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Antrag Oertel angenommene Absag 3 und dieser mache| die Bestimmungen in den ersten beiden Abfäßen wieder zu nichte, indem er besage, daß die allgemeinen polizeilichen Vorschriften der Landesgeseße über das Vereins und Versammlungswesen unberührt bleiben sollten. Die weiteren Vorschriften des Entwurfs ent­halten aber doch einen so wesentlichen Fortschritt, daß seine Freunde sich entschlossen hätten, für das ganze Gesetz zu stimmen.

Abg. von Scheele( Welfe) stimmt den Ent­wurf zu.

Abg. von Hieber( natl.) wendet sich gegen die Sozialdemokraten, bei denen es heiße, Religion sei Privatsache, im übrigen aber Unsinn. Er erkläre namens seiner Partei, daß dieselben sich zu dem§ 1 und damit zu dem ganzen Abschnitt 1 ablehnend ber­hielten. Auch bei der Gesamt- Abstimmung würden seine Freunde ebenso verfahren.

Abg. Pachem( Zentrum) hofft, daß das Miß­trauen, welches dem Zentrum bei dieser Vorlage An fangs vielfach entgegengetreten sei, mit der Zeit immer mehr schwinden und einer ruhigeren Auffassung Plaz machen werde. Ferner hoffe er, daß auch der Reichs­fanzler, wenn erst das vorliegende Gesez definitiv an­genommen sein werde, sich anders dazu stellen werde, als er dies bei der ersten Lesung gethan habe und daß der Bundesrat dieses Gesetz ebenfalls annehmen werde. Es werde das dann für ganz Deutschland gewiß dieselben guten Folgen haben, nämlich die För Serung des religiösen Friedens.( Beifall) Damit schließt die Generaldebatte.

Der§ 1 wird nach weiterer kurzer Debatte in der Fassung der zweiteu Lesung angenommen, ebenso fast debattenlos die weiteren 7 Paragraphen. Die Gesamt abstimmung über das Gesetz ist eine namentliche. Mit Ja 163, mit Reinstimmen 60 Abgeordnete, 3 ent­halten sich der Abstimmung. Das Gesez ist also

angenommen.

Samstag 1 Uhr Vogelschuh- Konvention in 3. Lesung, Rechnungssachen, Aufhebung des Dif­tatur Paragraphen in Elsaß- Lothringen und Petitionen.

Schluß 6 Uhr.

Hessischer Landtag.

Darmstadt, 5. Juni. Tagesordnung: Main- Neckarbahn vorlage. Vor Beginn der Sigung ruft der dritte Präsident Reinhard noch nachträglich den Abg. Dr. David zur Ordnung wegen seiner gestrigen Aeußerungen, die heffische Regierung habe die Kammer dupiren wollen und Preußen habe Baden ausgeräubert.

Abg. v. Brentano( Centr. zitirt verschiedene Aeußerungen der Frankfurter Zeitung" zur Frage des Main- Neckarbahnvertrages und folgert, daß die Frei­sinnigen hier schuld seien, wenn der Vertrag mit ge­ringer Majorität durchgehe, mit denen sich dann die " Frankfurter Zeitung" auseinander setzen möge. Der Redner meint, Abg. Dr. Gutfleisch wäre besser dem Vertagungsantrage beigetreten, als so ohne Weiteres für die jetzige Vorlage einzutreten. Der Vertagungs­antrag, der gestern die Unterschrift von 20 Abgeordneten fand, geht dahin, die Abstimmung über die Borlage bis zum er b ft zu vertagen, damit die hessische Regierung inzwischen aufs Neue in Verhandlungen mit des Preußen eintreten fönne wegen Revision des 1896 er Vertrags. Auch er hat die Meinung, daß es möglich wäre, daß die hessische Regierung bei aber maliger Beratung mit Preußen Besseres für Hessen er­reichte. Er wünscht, daß der Vertagungsantrag ange­nommen werde. Es sei nicht richtig, wenn Abg. Gutfleisch gesagt, wenn man á gesagt habe, müsse man auch sagen, denn weder seine Partei( Centr.) noch die des Abg. Gutfleisch( freis.) hätten jemals

Geerteerd.

Novelle von E. Vely.

( Nachdruck verboten.)

Weiße Vorhänge an den Schiebfenstern zeigen, daß Maniel Hay's Einzige auf's Modische hält. Die Decke des Gemachs ist aus mattblau bemalten Brettern, die Wände sind getüncht. Ein Schiffsmodell in einem Glaskasten bildet den Haupt schmuck, daneben sind auf Seitenborden und Commoden viel chinesisches Porzellan und japanische Lacksachen, sogar ein zier­liches Schränkchen zu sehen, Erinnerungen von des Hausherrn Meerfahrten.

