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Nab und fern.

Höflichkeitsaustausch zwischen deutschen und eng lischen Secoffizieren. Infolge eines heftigen Sturmes im Aermelkanal war die deutsche Kaiserjacht ,, Komet" gezwungen, den Hafen von Dover anzulaufen. Die deut­sche Stationsjacht Alice Roosevelt" kam in der Nacht ebenfalls dort an. Der Kommandant der letzteren machte Besuch auf dem königlichen Schiff Triton". Die Ha­fenoffiziere und diejenigen des Etabes von Dover mach­ten Besuch auf der Jacht.

Der Raubmörder von Lompönen verhaftet. Als mutmaßlicher Mörder der Familie Zürcher in Lompö­nen wurde der 28jährige Fleischer Hubert von dort ind seine Frau, welche der Mitwisserschaft verdächtig ist, in Haft genommen. Auf Hubert lenkten sich verschiedene Verdachismomente; er soll öfters in Geldverlegenheiten gewesen sein und war durch Zürcher wiederholt durch Darlehen aus dieser Lage befreit worden. Ferner war Hubert nicht nur mit den örtlichen, sondern auch mit den persönlichen Verhältnissen Zürchers genau ver­

traut.

() Eine furchtbare Schiffstatastrophe wird aus Antwer pen gemeldet. Der englische Dampfer Huddersfield, Kapitän Beals, der abends von dort nach Grimsby in Eee gegangen war, stieß in der Nähe von Boje 48 bei Säftingen mit dem norwegischen Dampf r ,, Ultɔ", der von Rotterdam kam, zusammen. ,, Hudderfield" sank. Die Besagung wurde gerettet; die Passagiere, ungefähr 15 bis 20 Personen, ertranken. Der norwegische Dampfer wurde am Bug beschädigt. Die Ertrunkenen sind zum größten Teile Seeleute, die nach England zurück uhren, um ihre Löhne in Empfang zu nehmen.- Die Mcl­dung, daß die gesamte Besatzung gerettet ist, während alle Passagiere ertranken, läßt nicht auf besondere Dis­ziplin an Bord schließen. Es müßten denn ganz be­sondere Verhältnisse vorgelegen haben. Auf deutschen Dampfern ist es bei Unglücksfällen Brauch: Erst die Passagiere, dann die Mannschaft!

::: Durch ein Tynamitattcntat wurde die Bevölkerung der spanischen Stadt Valdepenos in Schrecken gesetzt. Dort fam im Gasthaus ein unbekannter Reisender an and deponierte dort eine kiſte, die angeblich Chokolade, in Wahrheit aber vierzig Kilogramm Dynamit enthielt. Auf bisher unaufgeklärte Weise explodierte die Kiste, es ent­stand eine furchtbare Panik. Die Türen und Fenster des Hauses wurden bis auf den Marktplatz geschleudert, eine Frau und drei Kinder getötet, zwölf Personen schwer berlegt. Der Reisende ist verschwunden.

)( Das erhörte Gebet. Ein sonderbarer Zwischenfail hielt dieser Tage einen aus Lodz kommenden Eilzug einige Stationen vor Warschau auf. Mitten auf dem Geleise kniete ein Mann mit entblößtem Haupt und betete, ohne sich von der Stelle zu rühren, trotzdem der Zug mit großer Schnelligkeit herankam. Dem Zugführer, der den sonder­baren Beter wahrgenommen hatte, gelang es noch recht­zeitig, den Zug zum Stehen zu bringen. Als man den Mann wegen seines seltsamen Benehmens zur Rede stcllte, meinte er, er habe in Warschau dringend zu tun, nd da der Zug hier nicht halte, so habe er sich auf das Geleise hingekniet und zu Gott gebetet, daß er den Zug hier halten lassen möge, und nun habe der gütige Gott die Bitte tatsächlich erhört.

** Tie Meuterei auf dem englischen Schiff Veronika wird nächsten Dienstag seine Sühne finden. Von den drei wegen Ermordung ihres Kapitäns wie erinnerlich zum Tode verurteilten deutschen Matrosen werden zwei, Gu­stav Rau und Wilhelm Schmidt, an diesem Tage in Li­verpool hingerichtet werden. Der jüngste der drei Ver­brecher, Namens Monsohn, ist zu lebenslänglicher Zucht­hausstrafe begnadigt worden.

