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6. Sigung der Großh. Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach.

Protokoll Auszug.

Gießen, 28. Juli 1903. ( Schluß)

4. Die Handelstammer zu Mez erblickt zwischen dem § 616 des Bürgerl. Gesetzbuches und dem§ 63 des Handels­gesetzbuches einen Widerspruch, und regt die Aufhebung des § 63 Abs. 2 des Handelsgesetzbuches an, welcher be­stimmt, daß einem Handlungsgehilfen, der durch ein unver­schuldetes Unglück an der Dienstleistung verhindert ist, die ihm etwa zufließenden Beiträge aus der Kranken- und Un­fallversicherung von dem Gehalte nicht abgezogen werden dürfen. Die Rammer ist der Ansicht, daß ein Widerspruch zwischen den beiden Paragraphen nicht besteht und hält eine Beseitigung des§ 63 Abs. 2 des Handelsgesetzbuches aus sozialpolitischen Gründen für nicht gerechtfertigt.

5. In der von der Großh. Regierung herausgegebenen Busammenstellung der Meistgebote der im Jahre 1902/03 abgehaltenen Holzverkäufen aus den hessischen Domenialwaldungen sind außer den verkauften Mengen und den erzielten Preisen auch die Namen und Wohnorte der Käufer angegeben. Von den Holzhändlern wird darauf hingewiesen, daß eine Veröffentlichung der Namen der Käufer nicht im faufmännischen Interesse liege und die Unterlassung ihrer Bekanntgabe befürwortet. Die Rammer schloß sich dieser Anregung an und wird einen entsprechenden Antrag an die Großh. Regierung richten. 6. Die Handelskammer zu Duisburg hat in einer Ein­gabe an den preußischen Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten beantragt, bei der neuen Zusammens gung der Bezirks- Eisenbahnräte in diesen eine besondere Vertretung der Binnenwirtschaft herbeiführen zu wollen. Wenn auch im Bezirke der Kammer die Binnenschiffahrt nicht vertreten ist, so erklärte sich die Kammer doch prinzipiel mit dem Antrage einverstanden.

7. Eingänge:

a) Von der Eisenbahnverwaltung wird darauf hinge wiesen, daß im Herbst voraussichtlich wieder sehr hohe An­forderungen an den Staatsbahnwagenpart gestellt werden, und daß es sich im Interesse eines raschen Verkehrs empfiehlt, den Hausbedarf an Kohlen u. s. w für den Winter schon jezt zu beziehen und nicht bis Anfang Oktober oder No­bember damit zu warten. Auch ist tunlichst auf die volle Ausnutzung des Ladegewichts, sowie auf die schleunige Be­und Entladung der Wagen Bedacht zu nehmen.

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b) Festschrift der Zeitschrift Der deutsche Bigarren­händler", herausgegeben zur Jahresversammlung des Zentral­verbandes deutscher Zigarren- und Tabakladen- Inhaber ( enthält verschiedene Aufsäge über die Geschichte und Ent­wickelung der deutschen Bigarren- und Tabafindustrie, darunter ein Artikel Gießen als Fabrikationsort").

"

c) Von zuverlässiger Seite sind der Kammer Mit­teilungen zugegangen über die Einfuhr von Tuchen nach der Türkei, Absatzgelegenheit für Metalle und Metallwaren nach Syrien, für die deutsche Eisenindustrie nach Japan, über die Geld- und Geschäftsverhältnisse in Verakruz, über den direkten Import nach Portland, über Vorgänge in der nordamerika­nischen Papierindustrie, über die merikanische Exportfommission, über den Erfolg der Amerikaner im Export, über die sogen. deutsche Handelsfammer in Bufarest und über zweifelhafte Firmen in London und Smyrna.

Die Eingänge fönnen während der Geschäftsstunden im Bureau der Handelskammer eingesehen werden.

Sihung der Stadtverordneten.

Gießen, 30. Juli 1903.

