Nr. 203.
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Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhefftsche Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.
Montag, den 31. August 1903.
Gießener
12. Jahrgang
Jasertionspret 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wie gang Oberbeffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Vfg. fonist 15 Vfg.: Reklamen die Betitzeile 30 resp. fg.
Postzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Ervedition: Gießen Neuenweg 28. Ferusprechanschluß Nr, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
190 o aliii rodo un lais
( Gießener Zeitung)
für Oberhessen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Gießen, den 22. August 1903.
Betr.: Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschule.
Die Gr. Kreisschulkommission Gießen
on die Schulvorstände des Kreises. Wir beauftragen Sie, die Verzeichnisse derjenigen Schüler, welche im kommenden Winter die Fortbildungsschule zu besuchen haben, alsbald in doppelten Gremplaren aufzustellen, ein Eremplar bei Ihren Akten zu behalten und das andere uns bis spätestens den 16. September zur Prüfung einzusenden. Wir werden dass Ibe nur zurückgeben, wenn sich Beansandungen finden. Erfolgt keine Rückgabe, so ist das Verzeichnis als genehmigt anzusehen
In die Liste sind alle Schulpflichtigen einzutragen. Bet den von auswärts cintretenden Schülern ist die Gemeinde anzugeben, aus der sie kommen.
Solche Schüler, die aus Ihrer Gemeinde in andere Gemeinden übertreten, sind gesondert anzugeben, und es ist bei ihnen zu bescheinigen, daß die Schulvo stände der Gemeinden, is welche sie übertreten, entsprechende Mitteilung erhalten haben.
Gesuche um Befreiung vom Besuche der Fortbildungsschule können nur berücksichtigt werden, wenn sie bis zum 15. September d. J. bei uns eingegangen sind. In den Listen ist bei den außerhalb arbeitenden Schülern Arbeitsort und Arbeitgeber anzuführen Dies hat auch bei jeder Ueberweisung zu geschehen. Solche Schüler, die überwiesen sein wollen, haben dies schon jegt zu erklären, damit die Ueberweisung rechtzeitig erfolgen fann.
In Gießen beginnt der Unterricht bereits am 15. Oktober. Schüler, die do thin überwiesen werden, sind
von Ihnen darauf aufmerksam zu machen, daß sie sich pünktlich dort zu melden haben, widrigenfalls sie voni Unterricht zurückgewiesen werden.
Ueberweisungen vom Wohnort nach dem Beschäftigungsort erscheinen nur dann rätlich, wenn die zu leberweisenden die Fortbildungsschule in ihrem Beschäftigungsort voraussichtlich längere Zeit besuchen werden. Die Unterrichtszeit bleibt entsprechend der Verordnung vom 6. Oftober 1900 bestehen. Gesuche um Bewilligung später er Unterrichtszeit sind gleichzeitig mit den Schülerlisten einzureichen. In diesen Gesuchen ist anzugeben, welche Schüler größere Wegst ecken zurückzulegen haben, wie viel Kilometer die Wege lang sind, und ob die Schüler andauernd so weit von ihrem Wohnorte beschäftigt sein werden.
Dr. Breidert.
Bekanntmachung.
Die Fe.dbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lohn betreffend.
Die nachstehende Bekanntmachung des Großh. Feldbereinigungsfommissärs zu Friedberg bringe ich hiermit zur Kenntnis der beteiligten Grundbesitzer. Gießen, den 28. August 1903.
Der Oberbürgermeister
Mecum.
Bekanntmachung.
Betr.: Wie oben.
