ändert die Kammer das Urteil bahin ab, daß sie beide Teile für straffrei erklärt, ben Berufungskläger aber mit dem größten Teil der Kosten belastet. Sodann wird die Berufung des Karl Münsch von Dhmes, welche gegen ein freisprechendes Urteil des Echäffengerichts Alsfeld erfolgte, um die Elisabethe BottenDie horn von dorten in Strafe zu bringen, verworfen. Bribattlage der Ratharina Mattes von Beßenrod gegen Georg Müller von dorten, welcher ebenfalls ein freisprechendes Urteil zu Grunde liegt, wird wiederholt behufs weiterer Beweis aufnahme vertagt. Die gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts Vilbel verfolgte Berufung des Bferdehändlers Dornberg von Frankfurt a. M. gegen Rarl Winter von Vilbel wird verworfen. Auf Antrag der Marie Slipp von Ettingshausen wurde der Maurer Heinrich Start von dorten vom Schöffengericht Laubach wegen übler Nachrede in eine Gefängnisstrafe von einem Monat ge= nommen. Stark verfolgte wegen Höhe der Strafe Berufung, welche heute fostenpflichtig zurückgewiesen wird.
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Kleines Feuilleton.
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Ueber sozialdemokratische Umdichtungen schreibt man dem„ Frff. Journ." Das Organ des Buchbruckerverbandes leuft die Aufmerksamkeit auf die bezeich nende Thatsache, daß ein sozialdemokratischer Dichter und ein hervorragender sozialdemokratischer Parteiverlag es unternehmen, in Liederbüchern nicht nur den Namen„ Gott", sondern auch die Worte wie deutsch“ und„ gläubig" zu beseitigen, damit die zielbewußte Seele der Genossen" nicht rückfällig in die alten Sünden werde. So ist in dem Sozialdemokratischen Liederbuch von May Kegel, das im Berlage von J. H. W. Diez in Stuttgart erschienen, das herrliche Lied von May von Schenkendorff:" Freiheit, die ich meine" in geradezu haarsträubender Weise zukunftstaatlich umgedichtet worden. In der Strophe Wo sich Gottes Flamme in ein Herz gesenkt" ist das Wort„ Gottes" durch " Freiheit" ersetzt und damit nicht nur eine Endsumme reinsten Empfindens des Dichters beschnüffelt, sondern auch ber ganze Sinn zur Phrase gemacht. An einer anderen Stelle heißt es Wollest auf uns lenken Gottes Lieb' und Lust", aber dieser so rein menschlich geschilderte Gott muß
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der Freiheit" weichen, so daß auch hier Gedanken und Empfindungen des Dichters mit Füßen getreten werden. o der Dichter singt:„ Wolleft gern dich senken in die deutsche Bruft", muß natürlich statt der deutschen die Die herrliche Stelle Freiheit, freie" Brust herhalten. holdes Wesen, gläubig, fühn und zart" muß im Intereffe der modernen Arbeiterbewegung ebenfalls geschändet werden, indem man das Wort„ gläubig" in" treu" umfälscht. Ein solches Liederbuch ist in den Händen von Tausenden von Arbeitern! Begreiflich genug daher, wenn das Buchbruckerorgan den Vorwärts" auffordert, hier einmal mit seiner Kritik einzusetzen. Die Sprache der sozialdemokratischen Presse wird immer herausfordernder. An das Inserat eines Blattes, laut welchem eine arme Frau ein 6 Jahre altes Mädchen gegen einmalige Vergütung als eigen abzu geben wünscht"
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ein gewiß recht trauriger Vorgang fnüpft die" Mainzer Bolfsztg." folgende Bemerkung: " Derartiges geschieht in der besten aller Welten in einer Beit, in welcher im Reichstag eine Versicherungs- Gesellschaft auf Gegenseitigkeit eifrig dabei ist, der Masse des Boltes die Taschen zu leeren. Das Volf, dem dieser Plünderungszug gilt, bereitet die Abrechnung vor." und an anderer Stelle derselben Nummer heißt es, aufnüp fend an die Rede des Kaisers in Breslau:„ Die kommenden Reichstagswahlen, dessen sind wir gewiß, werden beweisen, we die deutsche Arbeiterschaft über die Sozialdemokratie denkt. Trotz aller Reden macht der Sozialismus seinen Siegeslanf und er überdauert alle Reden und schönen Ver heißungen, alles Elend und alle Mängel unserer Zeit; er wird aber auch hinwegschreiten über Macht, Gewalt und die Mächtigen unserer Tage." Das wollen wir ruhig abwarten.