)-( Die Schrecken des Zyklons. In den amerikanischen Staaten Oklahoma, Kansas und Nebraska hat ein Wirbel­sturm gewütet, der große Opfer an Gut und Leben gefor­dert hat. Viele der dort landesüblichen Holzhäuser wur­den zertrümmert, so daß tausende von Menschen obdach­los sind, und weit über 100 Personen wurden getötet. Nähere Nachrichten stehen noch aus, da die Telegraphen­leitungen zerstört sind. Doch ist ein für die Gewalt des Sturmes bezeichnender Fall bekannt geworden. Eine Kutsche mit 12 Schulkindern wurde in die Höhe gehoben und von der Chaussee in einen Strom geschleudert. Die Rinder ertranken sämtlich.

)( Der Kaiser als Automobilist. Der Kaiser beabsich­tigt, sich fortan bei seinen Erholungsaugflügen öfter des Automobils zu bedienen. Für diesen Zweck ist ein Fahr­zeug bestimmt, das der Monarch der Gasmotorenfabrik in Deuz kürzlich in Auftrag gegeben hat. Das Fahrzeug wird nach eigenen Angaben des Kaisers gebaut; es wird für die Bedienung zwei und für Herrschaften drei Pläße haben und einen sechs- oder achtpferdigen Motor erhal­ten. Für den Berliner Stadtverkehr ist das Auto jedoch nicht bestimmt.

X ur Affäre des Prinzen Prosper von Arenberg wird uns weiter mitgeteilt, daß nunmehr die Oberstaatsan­waltschaft zu Celle das Wort ergriffen und eine Vorunter­suchung eröffnet hat. Die Justizbehörde vertritt nach dem ihr zugestellten Material die Ansicht, daß die Mitteilungen über das Gefängnisleben des Prinzen Arenberg stark auf­gebauscht und zum Teil direkt erlogen sind, weshalb eine strenge Untersuchung eingeleitet worden ist. Gegenwärtig werden die in Frage kommenden Gefängnisbeamten ver­hört. Nach Abschluß dieser Maßnahmen sollen die Ver­breiter der durch die Hann. Allg. 3tg." erfolgten Nach­richten unter Anklage gestellt werden.

)-( Elf Schultinder ertrunken. Ein großes Unglück wird aus Dembno bei Neustadt a. d. Warthe gemeldet. Das­selbe versetzt eine ganze Reihe von Bauernfamilien in tiefe Trauer. In Dembno sollten 45 Kinder aus den um­liegenden Ortschaften, die dem Konfirmationsunterricht beigewohnt hatten, in einem schon etwas schadhaften Kahn über die Warte gesezt werden. Kurz nach dem Verlassen des Ufers drohte der Kahn zu sinken. Die erschreckten Kin­ber stürzten nach dem landseitigen Kahnende und brach­ten dadurch das Fahrzeug zum Kentern. Der Fährmann and 11 Kinder ertranten.

** Zum Pfingst- Reiseverkehr wird eisenbahnamtlich betannt gemacht: Es ist in früheren Jahren wiederholl vorgekommen, daß Gesuche um Gestellung von Wagen für Gesellschaften, Vereine, Echulen usw. nicht berück sichtigt werden konnten, weil sie zu spät angebracht wurden. Daher empfiehlt es sich, möglichst früh um Gestellung von Sonderwagen einzukommen, zum minde­ſten aber zwei Tage vor dem Reisetag, widrigenfalls nicht mit Bestimmtheit auf Berücksichtigung des Gesuches gerechnet werden darf." Die Herren Vereinsvorstände mögen sich danach richten.

** Ansländische Landarbeiter. Infolge des Man­gels an landwirtschaftlichen Arbeitern ist von verschiede­nen Landwirtschaftskammern in diesem Frühjahre eine größere Anzahl Arbeiter aus Galizien, Südungarn, Po­len usw. engagiert worden. Die Kammer für Ostpreußen hat allein 1100 Mann angenommen.

