Nr. 305.
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Mittwoch, den 30. Dezember 1903.
Gießener
2. Jahrgang.
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Neueste Nachrichten
( Gicfoner Tageblatt)
Anabhängige Bageszeitung
( Gießener Beitung
für Oberheffen und die Streise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Sießen und Umgebung Estilt alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Vorletzte Nummer
im 4. Quartal 1903. Wer bis jetzt sein Abonnement noch nicht erneuert hat,
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Krieg oder Frieden?
Höchst widerspruchsvoll lauten wieder einmal die Nach richten aus dem fernen Osten. Die einen erwecken den Anschein, als stehe eine Verständigung zwischen Japan und Rußland bevor, und zwar eine Verständigung, die auch den Beifall Chinas habe und von ihm gefördert wird. Nach anderen Meldungen rüsten sich beide Mächte in einer Weise, bie nur auf ein baldiges Losschlagen berechnet scheint, und auch China bereite sich vor, gegen Rußland zu marschieren. Wir selbst sind mit den amtlichen deutschen Stellen der Meinung, daß der Krieg vermieden werden wird. Wir lassen zunächst diejenigen Meldungen folgen, die auf eine friedliche Beilegung der Sache schließen lassen:
Nach einer Meldung des„ Daily Telegraph" aus Tokio besteht Japan nicht mehr auf der Zurückziehung der russischen Truppen aus der Mandschurei, verlangt aber als Entschädigung dafür, daß Rußland die Verpflichtung, aus der Mandschurei sich zurückzuziehen, nicht einlöse, die Anerkennung der Oberhoheit Japans in Korea. Ueber diese Forderungen gehe Japan auch in seiner Antwort auf die russische Note nicht hinaus; übrigens habe es den Russen feine bestimmte Frist zur Beantwortung dieser Forderungen gestellt.
Die zweite, eine friedliche Lösung wahrscheinlich machende Meldung kommt aus Peking. Sie besagt im wesentlichen: Der Vizepräsident des Wai wu pu", des chinesischen Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, Lienjang, besuchte den russischen Gesandten Lessar und bat um Mitteilungen über die Absichten Rußlands hinsichtlich der versprochenen Räumung der Mandschurei. Bessar erwiderte, daß gegenwärtig aus zwei Gründen nichts in dieser Sache geschehen könnte: Erstens mache es die Kälte unmöglich, die Truppen wegzunehmen, da keine Baulichkeiten vorhanden seien, um sie anderswo unterzubringen. Zweitens würde es die russischen Interessen gefährden, das Land zu einer Zeit zu räumen, wo die Unterhandlungen mit Japan noch im Gange sind, weil Japan die Gelegenheit ergreifen könnte, in die Mandschurei einzufallen. Die chinesische Regierung läßt jetzt durchblicken, daß sie es vorziehen würde, wenn Rußland die Kontrolle in der Mandschurei behält. Seitens des chinesischen Auswärtigen Amtes wurde den Pekinger fremden Gesandten die Erklärung abgegeben, die China befriedigende Regelung würde die sein, daß Rußland und Japan ihre gegenwärtigen Vertragsrechte in Korea und in der Mandschurei behalten und darin einwilligen, daß keines von beiden Ländern den Versuch macht, weite e Vorteile in jenen Gebieten zu erlangen. Wahrscheinlich wird denn auch ein japanisch- russisches Abkommen, wenn anders es zu stande fonimt, auf dieser Basis abgeschlossen werden. Selbstverständlich würde ein solches Abkommer weder die Japaner noch die Russen hindern, in Zukunft mehr oder minder heimlich ihre Machtsphäre in jenem Gebiete auszudehnen.
aus
Nun die Meldungen, die eine friegerische Verwickelung in Aussicht stellen. Sie stammen samt und sonders englischer Quelle. Zunächst berichtet das Reuterbureau: Eine vom japanischen Kabinett beschlossene und vom Geheimen Rat genehmigte Notverfügung räumt der japanischen Regierung einen tatsächlich unbeschränkten Kredit für die Zwecke der militärischen Verteidigung ein. Eine weitere Verfügung enthält eine Neuorganisation des Hauptquartiers und des Stabes für den Fall eines Krieges, durch eine dritte Verfügung wird ein Kriegsrat geschaffen. Auch soll, wie das Reuterbureau weiter versichert, Japan von Argentinien zwei Kriegsschiffe gekauft haben.
