Nr. 150.
bonnementspreis: in Gießen, abgeholt monatlich 50 Pfs., in's Haus gebracht 60 Bfg., durch die Poft bezogen viertel fährlich Mr. 1.50.
Bratisbeilagen: Oberhesfische Familienzeitung( täglich) Oberhefftiche Beitschrift für Landwirtschaft, bft- und Gastenbad, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berktagen nadwitags.
Dienstag, den 30. Juni 1903.
Gießener
12. Jabrgang.
Insertionsprei 8 Die eineltige Betttgeile für Otehen t ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Bfe. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitgeile 30 refp. 40 g.
Boftzeitungsliste No. 3900.
Rebattion und Expedition: teßen Regenweg 28. Zerafprechenfluß Ae, 368.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Unabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Auf ein Quartal
des Kampfes
wird ißt, das hoffen wir, ein Vierteljahr des Friedens, der Ruhe in unserem deutschen Volt folgen. Die Zeitungsspalten werden frei für friedlichere Nachrichten, für Themata allgemeinen Inhalts, für belehrenden und unterhaltenden Stoff.
Die ,, Gießener Neueste Nachrichten" werden dieser Aufgabe der nächsten Zeit in vollem Maße Rechnung tragen!
Nach der Wahl
interessiert sich jeder Deutsche für die weitere Gestaltung der politischen Verhältnisse, vor allem dafür, in welche Bahnen
unsere Politik durch die neue Zusammensetzung der Reichstagesize gelenft wird. Wer verfolgt jetzt nicht mit umsogrößerer Spannung die Stellungnahme und Arbeiten unserer Reichsregierung; wird es doch nicht ausbleiben, daß Regierung und Parlament in sehr vielen Punkten jezt diplomatischer verfahren wird und muß, soll das erreicht werden, was der alte Reichstag nicht mehr verabschieden konnte.
Besonders wir in Oberbeffen
und den benachbarten Kreisen haben alle Ursache nicht ge= dankenlos das deutsche politische Leben an uns vorüberziehen zu lassen; hier Landwirtschaft, hier Handwerter- und Arbeiterstand, dort Industrie, Handel, Kunst und Wissenschaft, alles Erwerbs= zweige, über dessen weiteres Gedeihen unsere neuen Volksvertreter mit zu entscheiden haben.
Wer da um Anteil an all den politischen und wirtschaftlichen Tagesfragen nehmen will, wer aber vor allen Dingen unparteiische und unabhängige, nur von einem objettiven Standpunkte aus gegebene Berichte darüber lesen will, der halte sich den frei von jeder Anmaßung erscheinenden
Serbische Nachklänge.
CB. Wenn schon die Bestellung einer Krone durch König Peter darauf schließen ließ, daß er von kleinlicher Eitelkeit beherrscht wird, so ergibt sich das aus einem vielleicht noch schnurrigeren Faktum: Um sich interessant zu machen, wünscht König Peter von ausländischen Journalisten interviewt zu werden. Aber andererseits ist er zu ungeduldig, um jedem einzelnen von ihnen Rede zu stehen. Und so hat er sich denn auf einmal 28 Journalisten in den Konak eingeladen, um sich von ihnen gehörig ausfragen zu lassen! Das wird ia ein kurioses Masseninterview werden! Originell ist die Sache übrigens nicht: der deutsche Spezialgesandte in Washington, Freiherr Speck von Sternburg, hat dem König das schon vorgemacht. Wahrscheinlich wird der König mit diesem Masseninterview auch ähnliche Erfahrungen machen, vie sie Freiherr von Sternburg machen mußte.
