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Der Werbeleutnant

titellt sich der in heutigem Unterhaltungsblatt beginnende Roman. Clarissa Lohde hat seine Grundgedanken der preußischen Historik entnommen und schon darum ist und wird auch dieser Roman mit sehr großer Spannung ge= fen werden. Er verdient es aber auch in vollem Maße.

Lokales.

Gießen, 25. November 1903. ** 8weite Rammer der Stände. Ein vom Abg. Brauer erstatteter Bericht über den Antrag der Abgg. Rorell u. Gen., betreff nd die Einrichtung genossenschaftlicher Heng sthaltungen empfiehlt: Die Rammer wolle Großh. Regierung ersuchen, der Einrichtung genossenschaftlicher Genusthaltungen an geeigneten Orten der Provinzen näher zu treten. Nach einer dem Ausschuß zugegangenen Mit­teilung Großh. Ministeriums des Innern ist die Großh. Regierung bereit, einen event. Versuch zu unterstützen.

Verseßt. Der Hilfsschreiber Geiger ist als Gerichtsschreiber an das Amtsgericht nach Nidda versett worden.

* Still, wie der Geburtstag des Großherzog im allgemeinen in diesem Jahre gefeiert wird, wurde auch bie Feier beim Regiment, Kaiser Wilhelm" ( 1166) in Gießen gefeiert. Nach einem Militärgottesdienst in ben Kirchen beider Konfessionen, wurden von den Bataillons- Rommandeuren Ansprachen gehalten, die sich auf bie Bedeutung des Tages bezogen. Die Bataillonsfeiern felbft truan ebenfalls einen ernften Charakter; von den fonft üblichen Fftlichkeiten war abges hen.

A Theaterverein Gießen. Als Novität für Gießen werden Anzengrubers luftiae Kreuzel­schreiber" an diesem Freitag, den 27. November, in der 3. Worstellung des Theater- Vereins zur Aufführung gelangen. Schon vor 2 Jahren war die Aufführung dieser ausgezeich netan Komödie aeplant, doch gelang es damals nicht, einen geeigneten Darsteller für die wichtigste Rolle, die des Steinklopferhannes, zu finden. Nun hat sich Herr Bauer, bas auch bei uns beliebte Mitglied des Frankfurter Schau­spielhauses, bereit finden lassen, diese Rolle für den Theater­berein einzuftudieren. Ein wie geeigneter Vertreter aber gerande Herr Bouer für derartige Rollen ist, das hat er im legten Jahre in Frankfurt durch seine mustergültige Darstelluna des Naller!" gezeigt. Die zu der Komödie gehörige Musit birb von der Regimentskap le ausgeführt, unter der Leitung des Großh. Musikdirektors Herrn Krause.

** Gesangs Wettstreit Gießen. Am Montag

Asend fanden sich im Hotel Schüß in Gießen die Mit­alieder des Ehrenausschusses für den vom Maschinenbauer­Gesangverein zu veranstaltenden Gesangs- Wettstreit Pfinasten 1904 zusammen. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses erstattete Bericht über die bisherige Tätigkeit der verschiedenen Ausschüsse. Als Ehrenvorsißender wurde Herr Provinzial- Direktor Dr. Breidert gewählt. Die zahl. reiche Beteiligung an dieser ersten Zusammenkunft läßt auf ein gutes Gelingen des Festes schließen.

** Herr Kreisstraßenmeister Senkfelder und Frau feierten am Montag im engsten Familienkreise ihre tlberne Hochzeit. Mögen dem Jubelpaare auch die nächsten 25 Jahre bis zur goldenen Hochzeit in ungetrübter Freude in der bisherigen geistigen Frische und Gesundheit beschieben sein.

Viel verlangt. In Bad Nauheim wird ein Gerichtsvollzieher a sucht, der der englischen und französischen Sprache mächtig ist. Wenn er dazu noch etwas Russisch lamn, dann um so besser.

** Obstbau. Die Obstbaumbestände an den Kreis­traßen des Kreis Gießen wurden im abgelaufenen Herbst Dileberum um 1100 Bäume, die neu gepflanzt wurden, ver­mehrt. Neubepflanzungen wurden vorgenommen an den Preisstraßen bei Londorf, Kesselbach, Geilshausen, Allendorf, Laubringen, Grünbera. Eberstadt. Oberhörgern und anderen

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Orten. Die Obstbäume- fast ausschließlich Apfelbäume werden nach Lage und Bodenbeschaffenheit ausgewählt. Am meisten werden folgende Obstsorten gepflanzt: Gold­parmäne, Landsberger, Schöner von Boskoop, Baumanns reinette, gelber Edelapfel, Bohnapfel und für rauhe Lagen Trierischer Weinopfel. Die Obsternte an den Kreisstraßen ergab in diesem Jahre nur rund 3800 Mt., bei der vor­jährigen sehr guten Ernte wurden nahezu 10000 Mt. er­zielt. Der Kreis verkaufte das Obft: 1. Sorte fitr 14-15 Mart pro Rentner, 2. Sorte für 7 Mt.

