Nr. 129.
Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel jährlich Mr. 1.50. Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obft- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.
Samstag, den 7. Juni 1902.
Gießener
11. Jahrgang.
Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Pf., fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
Postzeitungsliste No. 3032.
Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
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Was bieten die„ ,, Giessener Neueste Nachrichten" ibren Lesern?
Die„ Gießener Neueste Nachrichten" wollen zur politischen Aufklärung Jedermann beitragen und die Interessen aller Stände, vornehmlich die Interessen des gesamten Bürgerstandes und der wirtschaftlich Schwachen vertreten. Die„ Neuesten Nachrichten" dienen keiner ausgesprochen politischen Partei, aber weniger dem Interesse eines Einzelnen.
Die„ Gießener Neueste Nachrichten besprechen in zahlreichen Original- Leitartikeln und einer sorgfältig ausgearbeiteten politischen Rundschau die politischen und wirtschaftlichen Tages- und Zeitfragen in unabhängigem Sinne und Geiste.
Täglich werden der Redaktion die wichtigsten Nachrichten aus aller Welt durch eins der größten Depeschen- Bureaus auf dem sichersten und schnellsten Wege übermittelt.
Bahlreiche Korrefpondenten aus dem gesamten Verbreitungsgebiete unferes Blattes teilen alles Wissenswerte in volkstümlicher und kerniger Form mit, decken vorhandene Mißstände auf und geben so ein interessantes und treues Spiegelbild des ländlichen Lebens.-
Im lokalen Cell werden die Tagesneuigkeiten zur Kenntnis gebracht, kommunale Fragen und Wünsche besprochen, die Erscheinungen des Vereinslebens registrirt, über die Stadtverordnetenfitzungen unterrichtet. Das künstlerische Leben unserer Stadt: Theater, Konzert 2c. wird in eingehenden Besprechungen verfolgt.
Vorzügliche Romane, Feuilletons aus allen Gebieten, praktische Mitteilungen verschiedenster Art, juristischer Fragekaften, allgemeiner Briefkasten bleten des Unterhaltenden und Belehrenden eine Fülle. In den Beilagen:
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Oberbeffische Familienzeitung( täglich) kommen vorzügliche Romane zum Abdruck, dabei ist für unsere Kleinen eine Nätselecke mit eingefügt. Backende Gedichte werden die Leser ebenfalls darin finden. Die Giessener Seifenblasen( wöchentlich) sorgen für den nötigen Wiz und Humor und in Ser Oberbeffischen Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau( wöchentlich) finden unsere Landwirte und Gartenbefizer reiche Anleitungen und Belehrungen für die Bewirtschaftung ihrer Ländereien und für die Haltung aller nüzlichen Haustiere; den schädlichen Tieren wird zur passenden Zeit ein Wort für deren Vernichtung und Bekämpfung geschrieben.
Unablässig ist die Redaktion der„ Gießener Neueste Nachrichten" bemüht, den Kreis des Gebotenen zu erweitern, ausgehend von dem Gedanken, daß für das Volt das Beste gut genug ist. Man abonnirt für 60 Pfg. pro Monat bei freier Zustellung( incl. der drei Beilagen) bei unsern Trägern, in der Expedition, Gießen, Neuens weg 28, oder bei der Post. Die Redaktion der ,, Giessener neueste Nachrichten".
Er begann fich das Glück auszumalen, bas er nun ges
nießen könnte, went.
fobiefes verwünschte Wenn! Daß
Er
doch nur die Stirn blutig geschlagen. bätte mit dem Stopf bawider anrennen mögen, und hätte fich man daran nicht viitteln konnte, nicht tämpfen dagegen
Falfner sprang aus dem Bett und drobte mit geballten Fäuften
und fnirschenden Zähnen
ha
+ war
gegeben?
bas?
Hatte es
Es überwältigte ihn. Seuchend entrang sich der tem feiner Bruft. Er form zurückgefahren, und seine Sände frampften sich um die Lehne. Wie ein scheues Tier war Falkner bei den Worten Helmas ein 3erwürfnis zwischen den Beides
beberrichen.
glücklich sein konnte. Er mußte sie entbehren lernen, da er Daß er sich doch mit der Achtung auch die Liebe bätte aus müssen, wenn sie aus Leidenschaft wieder schwach geworden wären. Aber er hätte ia fie und sich aus tiefſtem Herzensgrund verachten Und trotz allem verzehrte er fich vor Sehnsucht nach ihr.
mit ihr nicht mehr
2ther das waren die Sin
.Ganz gut". Er verſtand nur mütigem Blid auf sich gerichtet zu leben. Schmerzlich fragenden Augen, und er mußte sich abwenden, seine antwortete fie stets mit einem matten Nicken und einem leiſen nie ein Wort zu ihm. Auf seine Fragen nach ihrem Befinden nicht extragen. Ihre großen, offenen Augen mit fo unfäglich schwer zu wohl die Sprache dieser traurigen, Sie sprach von selbst
D
Trotz der arbeitsreichen Sommermonate
gehen uns zahlreiche neue Abonnenten zu; ein Beweis, daß die Bevölkerung mit unserem Beginnen zufrieden ist. Für weitere treue Unterstüßung sind wir sehr dankbar.
Geerteerd.
Novelle von E. Vely.
( Nachbruc verboten.)
Einige von den Kirchgängern kommen zurück, während sie am Brunnen beschäftigt ist. Der Schulmeister versieht den Gottesdienst auf der kleinen Insel und hält sich nicht zu lange damit auf.
