Ausgabe 
29.8.1903 Erstes Blatt
 
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Nr. 202. Erstes Blatt.

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Gratisbeilagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenban, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmitags.

Samstag, den 29. August 1903.

Gießener

12. Jahrgang.

Insertionsprei 8: Die einfpaltige Petitzeile für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kreise Weglar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. Pfg.

Boftzeitungsliste No. 3269.

Redaktion und Erpedition: Gießen Neuenweg 28. Ferssprechauschluß Nr, 362.

Neuelle Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Anabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wezlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Bekanntmachung.

Betr. Schweinerotlauf in Langsdorf.

In den Gehöften des Heinrich Roth 11., des Wilhelm Rämer und des Anton Schmidt in Langsdorf ist Schweine­otlauf ausgebrochen. Die an Rotlauf erkrankten Schweine ind unter Stallsperre, die der Seuche verdächtigen Schweine find unter Gehöftsperre gestellt.

Es ist ferner auf Grund des§ 8 der Anweisung betr. die 7. Juli 1886 Ausführung des Gesetzes vom die Schuh­24. Sept. 1900 impfung aller gegenwärtig inLangsdorf befindlichen Schweine, bie innerhalb der nächsten 6 Monate in Langsdorf zugehen, insofern lettere nicht nachweislich in den vorhergegangenen 4 Monaten geimpft worden sind, mit der Maßjabe angeordnet worden, daß für diese Schweine ein Entschädigungsanspruch auf Grund des genannten Gesezes nur dann geltend gemacht werden kann, wenn sie zur Schußimpfung angemeldet und

vorgeführt worden sind. Gießen, den 26. August 1903.

Großh. Kreisamt Gießen.

J. V.: Haberkorn

Bekanntmachung.

Die am 15. 1. Mts angeordnete Sperre der Brau­gasse wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 29. August 1903.

Großh Polizeiamt Gießen. I V.: Roth.

Perfonentarifreform in Preussen!

Also sie kommt doch, die Eisenbahnreform in Preußen! Trotz allen Ableugnungen, daß eine Anderung des Tarif­wesens geplant sei, steht sie bevor. Herr Budde, der neue preußische Verkehrsminister, der schon so manchem alten Zopf, manchem überlebten Herkommen auf dem Gebiete der preußischen Staatsbahnverwaltung zu Leibe gegangen ist, will auch an der schwierigsten Aufgabe, die ein preußischer Eisenbahnminister zur Zeit sich stellen kann, an der Reform des Tarifwesens, seine Kraft versuchen. Es wird über Vor­arbeiten über diese Tarifreform berichtet:

Mit größter Energie wird gegenwärtig im Berliner Eisenbahnministerium an einer Tarifreform gearbeitet. Der Plan soll bis zum Dezember bis ins Kleinste hinein fertig­gestellt sein und dem Landtag noch im Winter vorgelegt wer­den. Nach der Genehmigung durch die Volksvertretung, auf die man mit Sicherheit rechnet, soll der Entwurf dann bereits am 1. April 1904 in Kraft treten. Ueber Ten­denz und Inhalt des Reform planes wird be­fannt:

Es soll fünftighin nur eine Fahrkartenkategorie für die einfache Fahrt in den Personenzügen, also unter Weg­fall der Schnell zugs-, Rückfahr, Sonntags, festen Rundreise und Militärkarten ausge= geben werden, und zwar zu den Grundtaren von respek­tive 6, 4, 2% und Pfennig pro Kilometer für die vier Wagenklassen. Den süddeutschen Bahnen und den nord­deutschen Prinatkleinbahnen soll die Einführung auch der 4. Klasse anheimgestellt bleiben. Für Schnellzüge soll ein Zuschlag von 1 Pfennig pro Kilometer im Zuge selbst erhoben werden.

werden.