Geerteerd streift ihr Bild im Spiegel mit einem flüchtigen Blick, seufzt leise und sagt: Jo Toben ist wieder da.

Dann glättet sie mit beiden Händen ihr Haar und setzt hinzu: Gesund ist er wieder da ihm gönn' ich's. Dann leuchtet es seltsam auf in ihren Augen und im zischenden Ton fommt es nach: Der alten Reick nicht und ist doch seine Mutter. Das Warum muß ihr wohl zu denken geben, denn sie sezt sich am Fenster nieder und stügt den Kopf in beide Hände. Zu dem Alten, den so leicht kein herber Wind von seinem Platz neben dem Holzbild draußen hinwegbringt, ist ein zweiter getreten, ein gebräunter junger Mann in Matrosentracht. Er lehnt sich mit beiden Armen auf den Bretterverschlag, welcher das Vorgärtchen umgiebt, hält seine kurze Pfeife zwischen den Lippen und guckt so eine Weile den Maniel an und der ihn. Ab und an kommt ein Windstoß und umwirbelt sie Beide mit Flugsand, aber darum ändern sie weder Stellung, noch Gesichtsausdruck. Endlich sagt der Jüngere: War hübsch diese Nacht.

Hm! macht Maniel.

Die Springfluth ist hoch gegangen und hat am Ostend eine Badefarre mitaerissen.

Hm!

Wieder eine Bause; der Alte schiebt die Pfeife in den anderen Mundwinkel und dann ist er es, der sie unterbricht.

Agesagt in dieser Frage. Wenn auch die scharfen Worte des Abg. David nicht nötig gewesen wären, so sei nicht zu verkennen, daß eine Reihe von Maßnahmen der Gemeinschaftsverwaltung bis in die jüngste Zeit hinein vorliegen, die Hessen verbittert haben und mit Recht. Die hessische Regierung würde gewiß gerne Beschwerden in dieser Beziehung abstellen, aber sie habe keine Macht. Deshalb bedeute der Vertagungs­antrag eine Rückenstärkung der hessischen Regierung die dann Preußen sagen könne, welche Unsummen von Beschwerden die hessische Bevölkerung vorzubringen habe. Der Redner wendet sich gegen die Reden über diese Vorlage im preußischen Abgeordnetenhaus. Er sagt, es wirfe wie eine Ohrfeige, daß alle Staatsbahnen zur deutschen landwirtschaftlichen Ausstellung in Mannheim für ein einfaches Billet auch Rück­fahrt bewilligt haben, nur die hessische Eisens bahngemeinschaft habefeine Erleichterung gewährt und doch hätte gerade Hessen das größte Interesse an dieser Ausstellung. Gerade die ländlichen Abgeordneten fönnten hier bei der Abstimmung einmal zeigen, daß ihnen die Interessen der Landwirtschaft wirklich höher stehen, als bloßes Fraktionsinteresse. Er bittet schließlich nochmals für den Vertagungsantrag einzutreten.

Ministerialrat Ewald äußert sich über die Beamten­verhältnisse. Alle hessischen Beamten würden in dem bis­herigen Verhältniß übernommen, ebenso verhalte es sich mit den hessischen Pensionsverhältnissen dieser Beamten. Die beiden Verkehrskontrollen von Frankfurt und Mainz kämen nach Darmstadt, Mainz erhalte zur Entschädigung dafür eine besondere Drucksachenverwaltung. Was den Fonds der Unterstützungskasse angehe, so fiele er dem zu, der die Unterstüßungspflicht übernommen habe, was in diesem Falle die Gemeinschaftsverwaltung sei.

Abg. Molthan( Ctr) spricht sich auch gegen die Borlage aus. Wenn die süddeutschen Staaten und Sachsen sich so entschieden gegen eine ähnliche Gemeinschaft mit Preußen ausgesprochen hätten, so sei das doch nicht aus partikularistischem Interesse geschehen, sondern auf Grund der üblen Erfahrungen, die die preußisch- hessische Eisenbahn­gemeinschaft gezeitigt hat.

