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Denen Banfiers Boulaine, der bekanntlich in die Rosen­bergsche Fälschungsaffaire verwickelt ist, wurde dadurch ermöglicht, daß die Kammerzofe der Halbweltdame Mme. Arlette in einer Zeitung seine Photographie fand und nach dieser Photographie den Flüchtling erkannte. Was war das aber für ein Blatt, in welchem das Kammer­mädchen das verräterische Bild entdeckte? Das ist die Frage! Der ,, Matin" versichert, daß das junge Mädchen, als es seine Entdeckung machte, den ,, Matin" gelesen habe. Der ,, Eclair" behauptet, daß es der Eclair" gewesen sei. Journal" schwört, daß es das ,, Journal" war. An­dere Blätter nehmen die große Ehre für sich in Anspruch. Alle aber beteuern hoch und heilig, daß es nicht Reklame sei, was sie zu dieser bedeutsamen Feststellung veranlaßt. V[ Bom Tabakverbrauch in Frankreich.] Ein ge­duldiger Statistiker- es sind übrigens alle Statistiker geduldig hat über den Tabakverbrauch in Frankreich eine tiefdurchdachte Studie veröffentlicht. Man erfährt daraus, daß es in Frankreich 6 Millionen Raucher giebt, die im Durchschnitt jedes Jahr 5 Kilogramm 98 Gramm Tabak pro Kopf verbrauchen. Von je 15 Rauchern rau­chen 8 die Pfeife, 5 die Zigarre, 2 die Zigarette. Es gibt aber auch Raucher, die zu gleicher Zeit der Pfeife, der Zigarre und der Zigarette opfern. Der Gesamtver­brauch von Zigaretten für ganz Frankreich wird aus 90 Millionen pro Tag, 3700 000 pro Stunde, 61000 pro Minute und mehr als 1000 pro Sekunde geschätzt. Wenn man alle diese Zigaretten aneinanderreihen könnte, würde man eine Länge von 2 057 930 Kilom. erhalten, d. h. 514 Mal den Umkreis der Erde.

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[ Eine originelle Idee.] Ein amerikanischer Dra­matiker, Herr Paul Patter, hat einen sonderbaren Ein­fall gehabt: er hat sein Arbeitszimmer mit Bildchen ta­pezieren lassen, die eigens für ihn angefertigt werden mußten und zwar nach seiner eigenen Jdee. Die Bilder stellen Frauenschönheiten aus verschiedenen Ländern dar: französische, deutsche, englische, spanische, amerikanische u. s. w. Die Bildnisse, die sich sämtlich von einem rahm­farbenen Hintergrund abheben, sollen sehr hübsch aus­sehen, und Herr Patter behauptet, daß er sich durch all die schönen Augen, die auf ihn herabsehen, inspiriert fühle. Die Einbildung ist eine schöne Sache!

totet und ein anderer verivundet. Ten Räubern fielen 8000 Rubel in die Hände.

die vulkanischen Verheerungen in Guatemala. Nach einem Telegramm aus Guatemala hat der Ausbruch des Vulkans Santa Maria aufgehört. Der angerichtete Schaden ist sehr groß. Von der diesjährigen Kaffee- Ernte sind etwa 200 000 Zentner verloren.

£[ Ein Vorschlag zur Güte.] Das Schazamt in Washington empfing dieser Tage von einem unbekannt gebliebenen Wigbold folgenden ,,, Newyork, den 3. Oktober 1902", datierten Brief: ,, An den ehrenwerten Sekretär des Schazamtes in Washington. Geehrter Herr! Da die Preise für Feuerungsmittel eine solche Höhe erreicht haben, daß dieselben für Literaten mit beschränkten Finanzmit teln geradezu unerschwinglich geworden sind, so erlaube ich mir, folgende Ordre bei Ihnen zu plazieren: 45 Ton­nen gute alte trockene Regierungsbonds, für Ofen- Heizung geeignet; 7prozentige 1864er Goldbonds bevorzugt. 12 Tonnen alte Greenbacks( Banknoten) für Küchenöfen ge­eignet; 8 Tonnen getrocknete 1866er 25- Cents- und 50­Cents- Postnoten, zum Anzünden. Bitte obige Sendung sofort nach meinem Hause in Riverdale zu übermitteln, zu niedrigsten ortsüblichen Kassenpreisen, und senden Sie gefl. die Rechnungen Ihrem ergebensten Diener Mart Twain, welcher in Dankbarkeit erstirbt und für das rechte Picket stimmen wird."

