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Nr. 128.

Abonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfg., in's Haus gebracht 60 Pfg., durch die Post bezogen viertel­jährlich Mr. 1 50. Gratisbeilagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartensan, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittags.

Freitag, den 6. Juni 1902.

Gießener

11. Jahrgang.

Insertionspreis: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberhessen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pf., sonst 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg.

Postzeitungsliste No. 3032.

Redaktion und Expedition: Gießen, Neuenweg 28.

Neuelle Nachrichten

( Gickener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung.

Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei, vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruckerei( gegr. 1783); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

Politische Wochenschau.

Deutsches Reich.

* Der Kaiser und die Kaiserin wohnten gestern Donnerstag der feierlichen Einweihung der prächtig restaurierten Kapelle des Schlosses Marienburg, des alten stolzen Sizes des Johanniterordens, und den hiermit verbundenen Ordensfestlichkeiten bei. Von Marienburg aus haben sich dann die Majestäten zu einem furzen Aufenthalt nach Cadinen, der west­preußischen Sigung des Kaisers, weiterbegeben.

Das Befinden König Alberts, welcher be­fanntlich während seines gegenwärtigen Frühjahrs­aufenthaltes auf seiner schlesischen Besizung Sibyllenort erneut von seinem alten Blasenleiden befallen worden ist, giebt erfreulicher Weise zu keinen ernsteren Besorg­nissen Anlaß.

Dresden, 6. Juni. Wie heute Morgeu gemeldet wird, konstatirten die Aerzte heute Nacht eine ernste Verschlimmerung des Leidens König Alberts.

Mit dem am Dienstag erfolgten wiederzu­sammentritte auch des Reichstagsplenums ist der nachpfingstliche parlamentarische Reigen vervoll­ständigt worden. Wie lange derselbe etwa dauern wird, das läßt sich nicht mit voller Bestimmtheit

sagen. Ob er etwa schon gegen den 12. Juni in die großen Sommerferien wird gehen können, das bleibt noch abzuwarten.

* Berlin, 6. Juni. Der Reichskanzler hat sich auf Einladung des Kaisers zur Einweihungsfeier nach Marienburg begeben, von wo er heute hierher zurückkehrt.

Berlin, 8. Juni. Der Bundesrat hat heute den Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung des Dik­tatur- Paragraphen in Elsaß- Lothringen genehmigt. Desterreich.

Wien, 5. Juni. In der gestrigen Sigung des Polenklubs wurde nach längerer Debatte, in welcher heftige Angriffe gegen die preußische Regier ung gerichtet wurden, eine Resolution angenommen, in welcher die vollständige Selbständigkeit der Monarchie und eine größere Unabhängigkeit derselben von dem preußischen Einfluß gefordert wird.

Frankreich.

Die Fortschritte der links- republikanischen Partei in Frankreich sind nach den letzten Kammerwahlen zunächst in der Einsegung

1]

Geerteerd.

Novelle von E. Vely,

( Nachdrud verboten.)

Der erste Octobersturm ist Nachts über das kleine gelbe Eiland hingebraust, die Springsluth Hoch bis zu den Dünen emporgekommen und noch hat das Meer eine schwarz- graue Färbung und der wolkenbedeckte Himmel scheint in der Ferne mit der unruhig wogenden Wassermasse zu verschwimmen. Der feine Sand ist weit hingetrieben und hat die schmalen Holz­bretter, die zu beiden Seiten der Dorfstraße gelegt sind, damit man festen Fuß fassen fann, bedeckt. An den niedern rothen Backsteinhäusern sind theilweise die grünen Läden geschlossen, trotz der Mittagsstunde. Die vornehmsten unter ihnen haben einen mit Latten abgezäunten Platz, welcher einen Garten vorstellen soll. Aber nicht einmal niederes Buschwerk gedeiht in dem Boden, zwei oder drei verfüminerte Zierpflanzen bilden ben Stolz der Hausfrau, wenn sie halbwegs zur Blüthe kommen. Eines der größten Häuser steht am Ende der Straße, doch hat man auch hier der Dünen halber keinen Ausblick auf das Meer. In dem Vorgärtchen desselben prangt aber als besonderer Zierrath ein defectes Holzbild der Aphro­dite, das einst am Bug eines Schiffes befestigt gewesen ist. Das nicht unschöne Profil ist noch intact, die Hölzernen Locken haben aber bei mancher Seefahrt, vielleicht auch bei einem Schiffbruch gelitten. Schreiende Spatzen haben sich auf dem Haupte der Meergöttin niedergelassen, werden aber bon der gebräunten Hand eines alten Mannes, welcher un­weit auf einem Schemel sitzt und dicke Dampfwolken in die Suft bläft, mit einem rauhen Fluche verjagt. Dann bring: er feinen Stuhl in eine schaukelnde Bewegung und ruft, dem Hause zugewandt: Geerteerd! Zweimal muß er jedoch den trichzenden Laut wiederholen, ehe eine Stimme von innen cire undeutliche Antwort giebt. Geduldig hat er sich noch ige Male auf- und niedergeschaukelt, dann ist in die Haus­

Senator Combes.

