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Gießen, 27. August.

* Der Großherzog empfing u. a. den Oberlehrer Brofessor Dr. Schmitt vom Gymnasium in Gießen, den Kreisarzt Dr. Wallau von Lauterbach, und den Landrat b. Heimburg von Biedenkopf.

( Privattelegramm.) Ernannt wurde unterm gestrigen Tage( 26. Aug.) der außerordentliche Professor Dr. Aug. Gisevius an der Universität Königsberg zum ordentlichen Professor der philosophischen Fakultät an der Landesunirersität. In den Ruhestand versezt wurde auf sein Nachsuchen unterm 1. Sept. der Universitätsdiener Joh. Ruhl und ihm in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen.

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= Kaiserparade. Der Kaiser hat zweimal das pis hinterließ über die Haltung des Regiments ausgesprochen. Seine 116. Regiment vorbeigeführt und seine volste Zufriedenheit Majestät hat der 8. Kompagnie das Kaiserabzeichen ver­

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** Der Divisionskommandeur General Frhr. bon Gall traf heute vormittag turz vor 10 Uhr in Gießen ein und stieg im Hotel Großherzog ab. Derselbe wird heute und morgen dem im Gelände zwischen Lügel­linden- Rechtenbach stattfindenden Gefechtsschießen und

Exerzieren der 118ner beiwohnen.

** Professor Dr. Kornemann, der früher an der Landes universität in Gießen war, wurde die neu errichtete außerordentliche Professur für Geschichte an der Universität Tübingen übertragen.

Das Gelände für die Hauptsammler und Kläranlagen für die kanalisation beabsichtigt die Stadt Gießen in Kürze zu erwerben. Die Anlagen sollen zwischen der Lahn und der Margarethenhütte aeschaffen werben. Den Gelände- Eigentümern wurde pro Quadrat­meter 38 Pfg. bis 3 Mt. geboten.

Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem Braunsteinbergwerk Fernie. Die Pferde eines mit Erz be­ladenen Wagens gingen durch, der Fuhrknecht Johannes Maid aus Ettingshausen wurde ein Stück mitgeschleift, worauf zum Glück der Wagen umstürzte, sodaß die Pferde zum Stehen kamen. Maid trug außer schweren Verlegungen im Gesicht, an Händen und Armen einen komplizierten Bein­bruch davon, sodaß er sofort in die Gießener Klinik gebracht wurde.

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* Von hessischen Behörden werden u. a. steckbrief lich verfolgt: Diensttnecht Kasimir Knoth aus Bern­hardts wegen Diebstahls, Uner Karl Müller aus Bretten wegen Unterschlagung, Molkereibesißer Gustav Otto wegen Pfandveräußerung, Kellner Max Hellwig aus Mainz wegen " tonſtituieren, Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Gießen; Dienst fnecht Georg Wolf aus Brauerschwend wegen Diebstahls, Schuhmacher Wilhelm Becker aus Dorn- Assenheim wegen Unterschlagung, Taglöhner Johs. Müller ous Birklar wegen Strafvollstreckung und Dienstmagd Ottilie Roß aus Langen leiten wegen Unterschlagung vom Großh. Amtsanwalt zu Friedberg; Dienstknecht Heinr. Winter aus Düdelsheim wegen Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen. ** Gestern abend brachte der Gesangverein Har­monie"- Gießen seinem Mitglied Herrn Restaurateur August Albold aus Anlaß seiner 25jährigen Mitglied­schaft ein Ständchen. Durch Ueberreichung eines Diploms wurde Herr Albold zum Ehrenmitglied ernannt.

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+ Für unsere Abonnenten in Preußen! Eine Aenderung des Lotterieplanes der fgl. preußischen Klassen­Lotterie wird sowohl vom Publikum als auch von den Lotterie- Rollefteuren gewünscht. Es geht der allgemeine Wunsch dahin, daß die Zahl der Zehntellose um ein Beträcht­liches erhöht werde.