In der Zeit vom 1. September ds. Js. bis einschließlich 14 September ds. J. liegen auf dem Bureau Großherzoglicher Bürgermeisterei Gießen die Arbeiten des III. Abschnittes von den Fluren 32 und 33, sowie von Teilen der Fluren 28, 29 und 30 obiger Gemarfung, nämlich:
1. 1 Heft Zuteilungsverzeichnis, 2. 4 Žuteilungsfarten,
3. 1 Band Gütergeschoß,
4. 1 Heft Zusammenstellung der Gütergeschoße,
5. 1 Heft Geldausgleichungsverzeichnis. 6. 1 Heft Verzeichnis der Drainagekosten zur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet ſtatt Die stag, 15. September 1. Is., vormittags von 10 hr bis 11½ Uhr,
im Bureau Gro herzoglicher Bürgermeisterci Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen cinlade, daß die Richterscheinenden mit Ginwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich
abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aftengröße ( mindestens 1/2 Bogen) einzureichen.
Friedberg, den 26. August 1903. Der Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: gez. Spamer, Kreisamtmann.
Bekanntmachung.
Die Lieferung von 100 Zentner Kornstroh( Maschinendrusch) für das städtisch Schlachthaus ist zu vergeben. Angebote sind bis zum 5. September verschlossen mit entsprechender Aufschrift auf Zimmer Nr. 15 der Bürgermeisterei einzureichen. Gießen, den 27. August 1903. Der Oberbürgermeister. Mecum.
Bekanntmachung.
Die Bestanlage, zwischen Bahnhofstraße und Unter führung der Main- Weser- Bahn nach der Hammstraße, wird wegen Vornahme von Sielbauarbeiten von Montag, den 30. d. Mts. an bis auf weiteres für den Fuh werfs- und Fahrradverkehr gesperrt.
Gießen, den 29. August 1903. Großh. Polizeiamt Gießen.
J. V.: Roth.
Bekanntmachung.
Unter dem Schweinebestand des Küfermeisters Dö: flein, Rodheimerstraße 36 ist die Rotlauffeuche ausgebrochen. Stallsperre ist angeordnet.
Gießen, den 29. August 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen. J. V.: Noth.
Bekanntmachung.
Die am 15. I. Mts. angeordnete Sperre der Braugasse wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 29. August 1903.
Großh Polizeiamt Gießen. I V.: Roth.
Die Kaffeler Kaiferrede.
In vieler Hinsicht höchst bemerkenswert ist die Rede, die Kaiser Wilhelin bei dem Festmahl hielt, das er den Zivilbehörden der Provinz Hessen- Nassau in Kassel gab. Es war eine Art Seibstbekenntnis, das dem Kaiser da über die Lippen quoll, ein Selbstbekenntnis, stolz und demütig zugleich. An Erinnerungen aus der Jugendzeit, aus den Tagen, da er auf dem Kasseler Gymnasium seinen Schulstudien oblag, knüpfte der Herrscher an; jene Zeit seiner Erziehung brachte er mit der Gegenwart, der Zeit seiner Herrschertätigkeit, in inneren Zusammenhang.
Auf Kassels Boden, so hob der kaiserliche Redner hervor, babe er,„ von kundiger Hand geleitet, gelernt, daß die Arbeit nicht um ihrer selbst willen da ist, sondern daß man in der Arbeit seine ganze Freude finden soll". Und an dieses Vekenntnis einer männlich- stolzen, echt deutschen Auffassung vom Wesen der Arbeit als des Inhalts eines Manneslebens, schloß der Kaiser eine ganz persönliche Bemerkung, die die hohe Auffassung des Fürsten von seinem Berufe flar widerspiegelt:„ Die ernsthaften, unablässigen Vorbereitungen"-- so sagte der Herrscher die ich in meinen Studien auf dem Gymnasium und unter der Leihung des Geheimrats Hinzpeter hier vornehmen konnte, haben mich befähigt, die Arbeitslast auf die Schultern zu nehmen, die von Tag zu Tag in wachsender Bürde zunimmt. Und wenn schon damals meine Lehrer, überzeugt von der hohen Aufgabe, die ihnen übergeben war, alles daran setzten, jede Stunde und jede Minute auszunußen, um mich für den kommenden Beruf vorzubereiten, so glaube ich doch, daß niemand von ihnen sich darüber hat klar sein können, welche ungeheure Arbeitslast und welche niederdrückende Verant wortung demjenigen aufgebürdet ist, der für 58 Millionen Deutsche verantwortlich ist. Jedenfalls bereue ich keinen Augenblick die mir damals schwer vorgefommenen Zeiten, und ich kann wohl jagen, daß die Arbeit und das Leben in der Arbeit mir zur zweiten Natur geworden sind."
