Ausgabe 
26.9.1903 Zweites Blatt
 
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** Die Bleiweißgefahr wurde auf dem Kongreß für Hygiene, der dieser Tage in Brüssel tagte, eingehend be sprochen und ein internationales Verbot der Anwendung von Bleiweiß für nötig erachtet. Bleiweiß, also essigsaures Bleioryd, durch Kohlensäure in basisch- kohlensaures Blei oyd verwandelt, ist auch dann noch giftig, und bleibt immer ein gefährliches Gift, da keine Fabrik imstande ist, immer ein ganz reines, d. h. ohne jeden Gehalt von essigsaurem Bleioryd, hergestelltes Produkt zu liefern( was sich ja aller dings nur auf die gewöhnliche, unter dem Namen chemisch reines Bleiweiß hergestellte Handelsware bezieht). Dadurch, daß fast sämtliche Anstreicher in den letzten 20 Jahren das zu verarbeitende Bleiweiß in Del abgerieben beziehen und nicht, wie früher, in Stücken und Pulver, ist die Gefahr für die an der Bleiweißfarbmühle beschäftigten Malergehilfen sehr verringert worden, aber dieselbe besteht fort für die Anstreicher, welche das Bleiweiß auf die anzustreichender Gegenstände bringen. Es ist nicht zu vermeiden, daß sich der Gehilfe Hände, Gewand und selbst das Gesicht mit den Farbstoffe verunreinigt und dieses mehr oder weniger, je nachdem der betreffende Anstreicher erstens es versteht, den Pinsel zu führen und je nachdem derselbe auf Reinlichkeit hält oder nicht, und dann noch, in welcher Stellung der Ar­beiter beim Anstrich sich befindet! Hat sich derselbe die Hände beschmutzt und geht zum Frühstück oder Vesperbrot, so sollte vorher eine gründliche Reinigung vorgenommen werden; aber dazu nimmt sich die Mehrzahl der Arbeiter feine Zeit, es fehlt auch vielfach an dem nötigen Waschmate rial, denn mit Wasser und Seife kann man das anhaftende Bleiweiß nicht entfernen, und so dürfte es nicht ausbleiben, daß mit der Speise auch etwas Bleiweiß genossen wird. Is dieses auch für den einzelnen Fall ganz minimal, so wird e aber in immer und immer wiederholten Fällen schließlich eine Bleibergiftung hervorrufen und ein langsames Siechtum ver anlassen, welches sich häufig durch Bleikolik auszeichnet. Kann das nun vermieden werden? Ja und nein! Ja! wenn solche Schutzmaßregeln getroffen werden, daß nur mit ganz reinen Händen die Mablzeiten eingenommen und die be

Bekanntmachung.

Eine Wiederholung der Vertilgung der Ratten

schmußten Gewänder häufig gewechselt werden. Nein! wenn die Arbeiter die Schutzmaßregeln nicht befolgen, und diese: wird nur zu leicht die Regel sein. Selbst bei Strafen wird man die Vorschriften zu umgehen suchen, denn diese sind lästig; davon wissen selbst die Bleiweißfabrikanten, bei wel chen die Kontrolle viel leichter und schärfer ist, ein Liedchen zu singen. Aber der Versuch könnte immerhin gemacht wer den, che man zum Verbot eines Artikels übergeht, welche eine blühende Industrie und tausende von Arbeitern betreffen würde.

Villige Fleischversorgung. Bei der Budapester Polizei Tiefen in jüngster Zeit zahlreiche Anzeigen über das spur­lose Verschwinden von Hunden ein. Die eingeleiteten Recherchen ergaben ein sonderbares Resultat. In der Woh­mung des Taglöhners Josef Medek wurde eine förmliche Hundeschlächterei entdeckt. Medek war eben in Begriffe, einem Neufundländer Hunde das Fell abzuziehen, während in einem Kessel das Fleisch eines Forterriers kochte, auf dem Sparherde aber eine Kaze gebraten wurde. Als Medek der Polizisten gewahr wurde, flüchtete er durch eine Hintertür und verschwand. Seine Geliebte, Elisabeth Pessenleichner, gestand, daß Medet binnen einiger Wochen ungefähr sechzig Hunde und zwei Dutzend Kazen abgeschlachtet habe. Das Hundefleisch verkaufte er an Arbeiter, während er das Katzen­fleisch an Gastwirte( 1) als Hasenfleisch verkaufte. Das Ein fangen der Tiere besorgte Medef unter Assistenz zweier Ge­hiljen. Medet ist bisher noch nicht ergriffen worden.

Bunte Chronik. Die Eröffnung des zweiten Bremer Freihafens, die am 1. Oktober 1894 erfolgen sollte, muß infolge ungünstiger Wasserverhältnisse um ein Jahr ver. schoben werden.

Die Mörder der Pariser Halbweltlerin Fougère sind dem Anscheine nach über die italienische Grenze geflüchtet.

In Kopenhagen wurden der Direktor und die sämt lichen neun kaufmännischen Angestellten einer Kunstdünger­fabrik unter der Anklage betrügerischer Geschäftsführung ver haftet.