Die Duchoborzen. Die fanatische Sekte der Ducho­borzen, von deren religiöser Wahnsinnsepidemie wir be­richteten, sind auf ihrem Leidenswege, der sie ihrer Mei­nung nach zum Tausendjährigen Reich führen soll, uner­müdlich weiter gepilgert. Sie nähren sich, gefolgt von be­rittenen Polizisten, auf ihrem Marsche der Grenze von Manitoba. Viele sinken erschöpft am Wege nieder und bitten, sie auf Bahren weiterzutragen, da sie die von ihnen erwartete zweite Wiederkunft Christi zu versäumen fürchten.

[ Bolas Geist.] Ein Mitarbeiter des ,, Temps" erhielt dieser Tage eine Einladung, in dem, Institut für Sociolo gie", Rue des Boulangers, einer spiritistischen Unterhal­tung mit Emile Zola beizuwohnen. Natürlich nahm ich die Einladung an," schreibt der Journalist. Eine Glastür, eine enge Wendeltreppe führen zu dem Sigungssaale". Als ich an die Tür klopfte, öffnete mir ein weißbärtiger Herr, der wie ein alter Photograph aussah. Er war in einem kleinen, schwach beleuchteten Zimmer allein mit einer jungen Dame; ein Vorhang teilt den Saal" in zwei Teile. ,, Ist das hier das Institut für Sociologie?"

[ Bon der Wiege bis zur Bahre.] Ein großes Blu­mengeschäft in Paris versendet gegenwärtig, wie fran­zösische Blätter mitteilen, folgende Preisliste:, Verl bungs- Bouquets von 20 Francs an; Hochzeits- Blumen­förbe von 20 Francs an; Tauf- Bouquets von 20 Francs an; Totenkränze( groß) von 20 Francs an; Toten­kreuze( groß) von 20 Francs an; alles zusammen nur 80 Francs. Sparsame Leute werden also gut tun, schon Lei ihrer Verlobung alle Kränze einzukaufen, die der Mensch von der Wiege bis zum Grabe brauchen kann! Ein Raubmord in Paris setzt das dortige Publi fum in große Aufregung. Morgens früh um 6 Uhr fand ein Milchmann die 36 jährige Witwe des Hauptmanns im int großen Generalstabe Mercier auf der Straße bei ihrer Villa ermordet liegen. Sie war erdrosselt und beraubt worden. Zwei betrunkene Soldaten waren in der Nähe des Tatortes gesehen worden und wurden als verdächtig verhaftet, doch konnten sie ihr Alibi nachweisen.