Infolge der würdigen Maßnahmen, die König Carol von Rumänien angesichts des Mordes getroffen hat bekanntlich hat er seine Stellung als Chef des sechsten Regiments niedergelegt und alle Offiziere dieses Regiments, die rumänische Orden besitzen, aus der Ordensliste streichen lassen - infolge dieser Maßnahmen ist in der serbischen Armec eine wilde Entrüstung über den König laut geworden, die zu einer politischen Spannung zwischen Serbien und Rumänien zu führen droht. Die rumänische Gesandtschaft in Belgrad wird Tag und Nacht durch Gendarmen bewacht. Die Belgrader Regierung fürchtet nämlich Ausschreitungen der Offiziere gegen den Gesandten, umsomehr, als die führende serbische Presse von Beleidigungen und Verhebungen gegen Rumänien stroßt. In Bukarest trägt man sich an gesichts dieser Erscheinungen mit dem Gedanken, den rumänischen Gesandten aus Belgrad abzuverufen. Doch hat ein unter dem Vorsitz des Königs abgehaltener Ministerrat beschlossen, einstweilen eine abwartende Haltung anzunehmen. Bis auf weiteres wird der rumänische Gesandte die notwendigsten amtlichen Beziehungen zu der Belgrader Regierung aufrecht erhalten, doch dürfte er, sobald König Peter auf den Thron erst einigermaßen marm geworden ist, mit dem gesamten Gesandtschaftspersonal von Belgrad zurückberufen werden; um die Vertretung der Interessen der Rumänen in Serbien wird der österrei bische Gesandte in Belgrad vom König Carol angegangen verden. Am nächsten Sonntag wird in Bukarest eine große Volkskundgebung stattfinden, die der Genugtuung des rumänischen Volkes über König Carols Verzichtleistung auf die Zugehörigkeit zur serbischen Armee Ausdruck geben soll.
Unter den Schriften des Königs Alexander fand sich eine
Gießener Neuesten Nachrichten vollständig ausgearbeitete Militärfonvention
die infolge ihrer vorzüglichen Mitarbeiter und ihrer zahlreichen Korrespondenten
das Wissenswerteste und Juteressanteste zuverlässig und schnell in nicht aufgepauschtem sensationellem Stile zu bringen vermögen.
Sie werden aber auch die Aufgabe haben, der stetig wachsenden Anzahl ihrer Abonnenten gegenüber die Pflicht zu erfüllen, immer mehr ein gutes Nachrichtenblatt zu werden.
Wir werden darum großen Nachdruck legen auf den Ausbau unseres lokalen und provinziellen Teils, und wir werden dem Feuilleton eine gründliche Besserung und Erweiterung zu teil werden lassen.
Im nächsten Quartal beginnen wir mit der Veröffentlichung eines Romans von A. v. Suttner:
Battono"
in der Unterhaltungsbeilage. Der ebenfalls den Beifall unserer Leser finden wird.
Helft nun, ihr bisherigen Freunde unseres Blattes, daß auch die Abonnentenzahl immer höher steigt, daß sich der ständige Leserkreis derer erweitert, die bisher nur zur Probe unser Blatt gelesen haben. Der Abonnementspreis ist so niedrig bemessen, monatlich 50 Pfennig
und 10 Pfennig Bringerlohn, daß es feinem zu schwer fällt, diese kleine Ausgabe aufzubringen.
Niemand rersäume die rechtzeitige Erneuerung des Abonnements vor dem 1. Juli, damit die Zustellung feine Unterbrechung erleidet.
Nun denn vorwä t8 in das neue Quartal hinein, aus der Zeit des Kampfes in Tage größeren Friedens. Glück auf, Ihr alten treuen Abonnenten und ein herzliches Willkommen den neuen Lesern der ,, Gießener Neueste Nachrichten".
Redaktion und Expedition der ,, Gießener Neueste Nachrichten“.
welche König Alexander Oesterreich- Ungarn anzubieten suchte gegen die Bewilligung eines Besuches des serbischen Königspaares in Wien oder Budapest. Die Ablehnung dieses Angebotes seitens Desterreich- Ungarns geht gleichfalls aus den aufgefundenen Papieren hervor.
Ueber die Vermögensverhältnisse des ermordeten Königspaares wird jetzt bekannt: Die Königin hatte 700 000 Franfs auf einer Bank und eine Villa in Brüssel, der König aber nur einige Landgüter in Serbien, deren Wert bedeutend redriacz ist als seine Schuld an die Petersburger Wolga- und Kamabank, die zwei Millionen Franks beträgt. Diese Schuld ging Alexander 1891 ein; sie diente als Abfindung für Milan, damit er Serbien verlasse. Um die Finanzen des Königs Alexander stand es überhaupt schlecht. Die ganze Zivilliste befand sich in den Händen Dragas. Am ersten jeden Monats erhielt sie 100 000 Frks., über die sie nach Belieben verfügte. Der König mußte die fleinsten Summen erbetteln. Wochenlang verfügte er nur über zwei bis drei Franks. Als der König für die Gemalin eines scheidenden Gesandten Blumen bestellt hatte, verwei- 1 gerte Draga zornig die Bezahlung, und der Sekretär des Königs mußte die Rechnung aus seiner Tasche bezahlen.