Es ist kein Geheimnis, das der Kaiser in diesen Worten musspricht. Alle Welt weiß, wie gewaltig die Arbeitslast ist, die jeder neue Tag dem Oberhaupte eines mächtigen Voltes aufbürdet, und alle Welt weiß auch, mit welchem unermüdlichen Pflichteifer der Monarch nach der Devise bes großen Friedrich, der sich der erste Diener des Staates nannte, und Wilhelms I., der keine Zeit hatte, müde zu sein diese Geschäftslast zu bewältigen weiß.
Einige Erörterungen dürfte der Passus der kaiserlichen Rede herbeiführen, in dem von der Verantwortlichkeit des
Herrschers für die unter ihm lebenden 58 Millionen Deutchen die Rede ist. Zweifelsohne darf das Wort nur in dem Sinne genouunen werden, daß der Kaiser sich bewußt ist, velchen Einfluß auch in fonstitutionellen Staaten die Politik des Staatsoberhauptes auf die Gestaltung der Geschicke des Bolkes übt. Mag auch in anderen Staaten mit parlamen tarischem Regierungssystem der König nur Herrscher, nicht Regent sein, in Preußen- Deutschland ist es anders: Bei uns ist das Oberhaupt des Reiches und Staates, mag es auch an die Mitwirkung der verfassungsmäßigen Faktoren bei der Führung der Politik gebunden sein, doch der eigentliche Reiter, der Tonangebende für die Politit. Und als solcher trägt er in der Lat eine ungeheure Verantwortung.
Noch ein Wort ist in der kaiserlichen Rede von besonderer Bedeutung. Der Schluß des Trinkspruchs galt dem von Kassel scheidenden Oberpräsidenten v. Zedliß- Trützschler, der in gleicher Eigenschaft nach Schlesien geht. Der Herrscher erklärte die Versetzung des Oberpräsidenten, den er der heffischen Provinz gern noch länger gelassen hätte, damit, daß, wo die Not am höchsten ist, der Fürst zu dem Mann greifen muß, der ihm der rechte an Ort und Steile zu sein scheint". Daraus ergibt sich, daß der Kaiser die Lage in Schlesien als eine Notlage ansieht. Und zweifellos hat er damit nicht nur die äußere Not gemeint, wie sie aus den Hochwasserkatastrophen sich ergibt, um deren Herr zu werden, bedarf es feines neuen Oberpräsidenten, sondern lediglich der Staatshilfe sondern der Herrscher hat die andere Not gemeint, in der sich die Perle in der Krone Preußens befindet: die nationale Not. Der bisherige Oberpräsident Herzog zu Trachenberg wollte eine solche Not nicht wahr haben. Das bedingte, daß er sie nicht bekämpfte, und das gab den Anlaß zu seiner Verabschiedung. Von dem Grafen Zedlitz weiß der Kaiser noch aus des Oberpräsidenten Posener Amtszeit, daß er ein scharfes Auge und einen untrüglichen Instinkt für nationale Notstände und ihre Beseitigung hat. Und so ist denn zweifellos dieses Kaiserwort aufzufassen als ein Ausdruck des Vertrauens, daß Graf Zedlitz nicht nur den Wasserschäden, sondern auch den Wasserpolen feste Dämme entgegensegen wird. Daß Graf Zedlitz dieses Vertrauen in vollem Maße rechtfertigen wird, dafür birgt seine politische Vergangenheit.
Der totgefagte Vizekonful.
