Ausgabe 
25.7.1903 Zweites Blatt
 
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[ Wie man Zeit spart zeigte der verstorbene Papst, wie eine englische Wochenschrift mitteilt, einmal auf recht drastische Weise einem etwas bequemen Bibliotheksbeamten des Vatikans, der zur Ordnung einer Anzahl von Dokumen­ten in der Privatbibliothek Leos XIII. vierzehn Tage ver­langte. Der Papst dachte einen Augenblick nach und sagte dann: Unsinn! 8 Tage sind ausreichend, laß mich dir zei­gen, wie du es zu machen hast." Mit einem Augenzwinkern, das die Umgebung Leos XIII. genau zu deuten wußte, gab er dem Prälaten Befehl, sich während der nächsten Tage nicht über die Schwelle des Bibliothekzimmers hinauszu­begeben und während der Nacht auf einem Sopha im Vor­zimmer der Ruhe zu pflegen. Die Arbeit wurde in sechs Tagen verrichtet....

[ Ein gefährlicher Verehrer.] Ein hauptstädtisches Blatt veröffentlicht einen Aufsatz über Uhland, in dem folgendes nicht bekannte humoristische Erlebnis aus dem Leben des berühm­ten schwäbischen Sängers mitgeteilt wird. Bei einer Natur­forscherversammlung in Tübingen, der auch Uhland an= wohnte, schlug einer der Gäste einen Toast auf Ludwig Uhland vor. Auf Uhlands ablehnende Entgegnung: das Fest gelte den Naturforschern, nicht den Dichtern, rief ein anderer Fremder( der Uhland nicht kannte), entrüstet aus: Werft den Kerl zur Tür hinaus!" Uhland lachte, daß ihm die Tränen in die Augen traten.

*[ Die arme Millionärsfran.] Herr William Kissam Vanderbilt hat sich, nachdem er sich von seiner ersten Gattin hat scheiden lassen, zum zweiten Male verheiratet, und seine neue Frau ist mit der Art, wie sein Budget geregelt ist, nicht zufrieden. Herr Vanderbilt besitzt 200 Millionen Mark, d. H. S Millionen Mark Jahreseinkommen. Davon sind 400 000 Mark zur Erhaltung seines Hauses in Newyork und seines Landhauses angewiesen; 1 200 000 Mark verschlingt seine Macht, 400 000 Mark sein Stall, 1 600 000 Mark erhält die Herzogin von Marlborough( Vanderbilts Tochter), 800 000 Mark der älteste Sohn des Millionärs, 200 000 Mark der jüngste, 1 Million die geschiedene Frau u. s. w. Nach allen Abzügen bleiben für den Millionär selbst und seine Gattin nur" 600 000 Mark pro Jahr übrig. Die zweite Frau Vanderbilt will das alles gründlich ändern, denn es lohnt sich ja gar nicht, einen Millionär geheiratet zu haben, wenn man nur so wenig Geld zur Verfügung hat!

[ Der abgekühlte Heiratskandidat. Ein amerikaniſches Blatt erzählt folgende tragikomische Episode, die einem jungen hübschen Prediger der Methodistenkirche begegnete und wegen der er dem Heiraten für immer entsagte. Einmal befand ich mich so erzählt der Reverend selbst seine Leidensge­schichte im Süden bei guten Freunden, die mich mit einem jungen Mädchen verheiraten wollten, das in mancher Hin sicht meinem Ideal entsprach. Eines Abends hörte ich in diesem Hause zufällig ein Gespräch zwischen der jungen Maid und einer ihrer Freundinnen: Hat er dich wenigstens schon umarmt und gefüßt?" fragte die Freundin.

Nein."

erwiderte mein Ideal, aber wenn er es nicht bald tut, fange ich an und küsse ihn öffentlich ab, dann muß er mich ja hei­raten." Eine solche Antwort, liebe Gemeinde, in dem Munde eines jungen Mädchens, das ich Tor als Frau heimführen wollte! Ich wollte meinen Ohren nicht trauen und verließ am nächsten Morgen meine Freunde; nie mehr habe ich das gräßliche kleine Ungeheuer wiedergesehen, das sich geschworen hatte, meine Ehre anzutasten.."

* Ordnung muß sein. Ein Londoner Blatt tischt seinen Lesern folgenden netten militärbureaukratischen Ulf als tat­sächlich vorgekommen auf. In einem der vielen Scharmützel des südafrikanischen Krieges war ein Soldat verschwunden und auf Grund der Aussagen seiner Kameraden als gefallen angenommen. So stand es auch in den Verlustlisten, und der Korporalschaftsführer trug hinter den Namen des Be­treffenden in sein Buch: tot". Aber da erschien der Tot­geglaubte, freilich schwer krank, wieder auf der Bildfläche. Der Sergeant strich das tot" aus und schrieb dafür irr­tümlich tot". Ein paar Wochen später starb der Mann dann aber im Razarett. Der Regimentskommandeur teilte das dem Sergeanten selber mit. Dieser nahm sein Buch, strich das irrtümlich tot" wieder aus und schrieb hin:" In Folge Regimentsbefehls wieder tot."