An Militärpersonen werden halbe Fahrkarten 3. Klasse verabfolgt; für diese tritt also eine kleine Preis­erhöhung ein. Die Ermäßigung für die Beförderung bon Kindern wird beibehalten. Ob die Altersklasse für die Beförderung zum halben Fahrpreise überhaupt hinauf­gesetzt merden soll, ist noch unentschieden; für den Fall, daß man si für die Hinauffebung entscheidet, ist man noch un­gewiß, ob man sie auf 12 oder 14 Jahre hinaufsetzen soll. Freigepäd tommt allgemein in Wegfall, jedoch soll da­für die Gepäck fracht um etwa ein Drittel ermäßigt Selbstverständlich wird diese Reform im Landtage auf Schwierigkeiten stoßen, und wahrscheinlich wird sie vor ihrer Genehmigung auch einige Abänderungen erfahren. Zweifel­los aber bringt sie eine Vereinfachung des Fahrkartenwesens mit sich, die im Prinzip nur gutgeheißen werden kann. Ob eine weitere Ermäßigung der Fahrpreisgrundtaren sich nicht ermöglichen läßt, diese Frage zu entscheiden, muß der parla­mentarischen Bebatte überlassen werden. Wie sehr man eine Verbilligung des Verkehrs auch wünschen mag, am Ende findet dieser unsch doch seine Schranke an der Erwägung, daß die Staatsbahnverwaltung für die Finanzen Preußens und mittelbar auch des Reiches einstweilen noch die milchende Kuh bleiben muß.

Der Konfulmord von Beirut. Kaum hat die Türkei die Fährlichkeit, in die sie durc die Ermordung des russischen Konsuls Kostkowsky in Mo­nastir geraten marter großen Demütigungen und Opferr

überstanden, da lockt ihr der Fanatismus ihrer Kleinasiatischen Untertanen eine andere Macht auf den Hals:

Amerika fordert Süße und Genugtunng für die Er mordung des amerikanischen Vizekonsule Nagelken in Beirrt, der, ähnlich wie Rostkowsky, während einer Spazierfahrt dem mörderischen Blei eines fanatischen Türken erlag.

Noch sind die Einzelheiten der Mordtat nicht aufgeklärt, noch kennt man den Hergang dieses jüngsten Dramas nicht, noch weiß niemand, wer der Täter ist. Aber schon ist auf Befehl des Präsidenten Roosevelt das amerikanische Mittelmeergeschwader unter Admiral Cotton auf dem Marsch nach Beirut und dem Eelderen Horn, um von der Pforte für die Ermordung des amerikanischen Beamten Genug tuung zu fordern und nötige:: salts zu erzwingen. Und keine geringe Genugtuung: dieselbe, die Ruland für Rostkowsky gefordert hat.

Es unterliegt keinem Zmeifel, daß die Türkei diese Ge­nugtuung wird geben müssen, und sie wird gut daran tun, wenn sie sich damit becilt. Denn die Yankees, die auf den Balkan nicht so viel Stücksichten zu nehmen brauchen, wie die Russen, werden nicht lange facein. Der amerikanische Ge­sandte in Konstantinopel hat der Pforte bereits mitgeteilt, die Union werde nicht die geringste Verzögerung der Sache dulden.

In sechs Tagen soll das amerikanische Geschwader drei Schiffe von Nizza un Genua aus Beirut erreichen. Bis dahin wird die geforderte Genugtuung wohl gegeben sein. Und nebenher wird die Worte wohl auch darauf hin­gewirkt haben, daß die auch an anderen Orten Kleinasiens fich zeigende Bewegung gegen die Europäer in Schranken gehalten wird. Haben sich; de Amerifoner doch gleichzeitig bei der Pforte darüber beschert, daß in Klarput eine von Amerikanern geleitete die ongezündet worden ist. Die Pforte wird gut tun, hier cechuig die Hände zu regen, ehe ihr neue Gelegenheiten, gebertigt zu werden, entstehen.

In Mazedonien siebts nas wie vor höchst trübe aus. Vor den Toren Adrianopeis wurden von Komitatschis in einem Dorfe von 340 Häuser 310 eingeäschert. Von dem Dy­namitanschlag auf den Konventionalzug bei Kuleli- Bur­gas ist noch zu berichten: Die Ausführung des Attentats, dessen Urheber selbstverständlich Komitatschis sind, erfolgte mittels einer eingeschmuggelten, mit einem Uhrwerk ver­sehenen Höllenmaschine. Die Betöteten( 6) und Verwun­deten( 18) sind fast sämtlich türkische Frauen und Kinder.

Die Politik.

Der neue Oberpräsident vor Schlesien, Graf Zedlik­Trüßschler erhielt bei seinem Scheiden aus Hessen- Nassau das Großkreuz zum Roten Adlerorden 1. Klasse mit Eichen­laub und Schwertern am Ringe.

A Die Ernennung des Landrats Blomeyer in Meseritz zum Präsidenten der Ansiedelungskommission ist nunmehr voll­zogen worden.