Weiter berichten Londoner Blätter von kriegerischen Vorbereitungen Chinas wider Rußland: Der chinesische Vizekönig Juan schifai habe mit den japanischen Behörden dringende Verhandlungen wegen Ueberlassung von Waffen und Schießedarf im Werte von einer Million Taels gepflogen, Japan habe sich jedoch außer stande erklärt, diesen Bedarf zu decken, so daß der Vizekönig sich jetzt wahrscheinlich an europäische Fabriken wenden werde. Ein Blatt weiß auch zu melden, die Vizekönige der drei chinesischen Zentralprovinzen hätten an den Thron berichtet, daß sie 90 000 Mann von fremden Offizieren ausgebildete Truppen zur Verfügung hätten.
Schließlich sei noch eine Meldung verzeichnet, wonach Japan entschlossen sein soll, nicht länger als bis zum 10. Januar mit der Entscheidung zu warten, da sonst die Gefahr vorliege, daß durch das dann zu erwartende Eintreffen der unterwegs befindlichen russischen Seestreitkräfte in den ostasiatischen Gewässern das gegenwärtige Uebergewicht Japans über die russische Flotte vor Wladiwostok beeinträchtigt werde. All' diese Krieg verkündenden Meldungen englischer Blätter, bei denen der Wunsch der Vater des Gedankens sein dürfte, sind, wie wir wiederholen, mit Vorsicht aufzunehmen: Wahrscheinlich wird der Krieg wenigstens für jetzt bermieden werden.
Uebrigens läßt sich Rußland in keiner Weise in seinem energischen Auftreten gegen seine Widersacher beirren. So hat der russische Befehlshaber in Mukden den chinesischen Tatarengeneral gebieterisch aufgefordert, die Tatarenmiliz aufzulösen und zu entwaffnen. Der General erteilte dieser Aufforderung entsprechende Befehle. Und in Wladivostok sind die Kapitäne und Offiziere der japanischen Schooner, die Ende August in Kamschatka beim Aufkauf von Fischen wegen ungeseßlichen Handels beschlagnahmt worden waren, von der Appellationsinstanz schuldig erkannt und zu 50tägiger Gefängnishaft verurteilt. Japan hatte sich bekanntlich dagegen verwahrt, daß diese Japaner vor ein russisches Gericht gestellt würden. Die Russen kehrten sich an diesen Einspruch nicht, sie wissen, daß nur energisches Vorgehen den Asiaten allemal Respekt abnötigt.
Die Politik.
V Die Meldung, Kaiser Wilhelm habe bei seiner jüngsten Anwesenheit in Hannover davon gesprochen, er werde dem Minister des Innern v. Hammerstein für dessen nächsten Besuch einen ,, silbernen Maulkorb" mitgeben, ist, wie soeben aud halbamtlich erklärt wird, vom ersten bis zum letzten Wor erfunden. Unser Berliner CB Mitarbeiter hatte di Meldung, wie erinnerlich, schon bei ihrem Auftauchen ins Reich der Fabel verwiesen.
Ein niedliches Histörchen macht in Abgeordnetenfreiſen die Runde. Der neue reichsländische Abgeordnete Herr Dr. aunez, genannt ,, le dauphin de Lorraine", war zur Zeit der Etatsberatung nicht in Berlin, verkündete jedoc telegraphisch dem Reichstagspräsidium seine„ arrivée" für den 16. und meldete sich zugleich telegraphisch zum Wort! Das Präsidium ignorierte das Telegramm. Die Diskussion wurde, weil niemand mehr zum Wort gemeldet war, geschlossen, und als am anderen Morgen„ Mr. le dauphin" in Berlin eintraf, war des Reichstages nächste Sigung auf den 12. Januar 1904 angesetzt. Herr Jaunez kann von sich sagen, daß, wenn er auch selbst nicht ge sprochen, man dafür doch um so mehr von ihm ge sprochen hat.