[ Ueber das Jahreseinkommen unseres Kaisers] wird von einem großstädtischen Blatt, dessen Mitteilungen teilweise auch in die Provinzpresse übergegangen sind, bewußt oder unbewußt viel Falsches erzählt. Es sei daher berichtigend mitgeteilt, daß sich die Geſamt- Jah­reseinnahme des Kaisers auf 15 719 296 Mt. beziffert. Diese Summe setzt sich zusammen aus einer aus den Einkünften von Domänen und Forsten fließenden Rente von 7 719 296 Mt., aus einer Staatsrente von 4500 000 Mark, bestimmt durch Gesetz vom 28. Januar 1868, und einer Staatsrente von 3500.000 mt., bestimmt durch Gesez vom 1. April 1889. Dies ist das effektive Staats­einkommen als König von Preußen, die Höhe des Privat­einkommens und Bewirtschaftung der eigenen Besitzun­gen usw. entzieht sich der öffentlichen Kenntnis. Bekannt­lich verfügt der Kaiser über einen Landbesig von 98 746 Hektar Umfang verteilt auf 83 Güter welche einen Grundsteuer- Reinertrag von jährlich 651 631 Marf er­geben. Als Deutscher Kaiser bezieht das Oberhaupt des Deutschen Reiches keine Einnahmen.

()[ Der Kaiser und Chamberlain.] Von dem trockenen Humor unseres Kaisers gibt eine Anekdote Zeugnis, die König Eduard von England kürzlich zum besten gege­ben haben soll. Bei einem Gespräche, das er mit Kai­ser Wilhelm gelegentlich dessen Besuches in London hatte, drehte sich das Gespräch um die große Popularität, die Kaiser Wilhelm allgemein jenseits des Kanals ge­nießt. Nicht einmal unser Parlamentsmitglied für Bir­mingham, geschweige denn meine Wenigkeit kann bei meinen Londonern mit dem deutschen Kaiser an Popu­( arität konkurrieren," meinte König Eduard lächelnd. ., Das ist aber nicht so wunderbar," bemerkte der Kaiser, der bekanntlich ein vorzügliches Englisch spricht ,, trocken: Ich bin gerade soviel, wie beide zusammengenommen. Sie sind Joe hier wendet sich der Kaiser dem etwas aus der Fassung gebrachten Kolonialsekretär zu- und mein Onkel ist King". But I am Joe- King!"(= joking, das heißt ich mache meinen Scherz).

:::[ Moderner Konkurrenzkampf.] In einem nord­denischen Blatte findet sich folgende Anzeige: ,, Da ein Restaurant am Sophienplay Strohhüte zum Engros­preise an seine Gäste abgibt( entweder soll das eine Lock­speise sein, um sich Gäste zu erhalten, oder sollen viel­leicht die Betreffenden für das Lokal Reklame laufen), ich aber meine auch nicht einpökeln will, verschenke ich an jeden, der an den folgenden vier Ausnahmetagen ( 18., 21., 24. und 30. Mai) einen enorm billigen Stroh­hut kauft gratis! ein Glas Lagerbier gratis! Mö­bius." Jedenfalls ist diesem Konkurrenz- Gladiator der Humor noch nicht ausgegangen.

[ Unerwarteter Erfolg eines zu realistischen Theater­stückes.] In Jelis awetgrad ereignete sich dieser Tage bei der von einer Kleinrussischen Truppe veranstalteten Auf­führung des Dramas, Talent" von Starizki ein tragiko­mischer Zwischenfall. Im vierten Akte soll Theater im Theater" gespielt werden. Hierbei muß sich ein Teil der Schauspieler unter das Publikum in die Logen, das Parterre und auf die Gallerie begeben und Kund­gebungen des Mißfallens veranstalten, worauf die Hel­din in Ohnmacht fällt. Als nun die Schauspieler unter dent Publikum das Stück auszupfeifen begannen, wollte einer der diensthabenden Polizeibeamten mit aller Ener­gie diese ,, Unordnungen" unterdrücken. Er eilte auf die Gallerie, von wo das Pfeifen und Protestieren ,, gegen das Stück" am lautesten erschallte, und verhaftete da= selbst einen der mitwirkenden Schauspieler wegen des Lärmens". Gegen alle Erklärungen der übrigen Schau­spieler und des Publikums blieb er taub und hatte für sie nur die eine Antwort: ,, Die Polizei wird die Sache schon aufklären!" Infolge dieses Vorgehens des Beamten entstand aber nun erst recht Lärm unter dem Publikum, das energisch die Fortsetzung der Vorstellung verlangte. Der Theaterdirektor war schließlich genötigt, mitten in der Nacht zur Polizeiverwaltung hinzu ahren und daselbst die verdächtige" allzu realistische Szene vorzulesen. Erst dann wurde der völlig unschuldig ver­haftete Schauspieler wieder in Freiheit gesetzt und auch das Stück selbst konnte weitergespielt werden, ɔbwɔhl bereits der größte Teil des Publikums das Theater ver­lassen hatte. Tie Vorstellung erreichte erst um 3 Uhr mor­nens ihr Ende.

