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Nr. 265.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Poft bezogen viertel­fährlich Mr. 1.50.

Gratisbeilagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Donnerstag, den 13. November 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.

Postzeitungsliste No. 3082.

Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechanschluk Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblaff)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Weklar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält a allmtlichen Bekanntmachungen der Großherzogichen Bürgermeisterei Gießen.

Weltfrieden.

T Der englische Ministerpräsident Lord Balfour hat in einer Rebe, wie schon bekannt, den Weltfrieden als das Ziel der Zukunft genannt. Während er aber von diesem Weltfrieden träumt, werden englische Trup­pen auf dem Meere zu dem Kampfplaze im Somali­lande getragen, währenddem sucht der Kolonialminister Chamberlain, unterſtüßt von dem guten Willen der Ko­lonien, die gesamte Kriegsmacht Englands durch Ver­inigung der Schiffe zu einer kaiserlichen Flotte zu ver­nehren, und währenddem schließt England Verträge, die einen anderen Zweck haben, als den Krieg und die Auslösung vorhandener politischer Spannungen durch Blut und Eisen. Fast zu gleicher Zeit, als der englische Staats­nann seine Rede hielt, versicherten sich Graf Posadowsky ind der scheidende amerikanische Botschafter white ge­jenseitig, daß das deutsche und amerikanische Volk sich n Freundschaft gefunden haben, und dennoch bekämpfen iese beiden Völker sich auf dem Weltmarkte mit ihren Breisen in einer erbitterten Weise. So schreibt gewisser­maßen die rauhe Wirklichkeit Spottgedichte auf den Idealismus derer, die an die Möglichkeit eines Welt­friedens glauben. Das Leben des einzelnen, wie das Beben der Völker ist ein steter Kampf, die Friedens­eiten, die zwischen den Kämpfen liegen, sind nur die Sorbereitung auf neue Fehden und blutige Kriege. Der verstorbene Feldmarschall Graf Moltke äußerte einmal,

in ewiger Friede sei lediglich ein Traum, und nicht inmal ein schöner. In der Tat wäre es auch das chwerste Schicksal, das die Menschheit treffen könnte, enn eine ewig lächelnde Friedenssonne sich in dem ellenlosen Meere des Völkerlebens spiegeln würde. Die ciege sind, weil hierbei lediglich die physischen Kräfte irtsam sind, naturgemäß in ihren Gesamtheiten, wie 1 ihren Einzelheiten brutal, aber dennoch fehlt den Krie­en das ideale Moment nicht. In unserer Zeit der all­meinen Wehrpflicht ist ein friegführendes Volk ge­issermaßen der fürzeste Ausdruck des nationalen Volks­nheitsbewußtseins und die Verkörperung der von einem edanken beherrschten und nach einem Ziele strebenden oltspersönlichkeit.

Der einzelne Mensch muß seinen Egoismus dem oltsegoismus, seinen persönlichen Vorteil dem Vorteile er Volksgemeinde aufopfern. Wäre wirklich die Zeit nes ewigen und allgemeinen Weltfriedens denkbar nd zu erwarten, dann würde die ungedämmte Eigen­icht des einzelnen die Antriebswelle im Menschheits­asein werden. Die Völker bedürfen der Kriege zur Auf­üttelung ihrer gesellschaftlichen Instinkte und zur Ent­ltung der nationalen Kraft und der nationalen Ener­ie. Die Reden und Prophezeiungen der Staatsmänner on dem ewigen Frieden täuschen nicht über die Tat­iche hinweg, daß jeder Augenblick im Leben ein Kampf und daß der Weltfrieden ein Ideal ist, das niemals erfüllen wird.

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Deutscher Reichstag.

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Der Zollkriegsparagraph angenommen. CB. Berlin, 12. November.

214. Sigung.

In der heutigen Sizung wurde zunächst der Abg. imburg durch Zuruf zum Schriftführer gewählt. ann erfolgte die Weiterberatung über§ 8, der die Be­nblung von Waren aus Ländern, mit denen wir einen

Agnes Sorma.

Gießen, 13. November.