Ja, mein Herr," antwortete der Mann mit dem weißen Barte. ,, Es ist leider noch niemand gekommen. Sie sind der erste und der einzige Zuschauer. Fräulein, das Medium hier, wollte schon nach Hause gehen, aber da Sie sich herbemüht haben--" Bei diesen Worten setzte sich das Medium an einen kleinen Tisch und legte ihre mageren Hände auf die Tischplatte. Es dauerte ziem­lich lange, ehe die Verbindung mit Zola hergestellt war. Bola ist noch nicht daran gewöhnt," sagte der Spiritist. Plötzlich begann der Tisch sich in Bewegung zu setzen. Ich stellte Fragen. Zola antwortete, daß ihm mein Name bekannt sei, aber nennen wollte er ihn nicht. Ich fragte ihn dann, ob er oben schon mit Renan zusammengetroffen sei. Der Tisch machte ganz tolle Sprünge. Die Antwort war flar und deutlich. Ja, Zola ist schon mit Renan zusammengekommen," erklärte das Medium.- ,, Fragen Sie ihn doch, bitte, ob sie gut mit einander auskommen." Der Tisch machte einige Bewegungen, die anzudeuten schie nen, daß die beiden berühmten Männer sich im Himmel oder in der Hölle nicht gut vertragen können. In diesem Augenblick glitten die Hände des Mediums langsam von der Tischplatte herunter. ,, Sehen Sie, der Tisch flieht," sagte das Fräulein. Ich ziehe die Hände nicht zurück; Zola will fortgehen." Der Spiritist legte darauf den Mund auf den Tisch und richtete, unter feierlichen Gesten, einige Worte des Dankes an Zola. ,, Man muß auch im Verkehr mit den Geistern höflich sein," sagte er."

[ Was Nippessachen kosten.] Daß der Preis von funstvoll gearbeiteten Nippsachen manchmal eine fabel­hafte Höhe erreichen kann, zeigt sich an einer kleinen Terracotta- Figur von Clodion, die gegenwärtig in Paris ausgestellt ist und nicht weniger als 150 000 Franc wert sein soll. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde dieselbe Figur in einer öffentlichen Versteigerung für 520 Franc Losgeschlagen. Unter den Kunstfreunden, die sie gern hätten taufen wollen, befand sich auch Edmond de Goncourt, der in einem Pariser Blatte folgende Mitteilungen über die­sen Kunstgegenstand macht: Man stellte auf den Ver­tausstisch ein großes anderes Ding, auf welchem ich, als ich näher trat, auf einer Seite eine Trompete blasende Fama sah, auf der anderen einen Aeolus mit aufgeblähten Baden, und unter der Fama und dem Aeolus, rings um die Kugel, Amoretten; Amoretten in allen Stellungen, schwebende, fallende, purzelnde Amoretten; Amoretten, die ihre geflügelten Rücken zeigten. Amoretten, die um einen Luftballon ein Netz ausspannten; und unter dem Luft­ballon andere Amoretten, die ein Strohgarbenfeuer unter­hielten. Es ist der schönste Clodion, den ich je gesehen habe." Goncourt bot für das Kunstwerk 500 Franc er war damals nicht sehr reich. Im Jahre 1867 fand er die Terracotta- Figur auf der Pariser Weltausstellung; sie ge­hörte Herrn Beurdeleh, der 25 000 Franc dafür verlangte. Únd heute ist sie sechsmal mehr wert.

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[ Der Roman der Borerin.] Die ,, North China Daily News" bringen interessante Nachrichten über eine friegerische Chinesin namens Liao Kuan Yin, die im letzten Borerkriege die Fahne des Aufruhrs schwang. Ihre Schönheit brachte viele bekannte Abenteurer zu ihrer Fahne, und bald betrug die Zahl ihrer Truppen 10 000. Sie marschierte auf Cheng- tu zu, in der Hoffnung, die Stadt zu überraschen. Aber sie verdarb ihre ehrgeizigen Pläne dadurch, daß sie gleichzeitig mit den sechs Haupt­banditenführern kokettierte, die sie unterstüßten. Sie ver­sprach jedem dieser Führer, ihn zu heiraten, und versuchte, einen gegen den andern auszuspielen, während sie alle in ihrer Gewalt hatte. Als sie aber in Shipaut war, dämmerte ihren sechs Liebhabern die Wahrheit, und als sie dem jüngsten und schönsten der sechs besondere Gunst erwies, stießen ihm die anderen fünf, toll vor Eifer, ihre Schwerter in den Leib. Dann begannen die Nebenbuhler mit einander zu kämpfen, wobei drei von ihnen getötet wurden. Am nächsten Morgen packte einer der beiden überlebenden Führer, der alt und häßlich ist, sein Hab und Gut und reiste ab. Er nahm fast alle Truppen und die ganze Munition mit sich. Liao Kuan Yin war nun mit einem Liebhaber und wenigen Anhängern allein. Bald erschienen Regierungstruppen auf dem Schauplab, und die Dame hielt Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit, floh und verbarg sich mehrere Monate lang. Jezt hat sie wieder Einfluß und mehr Truppen zu ihrer Verfügung; aber sie ist wenigstens flug geworden und be­gnügt sich mit einem Liebhaber