Finanzminister Gnauth führt aus, die hessischen Wünsche seien durchaus berücksichtigt worden gemäß den Pflichten, die Preußen durch den 96er Vertrag übernommen habe. Er bedauert auch, daß er nun schon zum zweiten Male in wenigen Wochen gezwungen worden sei, die Kabi­netsfrage zu stellen. Die heutige Vorlage sei vielleicht eine noch ernstere in ihren Wirkungen. Der Minister, der noch ernstere in ihren Wirkungen. Der Minister, der in festem Vertrauen auch auf die zweite Kammer diesen Vertrag mit Preußen ausgearbeitet habe, nne nicht Minister bleiben, wenn dieser Vertrag abge lehnt wurde. Eine dilatorische Behandlung dieser Vor­lage, wie sie der Vertagungsantrag wünsche, sei nicht mög­lich; denn würde der Vertrag nicht angenommen, so sei die Sache aus. Würde heute der Vertrag abgelehnt, so ist diese Vorlage beseitigt. Eine andere Vorlage in gleicher Richtung aber wird nicht an das hessische Land mehr herantreten, dann bleibe nur die Auflösung der Main­Der Redner warnt Neckareisenbahn- Gesellschaft übrig. dringend vor dem Vertragsantrage, der im Grunde auf das Gleiche hinauslaufe, wie Ablehnung.

Abg. Erf( nl.) spricht sich für den Vertrag aus. Abg. No ad meint, der jetzige Vertrag sei jedenfalls günstiger als der 1896er.

Abg. Ulrich( Soz.) betont, daß er und seine Partei Reichseisenbahnen erstreben und damit die Verwirklichung von Art. 42 und 45 Position 2 der Reichsverfassung, Ein­heitlichkeit der Verwaltung und Herabsetzung der Tarife. Man solle vor allen Dingen versuchen, eine höhere Tei­lungsziffer und mehr Einfluß aufs Ganze zu erhalten. Der Redner spricht sich auch für den Vertagungsantrag aus

Staatsminister Rothe weist noch einmal auf den Ernst der Frage hin mit Ablehnung der Vorlage. Ee halte diese Ablehnung nicht nur für einen politischen Fehler,

War ein Luftzug! sagt er. Der Seemann lacht.

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sondern er stimme auch mit allen Worten des Finanz ministers überein. Nächste Sigung Freitag init der gleichen Tagesordnung. Berichtigung: Im gestrigen Bericht in der Rede des Abg. Gutfleisch muß es selbstverständlich statt: Main Neckarbahn Main Weserbahn heißen.

Preusischer Landtag.

Berlin, 5. Juni Heute wurde in zweiter Lesung die Polen- Vorlage, durch welche bekanntlich 250 Mill. Mark zur Förderung des Deutschtums gefordert werden, nach längerer Debatte, in welcher sich die polnischen Abgeordneten in scharfen Ausdrücken gegen die Regier Der Gesezentwurf be­ung ergingen, angenommen. treffend die Unfall- Fürsorge für Gefangene, der zur zweiten Lesung stand, wurde an die Kommission zu rückverwiesen. Es folgte die erste Lesung des Aus­führungs- Gesetzes zum Schlachtvieh- und Fleischbeschau­Gesetz.

Die Vorlage ging an eine besondere 14 er Kommission. Schließlich wurde noch der konservative Antrag auf Annahme eines Schlachtvieh- Versicherungs­Gesetzes an dieselbe Kommission verwiesen, welche für den Fleischbeschau- Gesezentwurf beschlossen ist. Auf der morgigen Tagesordnung stehen kleinere Vorlagen in dritter Lesung und der Antrag Barth- Wiemer betreffend Wahlkreis- Abgrenzung.

Giessener Cagesneuigkeiten.

Gießen, 6. Juni.

* Musikaufführung. Am Mittwoch, den 18. Juni, nachm. 5.30 Uhr, veranstaltet der akademische Gesangverein Gießen in der Stadtkirche eine Auf­führung der Missa solemnis von L. v. Beethoven. Das Konzert wird vom Universitätsmusikdirektor Trautmann dirigiert. Außer dem akad. Gesang­verein und der Kapelle des hiesigen Infanterie­Regiments, haben noch eine Anzahl bedeutende Solisten, wie Aenni Wiegand( Frankfurt), Agnes Leydhecker( Berlin), Richard Fischer, Rudolph Hellmrich und Ad. Nebner, sämtlich aus Frank furt, ihre Mitwirkung zugesagt. Studierende haben bedeutende Preisermäßigung.

! Der Verein der Gastwirte von Gießen und Um­gebung fordert alle Mitglieder, die geneigt sind, den Vertrieb von Kohlensäure zu übernehmen, auf, ihre Angebote auf Grund der vom Samstag, den 7. d. Mts., beim Roll. Jaskowsky Wallthorstraße 5, aufliegenden Bedingungen bis Dienstag, den 10. Juni, mittags 12 Uhr, bei dem Vorsitzenden Koll. Mundt ( Hotel Viktoria) einzureichen.