Bourgeois zum Präsidenten des Hauses zum Ausdruck gekommen. Jezt scheint auch die Neubildung des Ministeriums, welches Waldeck- Rousseau ablösen soll, ganz in zu diesem Sinne erfolgen. Ein Privattel e- gramm berichtet dazu:

Nachdem Bourgeois und Brisson die Kabinetts­bildung abgelehnt, heißt es jetzt als sicher, Combes werde das Präsidium, das Innere und den Kultus übernehmen, Delcaffè das Aeußere, Andrè den Krieg, Etienne das Kolonialamt, Trouillot den Unterricht, Dubief und Doumergue würden gleichfalls diesem Rouvier die Finanzen, Chaumin die Justiz, Vallé, radikalen Kabinette angehören.

Combes gehörte dem radikalen Kabinett Bourgeois vom Oktober 1895 bis zum April des folgendes Jahres als Unterrichtsminister an. Bei den parlamentarischen Kämpfen, die vor kurzem um das antiklerikale Vereins­gesez entbrannten, hatte Combes das Referat.

Parlamentarisches.

* Die Zucker- Kommission des Reichs­tages segte gestern ihre Beratungen fort und lehnte

thür eine weibliche Gestalt getreten, ein hochgewachsenes Mädchen, in das übliche blaue Friesgewand, das die Insulanerinnen Sommer und Winter tragen, gekleidet. Sie hebt den Kopf, den schwere, schwarze Flechten umschlingen, heftet die dunklen Augen mit einem beinahe zornigen Ausdruck auf den Sitzenden und fragt unwillig: Nun?

Sie läuten drüben! sagt der Alte und kneift das eine gesunde Auge, das er besikt, zu, das andere ist eine leere Höhlung.

Ist Sonntag, giebt das Mädchen zur Antwort. Sonntag! Er nickt. Deshalb sind sie vorhin Alle fort- Du nicht, Geerteerd!

Sie hat ein kurzes Lachen.

Bin Maniel Hay sein Kind mich nicht angehalten!

-

g

zum Kirchengehen hast Du

Nein! knurrt er, halbvergnügt, streicht vann über sein strup­piges, graues Haar, nimmt ein paar Züge aus seiner Pfeife und sagt, wie zu sich selber:

-

Keine Ursache dazu, Geerteerd keinen Anlaß. Geerteerd macht einige Schritte über den knirschenden Pfad, bis sie neben dem Vater steht, legt ihm die Hand auf die Schulter und guckt in derselben Richtung, wie er, die Dorfstraße entlang. Es ist eine Ausschau, welche sie jeden Tag haben niedere Ziegelhäuser, gelber Sand, das eine Val nur ist der Himmel grau, das andere Mal sonnig. Sie sind nicht verwöhnt, die Insulaner- und knapp, wie sie die Natur behandelt, die ihnen nichts zeigt, als das Meer und die reizlose Scholle, welche es täglich zu vernichten bereit ist, sind sie auch mit ihren Worten und Geberden. Mag sein, daß sie darum wenig reden, weil ihnen der Wind so leicht die Worte von den Lippen weht, ehe sie des Andern Ohr erreichen. Geerteerd hat zwar auch die äußerlich ruhige und sprachkarge Art der Inselbewohner, aber wie sie mit Haar und Augen von ihnen absticht, scheint auch eine innere lln­ruhe im Gegensatz zu Jenen bei ihr zu existiren das beweist

-

die Kontingentierung mit 15 gegen 11 Stimmen ab. Artikel 4, nach welchem das Zuckersteuergesetz gleichzeitig mit der Brüsseler Konvention in Kraft treten soll, er­hielt auf Antrag des Abg. Grafen Limburg- Stirum einen Zusatz, durch den die ausdrückliche Genehmigung des Brüsseler Kongresses ausgesprochen wird. Damit ist die erste Lesung des Gesezes erledigt. Morgen wird die Kommission das Saccharin- Gesetz beraten. Die Zolltarif- Kommission fuhr heute bei der Beratung der Zölle für Farbstoffe fort und erledigte die Positionen 326 bis 335. Morgen wird die Berat­ung fortgesetzt.

Dresden, 5. Juni. Die zweite Kammer sprach sich dafür aus, daß die Umsatzsteuer landesgeseßlich eingeführt werde.

Deutscher Reichstag.

( Sigung vom 5. Juni.)

Auf der Tagesordnung stand: Internationale Konvention zum Schuge der für die Landwirtschaft nüzlichen Vögel.

