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Gießen, 30. April 1903.
Ein geeigneter Randidat der Freifinnigen und Nationalliberalen für den Wahlkreis Gießen Grünberg Nidda fonnte bis zur Stunde noch nicht gewonnen werden. Von verschiedenen Seiten wird jezt die Aufstellung eines parteilosen Kandidaten in Erwägung gejogen. Man ist allgemein gespannt wer dieser kommende Mann sein wird. Der Großherzog empfing am 29. April den Generalleutnant z. D. Korwan, und Kreisschulinspektor Profeffor Lucius von Darmstadt.
Uebertragen hat der Großherzog am 25. April dem Bfarrverwalter Heinrich Weiß zu Wallernhausen, Dekanat Ribba, die evangelische Pfarrstelle daselbst.
Das Großh. Regierungsblatt, Beilage Nr. 10, ausgegeben am 28. April enthält:
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Deffentliche Anerkennung einer edlen Tat. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben dem Schwimmlehrer Andreas Rödel zu Gießen, in Anerfennung der von demselben am 26. November v. Js. mit Mut und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung der Knaben Louis Diel und Wilhelm Schneller, beide von Gießen, vom Tode des Ertrinkens, die Rettungsmedaille, f rner dem Schlosser Schüß und dem Hülfsschaffner Emil Michel, beide zu Gießen, welche sich bei der Rettung mit Mut und Entschlossenheit beteiligten, je eine Geldprämie zu verleihen geruht. In Gemäßheit Allerhöchster Gntschließung wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Darmstadt, den 30. März 1903.
Großh. Ministerium des Innern. Rothe.
v. Bechtold.
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Friedberg. Die Stadtverordnetenversammlung hat sich dahin ausgesprochen, daß sie bei Errichtung der 3. Bataillone Schritte tun will, ein solches zu erhalten.
Ein neuer Geflügelzuchtverein hat sich am lezten Sonntag zu Alsfeld konftituirt. Vorsitzender ist Lehrer Fink in Bell.
Groß- Felda. Die Ingenieure Schäfer und Schlinke aus Halle, die mit den Vorarbeiten betr. Ausarbeitung eines günstigen Bahn- Projektes von Ehringshausen nach Groß- Felda- Ulrichstein beauftragt wurden, haben ein solches jetzt fertig und im Auftrag des hiesigen Eisenbahnkomites der Regierung eingesandt. Letztere soll eine genaue Prüfung zugesagt haben.
+ Kirchhain, 29. April. Zum gestrigen Rindvieh markte waren ca. 380 St. Großvieh und 70 Kälber aufge trieben. Fast sämtliches Vieh war im Vorverkauf abgesett und wurde nur zur Untersuchung auf den Markt geführt, der schon gegen 8 Uhr beendet war.
In Lauter sind aus dem Zuchtverein für Vogelsberger Rindvieh 14 Mann ausgetreten. Als nun fürzlich Kör Termin war, war auch nicht ein Stück von hier vorgeführt worden. Was geht da vor?"
A Offenbach a. M., 29. April. Der Stadtverordnete Böhm lehnte die ihm von den Nationalliberalen angetragene Reichstagefandidatur für den Wahlkreis Offenbach- Dieburg ab.
( Ariegsgericht der 21. Division.) 3 Mo nate Gefängniß fosteten dem Gefreiten Paul Belz von der 10. Stomp. 87. Inf. Regts.( Mainz) ein Briefbogen und ein Couvert. Er hatte mit seinem eigenen Spindschlüssel das Spind eines Kameraden aufgeschlossen und daraus Papier und Couvert entwendet, um einen Brief zu schreiben. Sein eigner Schlüssel war zu dem Spinde eines Anderen ein„ falscher" Schlüssel. Daher lag schwerer Diebstahl" vor, auf dem bei Annahme mildernder Umstände als geringste zulässige Strafe 3 Monate Gefängniß stehen. Außerdem hat der Gefreite noch einem anderen Kameraden eine silberne Taschenuhr und einem dritten ein Portemonnaie mit einer Freimarke ent rendet und sich dadurch zweier einfacher Dieb
extra einbrachten. Selbstverständlich werden die„ Spaßen" mitsamt der Rofarde heruntergeschnitten.