Vizekonsul Ma gelsen in Beirut ist nicht er. mordet! So lautet die neueſte überraschende Meldung aus Konstantinopel. Er erfreut sich vielmehr besten Wohlbefindens. Allerdings ist es Tatsache, daß auf ihn ein Mord. versuch gemacht worden ist; ein Unbekannter schoß auf ihn, die Kugel verfehlte aber ihr Ziel und flog direkt an Magelſens Kopf vorbei. Die erste falsche Alarmnachricht ist da rauf zurückzuführen, daß das Beiruter Chiffretelegramım, das den Vorfall meldete, und von einem erfolglosen Mordversuch sprach, auf der Konstantinopler amerikanischen Gesandtschaft falsch entziffert wurde!
Es ist schlechterdings im höchsten Maße befremdlich, daß auf der Nankeegesandtschaft in Konstantinopel mit solcher Nachlässigkeit, um nicht zu sagen Leichtfertigkeit, gearbeitet wird, zumal in so kritischen Zeitläufen wie die jetzigen am Goldenen Horn. Bei der politischen Tragweite, die die Kunde von der Ermordung eines amerikanischen Konsuls haben mußte, war es unbedingt Pflicht des Gesandten, ehe er die Nachricht an Washington weiter gab, das Telegramm genau nachprüfen zu lassen.
Die Frage ist nun, wie sich die Vereinigten Staaten zu der veränderten Sachlage stellen werden. Noch unter der Voraussetzung, daß der Konsul tatsächlich ermordet sei, hat das Washingtoner Kabinett den Admiral Cotton angewiesen, einen oder noch besser zwei türkische Häfen zu beseßen, bis die verlangte Genugtuung geleistet sei. Dieser Befehl dürfte jetzt wieder rückgängig gemacht werden, ebenso dürfte die in Washington bereits geäußerte Abficht aufgegeben werden, den amerikanischen Gesandten in Konstantinopel abzurufen, Immerhin wird die Union auf einer ausreichenden Genug tuung bestehen müssen; wenn der Mordanschlag auch glück licherweise erfolglos geblieben ist, so ist doch allein schon die Gefährdung des Lebens des amerikanischen Beamten Grund genug zu energischem Dazwischentreten.
Das um so mehr, als die neuesten Nachrichten aus Charput( Kleinasien), wo sich eine amerikanische Missionsnieder. lassung befindet, höchst bedrohlich lauten. Der Fanatismus der türkischen Bevölkerung von Charput soll in einem Maße erregt sein, daß stündlich schwere Ausschreitungen zu er warten sind. Schon um diese hinanzuhalten, wird di Union mit aller Entschiedenheit auftreten müssen.
Die Höllenmaschine, mit der der Anschlag auf den Kon bentionalzug der Orientbahn in Kulelü- Burgas bewirk wurde, war so gestellt, daß die Explosion auf der Brück oder bei dem Aufstieg jenseits der Brücke eintreten mußte, wodurch der ganze Zug vernichtet worden wäre Nur dem Umstande, daß der Zug durch die Verspätung des Inschluffes on Saloniki in der Station Kulelü feftaebalter
bon Bergen gewünscht, auch den Baron Artenburg in seiner
Nähe zu behalten."
Ein Unwohlfein," fragte der Fürst, das meinen Sohn
Mein Gott,
es wird doch nichts
Ernithaftes fein?"
an das Zimmer feffelt?
es nicht mit ihrem Gefühl vereinigen fönne, ſeinen Wünschen hat bereits ihrem gnädigsten Herrn Vater erklärt, daß sie allein das Schicksal hat es anders gewollt die Prinzessin
Tat glauben, daß alles sich nach unseren Wünschen füge
entgegenzukommen
es ist, so viel ich härt ein Befonnta wer der Herr war, den Sie eben begrüßten?" mit der gleichgiltigsten Miene, die er anzunehmen vermochte; Der Graf von Eichenfels," erwiderte Herr von Stolten Mein Gott, Herr von Stolten, wissen Sie denn auch,
on
schon in den ersten Jahren große Dimenfionen einnehmen.
von einem Meter ab, bindet sie in nicht allzu starte Bündel Blätter vollendet ist, schneidet man die Triebe in einer Länge Beim Beginn des Winters, wenn das Abfallen der
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