[ Der stärkste Esser der Welt! soll nach dem Bericht des Newyorker Korrespondenten eines Londoner Blattes der 63 jährige Arzt Dr. H. L. Bonner in Marion sein. Dr. Bon­ner ist dafür bekannt, daß er 25 Pfund Weintrauben an cineni Nachmittag zwischen den Mahlzeiten ist, und er macht sich gar nichts daraus, ein ganzes Bündel Bananen zu ver­speisen oder mit zwei Dutzend Körben voll Erdbeeren auf­zuräumen; auch ein Korb Pfirsiche bedeutet für ihn nicht mehr als für einen gewöhnlichen Menschen ein paar Kirschen. Wenn der Doktor auswärts zu mittag ißt, so zeigt seine Rech­ming gewöhnlich folgende Posten: Ein fünfpfündiges Steak, in Zwiebeln geschmort. Vier Dußend hartgekochte Eier. Achtzehn gekochte Kartoffeln. Eine Vierteldose Tomaten. Zwei oder drei Fruchtpasteten. Sechs bis neun große Gläser Milch. Wenn Dr. Bonner nachts von langen Kranken­fahrten zurückkehrt, nimmt er noch vor dem Schlafengehen einige leichte Erfrischungen" ein in Gestalt eines vierpfün­digen Steaks, 56 harter Eier, drei und einer halben Kürbis­pastete und eines Liters Milch; trotzdem hat der würdige Arzt, wie er sagt, niemals Alpdrücken gehabt. Dr. Bonner ist wohlproportioniert und wiegt 217 Pfund.

Diebes Höhenkunst. Auch die Zunft der Diebe scheint den Zug nach der Höhe", dem die Modernen angeb­lich folgen, mitmachen zu wollen. Russische Diebe verstiegen sich zu der hohen Leistung, vom Glockenturm eines Nonnen­klosters in Tomsk drei Glocken zu stehlen. Fehlt nur noch, daß sie sich an die Turmkreuze heranmachen, dann hätten sie wohl den Gipfel ihrer Kunst erreicht.

[ Abgewinft.] Ein hübsches Reiseerlebnis des öster­reichischen Erzherzogs Josef auf seiner Inspizierungsreise nach

Wegen Aufgabe

des Geschäftes

mache besonders bei großes Lager in

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Vazias in Ungarn erzählt der Budapester triap. In Cze­gled, wo während eines kurzen Aufenthaltes der Erzherzog mit seinem Adjutanten auf dem Perron auf- und abging, näherte sich ihm ein Bauer, zog seinen Hut und sprach den Erzherzog also an: Also, fönigliche Hoheit, wie wird das enden, daß dieser Barabas Bela( der Führer der Obstruktio­nisten. D. Red.) dem Kossuth Ferencz nicht folgen will?" Der Erzherzog lächelte und fragte den Mann: Nicht wahr, es ist heute sehr heiß?"! Na, das will ich meinen," ant­wortete der brave Landmann aus Czegled. Der Erzherzog salutierte lächelnd und ging weiter. Politisieren wollte der Gevatter," erzählte später der Erzherzog seinem Adju­tanten, aber ich bin darauf nicht eingegangen."

[ Eine mißlungene Heiratslotteric. Für den Unter nehmungsgeist" eines Teils der englischen Presse ist ein Trick charakteristisch, den sich der Eigentümer des Londoner Wochenblattes Pearsons Weekly" geleistet hat. Seit einigen Monaten sind die meisten englischen Wochenschriften eifrig dabei, durch Veranstaltung von mit hohen Preisen bedachten Rätselausschreiben und ähnlichem Leser heranzuziehen. Nun verfiel der Besitzer von Pearsons Weekly" auf eine eigen­artige Idee. Er versprach den schönen Leserinnen seines Blattes feinen materiellen Gewinn, aber einen Mann, der unter den Abonnentinnen ausgelost werden sollte. Und zwar verriet er von diesem lebenden Kleinod nur die An fangsbuchstaben des Namens: P. W., eine Chiffre, deren sich auch sein beliebtester Feuilletonist zu bedienen pflegt,-de: zur Zeit auf einer längeren Reise durch Amerika weilte und von dort Reisebriefe mit der Unterschrift P. W. schrieb Scharenweise meldeten sich neue Abonnentinnen, die den sympathischen Plauderer heiraten wollten, doch ist dieser be reits verheiratet, und hat jetzt auf Drängen seiner geängstig ten Gattin eine richterliche Entscheidung herbeigeführt, durd die Mr. Pearson gezwungen wird, zu erklären, daß unte: dem Pseudonym P. W. nicht der wohlbekannte Schriftsteller zu verstehen sei. Ob den holden Leserinnen am Ende doc noch ein unverheirateter P. W. beschert wird? Vei der Zahlungsfähigkeit des Verlags dürften sich wohl geldbedürf tige Jünglinge dazu bereit finden.

Der gesündeste Ort der Welt scheint das Dorf Stan wick in der Grafschaft Northamptonshire in England zu sein. Volle acht Monate, von Mitte Oktober 1902 bis Mitte Juni dieses Jahres hatte das Dorf, das 800 Einwohner zählt, nicht einen einzigen Todesfall zu verzeichnen, und das ist um so bedeutsamer, als es noch eine große Anzahl alter cute beherbergt. Unter" alt" versteht man in Stanwid nicht etwa das biblische Alter von 70 Jahren, diese Leute. werden dort faſt als Jünglinge betrachtet, namentlich von den Senioren, die 92, 91, 90, 85 bis 81 Jahre alt sind. Dreizehn Einwohner des Dorfes zählen zusammen 1086 Jahre, und selbst die ältesten unter ihnen sind noch in voller Rüftigkeit und gehen teilweise noch ihrer vollen Beschäfti gung nach.

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