Ferner Dienstnachrichten. Am 5. März wurde dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Lehr aus Gießen die Lehrer- stähle schuldig gemacht, die ihm noch zwei Monate Gefängniß stelle an der Gemeindeschule zu Feld krüden, Kr. Schotten, am 23 März wurde dem Schulamtsaspiranten Karl Noth aus Langsdorf, Kr. Gießen, eine Lehrerſtelle an der Gemeindeschule zu Groß- Gerau übertragen.
3 der Witwe de einer Gattin un ist, das Berliner ald, dessen Vater der Reichshaupt neberg zu hohen und so aus einem tern" avancierer Besiß eines to nun eine eigent Redakteur, Seger war. Dieses Pro Unsinn, wirkte nig Auserforent en. Die häufi ir, machten der es, daß er oft und mit seinem ter, der aber ni n im Keller gele ne daß beide ein el, trinken Sie! ammlungen wat seine Porzellan unbezahlbaren g Pfennigartile nter seinem Bett blank gepust n von in Bran vater des je Freiherrn Sped ,, Leipz. Neuest Herr Eped. Gr ahrhunderts das noch im Besitze der sogenannten ers gut gelten die Schafzucht Regierung ge peď von Stern sächsischen Kö beleuchtet, und t, sein in der ücken und mit n schönen Vers chsen
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** Eine Viertelmillion Immatrikula tionen haben bisher an der Universität Leipzig stattgefunden. Herr stud. jur. Zimmer aus Graz ist der 250 000
Student.
Nach Blättermeldungen hält der Bund deutscher Gastwirte seinen diesjährigen Bundestag vom 20. bis 23. Juli in Mainz ab.
**[ Besizwechsel] Gastwirt Georg Lauer Bum Schwanen" Gießen faufte von der Frau Lehrmund Ww. deren Grundstück im Neuenweg für den festen Preis von
26000 Mt.
Aus Hessen und nachbargebieten.
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Londorf. Die Pläne über die Errid tung oberirdischer Telegraphen- Linien an der Landstraße Londorf Nordeck von Klm. 12,4 bis 13,8 und im Orte Nordeck an der nach Winnen führenden Landstraße liegen bei dem Kaiserlichen Postamt Londorf aus.
** Rödgen. Der Gärtner Ludwig Inderthal wird seit 8 Tagen vermißt. Er ist 63 Jahre alt und versah in Gießen öfter Gärtnerarbeiten.
** Rich. Bon Nie berbeſſingen nach Langs
dorf wird eine neue Kreisstraße erbaut, welche schon seit einigen Jahren projektiert war. Die Kosten belaufen sich auf etwa 63 000 mit.
= Der Vorschußverein Grünberg hat im berg. Jahre recht erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Die Bilanz schloß mit 1441 335 Mart ab; an Reingewinn sind zu verzeichnen 15913,95 Mart. Zur Verteilung kommen 512% Dividende. Der Geschäftsverf.hr in den letzten 10 Jahren ist trotz Rückgang der Mitgliederzahl ganz riesig gestiegen, durch alle Rubriken sind die Summe ums doppelte ja bis ums 10fache angewachsen. Ein Beweis, daß der Verein gut verwaltet wird, auf der anderen Seite aber auch zum Segen der Allgemeinheit arbeitet.
ausgebildete Handwerker der Konkurrenz des Großbetriebes nicht unterliegen."
Die Folge dieser Erwägungen war nun eine Verschärfung der Bestimmungen nach der Seite der Lehrlingsausbildung durch den Meister und der Gesellenprüfung hin. Das K. K. Handelsministerium in Wien dagegen glaubte besonders bei der Förderung der Ausstellungen für Lehrlingsarbeiten, des Lehrlingsheimwesens und mit der Hebung der Berufslehre beim Meister durch Subventionierung desselben einsetzen zu müssen.