Bunte Chronit. Bei der Fortsetzung der Ziehung der Marienburger Lotterie fielen 50,000 Mark auf Nr. 68,491, 20,000 Mt. auf Nr. 52,360, 10,000 Mt. auf Nr. 1628, 2500 Mt. auf Nr. 30,997, 1000 Mt. auf Nr. 278,665.

-In Nordhausen wurde der Barbier Hans Carstensen aus Flensburg verhaftet und zur Untersuchung nach Aschersleben abgeführt. Der Verhaftete steht in dringen­dem Verdacht, den scheußlichen Lustmord an dem sechs Jahre alten Kinde des Bergarbeiters Polanick in Aſchers­leben verübt zu haben.

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Der Nachricht von der Verhaftung des wegen eines bei Tangermünde begangenen Sittlichkeitsverbrechens ſteckbrieflich verfolgten Tierarztes Iskraut bestätigt sich nicht.

Durch den Strang hingerichtet wurde in Eger der Raubmörder Fischer. Er hatte in der Nacht zum 1. Juli v. J. in Karlsbad den Besizer des Café zur Stadt Re­gensburg", eines öffentlichen Hauses, in das er in räube­rischer Absicht eingedrungen war, durch Revolverſchüsse getötet und dessen Frau schwer verletzt.

Der Prozeß gegen die Familie Humbert wird, wie nunmehr feststeht, in der ersten Hälfte des August vor den Pariser Geschworenen zur Verhandlung kommen.

Die bevorstehenden Reichstagswahlen

in unserem Hessenlande.

Im Großherzogtum Hessen sind bis jetzt, so schreibt di ,, Darmst. 8tg.", im ganzen 31 Kandidaten für die be vorstehenden Reichstagswahlen aufgestellt, zu denen nach den vorliegenden Meldungen noch 4 weitere kommen dürften, so daß sich im ganzen 35 Kandidaten um die 9 hessischen Man date bewerben, darunter 8 der seitherigen Abgeordneten.

In den einzelnen Wahlkreisen gestaltet sich der Auf­marsch der Parteien folgendermaßen:

1) Gießen Grünberg. Der seitherige Vertreter, Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Philipp Köhler in Langsdorf ist von der deutschen Reformpartei und dem hessischen Bauernbund wieder aufgestellt, Kandidat der ver einigten Nationalliberalen nnd Freisinnigen ist Kommerzien rat Heyligen staedt in Gießen( nationalliberal), Kan didat der Sozialdemokraten Kaufmann und Stadtverord­neter Eduard Krumm in Gießen. Der Kandidat des Zentrums ist noch nicht nominiert.

2) Friedberg Büdingen. Gutsbesitzer Graf Oriola in Büdesheim( nationalliberal) kandidtert wieder und wird vom Bund der Landwirte und hessischen Bauernbund unterstützt, ferner sind aufgestellt Weinhändler und Landtags. abgeordneter Josef Molthan in Mainz( Zentrum) und Stadtverordneter Heinrich Busold in Friedberg( Sozial demofrat). Die Nationalsozialen und Freisinnigen beabsich tigen, eine gemeinsame Kandidatur aufzustellen.

3) Alsfeld Lauterbach- Schotten. Der bisherige Vertreter, Kunstmaler Frizz Bindewald in Berlin, kandidiert für die deutsche Reformpartei unter Unter­stüßung des Bundes der Landwirte und des hessischen Bauern bundes wieder. Die Freisinnigen und Nationalliberalen stellen gemeinsam Kreisrat Dr. Eduard Wallau in Lauterbach( nationalliberal) auf, die Sozialdemokraten stimmen für Dr. Michels in Marburg. Der Kandidat des Zen­trums ist noch nicht benannt.

4) Darmstadt- Groß- Gerau. Der seitherige Bertreter, Privatier und Landtagsabgeordneter Balthasar Cramer in Darmstadt, ist von den Sozialdemokraten wieder aufgestellt; ferner fandidieren Rechtsanwalt Dr. Theodor Stein( nationalliberal, unterstützt von der Deut­schen Reform und christlich- sozialen Partei), Generalmajor 3. D. v. Kloeden in Wiesbaden( Bund der Landwirte und hessischer Bauernbund), Professor Dr. Otto Harnad in Darmstadt( freis. Volkept.) und Rechtsanwalt und Land­tagsabgeordneter Dr. Adam Josef Schmitt in Mainz ( Zentrum).