Mehr als eine halbe Milliarde beträgt die Summe, die das preußische Volf im letzten Etatsjahre als Spargroschen zurückgelegt hat. Bei sämtlichen Sparkaſſen be trugen in der Zeit vom 1. April 1902 bis 31. März 190: die Neueinlagen 1777,61 Millionen Mark, die Zins zuschreibungen 189,47 Millionen Mart, die Rück zahlungen 1466,52 Millionen Mark. Bei diesen Spar geldern handelt es sich größtenteils um Beiträge gerade der am wenigsten bemittelten Klassen. Der Bestand der preu Bischen Sparkassen beläuft sich jetzt auf 6732,36 Millioner Mart. Im Jahre 1902 wurden bei den preußischen Spar tassen 1 278 844 Bücher ausgegeben und nur 927 433 zurüc genommen. Wahrscheinlich werden die preußischen Kassen ir zwei bis drei Jahren 10 Millionen Bücher oder mehr im Umlaufe haben, während es deren im Jahre 1874 ersi 2,06 Millionen, 1881: 3,10 Millionen, 1885: 4,21 Millionen, 1888: 5,03 Millionen, 1893: 6,26 Millionen, 1896: 7,26 Millionen, 1898: 8,05 und 1891: 9,03 Millionen gab. Schon vor etwa Jahresfrist mer davon die Rede, dak die Freunde des Dr. Karl Peters, darunter eine Anzahl
Reichstagsabgeordneter, ein Gnadengesuch an den Staiser ve faßt hätten, in dem um die Rehabilitierung Peters' gebeten werde. Die Ueberreichung dieses Gesuches wurde dama auf Peters' Wunsch verschoben. Neuerdings wird geplan das Gesuch jetzt dem Kaiser zuzustellen. Indessen ist es ar gesichts der Tatsache, daß Peters nicht sowohl, wie das G such annimmt, auf belastende Zeugenaussagen, sondern vor nehmlich auf sein eigenes Geständnis hin zur Dienstentlassun berurteilt wurde, höchst zweifelhaft, ob das Gesuch irgen: welche Berücksichtigung zu hoffen hat. Auch die Haltung. die Peters Deutschland gegenüber einnahm, so lange er in englischen Diensten stand, läßt eine Berücksichtigung des G suches kaum erwarten. Andererseits steht fest, daß Peter troß seiner Verfehlungen sich große Verdienste um die deutsc Kolonialsache erworben hat, und daß sein Wiedereintritt den Kolonialdienst zweifelsohne für Deutschland nicht ohn Nußen wäre.
Italien.
Herr Giolitti kann sich frenen: die Romreise des Zarer, deren Absage den Sturz des Ministeriums Zanardelli zu Folge hatte, ist jetzt für den März oder April nächsten Jahre gesichert. Die Mißverständnisse" zwischen Rom und Peters burg sind, so wird von römischer Seite triumphierend ver fündet, beseitigt, und die ewige Stadt wird nun endlich di Freude erleben, Väterchen" Zar in ihren Mauern zu be grüßen. Wenn nur nicht doch noch wieder ein neue: „ Mißverständnis" dazwischen kommt.
Türkei.
Dem armen Sultan setzen die Entente Mächte gehörig zu: Sie haben der Pforte wieder eine Note über reicht, in der sie erklären, daß, wenn die Pforte nicht promp Schritte wegen Ernennung eines italienischen Generals zum Oberkommandanten der mazedonischen Gendarmerie tue, die Entente- Mächte selbst die Ernennung desselben mit Um gehung der Pforte in Rom ansuchen werden. Es steht nun mehr fest, daß der Oberkommandant drei Gehilfen, einen österreichisch- ungarischen, einen russischen und einen eng lischen, im Range eines Oberleutnants erhält.