** Viehsperre im Regierungsbezirk Wies­baden. Eine Extra- Ausgabe des Regierungs- Amtsblattes veröffentlicht eine landespolizeiliche Anordnung des Re­gierungspräsidenten in Wiesbaden, nach der aus Anlaß des Neuausbruches der Maul und Klauenseuche im Regierungs­bezirk Koblenz und in den Kreisen St. Goarshausen und Unterlahn des Regierungsbezirkes Wiesbaden zum Zwecke der Verhinderung weiterer Seucheneinschleppungen für den Umfang des Regierungsbezirkes Wiesbaden bis auf weiteres die Viehsperre angeordnet wird. Sämtliches aus dem Re­gierungsbezirk Koblenz, ausschließlich des Kreises Wetzlar, mit der Eisenbahn oder zu Schiff eingeführte Klauenvieh ( Rindvieh, Schafe, Biegen und Schweine) darf nicht eher von der Entladestelle entfernt werden, als bis es von dem zuständigen beamteten Tierarzte untersucht und gesund be­funden wurde.

lung im Jahre 1901 erwiesen, getötet worden sei. Eine neuerliche Vernehmung ergab, daß man es wahrscheinlich mit der angeblich Ermordeten zu tun habe. Das Mädchen habe sich aus Furcht vor Strafe vom Hause der Eltern entfernt. Sollte die Identität der Johanna Bratuscha mit der angeblich Ermordeten zweifellos erwiesen werden, so bliebe die Annahme übrig, daß der verurteilte Bratuscha sein Geständnis in unzurechnungsfähigem Zustand: abgelegt und nur der Gnadenakt des Kaisers einen Justizmord ver­hindert habe.

* Schadenersaßpflicht der Wagenlenter.| daß dieses Mädchen aber, wie die Schwurgerichtsverhand­Gemäß§833 B.-G.-B. haftet derjenige, welcher ein Tier hält, für den Schaden, den dasselbe durch Tötung eines Menschen oder Verlegung desselben an seiner Gesundheit anrichtet. Nun hat das Frankfurter Oberlandesgericht im Gegensatz zu der Entscheidung der Vorinstanz in einer Bivilprozeßfache, in der es sich um den Anspruch eines Taglöhners gegen einen Kaufmann wegen Schadenersatz­pflicht handelt, weil dessen Wagen ihn überfahren hatte und er infolge dessen verletzt wurde, die Klage abgewiesen. Er stellt sich dabei auf den Standpunkt, daß, sofern jemand durch Ueberfahren eines mit Pferden bespannten Wagens verlegt worden sei, nicht der Besizer bezw. Eigentümer der Pferde, sondern nur deren Lenker, also der Kutscher zivilrechtlich haftbar gemacht werden könne und be­gründet diese Ansicht mit folgenden rechtlichen Ausführungen. Als durch das Tier verursacht, ist begrifflich und nach dem Stande der Rechtsprechung nur derjenige Schaden anzusehen, der auf eine willkürliche selbständige Tätigkeit des Tieres zurückzuführen ist. Ist das Tier, wie insbesondere ein Wagenpferd, der Lenkung eines anderen anvertraut, so tommt es nur als Werkzeug in der Hand des Lenkers in Betracht, und ist folglich ein durch Ueberfahren bewirkter Unfall nicht auf das Tier, sondern auf den Lenker zurückzu­führen.

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Wie ein Fabrikarbeiter sich seine Inva lidenrente verscherzte, wird zur Warnung aus dem Voigtlande mitgeteilt: Der Mann war vor längerer Zeit hatt, als ihm anscheinend kein Arzt mehr helfen konnte, zu durch ein schweres Magenleiden arbeitsunfähig geworden und einem Wunderdoktor", bezw. Kurpfuscher seine Zuflucht ge­nommen. Diesem unterschrieb er nach beendeter Kur" ein Reklameatest, laut dessen er nach kaum achttägiger Behand= feit kam zur Kenntnis der Versicherungsbehörde, und diese lung völlig geheilt worden sei". Diese unüberlegte Gefällig brfügte, da der Mann selbst bezeugt habe, er sei gesund, so habe auch die Invalidenrente in Wegfall zu kommen!