* Ein Rekord der Rohheit. Die ,, Training"-Spiele der amerikanischen Universitätsklubs um die Palme im Fuß­ballspiel haben am 27. Oktober zu einer Katastrophe ge­führt. An diesem einzigen Nachmittage blieben nicht we­niger als zwei Tote und zwanzig Verwundete auf dem Spielplaze, der diesmal ein wahrhafter Kampfplatz war. Der erste Spieler, welcher seinen Erfolg mit dem Tode bezahlte, war ein Deutscher Namens Schmidt. Er schlug seine Mitspieler um einen 20 Yard- Lauf, wurde dann nie­dergerannt und als der wild um den Ball ringende Men­schenknäuel sich endlich entwirrt hatte, lag Schmidt auf dem Rücken, bewegte noch einige Male den Kopf hin und her und war tot. Der zweite war ein Knabe. Er brach das Genick, als er niederstürzte, und war sofort tot. Die Verwundeten trugen entweder schwere Kopfscheibenverwan­dungen oder Knochenbrüche davon. Zwei Spielern wurde das Schlüsselbein zerschlagen, offenbar durch Fußtritte, brei brachen das Schulterblatt und der am leichtesten Ver­letzte hatte seine Vorderzähne zu beklagen. Die Verletzun­gen fallen übrigens nicht auf einen Klub und verteilen sich auf verschiedene Spiele, die indeß alle an demselben Nachmittage stattfanden. Der Spielklub, welchem Schmidt angehörte( es ist derjenige von St. Louis), war von den Unglücksfällen so ergriffen, daß sämtliche Spieler unter Führung ihres Kapitäns in feierlichem Zuge die Spiel­stangen ausrissen, und aus diesen und ihren Fußball­anzügen, Gesichtsmasken und sämtlichen Fußballutensi­lien einen Scheiterhaufen errichteten und ansteckten. Dann schworen alle, für immer dem Fußballspiel zu entsagen.

Eine Soldatenmißhandlung wird der Insterburger Ostdeutschen Volkszeitung gemeldet. Die Redaktion hat von der Witwe Baltrusch einen Brief erhalten, in wel­chem sie mitteilt, daß ihr Ehemann, der als Kanonier bei der 6. fahrenden Batterie des 1. Artillerie- Regiments in Gumbinnen gedient hat, am Abend des 8. August auf Befehl eines Unteroffiziers aufs furchtbarste gemißhan­delt und dann aus einer zwei Stock hoch gelegenen Stube zum Fenster hinausgeworfen worden sei und in­folgedessen seinen Tod gefunden habe. Am Begräbnis­tage habe der Rittmeister zu ihr gesagt, daß ihr Mann ein tüchtiger Soldat gewesen sei und daß es ihm sehr leid tue, daß er auf solche Weise ums Leben habe kom­men müssen. Die Schuldigen würden bestraft werden, und sie eine Unterstützung erhalten. Bisher habe sie aber weder eine Nachricht über eine erfolgte Bestrafung, noch eine Unterſtüßung erhalten, auch ein Schreiben ihrer Dienstherrschaft an den Batteriechef sei unbeantwortet geblieben. Man darf begierig sein, was sich aus die­ser sensationellen Affäre entwickeln wird. Glaubwürdig erscheint sie in dieser Fassung nicht. * Anarchistische Attentatsanschläge. Die Kriminal­polizei sucht einige italienische Anarchisten, die sich eines schweren Bahnfrevels schuldig gemacht haben. Sie suchten bei einem Bahnbau in Maubach Beschäftigung, mußten aber abgewiesen werden. An zwei darauffolgenden Ta­gen wurden, zwischen den Schienen eingefeilt, Rollen mit Dynamit gefunden. Es ist festgestellt, daß das Dynamit aus der Rheinischen Dynamitfabrik von Köln stammt. Der Sprengstoff muß zu verbrecherischen Zwecken aus einer Sendung gestohlen worden sein, die an einen Bauunter­nehmer Müller in Unter- Maubach gerichtet war.