Bollkrieg führen, festsetzt. Die Debatte über diesen Punkt war auch heute wieder sehr lebhaft und drehte sich, von den Parteien der Linken unter dem Widerspruch des Zen­trums, der Konservativen und Nationalliberalen ge­führt, vorzugsweise um folgende zwei Wünsche der Lin­ten: die Kampfzölle sollen ermäßigt werden, und die von der Kommission gewünschte Zollabfertigung nach dem System der Zollkriegsstaaten soll nicht eingeführt werden. An der Erörterung beteiligten sich die Abgg. Dr. Beumer, Gothein, Fischbeck, Brömel, Mol­kenbuhr, Speck, Stadthagen, Dr. Paasche, Gamp und Bebel. Das Ergebnis war: Annahme des § 8 in der Kommissionsfassung mit 192 gegen 71 Stim­men. Zu§ 9, der die Einfuhrscheine, Transitläger und Zollnachlässe behandelt, lag eine große Anzahl von Anträgen vor. Die Kommission hat einen Zusatz bean= tragt, wonach für die von der Kommission eingefügten Sämereien und Saatgüter die Bewilligung von Ein­fuhrscheinen auszunehmen ist. In der Debatte kämpfte die rechte Seite des Hauses gegen die gemischten Transit­läger, während die Linke dafür war. Die Beratung wurde durch Schluß der Debatte zu Ende geführt; ein Ver­tagungsantrag des Abg. Dr. Spahn fand Annahme.

Es entspann sich aber eine lebhafte Geschäftsord­nungsdebatte, weil der Abg. Dr. Spahn vorschlug, den Antrag Aichbichler auf die nächste Tagesordnung zu setzen. Die Linke widersprach diesem Vorschlag, weil ber genannte Antrag, wie ein Initiativantrag zu behandeln sei und daher nicht vor Erledigung seiner Vorgänger be­raten werden dürfe.

Die Politik.

Eine neue Reichsanleihe.

* Wie bestimmt verlautet, plant das Deutsche Reich die Aufnahme einer sogenannten Ergänzungsanleihe, die dem Betriebsfonds zugeführt werden soll und zwar in Höhe von 100 Millionen Mart. Es ist das ein Ausweg, um bei dem Zusammentreffen des Defizits in dem Reichs­schazamt und bei den Bundesstaaten die Matrikularbei­träge der Bundesstaaten zu erleichtern. Bekanntlich be­stand vor zwei Jahren ein ähnlicher Plan, der aber fallen gelassen wurde. Hoffentlich wird die neue Anleihe im deutschen Reich selbst aufgelegt. Bei dem flüssigen Geld­stand wird die Beschaffung der Gelder sehr flott gehen.

Deutsch- amerikanische Freundschaftsversicherungen.

Am Dienstag fand in Berlin zu Ehren des schei­denden amerikanischen Botschafters White ein Festmahl statt, bei dem Staatssekretär Graf Posadowsky die Ab­schiedsrede hielt. In seiner Erwiderung betonte der Schei­dende, daß neuerdings die Freundschaft zwischen Deutsch­land und Amerika angeknüpft worden sei, und er sprach hierzu den Wunsch und die Hoffnung aus, daß diese recht lange dauern möge. An dem gleichen Tage fand bei der Einweihung der Handelskammer in Newyork ein Austausch von Freundschaftskundgebungen zwischen Deutschen und Amerikanern statt. Zunächst hielt Pro­sident Roosevelt eine Rede, in der er den Frieden mit den Völkern als höchstes Ziel der amerikanischen Politi feierte und eine starke Land- und Seemacht als das beste Mittel zur Sicherung dieses Weltfriedens bezeich­nete. Dann sprach der Prinz Heinrich von Pleß, der als Vertreter des Kaisers an der Feier teilnahm; er hob in seiner Ansprache hervor, daß Deutschland und Amerika fortan Hand in Hand an dem Fortschreiten der Kultur arbeiten.

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Die Friedensvorbereitung in England.

Der Sekretär der Admiralität Forster teilte dem englischen Unterhause mit, daß die Kriegsflotte um ein Schlachtschiff, drei Kreuzer und zwölf Torpedobootzer­störer vermehrt worden ist. Der Kriegsminister Brodric machte auf der Kolonialfonferenz Stimmung dafür, daß ein Teil des Kolonialheeres für den Reichsdienst ver­wertet werde. So bereitet sich England auf den ,, Welt­frieden" Balfours vor.