A Der Brand des Budapester Warenhauses gibt der preußischen Regierung Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß für Preußen 1901 fenerpolizeiliche Bestimmungen für Warenhäuser, Geschäftshäuser u. s. w. erlassen worden sind, die derart sind, daß bei ordnungsmäßiger Handhabung nach menschlicher Berechnung Unfälle, wie der Budapester sich kaum ereignen fönnen. Nichtsdestoweniger wird die Regierung in eine erneute Prüfung der Vorschriften von 1901 ein­ireten, wobei auch die in Budapest gemachten Erfahrungen Beachtung finden sollen. Zweifelsohne steht also eine Ver­schärfung der feuerpolizeilichen Bestimmungen für Waren­häuser und große Geschäftshäuser bevor.

Die ungarische Krise scheint ihrer Lösung näher zu rücken. Kaiser Franz Josef hat sich bereit erklärt, ein Kabinett Wekerle mit dem Grafen Apponyi als Minister des Innern oder ein Kabinett Apponyi mit Wekerle als Finanzminister zu genehmigen, jaus es Weferle gelingen sollte, die Diffe­renzen, welche zwischen ihm und Apponyi bezüglich der Wehr­fragen bestehen, auszugleichen. Apponyi weigert sich einst­meilen noch von seinem die ungarischen Forderungen fest­haltenden Standpunkt abzusehen und Konzessionen zu machen, doch glaubt man, daß diese Weigerung nicht mehr lange dauern und ein Kabinett Apponyi- Weferle ernannt werden und da­mit die Kabinetis- toie die Parlamentsfrise gelöst sein wird. Denn die Berufung Apponyis in das Ministerium würde die Obstruktion zufrieden stellen.

Der Versuch der französischen Regierung, die Leute der Lebandy- Expedition, die in die Gefangenschaft der Mauren geraten waren, loszukaufen, sind vergeblich gewesen.

* In der Nähe des Belgrader Konafs wurde ein zirka 30 Meter langer Minengang entdeckt, der offenbar für die Aufnahme von Dynamit bestimmt war. Die Polizei sucht die Entdeckung zu verheimlichen.

Negus Menelik von Abessynien ist schwer frank, und feine Umgebung fürchtet für das Leben des nicht mehr jugend­lichen Herrschers. Mit dieser Besorgnis verbindet sich die vor dem Ausbruch innerer Wirren.

OFür die Rückkehr des Fürsten Ferdinand nach Sofia, die nächster Lage erfolgen soll, hegt man in den Kreisen der Anhänger des ursten große Besorgnis: Man fürchtet An­schläge auf Ferdinands Leben. Es ist noch nicht bestimmt, auf welches Bahnlinie der Fürst nach Sofia zurückkehrt; die in Frage kommenden Bahnlinien werden scharf bewacht.

*

Hof und Gesellschaft.

** Das Kaiserpaar unternahm in Wilhelmshöhe mit Prinz Eitel Friedrich und dem Herzog von Sachsen­Koburg und Gotha einen Spazierritt nach dem Essigberg. Der Kaiser hörte später die Vorträge des Stellvertreters des Chefs des Marine- Kabinetts, Fregattentapitäns v. Krosigk, und des Chefs des Zivilkabinetts Geh. Nats v. Lucanus. Zur Mit­tagstafel waren geladen: Geheimrat Dr. Hinzpeter, Ihre Hoheit Prinzessin Wilhelm von Hessen- Philippstal- Barchfeld mit Sohn, Prinzen Christian, und Hofdame Fräulein von der Recke. Die Kaiserin empfing vierzig Damen Kassels und der Provinz, die durch die Gattin des Oberpräsidenten v. Bed­liz- Trüßschler vorgestellt wurden.

Deer und flotte.

Das Terrain der diesjährigen Kaisermanöver zieht sich zu beiden Seiten der Saale entlang und wird begrenzt durch die Städte Querfurt und Merseburg nach Norden, Lützen, die Elster und Zeit nach Osten, Camburg und Sulza nach Süden und Bibra nach Westen. Naumburg und Weißen­fels bilden die Mittelpunkte der Manöver, dorthin werden sich auch die Hauptangriffe richten. Es werden öfters Brücken geschlagen werden müssen, sowohl über die Saale wie auch über die Unstrut. Das Westkorps wird über Bibra und Sulza den Kampfplatz für den Krieg im Frieden betreten, es besteht aus dem 4. und 11. Armeekorps, das Ostkorps besteht aus den Sachsen, dem 12. und 19. Armeekorps. Das letztgenannte kommt über Lügen nach Südwest, das 12. un­ter dem Kronprinzen Friedrich August auf Stößen zu. Das preußische Gardekorps wird dabei durch die reitende Ab­teilung des 1. Garde- Feldartillerieregiments vertreten sein, deren erste Batterie die neuen Rohrrücklaufgeschüße mitführt, die dem Kaiser auch im Scharfschießen vorgeführt werden sollen. Ferner werden von Berlin aus 12 Automobile in Dienst gestellt werden, von denen die Hälfte Eigentum der Militärverwaltung ist; acht dieser Kraftwagen sind für die Manöverleitung bestimmt, das Oberkommando der sächsi schen Truppen verfügt außerdem über einen Motor von 60 Pferdefräften. Das Telegraphenbataillon eht ebenfalls ins Manövergelände, zur Verstärkung des Juurparks wird dem Telegraphenbataillon eine Abteilung vom Magdeburger Trainbataillon Nr. 4 beigegeben.