Der Oberbürgermeister Mecum eröffnete nachmittags um 4 Uhr die gut besuchte lezte Versammlung der Stadt­verordneten vor den Ferien und macht derselben Mitteilung, baß unser nächster Herbftpferdemarkt am 14. September im Anschluß an die landwirtschaftliche Ausstellung auf dem Trieb abgehalten werden soll, er fügt unter der Zustimmung der Versammlung hinzu, daß man dieser Vereinigung der beiden Veranstaltungen( es ist wegen der Verlosung auch eine für beide Teile vorteilhafte Vereinbarung getroffen) nur freudig begrüßen fönne. Weiter wird den Stadtverordneten Kenntnis davon gegeben, daß das Ministerium das neue, erst fürzlich beschlossene, Regulativ der Gehälter der ſemi­naristisch gebildeten Lehrer an unseren höheren Lehranstalten, genehmigt hat. Ein Baugesuch des Architeiten L. Huhn für die Websteingasse, wird zurückgestellt, da vorerst zu dessen Erledigung eine neue Fluchtlinie für diese Straße festgestellt werden muß. Gleiche Gesuche des Peter Pfeiffer für die Neuftast und des Bauunternehmer Winn für die Liebigstraße, es handelt sich um Dispens, sind zurückgezogen. -Ein Baugesuch des Fabrifanten Egly, derselbe will an Stelle seines alten Gebändes am Brandplag, einen modernen Neubau aufführen, wird genehmigt.- A. und M. Koerner haben einen Bauplan eingereicht zur Erbauung einer Hof raite in ihrem früheren an H. Winn verkauften Garten an der Weftanlage. Baugesuch Das darauf bassierende wird jedoch abgelehnt und zwar auf Antrag der Baudeputation, weil, würde man dem willfahren, die Durchführung und Verbreiterung der Mühlgasse, welche schon längst geplant ist, an der Westanlage in Frage ges stellt, wenigstens wesentlich erschwert werden würde, doch wird beschlossen, die Baufluchtlinie für die Durchführung der Mühlgasse alsbald fest zu sehen. Ph. Reizel ( Hotel Schüß) an der Bahnhofstraße legt einen Plan vor, wonach er an der Front der Bahnhofstraße Parterre einen Wintergarten und in den darüber geplanten Etagen 18 Fremdenzimmer erbauen will, an dem Gebäude sind Erfer und Baltone anzubringen geplant, wozu es eines Dispenses bedarf, der auch allerdings in etwas modifizierter Art be­fürwortet wird. Bauunternehmer Abermann wünscht für einen in der Plockstraße begonnenen Neubau den er

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höhung bei Worms um 4,94 Pf., während Gießen mit 14 Pf. und Offenbach mit gar 17,892 Pf. recht beträchtliche Erhöhungen ihrer Steuerausschläge aufzuweisen haben.

Pistolenduell. Fast sämtliche auswärtige Beitungen berichten von einem in Gießen stattgefundenen Duell. Einer der Beteiligten soll einen Schuß ins Bein be­tommen haben. Ob die Nachricht auf Warheit beruht, müssen wir dahingestellt sein lassen; uns ist etwas Bestimmtes darüber nicht bekannt geworden. Wiederholt wurden von Zeilen­schindern" in letzter Zeit Nachrichten von Gießen in aus­wärtige Blätten lanziert, die nicht den Tatsachen entsprachen, so anzunehmen ist, daß es sich auch hier wieder um eine Ente" handelt, die gegen klingende Münze nach auswärts veryandelt ist.

"