Fürstenzusammenkunft im Orient.

Der König von Rumänien ist zum Besuche des Fürsten Ferdinand von Bulgarien in Rustschuk eingetroffen. In den beim Festmahle gehaltenen Reden wurde von beiden Fürsten der Wassenbrüderschaft im letzten türkisch- russi­schen Feldzuge gedacht. Diese Begegnung hat deshalb eine gewisse politische Bedeutung, weil Bulgarien unter russischem und Rumänien unter österreichischem Einfluß steht. Die beider Großmächte müssen sonach in der Orient frage einig sein, wenn ihre Schüßlinge sich so intim anfreunden.

Der Streifführer Mitchell als Triumphator.

K Der amerikanische Arbeiterführer Mitchell, der den größten, längsten und schwierigsten Ausstand siegreich durchgeführt hat, wurde in Pensylvanien in einer ge radezu großartigen Weise gefeiert. Die Arbeiter veran stalteten in allen Ortschaften, mit den Frauen an der Spiße des Zuges, einen Umzug; Mitchell mußte in Wil kes- Barre persönlich, in einem Wagen fahrend, teilneh men. Hierbei wurden Banner mitgeführt, die folgende Inschriften aufzeigten: ,, Mitchell und Sieg" ,,, Dank dem Publikum für seine Hilfe", Mitchell ist unser siegreicher Held", Wir halten zu unserem großen Führer Mitchell", Auf Mitchells Befehl kämpfen wir" u. 1. w. Mitchell hat über all den Schmeicheleien den Kopf nicht verloren. Er weiß sehr wohl, daß, wenn der Streit zusammen­gebrochen wäre, ihm der Fluch der Streiter gefolgt wäre, wie es das Schicksal aller erfolglosen amerikanischen Arbeiterführer bisher gewesen ist.

Neues aus Somaliland.

Der Mullah ist im Anfange seines Auftretens viel­fach mit dem Mahdi verglichen worden- mit Unrecht jedoch, wie der deutsche Afrikaforscher Schweinfurth mit­teilt. Denn der Mahdi verfügt über elf Millionen Un­tertanen, der Mullah nur über eine Million. Außer­dem soll sich sein Zug auch mehr gegen Abessynien rich­ten. Inzwischen sucht ein englisches Kriegsschiff in Be­gleitung eines italienischen an der unter italienischem Einfluß stehenden Somaliküste eine Landungsstelle, um Truppen abzusehen. Daher die Lobsprüche Balfours über die italienische Freundschaft.

Kurze politische Nachrichten.

* Der Kaiser verbrachte die letzten Tage in der Umgegend von Sandringham auf der Jagd.

* Der Kaiser hat eine Dienstordnung für die evange­lischen und eine solche für die katholischen Militärgeist­lichen erlassen. Die evangelischen Militäroberpfarrer werden nicht mehr der Division zigeteilt, sondern gehö­ren dem Stabe des Generalkommandos an; für die ka­tholischen Militäroberpfarrer werden acht Amtssige er­richtet.

* Im österreichischen Abgeordnetenhause haben lärmende Skandale zwischen Sozialisten und Christ­lich- Sozialen stattgefunden. Die einzelnen Abgeordneten haben sich die wüstesten Worte, wie Diebe, Einbrecher, Mörder und Meuchelmörder zugerufen.

Abend auf der Szene zu sein. Der Vorstand hat dann dem wiederholten Wunsche der Künstlerin nicht widersprechen mögen. So werden wir also Gelegenheit haben, die Nora" von Agnes Sorma mit derjenigen von Frene Triesch, die wir vor drei Jahren hier sahen, zu vergleichen.