*** Frankfurt a. M., 29. April. Vor etwa 9 Wochen verhängte der Holzarbeiterverband über die Schreinerwerkstätten der Firma J. Kothe u. Söhne dahier die Sperre, obwohl die Firma sich bereit erflärte, zu den hier allgemein üblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen arbeiten zu lassen. Es handelte sich für den Holzarbeiterverband nur darum, durch partielle Sparrer die Arbeitszeit von 10 auf 9 Stunden zu drücken. Da alle Einigungsversuche mißlangen, insbesondere auch das Zugeständniß 91stündiger Arbeitszeit nichts half, hat nunmehr der Verband der Arbeitgeber im Schreiner gewerbe und ähnlichen Betrieben beschlossen, nächsten Samstag sämtlichen Arbeitern auf den 16. Mai zu fündigen und die Arbeit so lange ruhen zu lassen, bis die Sperre gegen Kothe u. Söhne aufgehoben ist.
× Laubach. Auf der Bahnstrecke von hier nach Hungen werden vom 1. Mai ab täglich 5 Züge hin uud 5 Züge zurück verkehren. Neu hinzugekommen ist ein Abend zug, der auch noch Anschluß nach Gießen hat. Derselbe fährt 650 in Hungen ab, trifft 726 hier ein und fährt dann wieder 930 zurück nach Hungen, wo er eben dann noh Anschluß nach Gießen hat.
Beide Systeme haben ihre ausgesprochenen Vorteile und Nachteile. In den Kreisen der handwerklichen Praktiker macht man es der Gewerbeordnungsnovelle zum Vorwurf, daß dieselbe nur eine freiwillige Gesellenprüfung kenne. Und es ist richtig, daß die mit der Verwaltung der Handwerkstammern betrauten Personen sowie die Innungen mit dieser freiwilligen Gesellenprüfung nicht viel Freude erleben, sowohl mit Rücksicht auf die Hebung des Lehrlingswesens, wie in finanzieller Hinsicht, und zwar umsomehr, als der fast durch. weg angenommene Satz von 3 Mart Gebühren für die Jnnungen sowohl wie für die Handwerkskammern eine finanzielle Schädigung zu Folge hat. Auch ist vielen Meistern die Pflicht, ihre Lehrlinge zur Ablegung der Gesellenprüfung anzuhalten, deswegen lästig, weil das Verfäumen derselben mit einer hohen Geldstrafe bedroht ist. Man sagt, wir haben unsern Lehrling bisher immer dazu angehalten, ohne daß es einer solchen Strafandrohung bedurft hätte. Aber
Einen grauenhaften Tod fand der 58 Jahre alte Geheimrat und Landwirt Karl Backfisch von Waldkaßenbach. Auf einer Fahrt nach Eberbach wurden die Pferde vor seinem Wägelchen scheu und rannten davon. Backfisch wurde vom Wagen geschleudert und ca. 300 Meter weit geschleift. Dabei wurden ihm vom Gesicht und dem ganzen Kopf die Fleischteile losgelöst. Außerdem erlitt der unglückliche mehrere Schädelbrüche. Der Tod trat nach 2
Stunden ein.
Zur Lehrlingshaltung in Deutschland und Desterreich.
( Nachdruck verboten.)
wie viele es nicht gethan haben, das entzieht sich der Kenntnis. Anzuerkennen ist dagegen ohne Weiteres die Klage darüber, daß mit dieser Haltung des Gesetzes von 1897 den Noßen nur das fünftige Geschlecht erhalte, die Last aber auf dem jetzt lebenden liege. Richtig ist auch die Beschwerde darüber, daß die Durchführung der bezüglichen Vorschriften zur Beit viel zu wünschen übrig läßt, weil das bei ein ganz anderer Grad der organisatorischen Schulung und des Standesbewußtseins die Voraussetzung bildet, als er zur Zeit in manchen Kreisen des Handwerks gefunden wird. Kurz, der Charakter des Kompromisses, als welchen sich ja das Gesetz von 1897 darstellt, zeigt sich in seinen Folgen, nur nicht immer zum Guten. Trotzdem hat das Gesetz zweifellos einen Fortschritt gebracht.