Lich, 23. Nov. Gestern nachmittag fand hier eine von den Ziegenzuchtvereinen Gießen, Lich, Wieseck und Langsdorf beschickte Versammlung ftatt. Die Verhandlungen führten zur Gründung eines Biegenzuchtvereins für den Kris Gießen. In den Gründungsausschuß wurden gewählt: Kaufmann Jean Weisel als Vorsitzender und Lokomotiv­führer a. D. Nöding von Gießen, Auauft Weller von Wieseck, Karl Schwend von Lich und Lehrer Hardt von Langsdorf. Zu den Beratungen des Ausschusses sollen die Präsidenten des landwirtschaftlichen Provinzialvereins und bes landwirtschaftlichen Bezirksvereins, Defonomierat Schlenke und Provinzialdirektor Dr. Breidert, eingeladen werden.

bei einer Treibjaqd im Dickicht die Leiche des veemißten Marburg, 24. Rov. Im Plausdorfer Bald wurde Schmidt aus Amöneburg aufgefunden.

.** Darmstadt. Herr Militäroberpfarrer Strack, lang jähriger Garnisonsgeistlicher und Feldaeistlicher der hessischen Divison im Gefolge des späteren Großherzog Ludwig IV. A. H. während des Krieges von 1870-71, nächsten Frei tag, den 27. November, sein 80. Lebensjahr vollenden wird.

Stadttheater Gießen.

Pension Schöller.

Bosse in 3 Akten von Karl Laufs.

Gestern Abend hatte Herr Direktor Steingötter Ge. legenheit, sich dem Gießener Theaterpublifum als Schwant­dichter vorzustellen; Flitterwochen" heißt der launige Ein­after und mit dem Namen ist eigentlich auch schon der ganze Inhalt bekannt gegeben: Flitterwochen mit all ihrem neuge­backenen sonnigen Glücke und ihren, durch die Eifersucht ent­stehenden Fünfminutenschatten, die verschwinden, ehe man ihre Anwesenheit wirklich schmerzlich empfindet. Das an­spruchslose Werfchen errang bei uns einen vollen Erfolg und darf Herr Direktor Steingötter den größten Teil des Beifalls auf sein Konto sezen. Auch die Darstellung, in die sich neben dem Autor Frl. Hohl, Herr Tamte, Frl. Hohlberg und Frau Jenny teilten, war eine recht flotte danke gewesen, die Flitterwochen" gewissermaßen als Vor­und ansprechende. Ueberhaupt ist es kein schlechter Ge speise für Pension Schöller", diese übermütige, ausgelassene aber auch so sehr dankbare Bosse Laufs zu bringen. Bei diesem Kunstproduft ist nur der Bienenfleiß mit dem der Verfassers allen erdenklichen Un- und Blödsinn zusammen­getragen hat zu bewundern und man muß seinem Vogel". haus nachlagen, daß in ihm so ziemlich alle Gattungen des Spleens vertreten sind. Boshafte Menschen haben reichlich Selegenheit, sich für jede Figur aus ihrem Bekanntenkreise Jemand auszusuchen, der dem Dichter bei der Ausarbeitung dieser Insel der Blödsinnigen Modell gesessen haben könnte. Nur die neueren, die Sezessions, Reform- und Uebertypen fehlen, aber man kann dem Verfasser natürlich daraus keinen Vorwurf machen. Eine ernsthafte Kritik wird das Ganze wohl kaum vertragen fönnen, immerhin ist es schwer, sich dem blühenden Unsinne der Posse zu entziehen und wenn mit einer so großen Hingabe gespielt wird wie gestern, dann wird man gerne einmal sein Gewissen zum Schweigen bringen und mit seinen Mitmenschen wieder einmal herzlich zu lachen suchen Philipp Knapproth wie Eugen Rümpel fagt, fand in Herrn Conrad i etnen vorzüglichen Vertreter; von den ersten Szenen in Cafe bis zu den leßten, in denen ihm die ganze Heilanstalt" auf die Bude rückt, war er von einem hinreißenden Humor und wenn sich sein Organ viel­leicht auch etwas allzuoft in den Backfischdiskant verirrte, so war seine Leistung doch im Ganzen eine recht befriedigende. O, nieb so nang Du nieben fannst" und anderes mehr deflamierte Herr Tamte so drollig und komisch, daß er als Eugen Rümpel einen vollen, unbestrittenen Erfolg hatte. Allerdings war die nahezu naturgetreu wiedergegebene Othelo- Szene für Herrn Conradi wohl kaum ein Vergnügen. Die Josephine Krüger der Frau Fischer hätten wir uns noch etwas getragener, spleenmäßiger gewünscht, ebenso wie Herr Linzen seinen Major a. D. Gröber wohl besser noch um einen Grad militärischer, furz- verbissener gefärbt hätte. Schöller, ehemaliger Musikdirektor, wurde von Herrn Haag in einer so drastischen Weise verkörpert, daß ein Unterschied zwischen ihm und seinen für verrückt gehaltenen Bensionären