Das Hauptorgon Rumäniens weiß von einem nach der Ermordung Aleranders geplanten montenegrischen Putsch zu Gunsten der Thronfolge des Prinzen Mirko zu berichten. Danach hätten zahlreiche montenegrische Freiwillige am Tage nach Alexanders Tode versucht, die türf' che Grenze zu überschreiten, um in Serbien einzudringen und die dortigen Anhänger der Thronkandidatur Mirkos zur Erhebung für diesen anzufeuern. Die türkischen Grenzposten hinderten je doch auf Befehle aus Stambul die Montenegriner am Ueberschreiten der Grenze.
In Konstantinopel sind Gerüchte im Umlauf, wonach ein serbischer Beamter in die türkische Hauptstadt gekommen sein sollte, um den natürlichen Sohn Milans, der dort lebt, aus der Welt zu schaffen, doch sei ihm dies nicht gelungen. Diese Gerüchte beruhen mohl auf falschen Combinationen.
Reform der Geldstrafen.
Von einem juristischen Mitarbeiter wird uns geschrie ben: Graf Pückler- Tschirne, der bekanntlich wegen Zer störung einer Feldbahn zu sechs Wochen Gefängnis ver urteilt worden war, ist jetzt zu 6000 Mark Geldstrafe be gnadigt und auch der an der Tat beteiligte Wirtſchaftsinspektor Kirchner ist lediglich in eine kleine Geldstrafe von 300 Mart genommen worden. Diese Nachricht dürfte im ersten Augenblick immerbin einige Sensation erreaen
Graf Pückler ist eine zu bekannte Persönlichkeit, als daß sich ein derartiges Ereignis in der Stille abspielen könnte; aber Begnadigungen solcher Art sind schon öfter vorgekommen, wenn der Buchstaben des Gesezes eine- unter Umständen sogar hohe Freiheitsstrafe bedingte, obgleich keinerlei ehrlose Beweggründe bei der Tat mitge wirkt haben. Auch bei dem Grafen Pückler war das nicht der Fall; ihn hat lediglich seine überlebte feudale Anschauung zu der Tat verleitet. Die zerstörte Feldbahn war auf seinem eigenen Besitztum, und er glaubte sich zu ſeiner Handlung berechtigt, weil er dem Staate keinerlei Eingriffsrecht in private Verhältnisse zubilligt.
Diese Begnadigung hat aber eine über das persönliche Moment weit hinausgehende Bedeutung, für die man sich mehr als seither interessieren sollte. Die ganze Art unserer Strafbemessungen ist vielfach veraltet.- An die Stelle der Freiheitsstrafen sollte weit mehr, als es seither der Fall ist, die Geldbuße treten, allerdings eine vernunftgemäß geregelte Vermögensbuße. Denn wenn es dabei bleibt, daß die Höchstgrenzen der absoluten StrafFestsetzung bestimmt werden, dann kann das leicht zu Ungerechtigkeiten führen. Für einen unbemittelten Mann be deutet die Geldbuße mehr als für einen reichen. Deshalt müßte in dem Strafgesetzbuch lediglich eine Strafausmes: jung nach der Höhe des Vermögens festgesetzt werden. Den Richtern müßte die Befugnis erteilt werden, die schuldig befundenen Angeklagten nach ihren Steuersäßen zu bestrafen. Wenn z. B. ein Mann von 24 und einer von 1000 Marf Jahressteuer zu der zehnfachen Steuerquote verurteilt werden, dann entspricht das Strafmaß von 240 und 10,000 Mark völlig dem Grundsaße der ausgleichenden Gerechtigkeit, während die heutige Ausmessung der Geldstrafen tatsächlich, weil die Vermögensunterschiede nicht berücksichtigt werden, eine fodifizierte Ungerechtigkeit ist.