Vom vielen Grüßen sind die Heimkehrenden nicht Freund, üben und drüben in ihre Häuser, ohne seitwärts zu
fie ge
blicken.
Die legten sind eine alte Frau und ein junger, stattlicher Seemann. Sie müssen hart an Geerteerd vorbei, welche auf dem Rückwege ist, denn ihr Haus ist dem von Maniel Hay
benachbart.
Hochachtend
Redaktion der Gießener Neueste Nachrichten.
Kommst Du zum Abend an den Strand? raunt er ihr noch| kecksten singt den Endreim eines Matrosenliedes in den Wind zu, eh er sich dem Hause zuwendet.
Sie wirft den Kopf zurück. Mir verbietet es keiner- Du mußt erst fragen.
hinein.
Als die drei Dirnen auf's Neue dem Plaz gegenüber sind, wo Geerteerd sigt, sagt die Eine: Eie thut wieder be
Dann geht sie rasch vorwärts. Als Maniel das leise Ge- sonders! räusch ihrer Tritte hört, blickt er wieder auf.
Weißt Du, warum Edo Finnink jeden Tag hier steht? fragt er, ohne seine Pfeife zwischen den Lippen hinweg zu nehmen.
Kann mir's denken! giebt sie gleichgültig zurück und tritt in die Hausflur.
2.
So lange die kleine Zahl von Badegästen, welche alljährlich nach der Insel kommen, die früher, eh' die Sturmfluth sie halb ins Meer riß, ein gesuchtes Nordseebad war, den Strand belebt, meiden ihn die Insulaner. Die nicht
Weil sie die Reichste ist, wirft Anne hin, die Kleinste und Besitzloseste unter ihnen.
Meerie, die hübscheste, hebt den blonden Kopf und schaut in der Richtung aus, von wo man gewöhnlich vom Dorfe her kommt, und seufzt leise. Sie wartet auf Jemand.
Greit hat die rascheste Zunge und fällt wieder ein, Edo Finnink geht Geerteerd nach.
Die Burschen sind, das Stehenbleiben der Mädchen für eine Absichtlichkeit haltend, näher gekommen.
Clas Duwe, der mit einem englischen Schiff schon in Westund Ostindien gewesen ist, ruft ihnen zu: Wollt wohl zum Abend
Die Frau sagt auch nichts, aber ihr Begleiter zögert ein wenig. nothgedrungen mit Fremden verkehren müssen, halten sich noch nach der blauen Balge! Habt's so eilig!
Geerteerd!
Jo!
Da bin ich wieder! sezt der Matrose mit einem halben Lächeln hinzu.
Das Mädchen schreitet mit seiner Last sicher aus. Reick wird eine Freude drüber haben! giebt sie zurück und hält dabei die Blicke gesenkt.
Er stößt einen pfeifenden Ton aus. Sonst Keiner?
Ich rechne, auch Meerie Möllers! fagt sie. Sonst Keiner?
Sie verzieht die rothen Lippen. Mußt einmal ausgehen und Nachfrage halten.
Das will ich! ruft Jo lastig, und wer sich am meisten freut. Jo! ruft die alte Frau, welche am Vorgärtchen stehen geblieben ist.
Ueber Geerteerd's Geficht ist vorhin ein Aufleuchten gegangen, jezt wird es wieder düster.
Eil Dich! sagt sie spöttish.
fern. Zudem ist die männliche Bevölkerung Sommers über auf dem Meere, wer nicht zu langen Weltfahrten verdingt ist, kommt erst zum Herbst zurück. Jetzt hat der Dampfer, der das Eiland mit dem Festland verbindet, schon längst seine Fahrten eingestellt und mit dem Postschiff sind die legten Fremdlinge hinüber- nun ist der Strand den Heimischen frei.
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Neben einander, selten redend, gehen einige Mädchen auf dem feuchten Sande hin und her, in ziemlicher Entfernung folgen ihnen ein paar Burschen.
Es sind Alles kräftige Gestalten, deren Contouren sich scharf abheben von dem Himmel- und Meergrau, das den Hintergrund bildet. Sie haben flachsblonde Haare und hellblaue Augen und ähneln einander merkwürdig.
In den Dünen sitzt die schwarze Geerteerd; das Haupt auf die Hand gestützt, schaut sie über das Wasser hin, oder beobachtet die Anderen. Ab und an bückt sich eines der Mädchen nach einer Muschel, glaubt auch wohl ein Stüd Bernstein zu finden. Die Burschen rauchen und einer der
Nein! sagt Anne ehrlich und streicht über ihre Schürze. Greit guckt verstohlen Edo an, der eine gleichgültige Miene zu dem Spaß des Andern macht, und sagt: Geht sich besser in Gemeinschaft.
Dann setzen sie den Weg fort.
Geerteerd hat verwitterten Dünen- Hafer gepflückt, zerstreut ihn wieder und spricht vor sich hin: Reick hält ihn sie hat immer noch die Macht.
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Da taucht hinter ihr die Gestalt eines Mannes auf, der schlank ist und eine Art von Uniform trägt. Es ist der Leuchtthurmwächter, einer der wenigen Tremden, die auf der Insel wohnen von Amtswegen. Geerteerd Hay sagt er, guten Abend! Sie muß seine Stimme fennen, macht nur eine halbe Wendung mit dem Kopf und entgegnet gleichgültig: Guten Abend auch. Er ist dunkelhaarig und schwarzäugig, wie sie, und hat ein munteres Lachen: und es ganz flott geht mit Siehst Du, daß ich gelehrig bin dem Dusagen.
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Fortsepung folgt.)