forderlichen Dispens vom Massivbau eines Giebels, der be­sürwortet wird, dagegen wird der für die Anbringung eines Baltons abgelehnt, weil dieser ev. dem Nachbar hinder lich werden könnte. Der erbetene Dispens für den evangelischen Arbeiterverein für den Weglarer Weg von der Vorschrift der Bauordnung vom Massivbau, man will einen Giebel in Holzfachwert errichten, wird be­fürwortet. Ein Baugesuch Nachtigall wird zurückge­stellt, damit die Baudeputation dasselbe noch beraten kann. J. Rudolph beabsichtigt sein Klavierlager entlang des Schoorgrabens an der Südanlage durch einen Anbau zu bergrößern und bittet ihm zu gestatten, auch diesen Anbau mit Fenstern nach der Anlage heraus versehen zu dürfen, die Versammlung beschließt zustimmend. Schreinermeister Heinzerling hat einen Blan eingereicht zur Erbauung eines Wohnhauses am Schiffenberger Weg außerhalb des Lich, 30. Juli. Troßdem die Arbeiten am Bahn­Ortsbebauungsplanes. Für diesen Bau an sich wird der erforderliche Dispens befürwortet, ein weiter gewünschter bau Buzbach Lich sehr rasch fortschreiten, wird es doch nicht Dispens vom Massivbau, er will Treppenwände in Holz- möglich sein, die Strecke schon am 1. Oktober zu eröffnen. Man glaubt allgemein, daß die Eröffnung erst am 1. Januar fachwert ausführen, wird nicht befürwortet wegen der Ge­fährlichkeit dieser Bauweise beim eventuellen Ausbruch eines stattfinden werde. Leider verliert Oberhessen durch den Bahn­Brandes. bau zirka 1300 Obstbänme, die in den Bahnkörper fallen. Weißbindermeister Helmold will außerhalb des Ortsbebauungsplanes in der verlängerten Ederstraße Die Eröffnung der Bahn wird sehnlichst erwartet. Für den 2 Wohnhäuser errichten, der hierzu erforderliche Dispens Bucker. übenbau wird dieselbe einen Aufschwung bringen. + Gundenhausen, 31. Juli. Dreizehn Personen, die wird nicht befürwortet, weil erst der Bebauungsplan für die im benachbarten Sammenheim an einem Hochzeitsmahl teil­Schwarzlach hergestellt werden muß. Rechsanwalt Dr. genommen, liegen an Vergiftungserscheinungen schrer dar­Jung wünscht an der Bahnhofstraße an einem von ihm ge­planten Wohnhause je einen Balkon und Erker auszubauen nieder. Ein Teilnehmer ist schon gestorben. Aus dem Vogelsberg. Ein in den 70er Jahren und sucht vierzu um Dispens nach. Das Gesuch wird wird jedoch abgelehnt, weil Balfon und Erker den Nachstehender Landwirt in Ruppertenrod bestieg in einer barn hinderlich sein würden. Mühlenbesizer Möser Scheuer das Gerüst Hierbei glitt er aus und stürzte in die Tenne. Mit einer Hand blieb er an einem Hafen will bei seiner Mühle eine Lagerstelle in Fachwert errichten. Der hierzu nötige Dispens wird befürwortet. Ein Antrag hängen, wodurch ihm die Hand aufgerissen wurde. der Kultur Inspektion zur Entleerung der Eisteiche am Schiffenberger Weg die Durchlegung einer Rohrleitung durch städtische Wiesen zu zustimmen findet keine Bedenken, wenn die vom städtischen Tiefbauamt dabei gestellten Be­ingungen erfüllt werden. Der nächste Punkt: Benennung einer Querstraße vor der Marburgerstraße fällt aus. ( Schluß folgt.)

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Die Expedition.

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Lokales.

Gießen, den 31. Juli 1903. ** Landesuniversität. Den Ruf als Nachfolger des am 1. Oktober in den Ruhestand tretenden ord. Prof. Dr. Heimburger hat der Privatdozent Dr. Wilh. van Calter, Freiburg i. B., angenommen.

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Gesangwettstreit. Der im Jahre 1884 ge­gründete Maschienenbauer Gesangverein beabsichtigt zu Pfingsten 1904 aus Anlaß seines 20jährigen Stiftungsfestes, einen großen Gesangwettstreit zu veranstalten. Die Vor­

bereitungen dazu sind in vollem Gange und einige Ausschüsse schon gewählt. Der Verein erfreut sich einer großen Sym­pathie und stehen ihm schon eine Anzahl wertvoller Ehren­gaben zur Verfügung; auch unser Reichstagsabgeordnete kommerzienrat Heyligenstaedt hat sich sehr zustimmend zu der Veranstaltung ausgesprochen. Es sollen ca. 500 aus­wärtige Vereine zu dem Wettstreit, der entweder auf dem Trieb oder auf Oswalds Garten stattfinden soll, eingeladen werden. Die musikalische Leitung des jetzt 60 Mitglieder zählenden Vereins, liegt in den Händen des Herrn Musit­lehrer W. Gernhardt. Es wäre daß das erste Mal, daß in unserer Stadt ein Gesangwettstreit stattfinden wird. Ohne Bweifel wird dies Unternehmen von den Sangesbrüdern der einzelnen Vereine mit Freuden begrüßt werden.