Die Hühnerjagd ist ergiebig. Ketten find häufig anzutreffen, doch sind die vorhandenen schwach, und die Völker wenig entwickelt. Beim Fruchtschneiden werden häufig verlassene Gelege gefunden.

*** Klein- Linden. Nächsten Sonntag findet hier wie alljährlich die Kirchweih statt.

Treis a. d. Lumda, 26. Aug. Aus dem Vorstande des landwirtschaftlichen Konsumvereins ist ausgeschieden Heinrich Michel V., an dessen Stelle tritt Schneidermeister Philipp Kehr V.

A Buzbach, 25. Aug. Das Feldartillerie- Regiment Nr. 61 wurde heute hier und in Nachbarorten einquartiert. Unser Bataillon( die 168er) hat sich von Mainz aus heute zu den großen Schieß- und Exerzierübungen nach Griesheim begeben.

§ Friedberg, 27. Aug Infolge der bedauerlichen Er­frankung des Herrn Direktor Prof. D. Weiffenbach hat das Großh. Oberkonsistorium die Verkürzung des Sommer­Semesters des Prediger- Seminars um 14 Tage und die Entlassung der Kandidaten ohne Schlußfeier angeordnet. A Dillenburg, 27. Aug. Nach Beschluß des Vor­standes des 2. landw. Bezirksvereins fand die Lokalviehschau und Preisverteilung heute statt. Zur Verteilung gelangten 450 Mt. vom Staat, 450 Mt. vom landw. Verein und 230 Mt. von der Stadt Dillenburg.

Marburg, 26. Aug. In einer vorgestern abgehaltenen Sigung des nationalliberalen Vereins wurde einstimmig be­schlossen, Herrn Geh.-R. Prof. H. Lehmann dahter, als Kandidaten für die Landtagswahl im hiesigen Kreis aufzu­stellen.

)( Marburg, 26. Aug. Eine eigenartige Mordaffäre tommt jezt an die Deffentlichkeit. Am 11. Juni 1901 wurde ein gewisser Schuhmacher Franz Bratuscha aus Monsberg, Bezirk Pettau( Untersteiermark), vom hiesigen Schwurgerichte zum Tode durch den Strang verurteilt, weil er angeflagt war und schuldig befunden wurde, seine Tochter ermordet und Stücke von ihr gebraten und verzehrt zu haben. Die Verurteilung erfolgte auf Grund des eigenen Geständnisses. Er wurde dann vom Kaiser zu lebensläng­lichem Kerfer begnadigt. Auch seine Gattin Marie, die in die grauenvolle Geschichte mit verwickelt war, wurde zu mehrjähriger Kerkerhaft verurteilt. Nun wurde fürzlich in Krain ein Mädchen Namens Johanna Bratuscha als mittel­los aufgegriffen und dem Bezirksgericht in Rudolfswert eingeliefert. Die Angaben des Mädchens veranlaßten das Bezirksgericht, beim Gemeindeamt Monsberg Erkundigungen einzuziehen. Das Gemeindeamt Monsberg teilte mit, daß es allerdings ein Mädchen Johanna Bratuscha gegeben habe,

|| Frankfurt a. M., 27. Aug. Prinz Heinrich Karl von Hessen übernahm das Protektorat für den Stenographen­tag, der Anfang Oktober stattfindet.

|| Mainz, 26. Aug. Das jährige Kind eines hiesigen, den höheren Ständen angehörenden Herrn ist ver­schwunden. Man vermutet, daß es aus böswilliger Absicht entführt worden ist.

= Kassel, 26. Aug. Die von der Staatsanwaltschaft verfügte gerichtsärztliche Untersuchung der Leiche des an Fischgift verstorbenen Fußgendarmen a. D. stellte unzweifel­haft die Vergiftung als Todesursache fest.