Abg. Beckh- Coburg bedauert, daß Italien sich dem Beitritt zur Konvention entzogen habe. Nicht zu ver­stehen sei, weshalb nicht auch Rußland, Dänemark und die Niederlande ihren Beitritt erklärt hätten. Deutschland das Böglein bisher nicht den nötigen Abg. Steinhardt( nat.) beklagt, daß auch in Schutz seitens des Publikums gefunden habe. Das Vöglein werde gefangen und auf den Hut gesteckt. Er bitte auf den Import von Vögeln und Vogelbälgen einen sehr hohen Eingangszoll zu legen.

Beckh, daß sich der Beitritt Italiens zur Konvention Staatssekretär v. Posadows fy erwidert dem Abg. leider nicht habe erreichen lassen. Die Konvention wird hierauf genehmigt.

entwurfes( Freiheit der Religionsübung). In Es folgt die dritte Lesung des Toleranz- Gesetz­

der Generaldebatte bemerkt

dem vorliegenden Entwurfe in der Fassung der zweiten Abg. Schrader( freis. Ver.) seine Freunde würden Lesung zustimmen.

Abg. Kunert( Soz.) hält den§ 1 in der jetzigen Fassung eigentlich für unannehmbar. Mit dem Absaz 1 und 2 seien seine Freunde einverstanden, da darin den Reichsangehörigen die volle Freiheit des Religions. Bekenntnisses und ihrer persönlichen Ausübung gesichert werde. Nun komme aber der in zweiter Lesung auf

das häufige Vibriren ihrer Nasenflügel, das Zucken ihrer hoch­geschürzten rothen Lippen.

Maniel hat sich eine Weile mit seinen Gedanken beschäftigt, jezt giebt er ihnen Ausdruck.

Von Keinem hättest Du jola ein Erbe

Das Mädchen guckt zurück aufs Haus, nickt und erwidert: Ist Dir arg, daß ich kein Junge bin!

Der Alte kneift das gesunde Auge zu.

Jezt denk ich nicht mehr dran!

Geerteerd steht wieder eine Weile unbeweglich, die Wind­stöße führen immer eine Wolke feinen Sandes mit sich, der sich über alles legt, auch wie Puder auf des Mädchens dunkle Haare.

Maniel scheucht die schreienden Spazzen auf's Neue, hat ein kurzes Lachen und meint dann: Wirst mir Einen in's Haus bringen, der ein tüchtiger Schiffer ist.

Das ist abzuwarten! erwidert sie mit einem dumpfen Tone. Der Alte nimmt staunend die Pfeife aus dem Munde und macht eine ordentliche Anstrengung, um den Kopf nach ihr zu wenden.

Mädchen! ruft er und dann zeigt er mit dem Daumen hinter sich, es ist nicht sicher, ob damit das Haus oder Geerteerd ge­meint ist.

Wenn Keinem darnach der Sinn stehen sollte!

Abwarten, kommt es noch einmal von ihren Lippen und dann geht sie wieder dem einstöckigen Hause zu, von dessen rother Ziegelfarbe der hellblaue Delanstrich von Fenstern und Thür wunderlich absticht. Die Hausdiele ist geräumig, sie ent­hält den Herd, über dem ein blanker Wasserkessel hängt, unter welchem das Feuer tagsüber nicht erlischt, Es ist alles sauber, der steinbelegte Boden, die Holzbretter an den Seiten, auf denen der Hausrath prangt. Die verschiebbaren Holzwände im Hintergrund verbergen die Schlafstellen. Geerteerd schürt ein wenig am Herd und guckt auf die große Standuhr, tritt dann in die niedere Stube und spricht noch einmal: Abwarten vor sich hin.

( Fortsetzung folgt.)

Memmelsbort schoß fich, weil ihm seine Frau aleichgültig,

Die wieder liebte

weil er ein

Neigung

ibn, der seine Frau vergötterte, während deren Gefühle einem War das nicht der reinste Narrentanz-?! - wenn Memmelsdorf recht gehabt hatte-

anderen gehörten.

Und Faltner fachte abermals greff

Seine Nerven befanden sich

Ihre Lippen Es war unverändert. Er sah nach dem Befinden Helmas. warf fie von Beit zu Zeit den Stopf auf die andere Seite. Bu viel war an diesem Morgen auf ihn eingestürnit. sprachen irre, unverständliche Worte. Ihr Gesicht glühte in Fieberbite. in einem furchtbaren Bustand. Unruhig

nicht laut aufzujubelu. Seine Finger frallten sich in die Handflächen, als toste es ihnt bändigen, teuflischen Freude, daß ihn Falkner verwundert ansab. Sein Geficht glühte. Seine Augen funfelten in einer fo una Sein ganzes Wesen war in

Mühe,

Aufruhr.

hmittag Falkner das Haus verlgijen

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Sterl!

bazner Frau ausgerect bait- Bergebt Dir ist die Lust Jest verdrehst Du die Augen, die Du Dir

nach

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Ju wabn

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gnügelt, ba ber Stopf bes Dialers dumpf bröhnend auf bas in den Saibiger Luft frallte er feine Hände immer tiefer

und schüttelte ihn vor höllischem Ver

Dals Claasens

aster schlug.