Lange Zeit nun schon wird mit allen Kräften seitens der Interessenten, mit viel Liebe und Fleiß seitens der Staatsbehörden daran gearbeitet, für das Handwerk etwas zu schaffen, das diefem Stande wieder aufhelfen, ihn moralisch und materiell neu fräftigen soll. Das können wir in Deutschland so gut wie in Desterreich beobachten. Auch wo hierbei der Hebel anzusetzen sei, das hat man in beiden Ländern so ziemlich übereinstimmend beantwortet; namentlich der Pflege des Lehrlingswesens wendet man hier wie dort in gleicher Weise die öffentliche Aufmerksamkeit zu.
Alles in Allem betrachtet liegt also das Schwergewicht der Förderung des Lehrlingswesens bei uns in einer Einwirkung auf den Lehrmeister im Wege der Gesetzgebung. Davon meldet der Bericht des Gewerbeförderungsdienstes ( die Gewerbeförderungsaktion des K. K. Handelsministeriums, Uebersichtliche Darstellung des Standes im Juni 1901, S. 15 f.) nichts. Er fennt nur die drei schon erwähnten Möglichkeiten, von denen zwei in das Thätigkeitsfeld der handwerklichen Interessenvertretungen hineingehören, nämlich die Ausstellungen von Lehrlingsarbeiten und das Lehrlingsheimwesen, und nur eine Rücksicht nimmt auf die Persönlichkeit des Lehrmeisters. Aber gerade diese dürfte sich nach unserm Dafürhalten geringer Sympathicen erfreuen. Beteiligt sich der subventionierte Lehrherr bei öffentlichen Arbeiten, hat er vor seinen Berufskollegen stets den Vorteil billigerer ArbeitsKräfte voraus, und das pflegt ihm wie auch den vergebenden Verwaltungen regelmäßig zum Vorwurf gemacht zu werden. Gleichwohl muß der betreffende Meister Arbeiten heranschaffen, denn woran sollen sonst die jungen Leute lernen? So liegt hier gewissermaßen eine Zwickmühle, die auch nicht durch die schärfsten Bestimmungen zur Einschränkung der Zahl der zu haltenden Lehrlinge behoben werden kann, und das umso mehr als der etwaige Charakter dieser Zuwendungen als Stipendien doch nur so lange gerechtfertigt ist, wie das behat, wenigstens soweit öffentliche Mittel in Frage kommen.
Die Motive zur Gewerbeordnungsnovelle vom 26. Juli 1897 begründen diese Erscheinung in der nachfolgenden Weise( R. T.-V. 1897, Drucksache 713 S. 52):„ Für die Erhaltung eines fräftigen Handverkerstandes ist die möglichst sorgfältige Ausbildung der Lehrlinge von besonderer Bedeutung. Hier ist die individuelle Leistungsfähigkeit von besonderer Bedeutung für das Bestehen zahlreich'r Betriebe. In manchen Gewerben wird nur der technisch vollkommen
treffende, Gewerbe Mangel an Nachwuchs zu beklagen
Marktbericht.
Gießen, 30. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt lofteten Butter pr Pfd. 0.90-1.00 Mr. Hühnereier 6 Pfg., 2 St.11 Pfg., Enteneter St. 6-7 Pfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. täſematte 2 St. 5-6 Bfg, Ecbsen ver Liter 21 Bfg., Linien per Liter 32 Bfg., Tauben per Paar f. 0.80-1.20, Hübner per Stüd Mt. 1.00-230, Hahnen, per, Stüd Mt. 1,10-2.30, Enten per Stüd 2.00-2.40, Gänse p. Bib. 54-60 Pfg, Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfg., Rindfleisch per Bfb. 60-66 Pfa. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Pig. Schweinefleisch gesalzen per Bfund 0.80 Bfg., Kalbfleisch per Pfd. 66-72 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 52-72 Bfg., Kartoffeln per 100 kilo 6.00-6.50 mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 7.00-8.00, Milch per Liter 18 Pfa.
Schlachthaus Gießen.
Heute: Hammelfleisch 50 Big. Morgen u Samstag: gesalz. Ochsenfleisch 50 Big.
Druck und Verlag der Gießener Verlagsdruckerei. vorm. Wilh. Keller'sche Buchdruderei( gegr. 1873); für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.
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