Nr. 289.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., n's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährlich Mr. 150.
Brattabellagen: Oberheffische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Donnerstag, den 11. Dezember 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionspret 8: Die einfpaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Bfg. fonft 16 Bfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Erbedition: teken Neuenweg 28. Fernsprechanschluß Nr, 362.id
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
.119030
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Genoffenfchaften.
Von unserem Berliner CB.- Berichterstatter erhalten wir die nachstehenden Ausführungen, die wir hierher seßen, ohne zu der Frage selbst direkt Stellung zu nehmen. Unser Mitarbeiter schreibt:
Es war ein eigentümliches Zusammentreffen, daß die Zentrale für Milchverwertung und die Vereinigung der Milchhändler an dem gleichen Tage, am Dienstag nämlich, in Berlin ihre Hauptversammlung abhielten. Beide Körperschaften erstatteten den Bericht und beide Teile waren mit ihren Erfolgen zufrieden. Allerdings hat die Zentrale für Milchverwertung, die eine Organisation der Produzenten ist, bei einem Umschlag von 77 Millionen Mart mit einem Verlust von 800 000 Mark gearbeitet, der dadurch buchmäßig aus der Welt geschafft wurde, daß jedes Mitglied der Zentrale 9 Mark nachzahlt, die einstweiten auf der Aktivseite als Debitorenfonts gebucht werden. Dadurch balanziert die Bilanz. Die Verlujte wurden auf die Neuheit der Organisation, die hogen Petriebskosten und vor allen Dingen auf die ungünstige Witterung geschoben. Sei dem, wie ihm sein mag. Auf alle Fälle zeigt sich bei den Produzenten sowohl, wie bei den Händlern die Neigung, die geschaffenen Organisationen beizubehalten und es ist gar nicht undenftar, daß beide Teile einmal mit einander Frieden schließen und Hand in Hand miteinander arbeiten, wie ja auch die Zentrale mit dem Milchgroßhändler Kolle Frieden geschlossen hat und mit ihm Geschäftsverbindungen unterhält.
Eolange beide Teile wegen der Preisfestsetzung mit einander in Fehde liegen, ist die Gefahr einer Uebervorteilung des Verbrauchers gewiß nicht vorhanden; diese tritt erst dann ein, wenn der eine Teil über den andern Herr wird, oder möglicherweise, wenn beide ihren Frieden miteinander schließen, um dem Publikum das Fell über die Ohren zu ziehen. Instinktiv hat das Pub lifum dies auch gefühlt. Denn eben so sehr, wie es im Anfang je nachdem für oder gegen die eine von teiden Organisationen war, ebenso sehr hat es nachher dem Kampfe zwischen beiden mit der Behaglichkeit des unbeteiligten Dritten zugesehen. Denn dieser Kampf be= dingte es, daß die beiden Teile einander im Preise unter-, oder in der Beschaffenheit der Ware überboten. In der Tat ist denn auch durch dieses Ringen um die Vorherrschaft der Berliner Milchpreis seit etwa 1 Jahr unverändert geblieben und die Bestimmungen über die Voll- und Halbmilch bedeuten entschieden einen Vorteil für den Wert der Ware. Diese Verbesserungen aber sind ein Ergebnis des Kampfes, der also doch auch sein gutes gehabt hat.
Aber auch dann, wenn beide Teile miteinander ihren Frieden schließen, hat das Publikum weit weniger zu fürchten, als wenn sich auf freiem Markte der Konfir renzkampf vollzieht. Denn beide Organisationen bleiben Gegner und der zwischen ihnen geschlossene Frieden be deutet nichts anderes als einen vertraglich auf eine gewisse Zeitdauer festgelegten Waffenstillstand. Die Händler werden bei den Verhandlungen darauf abzielen, bei mög liant guter Ware möglichst geringe Preise zu zahlen, und die Produzenten werden stets kontrollieren, wie hoch die Cewinne der Händler sind. Uebersteigen sie das Maß des Berechtigten, dann entstehen entweder unabhängige Konkurrenzen, oder die Produzenten werden nach Ablauf der Vertragszeit Gegner ihrer seitherigen Geschäftsfreunde.