Direktionswechsel am Stadttheater in Mainz wurde der Mainz zugedachte 15. November wieder frei, um den sich dann der hiesige Theaterverein erfolgreich bemüht hat. So Am kommenden Samstag, den 15. November, wer. erklärt es sich, daß die zweite Theatervereins- Vorstellung an en wir Agnes Sorma, die bekannteste und ohne Zweifel einem ganz ungewöhnlichen Wochentage stattfindet. Etwas fte unter den zeitgenössischen deutschen Schauspielerinnen, unbequem werden vielleicht die Studierenden unserer Hoch­f der Bühne unseres Stadttheaters als Nora" schule diesen Tag finden; doch meinen wir, daß der Anfang Die Gießener Neuesten Nach­jen. Der Name von Agnes Sorma ist so weltbekannt, daß der Samtagskneipe, da es sich um einen ungewöhnlichen richten werden auf 55 Orten ge­sunnötige Mühe wäre, ihre fünstlerische Bedeutung hier fünstlerischen Genuß handelt, um den uns manche größere 8 breiteren auseinanderzusetzen. Nur daran sei erinnert, Stabt beneidet, wohl ausnahmsweise zwei Stunden später leſen. 18 fie bis vor drei Jahren Mitglied des Deutschen Theaters gelegt werden kann. Der Abschluß des Vertrages mit Agnes Stadt beneidet, wohl ausnahmsweise zwei Stunden später lesen. Meine gesammte Auflage ist nachweislich 2500. Berlin war und seitdem nur noch Gastspiele ausführt Sorma, welcher dem Theaterverein bisher nie dagewesene ie war es, die mit einer eigenen Gesellschaft der besten Opfer auferlegte, erfolgte Anfang April, es wurden dann utschen Künstler in Paris die ersten deutschen Schauspiel- später aus dem Gastspielrepertoire ausgewählt Liebelei" und rstellungen gab; auch Holland, Italien 2c. hat sie in der und Jephtas Tochter", obwohl Frau Sorma von Anfang olge mit ihrer Gesellschaft bereist. In diesem Winter an den Wunsch geäußert hatte, die Nora" zu spielen. Drei ftiert sie aber allein, und zwar in der Beit vom 1. Oftober Monate später erneuerte sie den Wunsch mit der Begründung, 02 bis 30. April 1903. Ende März dieses Jahres waren daß sie überall, wo sie zum ersten male gaftiere, als Nora" reits alle Abende in dieser Gastspielepoche vergriffen, und auftrete, einmal beshalb, weil das eine ihrer typischen Rollen Fir durch einen Zufall- durch den damals schon ventilierten sei und weiter, weil sie ihr Gelegenheit gebe, fast den ganzen

Der zugleich in meinem Verlag er­scheinende Bote aus dem Ohm- u. Feldathal wird bereits auf 26 Orten gelesen und durch eigene Boten ver­breitet.

Mar Albin Klein. ( Inh. der vorm. Keller'schen Druckerei, gegr. 1783.)

Nun folgte der Artifer

ber gepattion, ein Nachruf

neue ist immer lang beschäftigen, bis wieder etwas neues tam, und das das Interessante. für Sydney Howart, und er sollte die Blätter noch tage­

er nichts mehr bringen.

Edward las den Artikel gar nicht.

Für ihn konnte

while freiwillig in den Tod gegangen," ſagte Teſſi,

,, und hat fein ruhig, ohne eine Träne.

uitgenommen."

Otto

Kroll

fehlt.

Skizze aus dem Leben unserer Kleinen.*)

( Nachdruck verboten.)

Ein dunkles, unergründ

Er ist ihr Geheimnis. ist zweifellos Otto Kroll. Er beschäftigt sämtliche Jun Der interessanteste Junge in der untersten Klasse

gen. liches Geheimnis

Das ist

wieder etwas Neues: die komische Bank

Was ist denn

für eine Bank, Peter?"

Schulportal eine fremde Dame. Eines Tages befindet sich unter den Müttern vor dem

aufruf zu bemerken: Otto Kroll Und Herr Heinrich fährt fort, täglich beim Namen­fehlt!"

.... das ist doch fürchterlich komisch, nicht?" das heißen hintereinander: Katz, Koschinsti, Klingebusch, Kohn " Weißt du nicht? Da sißen doch vier Jungen, die

Ich habe meinen Jungen schon in Empfang genom­

zieht.

nen

fehlt! 3 tut mir so leid, daß ich ihn nie und nie gesehen

Unim Einschlafen sagt Peter: Ereignis bis zum späten Abend, da sie zu Bette gehen. Den ganzen, langen Sommertag beschäftigt sie das Du holder,

du lieblicher, du göttlicher Kinderglaube!

habe, den Otto Kroll."

Otto Kroll-