* Die Gemeindesteuer stellt sich in den hessisch. Gemeinden, in welchen die Städteordnung gilt, im laufenden Jahre wie folgt, wobei zur Vergleichung die betreffenden Bahlen des Vorjahres beigefügt sind:

Mainz

Darmstadt

Offenbach Worms Gießen Bingen Bad Nauheim Alzey Bensheim

1903-04 gegen 1902-03 Steuer Ausschlags. Steuer Ausschlags­summe prozente summe prozente Mt. Mt. 2,456,037 91,8 2,455,945 91,8 1,905,500 1,900,925 88,2 88,2 104,822 1,839,665 122,714 1,536,502 91,353 697,229 100,0 287,400 106,501 205,000 120,399 180,000 120,414 123,000 102,465

1,060,711 95,299

798,545 114,0

291,855 106,5 214,000 123,555 181,600 120,6 128,000 102,500

968,245

Mainz und Darmstadt haben ihren rorjährigen Steuersat genau beibehalten, während bei den Städten Bingen, Bad Nauhe m, Alzey und Bensheim die Abweichungen mehr ab­gerundeter Natur sind. Wesentlicher ist schon die Steuerer­

Offenbach a. M., 30. Juli. Eine größere Anzahl hirsiger Rolonialwarenhändler gründete eine Einkaufsgenossen­faft. Frankfurt. Die Herbstmesse beginnt Mittwoch den 26. A gust und dauert bis einschließlich Dienstag den 15. Sep­

tember.

Darmstadt, 30. Juli. Auf dem Jagdschloß Eulbach bei Erbach starb gestern Prinz Albrecht Stolberg- Stolberg, der Schwager des Grafen von Erbach.

Nürnberg, 30. Juli. Das finanzielle Ergebnis des 10. deutschen Turnfestes ist so erfreulich, daß die Garantiefonds­zeichter und auch der von der Stadt Nürnberg geleistete Beitrag von 10 000 Mt. nicht in Anspruch genommen wer den dürften. Warscheinlich wird sich noch ein Reinüberschuß ergeben. ( Frfftr. 8tg.)

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

8. Sonntag nach Trinitatis, Sonntag den 2. JAugust] Rollefte für innere Mission. Gottesdienst.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrassistent Vogt.

Vormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schlosser.

Beichte und Abendmahl für die Matthäus- und Markus­gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Ge­meinde( für die Markusgemeinde bei Pfarrassistent Vogt, Goethestr. 27) erbeten.

Vormittags 11.15 Uhr: Kinderkirche für die Matthäus­gemeinde. Pfarrer Schlosser.

Die Mitglieder der Vereinigung der tonfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeinde werden eingeladen, sich nächstfünftigen Sonntag, den 9. August, nachmittags gegen 22 Uhr an der Biebertalbahn zu einem Ausflug nach Hohensolms einzufinden.

In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Bugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukasgemeinde.

im

Bormittags 9.30 Uhr: Pfarrer Schwabe aus Rödgen. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung

Konfirmandensaal.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft.

In der Synagoge, Südanlage. Samstag, den 1. August 1903.

Vorabend 7.30 Uhr. Morgens 8 Uhr. Nachmittags 4 Uhr.

Sabathausgang 8.55 Uhr.

Wochengottesdienst: Morgens 6 Uhr. Abends 7.30 Uhr.

Methodistengemeinde, Asterweg 16.

Sonntag 2. August, abends 8 Uhr: Predigt. Mittwoch den 5. August, abends 81/2 Uhr: Bibelstunde.

Marktbericht.

Ulrichstein. Der Jakobimarkt hatte sehr unter schlechtem Wetter zu leiden. Die Nachfrage war größer als das An­gebot. Die Preise hielten sich auf der Höhe. Bezahlt wur den 1. Sorte Jungschweinen das Paar 45-50-55 Mt, 2. Sorte 40-42-45 Mt. Läufer pro Paar 80-90 und

90-100 Mt.

Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Ibin Klein; für das Bokale, den Gerichts." und ,, Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Drud und Verlag der Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen.

Ein braver Junge aus achtbacer Familie fana unter günftigen Bedingungen die Ko­ditorei erleen, auch als Volontär eintreten.

Konditore: Amend, Gießen.

Städtisches

Schlachthaus.

Heute

Ein braves, anständiges Mäd­chen in ein hiesiges Ladengeschäst und als Stüße der Haus, rau ge Schweinefleisch 45 Pf. sucht. Off. beliebe unt. 47 A. an d. Erp. d. Bl. abzugeben.