) Ueberfall einer russischen Post. Die von Telaw nach Tiflis fahrende Post ist überfallen und beraubt worden. Bon den die Bost begleitenden Beamten wurde einer ge­

Bunte Chronit. Aus Bergen in Norwegen kommt die Nachricht, daß das Hotel Stalheim, in dem bekannt­lich unser Kaiser jeden Sommer Aufenthalt zu nehmen pflegt, total niedergebrannt ist.

- Die Gräfin Sophie v. Görz- Schliß, eine intime Freun­din der kaiserlichen Familie, ist im Alter von 44 Jahren zu Charlottenburg gestorben.

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§ Deserteure als Einbrecher. Anfang Mai desertierten vom 61. Infanterieregiment zu Thorn die Musketiere Wasnewski und Busch. Sie zogen 6 Wochen lang in Posen, Brandenburg, Rheinland und Westfalen als Land­streicher umher und lebten von Beute aus zahlreichen Einbrüchen. Jetzt wurden sie von Oberkriegsgericht we­gen Fahnenflucht, Diebstählen 2c. zu 2 bezw. 31 Jahren Zuchthaus und Entfernung aus dem Heere verurteilt.

Eine Bande jugendlicher Diebe und Hehler wurde in den letzten Tagen von der Berliner Polizei unschädlich ge­macht. Die Schlosser Alfred Sieg, Gustav Surenberg und Friz Burgmann, und die Tischler Sare, Willy Weiß, Max Franz und Friß Hillmann hatten sich zu einer Ein­brecherbande vereinigt, der die Schlosser Grünewald und Rose als Helfer dienten. Alle neun Verbrecher sind Bur­schen von 15 bis 18 Jahren.

Der Wiener Polizei ist es gelungen, den Mörder Borr­mann aus Chemniß, der am vorigen Mittwoch seine Frau und seine beiden Kinder erschossen hat, in der Wohnung einer Prostituierten festzunehmen. Er leugnet beharrlich seine Untat.

§ Zum Tode verurteilt wurde vom Braunschweiger Schwurgericht der Dienstknecht Stolte aus Harvessa, der seine Geliebte erwürgt und, um den Schein des Selbst­mordes zu erwecken, aufgehängt hatte. Der Angeklagte, der bis zum letzten Verhandlungstage die Rolle eines Unschuldigen mit großer Ruhe gespielt hatte, hatte dann plößlich noch vor Beginn der Verhandlung sein Gewissen völlig erleichtert. Er brach im Anklagezimmer plötzlich mit einem Schrei auf einer Bank zusammen und rief dann: ,, Ich kann nicht mehr, ich muß den Herrn Staatsanwalt sprechen!" Dieſem gegenüber gestand Stolte dann zu­nächst die vorsätzliche Tötung und einige Zeit darauf auch die Tötung mit Ueberlegung zu.

- Die reiche Gutsbesizerin Therese Gleichweit zu Graz bekam mit großer Mühe die Erlaubnis, ihren einzigen dreißigjährigen irsinnigen Sohn Hermann selbst pfle= gen zu dürfen, mußte aber zwei handfeste Wärter halten. Als die Wärter einen Augenblick den Jrrsinnigen verließen, erschlug er seine Mutter mit einer Eisenstange.

Das Belgrader Blatt Stampa" veröffentlicht die Meldung, in der Kreiskasse von Pirot sei ein Fehlbetrag von 150 000 Francs entdeckt worden, welcher einem frü­heren Kassierer und einem Kontrolleur zur Last falle.