Die Genossenschaft ist die Betriebsweise der Neuzeit, die im großen arbeitet, um die Betriebskosten zu verbilligen. Wenn in den Genossenschaften die kleinen Betriebe zusammengefaßt werden, dann erfüllen sie die wichtige Aufgabe im Volkswirtschaftsleben, daß sie die Vorherrschaft des in einer Hand vereinigten Kapitals verhüten und den die Waren verbilligenden Kampf zwischen den auf das Monopol lossteuernden Großbetrieben und den scharf untereinander konkurrierenden Kleinbetrieben aufrecht erhalten. Wie sich auch im Anfang einer Entwicklung der Wirkung der Organisation immer zeigen mag, das eine ist jedenfalls sicher, daß zwei im Prinzip gegnerische Organisationen, auch wenn sie Frieden schließen, einander im Auge behalten und durch den Biderstieit der Interessen, ob sie nun wollen oder nicht, eine Ausbeutung des Publikums verhüten.
Deutscher Reichstag.
283. Sigung.
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Die legten Referate.--
CB. Berlin, 10. Dezember. Ser heutige Tag wird durch die letzten Referate über die Verhandlungen in der Kommission ausgefüllt. Das bekannte Spiel, nach Schluß jedes Referats einerseits Rüdverweisung der betreffenden Positionen an die Kommisison, andererseits Uebergang zur Tagesordnung zu beantragen, wird fortgesetzt. Diesmal zum Teil von der
linfen Seite, indem Antrag und Gegenantrag von Sozialdemokraten gestellt werden. Und so verläuft der Tag ruhig und eintönig.
Bor Eintritt in die Tagesordnung nimmt Präsident Graf Ballestrem Gelegenheit, einige Beschwerden, die in letter Zeit im Hause laut wurdenn, zu widerlegen. Die Beschwerden erstrecken sich auf die angeblich mangelhafte Aufnahme einzelner Reden seitens der Stenogra phen, sowie auf die ungenügende Ausgiebigkeit der Heizungsanlagen. Die erstgenannte Beschwerde widerlegte der Präsident durch die Feststellung, daß die ReichstagsEtenographen tadellos arbeiteten, die zweite durch Be iufung auf den Thermometer. Dem Abg. Brömel, der sich über die fühle Temperatur beschwert hatte, sollen so versicherte der Präsident unter stürmischer Heiterkeit des Hauses die Temperaturlisten zwecks besonderer Kenntnisnahme zugestellt werden.
Hierauf begannen die Referate vor gänzlich leerem Hause, da die Reichsboten, die Wesen und Inhalt der Referate kennen, vorzogen, den Sizungssaal mit dem Erfrischungsraume zu vertauschen. Nur bei den Abstimmungen, die nach jedem einzelnen Referate beantragt wur den, füllte sich der Saal auf das Alarmsignal des Präsidenten.
Um 7 Uhr waren die Referate beendet und das Haus bertagte sich auf morgen. Nächste Tagesordnung: Antrag Kardorff und Gen., der wohl die Geister der Opposition, die heute ruhten, wieder beleben wird.
In den Kreisen der Reichstagsmehrheit rechnet man mit Bestimmtheit auf eine Beendigung der zweiten Lesung des Zolltarifs am Sonnabend dieser Woche. In der dritten Woche soll dann, so wird geplant, die dritte Lesung beginnen und zu Ende geführt werden, so daß das Haus am 19. oder 20. Dezember in die Weihnachtsferien gehen könnte. Die Ferien werden voraussichtlich bis 8. Januar dauern. Die gegenwärtige Beschleunigung der Beratungen wird ermöglicht durch die große Ruhe, die jetzt bei den Sozialdemokraten herrscht. Ueber die Gründe dieser veränderten Haltung der Sozialdemokraten sind verschiedene Gerüchte im Hause im Umlauf. Ein Teil behauptet, die Mehrheit solle durch diese Stille eingefullt werden, damit wieder ein beschlußunfähiges Haus eintrete, ein anderer Teil aber behauptet, daß die gemäßigten Elemente der Sozialdemokratie in einer Fraktionssizung eine beränderte Taktik durchgesezt haben.
Die Politik.
Venezolanische Verblendung.