Typhusepidemie auf einem sayerischen Truppenübungs­play. Von den auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg befindlichen bayerischen Infanterieregimentern Nr. 4 und 8 find 300 bis 400 Mann und mehrere Offiziere an typhösen Erscheinungen erkrankt.

Turbinenfriegsschiffe in Amerika. Das Konstruktions. bureau des amerikanischen Marinedepartements beschloß, den Kongreß um die Bewilligung von 300 000 Dollars für den Bau eines Turbinenkriegsschiffs von nicht mehr als 5000 Tons zu ersuchen.

Eisenbahnkatastrophe in Italien.

Schon wieder kommt die Kunde von einem furchtbaren Eisenbahnunglückt. Zwischen den Stationen Pasian Schia­vonesco und Codroipo, in der Nähe von Udine, stießen ein Militärtransportzug und ein Güterzug zusammen. Soweit ſich bisher übersehen läßt, sind 15 Tote und 80 Verwundete zu beklagen.

Ueber die Einzelheiten des folgenschweren Zusammen­stoßes liegen die folgenden Nachrichten vor: Das Unglück fand abends 10 Uhr statt. Bei Beano sah der Lokomotivführer des Militärzugs den andern Zug mit Volldampf entgegen­kommen und gab sofort Gegendampf. Der Zusammenstoß fonnte jedoch nicht mehr verhindert werden und war furcht­bar. Die Wagen beider Züge stürzten übereinander und wurden zertrümmert. Die Dunkelheit machte den Vorgang noch schrecklicher, steigerte die Verwirrung und verzögerte die Hilfeleistung. Erst nach 10 Minuten gingen Meldungen nach Codroipo und Pasian Schiavonesco ab, mit der Bitte um Hilfeleistung. In Erwartung des Hülfszuges versuchte man die Verwundeten aus den Trümmern zu befreien, was wegen der Dunkelheit mit großen Schwierigkeiten verbunden war. Nach Eintreffen der Hülfszüge wurden die Rettungsarbeiten erfolgreich fortgesetzt. Bisher sind 15 Tote geborgen. Die Verwundeten, deren Zahl man auf achtzig schätzt, von denen 12 lebensgefährlich verletzt sind, wurden nach Udine gebracht. Man glaubt, daß das Unglück dadurch veranlaßt wurde, daß der Militärzug mit Verspätung von Udine abging und, um diese Verspätung einzuholer, mit großer Geschwindigkeit fuhr und mit dem Güterzug zusammentraf, der, von der anderen Seite kommend, die Strecke für frei hielt.

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der Tat miteinander verkehrt und heitere Tage berlebt

Waldheim hat die Wahrheit geschrieben, wir haben in

in Gesellschaft zu­

fügte fie mit leicht spöttischem Ton hinzu. fammen sein, ohne den Wunsch zu haben, ihn zu heiraten!" man fann doch ganz gern mit jemand

Iassen, aber niemals, berdient alle Achtung; ich win ihn auch für hübsch gelten nichts gegen den Prinzen sagen, er ist gewiß vortrefflich und mein Entschluß ist gefaßt, unwiderruflich gefaßt! Ich will Nein, Papa, nein," rief die Prinzessin lebhaft, nein, niemals fann ich ihm meine Hand

Es sind nun schon viele, biele hundert Jahre her, Ein Märchen von A. J. Wolff. Machbruck verboten.)

Wie das Vergilsmeinnicht entstand.

, teurer

Nein. du Holde, ich Gram und Liebessehnsucht sterben wird." nn ich des Nachts im Schlafe liege, der Welt des armen, fleinen Blauäugleins vergißt, das vor fann dich ia nie vergessen, und dann erscheint mir

Mann, menn du nur nicht in dem Getümmel