Unsere Geldstrafen stammen noch aus den Zeiten der Naturalwirtschaft und sind tatsächlich vielfach zu niedrig. Eben aus diesem Grunde wird in manchen Fällen auf Gefängnis erkannt, obgleich diese Strafe bei der heutigen Gestalt unseres Wirtschaftslebens in den meisten Fällen eine weit härtere Strafe ist als früher. Denn es kann für einen Geschäftsmann den Ruin und einen Arbeiter den dauernden Verlust seiner Existenz bedingen, wenn er durch eine Strafverbüßung längere Zeit seinem gewohnten Wirfungskreise entzogen wird. Nicht selten sind die Folgeerscheinungen einer Freiheitsstrafe, die Schädigung des Jesellschaftlichen Ansehens und der Vermögensverfall, der järteste und schwerste und auch in keinem Verhältnis zur Straftat stehende Teil der Bestrafungen. Aus diesem Grunde geht schon seit Jahr und Tag das Bestreben der tüchtigsten Erafrechtslehrer auf eine Reform des Strafgesezbuches und insbesondere auf eine Einschränkung der Freiheitsstrafen für Verfehlungen ohne ehrlose Beweggründe aus. Aber dieses Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn auch die Pönen an Geld geändert werden, indem an die Stelle der absoluten Geldbußen mit begrenzten Höchstsäßen des Betrags die Vermögensstrafen mit begrenz ten Höchstsätzen des Zuschlags auf die Steuerquote tritt.
Soweit hier der Fall des Grafen Pückler in Betracht tommt, ist auch die Strafabmessung nach diesem System eingerichtet. Während Graf Pückler entsprechend seiner Vermögenslage zu M. 6000 begnadigt wurde, kann sich sein Wirtschaftsinspektor Kirchner schon mit M. 300 von der Freiheitsstrafe loskaufen. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die zur Reform des Strafgesetzbuchs eingesetzte Kommission vor allem auch eine Reform der Geldstrafen sich angelegen sein ließe.
Die Politik.
Wahlunregelmäßigkeiten,
auch solche, die das Strafgesetzbuch mit schweren Strafen bedroht, scheinen bei diesen Reichstagswahlen in der Tat vorgekommen zu sein. Namentlich von Wählern im zweiten Berliner Wahlkreise wurden Beschwerden darüber laut, daß mehrfach für Verstorbene oder Inhaftierte, deren Namen sich in den Wählerlisten vorfanden, von anderen Personen Stimmzettel abgegeben worden sind. Die Richtigkeit dieser Beschwerden ist durch eine vom Minister des Innern eingeleitete Untersuchung bereits erwiesen. Tagegen ist noch nicht aufgeklärt, was es mit der weiteren Behauptung, die Beteiligung von Wählern, die von der Poſt als„, verzogen, wohin, unbekannt" bezeichnet werden, auf sich hat. Auch in dieser Richtung sind Ermittelungen im Gange. leber die Person der Schuldigen fehlt einstweilen jeder
Anbalt.
Ene neue französisch- italienische Verbrüderung soll bei Gelegenheit des Besuches König Victor Emanuels in Paris stattfinden: 40 italienische Deputierte wollen einer Einladung französischer Kammermitglieder Folge leisten und Paris besuchen. Weitere Deputierte dürften sich entschließen, zumal die Eisenbahn Jahrpreisermäßigungen bewilligt hat. In Paris soll dann eine große Verbrüderungskundgebung der beiderseitigen Deputierten stattfinden. Uebrigens wird der italienische Premierminister Zanardelli den König Victor Emanuel auf der Reise nach Paris nicht begleiten.
war, ein frohes, zuversichtliches Lächeln glitt
liebreizendes Antlib.
über ihr
er
fie ist der berzogene Liebling des Hauses!" geben. Und schließlich geschieht ja doch, was Martha will, dessen Zustimmung hat, muß auch Herr Reimann nachwiderte sie, Herr noggendorf will ihm wohl; wenn er Rudi hat heute feine neue Stelle angetreten,'
eilen." ner Braut entgegen, die mit Hut und Paletot wieder einder Lehrling möge eine Droschte holen, dann ging er seideshalb brauchst du dich mit der Heimkehr nicht zu beheute nicht mehr kommen, der Abend ist ja schon nahe, Richard öffnete die Tür des Kontors und rief hinein,
trat.
dieser
den. Versprechen nicht gehalten habt." dient hatte ,,, er ist ärgerlich auf Euch, weil hr Guer tet," nahm der Wirt das Wort, nachdem er den Gast be,, Der Schulmeister hat Euch schon einige Tage erwar
,, Man kann meinsmegen nicht immer, wie man will,"
sagte ihm, daß seine Freunde bald erscheinen wür
Tingel- Tangel?"
Ich habe noch keine Vorladung erhalten!"
,, Sie wird
schon
kommen,
verlaßt Euch darauf."
( Fortsetzung folgt.)