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§ Ein sensationeller Verleumdungsprozen, bei wel­chem Klägerin und Beklagte Damen aus der besten engli­schen Gesellschaft sind, beschäftigte soeben das Londoner Schwurgericht. Der Tatbestand ist folgender: Lady Violet Beauchamp, die geschiedene Gattin des Sir Reginald Beau­champ und einzige Tochter des Lord Roden, Besizerin eines immensen Bermögens, hatte seit Jahren dem Financier und ehemaligen Abgeordneten für Glasgow Hugo Watt mit Liebesanträgen nachgesetzt und hierbei alles versucht, um ihn seiner Frau, mit welcher Watt seit Jahren in ruhiger, wenn auch nicht besonders glücklicher Ehe ge­lebt, zu entfremden. Dies gelang ihr auch. Frau Watt, welche bereits gerichtlich von ihrem Gatten geschieden ist, sucht gegenwärtig auch um Lösung der Ehe an, wegen Ehebruches ihres Gemahls mit Lady Beauchamp, von wel­cher anderseits wegen Ehebruchs mit Watt ihr Gemahl Sir Reginald Beauchamp sich trennen ließ. Jm Verlaufe der Hezkampagne mun, welche Lady Violet Beauchamp gegen Frau Watt geführt, schrieb erstere unter anderem auch einen Brief an Watt, in welchem sie seine Frau be­zichtigte, seine Vergiftung zu planen. Dieser Brief fiel in die Hände der Frau Watt und bildete den Gegenstand der Klage. Die Geschworenen sprachen der Klägerin fünf­tausend Pfund Schadenersatz zu.

Ein Italiener, der mit dem Direktor Serpieri von der französischen Bergwerksgesellschaft in Laurion bei Athen in Rechtshändeln liegt, gab zwei Revolverschüsse auf Serpieri ab und verwundete ihn, jedoch nicht bedenklich.

Graf Tolstoi ist an einer Lungenentzündung erkrankt. Zwei Aerzte sind nach dem Gute Jußnaja Boljana berufen, doch gibt die Krankheit bis jetzt keinen Anlaß zu Befürch=

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Ein Münchener Standalprozeß. Die im 44. Lebens­jahre stehende Hebamme Ottilie v. Carneville zu Mün­chen hat seit März 1901 ihren Beruf nicht mehr aus­geübt, und zwar teils wegen Krankheit, teils aus dem Grunde, weil sie auf einen einträglicheren Erwerb ver­fallen war. Frauenspersonen, welche gewisse Zustände beseitigt wissen wollten, fanden bei Ottilie v. Carneville eine bereitwillige Helferin, allerdings gegen entsprechend hohe Belohnung. Ihr Ruf verbreitete sich unter dem Siegel der Verschwiegenheit ziemlich schnell, so daß den übrigen Hausbewohnern die Menge der bei der Carneville ein und aus gehenden Frauen auffiel und die Polizei auf das Treiben aufmerksam gemacht wurde. Frau von Carneville entschuldigte sich vor Gericht damit, daß die Frauenspersonen sie kniefällig gebeten hätten. Sie habe oft die Türe versperrt, weil die Besucherinnen sich nicht abweisen lassen wollten. Von den medizinischen Sach­verständigen hielt Dr. Martius Ottilie v. Carneville, die eine unheilbare Morphinistin ist, nicht für ganz zurech­nungsfähig, während Landgerichtsrat Professor Dr. Hoffmann und Dr. Gudden ihr Gutachten im gegenteili­gen Sinne abgaben. Die Geschworenen bejahten gegen die Carneville je zwei den§ 218 und 219, Abs. 3, des Str. G.-B. betreffende Schuldfragen unter Versagung der mil­dernden Umstände. Auf Grund dieses Wahrspruches wurde Ottilie von Carneville zur Zuchthausstrafe von 5 Jahren und 10jährigem Ehrenrechtsverlust verurteilt.

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