* Die von unserem Berliner CB.- Mitarbeiter fürzlich gebrachte Meldung, die preußische Regierung plane eine Reform des Vereinsgesehes, wird jetzt auch von anderer Seite, boll bestätigt. Auf Grund von Erfundigungen in Regierungsfreisen teilt eine Korrespondenz näheres über die Nobelle mit. Da wird zunächst bestätigt, daß die Hauptände rung des Vereinsgefeßes, wie unser Mitarbeiter das bereits gemeldet hatte, in der Aufhebung des Verbots der Teilnahme von Frauen an politischen Vereinen und Versammlungen besteht. Weiter soll die Vorschrift abgeändert werden, wonach die Statuten und Mitgliederlisten der Vereine der Polizei behörde mitgeteilt werden müssen; es soll dafür den Polizeibehörden nur das Recht beigelegt werden, die Mitgliederberzeichnisse und Statuten einzufordern. Die dritte Aenderung soll darin bestehen, daß den mit der Ueberwachung von politischen Versammlungen betrauten Becanten die Befugnis beigelegt werden soll, den Gebrauch der deutschen Sprache für die Verhandlungen zur Ver meidung der Auflösung verlangen zu können. Damit wird eine Forderung namentlich der Deutschen in der Ostmark erfüllt. Zweifelsohne stellen diese Reformen eine sehr wesentliche und zweckmäßige Aenderung des Vereinsgesetzes dar.
A Wie jezt bekannt wird, plant die preußische Regierung eine Extrasteuer für die Universitätsstädte. Im Stultusministerium ist ein Gesezentwurf, durch den die Universitätsstädte zur Uebernahme von 10 Prozent der Kosten der Unterhaltung der Hochschulen herangezogen werden sollen, in Vorbereitung. Die Urheber des Planes sind der Berliner Volks wirtschaftslehrer Professor Adolf Wagner und der Ministerialdirektor Althoff.
Amerika.
Owen die Götter verderben wollen, den schlagen sie mit Verblendung", sagt der altrömische Spruch. Er scheint sich an Kolumbien wieder bewahrheiten zu wollen: Kolumbien plant nichts geringeres als die Kriegserklärung an die Vereinigten Staaten. Aus Washington wird gemeldet: Eilige Vorbereitungen, die hiesige folumbische Gesandtschaft zu schließen, deuten darauf hin, daß es zu einem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den Vereingten Staaten und Kolumbien kommen dürfte. Amerikas Antwort auf diese Maßregel ist bereits erfolgt: Ein Dutzend amerikanische Striegsschiffe sind bereits unterwegs oder in der Abfahrt begriffen, um die am Isthmus liegenden amerikanischen Geschwader zu verstärken. Dap Kolumbien von den Yankees elend und höchst ungerecht behandelt worden ist, steht außer Frage. Aber was will die fleine Republik gegen das nordamerikanische Stiesenreich ausrichten? Das Ende der Fehde wird sein, daß ganz Kolum bien unter die Botmäßigkeit Amerifas kommt. Und die europäischen Mächte werden in ihrem Unverstand dem ruhig zusehen.
* Jetzt wird auch näheres über die jüngsten Vorgänge n Santo Domingo bekannt. Danach sind dort neue Un ruhen ausgebrochen, der Kandidat für die Vizepräsi Jentschaft, Mamon Caceres, ist in Santiago e mordet worden.
Seelen, ganz ebenso" Simmelfchocfchwerenot, hätt' es
äßt fich mun einmal nicht ungestraft beleidigen und verfolgen.
ebenso gemacht,
Generalin ein, handelt es sich schon wieder um die unfelige lieben Heilandes willen, Bieten," warf die wie der
Umer Orffär I unferes
in schlechteren
Den Bericht werde
ich, mein lieber Generalmajor, ich von Ihm persönlich entgegennehmen. Ruf bringt, als sie so schon dort stehen? pfohlen hat, der die Preußen da unten noch
Sein wohlaffektionierter Im übrigen bleibe
Daß
General b
auf
Bieten den frosinilicher
Kameraden
orchlorid
Diock
Hatte
da derselbe
aber iiber das Mo und Wie ein undurch iches Schweigen
achen hier non den iar die Neugierde um so mehr gereizt, und be-
bewahrie, sonders die Tr
Seling
Freude
jedes
rling
Jägerherzens
frischem
Reichhelm gudt neugierig von seiner hart
an Birken
Spurschnee.
Cher
feldes Hof vorüber. Beitung auf, und Anneliese tut dasselbe, bimmelt etwas