* Bestanden haben bei der diesjährigen Prüfung in Darmstadt die hiesigen Gerichtsacceffiften Dr. Möbius, Heß, Willenbücher und Schlosser ihre zweite juristische Staatsprüfung."

Beschränkten Omnibusverkehr hat die Direktion der Omnibusgesellschaft für die Richtung nach dem Schiffenbergerwald an den Wochentagen angeordnet, Der Verkehr da die Beteiligung eine zu schwache war. an den Sonntagen bleibt wie bisher.

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* Gauturnfahrt. Nächsten Sonntag, den 8. Juni, veranstaltet der Gau Hessen seine diesjährige Gau turnfahrt nach Lauterbach. Es findet dort Wett turnen statt.

Weiter, wie Du, Maniel Hay, sagt der junge Seemann, ist keiner von der Insel gekommen. Reden sollst Du wohl Geerteerd's Vater sieht darin die gutgemeinte Schmeichelei und sie freut ihn.

Die Weibsleute bei uns waren hoch sowas hat leicht können. Furcht. Meine nicht! antwortet Maniel und zwinkert mit seinem ge­funden Auge.

Der Andere sieht den Spazen zu, tritt dann mit dem Fuße nach einer Muschel und meint:

Ja, die Geerteerd!

Das ist Eine, bestätigt der Vater und lacht dabei. Edo Finnink, das ist Eine!

Der Junge thut die Arme auseinander und reckt sich lang­sam, seine wasserblauen Augen öffnen sich weit, er macht zwei Athemzüge, sagt aber nur das eine Wort:

Ja!

Dem Maniel scheint das vor der Hand zu genügen, denn eine Weile ist's, als gewahrt er den Anderen gar nicht.

Ex blickt den Dampfwolken aus seiner Pfeife nach. Da ist auch Meerie Möllers, sagt dann Edo Finnint. Oho, auch noch Andre zum Freien! krächzt der See- Inva­lide, die Anne und die Greit.

Meerie Möllers ihre Mutter kann ihr Geld nicht zählen. Heirathsthaler! ruft der Alte verächtlich, dann schiebt er den Daumen über die Schulter. Sieh das Haus an!

Edo Finnink thut's, reckt sich wieder und spricht nach der üblichen Pause:

Meerie Möllers hat zu Helle Haare.

Diese Ansicht scheint den Beifall Maniel Hay's zu finden, denn er stößt einen vergnügt brummenden Ton aus, worauf der Jüngere sagt: Du bist ein ordentlicher Seemann gewesen, wer Dich um Rath fragt, ist nicht betrogen.

Hm! grunzt der Alte.

So denk ich, bestätigt Edo noch einmal.

Maniel hebt langsam die Hand und läßt sie schwer auf die Schulter des Anderen fallen.

Ich meine, wenn ich will, kann ich viel reden!

Junger Butt! lacht er. Thut Ihr's nach.

Wird schon kommen! nickt Edo und wirft einen bedeutungs­vollen Blick nach der Hausthüre. Dann wiegt er sich hin und her, als stände er auf einem Schiffe, und spricht: Ist rar, die da, mit dem Sichsehenlassen. Oho! antwortet Maniel, hast schon gehört, daß Mädchen, die immer draußen sind, besonders taugen?

Das wohl nicht, muß Edo zugeben. Aber um weswillen ich jeden Tag da eine Stunde hiersteh das könnte Einer doch am Ende merken!

Maniel stößt einen Seemannsfluch in einer Sprache aus, die der junge Schiffer nicht versteht.

Wenn's Zeit ist, wird sie's merken, von dummer Art ist die nicht.

Dann wird es wieder still um die Beiden, nach einer Weile ist Edo mit seiner Pfeife zu Ende und nichts zeigt ihm an, daß die Ersehnte bald zwischen den blauen Thürpfosten er scheinen wird. So hebt er seine Arme von dem Zaun und wandert langsam die Dorfstraße hin. Einen Abschiedsgruß halten die Beiden für überflüssig.

Maniel guckt ihm nach, nicht dann, was aussieht, als gilt's dem hölzernen Frauenbild, und sagt: Recht wär' mir der! Einer muß es einmal sein.

Hinter ihm flappern die Wassereimer Geerteerd's, die nach dem Dorfbrunnen will. Als sie in Hörweite ist. kommt es von seinen Lippen: Das war Edo Finnink.*

Habe ihn gesehn, ist die kurze Antwort. Der Alte ha doch eine Art von Freude, wie er hinter ihr drein schaut. Sie geht fest und mit hochaufgerichtetem Kopfe. Die Insu lanerinnen haben sonst eine schwerfällige Manier. An Geerteerd's Wuchs ist nichts zu tadeln. ( Fortsetzung folgt.)

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