Litterarisches.
< Vor dem Weihnachtsfeste möchten wir ein in Gießen geschriebenes und verlegtes Buch noch zu unseren Lesern sprechen lassen, damit es durch sich selbst für sich selbst werbe. Es heißt da u. A. in der Einführung": Was glaubt ihr aber, daß aus der Menschheit würde, wenn sie ihr uraltes Wert der Selbstzerstörung einmal auf gäbe; wenn sie die Mittel und Wege der alles verjüngenden Natur erkennte und ihnen mit Treue folgte; wenn sie den Mut hätte, gesund zu werden und gesund zu bleiben, wenn sie den Willen fände, ebenso alle Einflüsterungen von ihrer unverbesserlichen Jämmerlichfeit wie die Hoffart ihrer siegreichen Entwicklung zu einer zufünftigen Gottgleichh it als betrügerisch abzuweisen und ihr Heil einzig in entschloffenem Gehorsam gegen die deutlichen Vorschriften der Natur suchte? Was glaubt ihr, daß dann aus der Menschheit würde? Zwei Geschlechter einfichtiger willensstarfer, frei der Natur gehorchender Menschen: und die Menschheit ist
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gerettet aus dem wüften Traum von Elend und Schwäche, Dummheit und Bosheit, in welchem sie ohne Aussicht auf Erlösung herumirrt." Was ist das für ein Buch, das so kräftig zu uns redet? Manch einem unter uns sind diese Borte vielleicht von dem ersten Gange des Buches in die Welt, den es vor zwei Jahren antrat, wohlbekannt; er weiß, daß unser hochgelehrter Mitbürger, der Professor der inneren Medizin an der Landesuniversität Georg Sticker in seinem Buche Gesundheit und Erziehung" sie gebraucht hat, als er uns auseinanderzusehen versuchte, daß es in uns selbst beschlossen liege, ob ,, unsere Kinder gesund und weise und schön und gut, ob sie Blüten der Menschheit oder ihr Abschaum sein werden." Doch warum wir unseren Lesern heute wieder davon sprechen? Weil die Rider'sche Verlagsbuchhandlung hier soeben bie zweite vermehrte Auflage des trefflichen Buches ausgehen läßt. Sie ist im Umfange beträchtlich gewachsen und, wie der Vergleich zeigt, ist auch am früheren Text in zahlreichen Fällen die sorgsam bessernde Hand angelegt worden. So ift ein Buch entstanden, das wie nur wenige das Zeug dazu hat, so recht ein Schaßfäftlein für Eltern und Erzieher zu werden, aus dem sie immer wieder reiche Belehrung und neuen Mut zur Erfüllung ihrer hehren Aufgabe schöpfen fönnen. Wir empfehlen es unseren Besern als wirklich gediegene Festgabe um so lieber, als auch der Verleger durch eine würdige, geschmackvolle Ausstattung für's Aeußere des Buches sein Bestes gethan hat. Schön gebunden loftet es
5 Mark
Oeffentlicher Sprechsaal.
Die vom Großh. Bolizeiamt gegebenen Vorschriften betr. Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen scheinen noch nicht genug zur Kenntnis unserer Einwohner gelangt zu sein. Passiert man z. B. das Erlen gäßchen,( Verbindung zwischen Sonnenstraße und Neuenweg) so fällt auch dem unaufmerksamsten Be obachter die etwa in der Witte liegende Senfgrube auf. Dieselbe ist seit eingetretener Frostwitterung mit einer ziemlich fußdicken Gisschicht umgeben, in deren Mittelpunkt die gefahrbringende Bertiefung liegt. Könnte da nicht seitens unserer Polizeiorgane Abhilfe geschaffen werden? in bei gegenwärtigem Froft nur zu leicht gethaner Fehltritt namentlich zur Nachtzeit kann schwere Folgen nad) sich ziehen und wer wird dann regreßpflichtig gemacht?
0. J.
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Drud und Verlag der Gießener Berlagsdruckerei, für die Redaktion verantwortlich: Ibin Klein, Gießen.
Todes- Anzeige.
Heute Nacht verschied sanft und unerwartet nach nur 2 tägiger, schwerer Krank
heit unser innigstgeliebter, guter Sohn. Bruder und Enkel
im Alter von 13 Jahren.
Carl Bieler
Angesichts des grossen Schmerzes bitten wir um stille Teilnahme.
Carl Bieler und Frau Minna, geb. Wallenfels.
Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause, Südanlage 10, aus statt.
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