Brotpreise

Big

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vom 24. Septbr. bis 10. Oftbr. durch Gift in den städtischen Kanälen und Wasserläufen Zur bevorstehenden Saison Der hiesigen Bäcker soll in den nächsten 8 Tagen vorgenommen werden. Um bringe mein großes Lager von Kg. eine durchgreifende Wirkung zu erzielen, ist es erforder- Irischen-, Dauerbrand-, Weißbrot lich, daß alle Besitzer der im Stadtgebiet liegenden Haus- Amerikaner-, Regulier- Schwarzbrot grundstück für gleichzeitige Vertilgung der Ratten in ihren Kanälen, Sintfasten und Höfen 2c. sorgen. Die heiz, Koch- Hopew- und

Besitzer von Haustieren, Geflügel 2c. werden hiervon

Darmstädter- Defen

unter der Aufforderung in Kenntnis gesetzt, solche Tiere in diversen Fabrikaten. Ferner: von den gefährdeten Stellen fern zu hasten, da seitens Ofenschirme, Ofenvorsezer, der Stadt etwaige Schadenersatzansprüche abgelehnt Verdampfschalen, Feuerge­

werden.

Gießen, den 25. September 1903.

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Mecum.

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[ Die netteste Babyschan.] Wie aus London berichte wird, fand dort in der Murphy Memorial Hall eine Baby chau statt, zu der 430 dicke gesunde Babys, darunt 17 Zwillingspärchen erschienen" waren. Drillinge war leider nicht vorhanden, doch sprach der Organisator der Schau, der Pfarrer Fuller, die Hoffnung aus, daß bei der nächsten Schau diesem Mangel augolfen sein werde. Tie Kinder benahmen sich im allgemeinen musterhaft. Wie einer der Korrespondenten benzerit, schrien selten mehr as hundert auf einmal. Die Kinder wurden zunächst von den stolzen Eltern in einen mit Gold und Purpur verzierten Wiegestuhl gebracht. Waren sie gewogen, so wurden sie von einer Kommission, der meurere Aerzte angehörten, ge nau besichtigt. Londoner Ce, chäfts.eute hatten Preis gestiftet. Den ersten Preis trug mit Leichtigkeit ein Senäb lein von 12 Monaten davon. Er wog 33 Pfund und 5 Unzen, und die Mutter, die Frau eines Straßenfegers, war ungemein stolz über die all citig gespendeten Stompli. mente. Wann wird endl'ch die Ünsitte aufhören, die Säuglinge bloß nach dem Gewicht zu tarieren, als wäre man auf einer Mastviehausstellung?! Fette Kinder sind beshalb noch lange nicht die gesündesten.

Das Neuefte aus den Witzblättern. Sport- Resultate. Bringt dir dein Gatte manchmal von der Jagd' nen Hasen mit?" Nein aber von der Automobilfahrt öfters ein Spanferkel."

Beim Haarschneiden. Ist's so recht, Herr Professor?" Etwas länger, bitte!" ( Lust. Bl.)

Stoßseufzer. Da hab' ich mir nun für teures Geld Normalbeinkleider gekauft, aber normal schauen die Beine immer noch nicht aus!

Genau befolgt. Ein Dienstmädchen feucht unter der Last zweier mächtiger Fauteuils herbei. Der Dienstherr sieht er staunt diesem seltsamen Aufzug zu und fragt: Aber, Auguste, was ist denn nun los?"- Auguste: Na, Herr Rat sagten doch, ich sollte Ihnen für die heutige Theater borstellung zwei Fauteuils besorgen.

Knabenhandarbeit. Mittwoch, 30. Septbr. d. Js., nachmittags 3 Uhr sollen in dem Schulhause am Afterweg( Hand: werkerschule) zwei Unterrichtskurse für erziehliche Handarbeit mit je dreistündiger wöchentlicher Unter 24 richtszeit eingerichtet werden. In dem einen derselben 48 werden die Schüler mit Papparbeiten und in dem anderen mit Kerbschnittarbeiten beschäftigt. Zur Be 44 teiligung an dem Unterricht können ältere Schüler der 1 Weißbrot bei Georg Dern II. Der auswärtigen Bäcker: Volksschule, sowohl als auch Schüler der höheren Lehr anstalten( letztere vom 11. Jabre ab) zugelassen werden.

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1 Kornbrot

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Gr. Linden

W. Steinmüller Witwe( Lang­göng.)

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Heinrich Weber( Heuchelh.) W. Fabel Wiesed W. Weißel Lang­göns u. L. Stein­müller Gr.- Lind. 25 Karl Post, Wieseck W. Leir: Klein­Linden

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Dern II., Gr. Lind.

u. Louis Süßmuth Steinberg

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M. Steinmüller Wwe Langaöns) 48 W. Fabel Wieseck W. Weißel, Lang= Göns JakobAppel, Krofdorf, Heinrich Weber Heuchelheim L. Steinmüller ( Gr.: Lind.) Karl Post, Wieseck

u. W. Lein Klein­Linden

1 Schwarzbrot bei Georg Dern

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II. Gr. Linden 21

W SteinmüllerWe W. Weitzel, Lang Gönd, Stein­müller Gr. Linden Heinrich Weber, Heuchelheim

W. Leir Klein­Linden

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J. Kd. Velte, Kirch Göns

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Dern II. Gr. Lind

u. Louis Süßmuth, Steinberg

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W. Lein, Klein= Linden

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W. Fabel und

Karl Post, Karl

Trautmann Wieseck

Für Werkzeuge und Materialien, welche den Schülern während der Unterrichtszeit gestellt werden, sind von jedem derselben 2 Mark zu entrichten; die Schüler der höheren Lehranstalten haben außerdem noch ein Schul geld von 4 Mark zu bezahlen.

Anmeldungen zum Unterricht werden zur an gegebenen Zeit in genanntem Shulhause entgegen genommen.

Gießen, den 19. September 1903.

Mecum.

Oberbürgermeister.

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Rektor.

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Gießen, den 25. Septbr. 1903. Großy. Polizeiamt Gießen, Hechler.

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Nr. 226

Samstag, den 26. September

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