Die Feindseligkeiten zwischen Benezuela einerseits und Deutschland und England andererseits haben ba gonnen: Am Dienstag sind vier venezolanische Kriegsschiffe im Hafen von La Guahra von der vereinigten deutsch- englischen Flotte weggenommen worden. Präsident Castro hat das damit beantwortet, daß er in Caracas alle englischen Staatsangehörigen verhaften ließ. Da der ameritarische Gesandte in Caracas auf Ersuchen der abgereisten deutschen und englischen Geschäftsträger und mit Genehmigung des Washingtoner Kabinets den Schutz der Deutschen und Engländer in Venezuela übernommen hat, wird Herr Castro, will er es nicht noch mit der Union verderben, die Engländer wieder frei geben müssen.- Castro scheint überhaupt nicht recht bei Sinnen zu sein. Bis zur Wegnahme der venezolanischen Schiffe ignorierte er das Vorgehen Englands und Deutschlands vollständig; in einer öffentlichen Erklärung sagte er: Trotz des offiziellen Charakters der Nachricht von einer englisch- deutschen Intervention lehne er es ab, dieselbe zu glauben, da es ihm unbegreiflich erscheine, daß die beiden Nationen mit Gewalt vorgehen sollten, statt die Sache auf diplomatischem Wege abzumachen." Venezuela hat sich, behauptet Castro teck, den beiden Mächten gegenüber nichts zu Schulden kommen lassen. Schließlich erklärt er, er werde den ,, dreisten Feindseligkeiten" Englands und Deutschlands nicht mit Demütigungen begegnen, die die Würde Venzzuelas verlegen könnten. Herr Castro wird vielleicht bald aus einer anderen Tonart singen, zumal da ihm außer der äußeren Schwierigkeit, solche auch noch im Innern drohen. Die Revolution lebt wieder auf, die Aufständischen sammeln sich unter den Offizieren des Rebellenführers Matos, und neue Kämpfe werden sich binnen kurzem voraussichtlich entspinnen.
Nach einer neueren Depesche hat Castro nicht nur die Engländer, sondern auch sämtliche Deutsche in Caracas verhaften lassen. Im Berliner Auswärtigen Amt ist darüber bisher noch nichts bekannt. Wie ein hervorragender Venezolaner einem englischen Zeitungs- Korrespondenten erflärte, ist Leben und Eigentum der 200 gefangenen Engländer in großer Gefahr.
Parlamentarische Neckereien.
Von einer parlamentarischen Nederei wird uns aus dem Reichstage berichtet. Das Haus steht dicht vor der hundertsten namentlichen Abstimmung in der 8olltarif
sache, und ein par humorvolle Abgeordnete der Mehrheitsparteien machten sich in der sicheren Erwartung, die Sozialdemokraten würzen am Mittwoch diese hundertste namentliche Abstimmung beantragen, den Scherz, einen Strauß mit der aus Blumen gebildeten Zahl 100 bereit zu halten, um ihn dem Antragsteller als Angebinde zu berehren. Die Sozialdemokraten hatten von der Sache Wind bekommen, und um ihrerseits die Mehrheit zu hänseln, hüteten jie sich davor, die 100 ste Abstimmung herbeizuführen. So verfehlte denn der hübsche Strauß seinen Beruf wenn er sich nicht noch bis morgen frisch er halten läßt. Uebrigens würde man baneben hauen, wenn man annähme, daß auch in diesem Falle das Sprichwort zutrifft: Was sich liebt, bas nedt sich."
Die endgiltige Gestaltung ies Bolltarifs. £ 8wei interessante Meldungen über bie enbgiltige Gestaltung des deutschen Bolltarifs liegen jest bor. Nach einer hat der nationalliberale Abg. Dr. Semler in einer Vertrauensmännerversammlung in Aurich erklärt, bie Mehrheitsparteien des Reichstags hätten sich schriftlich verpflichtet, in der dritten Lesung die Regierungsvorlage ohne Abänderungen anzunehmen, mit Ausnahme der Erhöhung des Gerstenzolles. Die in zweiter Lesung beantragte Annahme des Tarifs nach dem Kommissionsbeschlusse solle nur dazu dienen, die zweite Lesung abzukürzen. Ferner wird berichtet, ein preußischer Minister gemeint ist der Handelsminister Möller habe erklärt, die Regierung wolle den dringenden Wünschen einzelner Inbustriellen nach Abänderung des Tarifs dadurch Rechnung tragen, daß sie nach der Annahme der Zolltarifvorlage eine Novelle zum Solltarif einbringi, die ,, die im Interesse der Industrie und des Handels notwendigen Abänderungen vorsieht".
Sturze politische Nachrichten.
* Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen- Weimar hat sich mit der Prinzessin Caroline von Reuß ä. L. berlobt.
* Der Großherzog von Hessen hat Mittwoch früh Jeine Reise nach Indien angetreten.
* Ter Berliner Magistrat hat beim König die Bestätigung der Wahl des Regierungsrates Reide zum zweiten Bürgermeister von Berlin nachgesucht.