5) Offenbach- Dieburg. Der seitherige Ver treter, Buchdruckereibesizer Karl Ulrich in Offenbach( So zialdemokrat, fandidt rt wieder. Ferner ist aufgestellt vom Zentrum Stadtrechner Philipp Uebel von Dieburg, von den Nationalliberalen, Freifinnigen, Deutschen Reformpartei, bess. Bauernbund und Bd. d. Landw. der praktische Arzt Dr. med. Becker in Sprendlingen( nationalliberal).

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6) Bensheim Erbach. Rammerpräsident Geh. Regierungsrat Wilhelm Ha as in Darmstadt( nationalliberal), der seitherige Vertreter, ist wieder aufgestellt und findit außerdem die Unterstützung der deutschen Reformpartei des Bundes der Landwirte und des hessischen Bauernbundes. Vom Zentrum ist aufgestellt Freiherr Heinrich von Roden stein in Bensheim, von den Sozialdemokraten Gastwirt und Gemeinderat Andreas Rau in Mühlheim a. M.

7) Worms Heppenheim. Der seitherige Ab geordnete Fabritbesizer Freiherr von Heyl zu Herrnsheim in Worms( nationalliberal) ist wieder aufgestellt und wird vom Bund der Landwirte unterstüßt, ferner kandidieren Pfarrer Jakob Blum in Ober- Abtsteinach( Zentrum), Buch: händler und Landtagsabgeordneteter Heinrich Berthold in Darmstadt( Sozialdemokrat). Ein freisinniger Kandidat soll noch aufgestellt werden.

8. Bingen Alzey. Der seitherige Abgeordnete Reinhart Schmidt in Elberfeld( freis. Vp.) ist wieder aufgestellt, außerdem Rechtsanwalt Tr. Claaß in Main ( nationalliberal, unterstützt von der deutschen Reformpartei und dem Bund der Landwirte), Rechtsanwalt v. Bren tano in Offenbach( Zentrum) und Tüncher Peter Reichert in Finthen( Sozialdemokrat).

9. Mainz Oppenheim. An Stelle des eine Wiederwahl ablehnenden seitherigen Abgeordneten Dr. Ad. Jof. Schmitt ist vom Zentrum Geh. Postrat Dr. König in Berlin aufgestellt. Fernere Kandidaten sind: Rechtsan walt Dr. Pagenstecher in Mainz( nationalliberal), Geometer, Landwirt und Landtagsabgeordneter Michael Wolf in Stadecken( Bund der Landwirte) und Schriftsteller und Land: tagsabgeordneter Dr. Eduard David in Mainz( Sozial demokrat, unterstützt von den Demokraten.)

Das Jubiläumsfest des 2. Bataillons vom 116. Inf. Regt.( Kaiser Wilhelm II.). Vom schönsten Wetter begünstigt hatte heute die Gar nison Gießen einen Ehren- und Festtag seltener Art. Die Stadt pranft im besten Schmuck, und die ganze Be völkerung ist bemüht, mitzufeiern.

Heute Mittag 1 Uhr 50 Min. traf Sr. Kgl. Hoheit der Großherzog hier ein und wurde von dem Regiments Kommandeur D'erst von Graeveniß, dem Provinzial- Direktor Dr. Breidert, dem Oberbürgermeister Mecum u. s. w. am Bahnhof begrüßt. Der Großherzog und sein Gefolge, Ge neral- Major v. Wachter und Flügeladjutant Freiherr Schäfft v. Bernstein nebst den Herrn des Empfanges begaben sid auf fürzestem Wege( Bahnhofstraße Westanlage) nach D walds Garten, wo das Regiment, das R- serve- Offizier Corp die Veteranen des Regiments, die früheren Angehörigen de 2. Bataillons und Deputationen der hiesigen Kriegerver einigungen in Parade standen. Der Großherzog richtete eine Ansprache an das Regiment, besichtigte dasselbe und begrüßte die Veteranen. Der Regimentskommandeur dankte und brachte ein Hoch auf den Landesfürsten aus. Von hier aus begab sich Se. Königl. Hoheit, eine Rundfahrt durch die Stadt machend, nach dem Brandplah wo sich inzwischen die

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