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absolut nicht zu konstatiren war, und auch Fran Inuy zeigte als Amalie Pfeiffer Routine genug, um die überángst­liche Schwiegermutter zu einer geistig sehr unbestimmten Person zu gestalten. Frl. Klockmann ist für die Rolle der Friederike wohl noch etwas zu jung, man merkt das Anaelernte noch zu viel und wir glauben, daß Frl. Groß­müller bier eher am Blaze gewesen wäre. Herr Sandorff fand sich troß seines Naturells mit dem Löwenjäger Bern­hardy ziemlich gut ab und auch Herr Achters bera und Herr Pichler als Anstifter der ganzen Geschichte, be= friedigten vollkommen. Herr Gronert hat als Bohlfellner Jean neben viel Pflichteifer mit seinem Tanzen um die Tische gezeigt, daß er entschieden Talent zu Cake- Walke hat, was wir uns einstweilen bemerkten. Frl. So 61berg und Frl. Großmüller gaben ein ganz allerliebstes Schwestern­paar ab und der R- qie des Herrn Conradi möchten wir noch ein besonderes Lob spenden. Das Theater war ziemlich aut besucht und das Publikum amüsierte sich. wie der rauschende Beifall bewteß, föstlich.

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Aus dem Gerichtssaal.

Strafkammer.

H. H.

Gießen 24. November 1903. Das Urteil in der vor acht Tagen verhandelten Sache gegen den Agenten Abraham Jakob von Gießen wegen Betruas lautet auf 4 Monate Gefängnis. Wegen eines an den Bäckermeister Jakob zu Schlip gerichteten Priefes, der eine falsche Unterschrift trua, werden der Tag­löhner Heinrich Schneider und der Küfer Wilhelm Banger von Schlitz wegen Urkundenfälschung in Gefängnisstrafen von je 3 Wocher genommen.- Der vielfach vorbestrafte Hausbursche Heinrich Fladung von Mombach ist geständig, dem Milchhändler Karl Vogel zu Gießen eine Kanne mit etwa 9 Liter Milch genommen zu haben. Urteil: 4 Monate Gefängnis, worauf 2 Wochen Untersuchungshaft aufgerechnet werden. Die auf der Main- Weser- Hütte zu Loflar beschäftigten Former Johannes Hoy Jensen von Eskjera. Hugo Wachholz von Belgrad und Emil Walther von Brinkenau haben nach einem Wirtshausstreit den Former Friedrich Seipp von Lollar mittels Messer mishandelt, Wachholz wurden zu je 5 Monaten Gefängnis verurteilt, sobah eine 14 tägige Arbeitsunfähigkeit eintrat. Jensen und während Walther mit 6 Wochen davonkommt. Zum Schlusse hat sich Frau Malwine Riel von Frankfurt a. M. wegen Betruge, begangen gelegentlich des Verkaufs eines Ho­tels zu Nidda, zu verantworten. Es erfolgt Freisprechung mangels Beweis.

Wetterbericht.

( Wetterdienst zu Gießen: Peppler.)

Verlauf der Witterung von Montag bis Dienstag.

Das neue TIEF ist rasch nach Mittelstandinavien vor­gerückt. Auf einer Südseite find vielfach Teiltiefs entwickelt, welche über unser Gebiet hinwegziehend südwestliche bis westliche Winde und zeitweise geringen Regen hervorrufen. Die Temperaturen liegen in gonz Hessen unter der Ein­wirkung der feucht- milden Seewinde sehr hoch( mittags 9-10°).

Das TIEF scheint oftwärts rasch abzuziehen, doch dürften wir zunächst noch unter dem Einfluß des Teiltiefs bleiben- daher für: Mittwoch und Donnerstag Fortdauer des trüben, regnerischen, aber etwas tältern Wetters.

Arbeitsnachweis der Stadt Gießen.

Gartenstraße 2.

Es tönnen eingestellt werden:

1 landwirtsch. Anecht. 1 Schmied, 2 Holzbildbauer, 1 Bau- und Möbelschreiner, 2 Schneider, 1 Friseur. 3 Glaser, Köchin, 10 Dienstmädchen gegen hohen Lohn für hier und

ausw.

Ez suchen Arbeit:

1 necht, 1 Shlosser, 1 Buhbinder, 2 Schreiner, 2 Rüfer, 1 Wagner, 1 Bäcker, 2 Megger, 1 Wasch- oder Butzfrau, 1 Schuhmacher, 6 Hausburschen, 1 Kutscher. 1 Kellner, 3 Lauffrauen, 2 Laufmädchen, 3 Bureaugehülfen.

Berantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Albin Klein; für das Botale, den Gerichts." und Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann,

Ein Sträuschen am Hute, den Stab in der Hand, Rieht fröhlich der Wanderer von Lande zu Land,- Er sieht viele Dörfer er fieht manche Stadt, Aber feine, in der man Eureka" nicht hat!

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Hochachtungsvoll

Edgar Borrmann, Gießen. Eisenhandlung, Haus und Küchengeräte.