* Frhr. v. Eckhardtstein erklärt jeßt, daß er selbst dem Gedanken der Gründung einer Kaiserpartei" fernstehe; er sei vielmehr nationalliberal.
* Der Beschluß des Bayerischen Lehrerverzins, sich dem deutschen Lehrervereine anzugliedern, kommt am 1. Januar 1903 zur Ausführung. Der deut che Lehr. r- verein hat dann 100 084 Mitglieder. Auch die Leurerschaft in Elsaß- Lothringen zeigt Neigung, sich dem deutschen Lehrerverein anzuschließen.
* Der Centralausschuß der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung wählte an S'e'le des verstorbenenen Abg. Rickert den Prinzen Heinrich zu Schönaich- Carolath zum ersten Vorsitzenden der Gesellschaft. Beschlossen wurde die Gründung einer Ridert- Stiftung, deren Mittel zur Errichtung von Voltsbibliotheken in unbemittelten Gemeinden verwandt werden sollen.
* Aus Anlaß des bevorstehenden 25. Jahrestages des Falles von Blewna hat die rumänische Infanterie dem Könige Carol die Bronzestatuette eines Dorobinzen gewidniet.
* Der italienische Agent und General- Konsul in Cofta ollacco hat Selbstmord begangen.
* Tie marokkanische Armee, die gegen bie Anhänger des Thronprätendenten ausgezogen ist, ist nach einer Tepesche aus Tanger von diesem umzingelt. Einige bisher treuen Kabylenstämme machen jezt mit dem Bratendenten gemeinsame Eache.
Nab und fern.
Eine Gasanstalt in Brand. In der Gasanstalt des Berliner Stadtteils Wedding brach ein Großseuer aus, ein seltenes Schauspiel- die zu dessen Bewältigung ganzen verfügbaren Mannschaften der Feuerwehr aufgeEoten werden mußten. Das eine der beiden großen Gasreinigungsgebäude ist bis auf das Erdgeschoß total gerstört. Der Betrieb wird, wenn auch in etwas cingeschränktem Maße, aufrecht erhalten, so daß es wohl zu Arbeiterentlassungen nicht kommen wird. Das vom Feuer verschont gebliebene benachbarte Gebäude enthält größten Teil der Reinigungsapparate, die sämt.ich intakt geblieben sind. Die rapide Verbreitung des Feuers ist da. rauf zurückzuführen, daß die von ihm ergriffene Reinigungsmasse den Reinigungsprozeß bereits durchgemacht hatte und somit von Gas burchzogen war. Bu gleicher Beit fand übrigens im gl. Schloß ein Brand stattt, ben es jeboch gelang nach kurzer Arbeit zu bewältigen.
-
den
V Brinzessin Louise von Koburg, die bekanntlich in einer Jrrenanstalt zu Dresden wellt, soll nach neuerlichen Behauptungen des ehemaligen Oberleutnants Matajich
begannen zu ſtrahlen
anda und schaut hinauf,'
3a, wen grüßest bu, Bater?"
berichtete Seifert senior.
von
,, Der junge Herr von Rottenbed steht an der
Ver
, Ein
nem Vater, dem alten Baron." angenehmer Mensch, Leberecht. Ganz verschieden von sei
,, Und seine Schwester, Vater, siehst du das Fräulein
nicht auch?" forschte der junge Mann,
und seine Augen
der
hinein.
afrikanischen
Sonne gebräuntes
Gesicht schaute
ins gen? Gott sei dant, ich ver
Damit trat er stehe nicht, wie du den Ist der Direktor
herzhaft die Hand.
gut getan, die Figur war tramarden, und der
Der Aufenthalt im Süden hatte ihm
und schüttelte seinem Vater sɔ lange ertragen fannst!"
,, Ich gebe es zu,
raten!"
aber ich tann die Dame nicht hei
man
,, Und warum nicht, wenn seine Stimme vor unterdrückter Erregu Keller verlobt habe," antwortete Hennig ruhig, obwohl ,, Weil ich mich vor einigen Tagen brieflich mit Olga fragen darf?"
Ich marr
mal
auf die originelle Jdee gebɔmmen,
als Arbeiterin zw
12 Mark wöchentlich womit aber nicht
die Schriftstellerei gemeint Tage vorher leben und mit ihrer Hände Arbeit zu verdienen. Sie erzähl.e täglich in den Zeitungen, was iſt
ſie
am
getan. ma ſie
gemphnt
mea