Wimpfen, 24. Aug. Der badisch- hessische Ort Kürn­bach geht bekanntlich demnächst gegen Michelbach an Baden über. Daß dieser Entschluß so rasch gefaßt worden ist, das hat ein Bruder Straubinger" verursacht, der, weil er keine Papiere hatte, vor einem badischen Polizisten in ein Haus Kürnbach's flüchtete und zwar in einen Schweinestall hinein. Der Polizist eilte nach, aber der Fechtbruder befand sich be­reits auf hessischem Gebiet, denn mitten durch die Wohnung der Borstentiere ging die Grenze. Der Badenser rief nun den hessischen Sicherheitswächter herbei und dieser drang nun durch eine Hintertür in das hessische Viertel", während der verhaute die Vertreter Badens und Hessens, von den ihn Badenser von Baden aus angriff. Der Handwerksbursche jeder haben wollte, mörderisch. Als man ihn nun deswegen vor Gericht stellen wollte, wußte kein Mensch, auf welchem Gebiet die Hiebe gefallen seien und wohin der Fall zu ver­weisen sei. Daher die Aufhebung des Kondominat?!

Markt.

Gießen, 27. August. Auf dem heutigen Wochenmarkt tosieten Butter per Pid. 1.00-1.10 wet, Hibnereter 2 Stüd 14-15 Bfg., Enteneter St. 8 Bfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Ecbien per Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Bfa., Tauben per Paar . 0.70-0.90, Hühner per Stüd Mt. 1.20-1 70, Hahnen, per Stild Mr. C.70-1.10, Enten per Stüd 1.80-2.00, Gänse p. Pfd 54-60 Pfg., Ochsenfleisch per Pfd. 68-78 Big., Rindfleisch per Pfd. 60-66 Pfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Bfg. Schweine­fleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfa., Kalbfleisch per fd. 68-74 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 56-74 Bfg., Kartoffeln per 100 kilo 6.00-7.00 m., Zwiebeln per 3t. Mt. 6 50-7.00, Kirschen per Pfund 00-00 Pfg. Milch per Liter 18 Pfg.

tosteten Butter per Pfd. 1,200.00 Mt., Käse per Pfd. 42 Butzbach, 25. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt bis 45 Pfg., Eier 1 Std. 7 Pfg.

Kirchhain, 25. Aug. Zum heutigen Rindviehmarkte waren ca. 330 Stück Großvieh und 120 Kälber aufgetrieben. Der größte Teil des Viehes war schon im Vorverkauf abge= setzt, der Rest wurde beim Markte verkauft, sodaß derselbe schon gegen 129 Uhr beendet war. Zum Schweinemarkte waren 750 Schweine aufgefahren. Auch hier war der Handel recht lebhaft, doch gingen die Preise, namentlich für Saug­ferkel, zurück. Es wurden bezahlt für Saugfertel pro Paar je nach Qualität 14-24 Mt., Läuferschweine erzielten pro Baar Preise von 70-120 mt.

Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin Klein; far bas Botale, ben ,, Gerichts." und Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Dud und Berlag der Gießener Verlagsbruderei( vorm. Wilh. Keller), Gießen.

Bekanntmachung.

Bei der hiesigen Stadtkasse ist die Stelle des zweiten Stadtkassegehilfen Bei zufrieden­auf 1. Oktober anderweit zu besetzen. stellenden Leistungen fann nach 6monatlicher Probe­Mit der Stelle ist ein dienstzeit Anstellung erfolgen. pensionsfähiger Gehalt von 1480 Mart, steigend um jährlich 40 Mark bis zum Höchstbetrag von 2200 Mark, sowie Witwen- und Waisenversorgung verbunden.

Im Rechnungswesen bewanderte Bewerber wollen Ihre Meldung mit Lebenslauf, Zeugnissen und Ge­sundheitsschein bis zum 20. September hierher einreichen. Gießen, den 24. August 1903. Der Oberbürgermeister. Mecum.

Schlachthaus Gießen. Schweinefleisch 40 Bfg. Heute und Montag,

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wieder selbst übernommen habe. Für gute Speisen und Getränke, Bier aus der Brauerei Bichler, werde ich wie früher besorgt sein, wie ich auch zum Logieren meine neu hergerichteten Zimmer mit vorzüglichen Betten empfehle.

Hochachtungsvoll

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Heinrich Koch, Wallthorstrasse 28.

NB. Eröffnung sämtlicher vollständig renovierten Lokalitäten Donnerstag den 27. August.