Nr. 71. Erstes Blatt.
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Gratisbellagen: Oberhessische Familienzeitung( täglich) Oberhessische Zeitschrift für Landwirtschaft, Obst- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Werktagen nachmittage.
Mittwoch, den 25. März 1903.
Gießener
12. Jahrgang.
Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wi ganz Oberbeffen, die Kreise Weslar und Marburg 10 Pfo fonfi 15 Vfg.: Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 fg
Bostzeitungsliste No. 3269.
Redaktion und Expedition: Gießen Nenenweg 28. Fernsprechanschluk Ar, 362.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Unabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Die Politik.
Gegen den Mädchengan el.
Das deutsche Nationalkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels hielt im Kultusministerium zu Berli
eine Berjammlung ab. Pfarrer Burkhardt eröffnete die Berhandlungen mit einem Ueberblick über die Bestrebungen des Vereins und die erreichten Resul.a.e. Wirkt. Ober- Konsistorialrat Frhr. v. d. Golz veror i ete sich über bie Borteile einer eigenen Agentur, deren Chef sich lediglich den Aufgaben der Erforschung und Verfolgung des Mädchenhandels zu widmen haben werde. Geh. Legationsrat v. Tirssen als Vertreter des Reichskanzlers betonte, daß Staat, Kirche und Gesellschaft zusammen arbeiten müßten. Polizeipräsident Graf Lenstorff- Potsdam schilderte die auf seiner Reise nach Nordamerica und Westindien gemach en Erfahrungen. Gene al ons l Hi sen berlangte scharfe ueberwachung der sogenannten Impresarien. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, doch stifteten bie Anwesenden namhafte Beiträge.
Ländliche Reformen in Rußland.
Der russische Ackerbauminister Yermolow hat eine Reform angebahnt, welche, falls sie durchgeführt wird, sich von großem prattischen Nußen erweisen dürfte. Es handelt sich am Maßnahmen gegen den schädlichen Einfluß der allzugroßen Zahl von Feiertagen auf den Ackerbau. Die Zahl der von der orthodoren Bevölkerung gehaltenen Feiertage beläuft sich an verschiedenen Orten jährlich auf nicht weniger wie 120 bis 140 und von diesen Festtagen entfallen in die für den Ackerbau wichtigste Zeit von April bis September gegen 77. Viele von diesen Feiertagen entsprechen nun garnicht dem Kirchengeseß, sondern beruhen auf alten Ortsbräuchen. Auf den Antrag des Aderbauministers soll daher von dem Reichsrat in aller Form erklärt werden, daß die Geseze freiwillige Feiertage an den Feiertagen nicht verbieten. Es liegt auf der Hand, daß eine starke Beschränkung der Feiertage dem Betrieb der Landwirtschaft ungemein zu statten kommen muß.
Eine zweite Reform betrifft die Dorfpolizei. Bisher mußte die Landbevölkerung für ihre Polizei selber sorgen, und zwar hatte jedes Dorf auf je hundert Einwohner einen Flurschüßen zu stellen. Die Kosten für diesen Dienst erreichten in ganz Rußland die enorme Summe von 26 Millionen Rubel. Jetzt will die Regierung diesen Polizeidienst organisieren und die Mannschaften dergestalt anstellen, daß auf etwa 250 Einwohner ein Polizist entfällt. Bei so erheblich verringertem Umfange des Personals und sonstigen Ersparnissen glaubt die Regierung schon mit 9 Millionen custommen zu können. Neben dem Wunsche, die ländlichen Gemeinden finanziell zu entlasten, spielen bei der Reform wohl auch politische Erwägungen mit. Der Sklavenhandel in Benadir. )-( Bekanntlich hat der Gouverneur der italienischen Kolonie Benadir, Kommendatore Dulio, die Richtigkeit der Behauptung des ,, Secolo", daß in der Kolonie unter Duldung der Behörden und durch die italienische Handelsgesellschaft der Eflavenhandel betrieben werde, bestritten. Die Berichte der von der italienischen Regierung nach Benadir gesandten Delegierten ergaben jedoch, daß die Beschuldigungen den Tatsachen vollkommen entsprechen. In der Kolonie besteht die Einrichtung, daß das Hausgesinde und die Feldarbeiter auf Lebenszeit gefauft werden, Kinder der Sklavinnen gehören dem Eigentümer ihrer Mutter lebenslänglich als Sklaven an. Einer der Delegierten, Admiral Graf Monale, konstatiert auch viele an Eklaven verüble Mißhandlungen und Grausamkeiten. Der Gouverneur habe zur Beseitigung dieser Zustände nichts getan, als eine platonische Mahnung gegen den Eklavenhandel zu erlassen, die nicht einen Augenblick beachtet wurde. Ja, der Gouverneur ist nicht von dem Vorwurf freizusprechen, daß er er den Ellavenhandel fördere. So konnte der Somale Hye Hamed, der dem Gouverneur als Dolmetscher und Vertrauensmann dient, ungestört einen Sklaven und eine Enlavin, die einander nicht heiraten wollten, gemeinsam gefangen halten, nur um ihre Kinder als klaven zu erhalten. Dem gegenüber verweist Admiral Monale auf Deutsch- Ostafrika, wo die Haussklaverei infolge der strengen Erlasse des Reichskanzlers Grafen Bülow be ständig in der Abnahme begriffen ist. Auch der Sultan von Zanzibar hat die Sklaverei aufgehoben und den Ellavenhandel unter Androhung der strengsten Strafe verboten. Man darf nun gespannt sein, ob die italienische Regierung, wie es Pflicht und Ehre ihr gebieten, dem Eflavenhandel in Benadir ein Ende machen wird. Generalamnestie in der Kapkolonie.
:| Aus Kapstadt kommt die Nachricht von einem Gnadenerlaß der dortigen Regierung, welchem alle Welt den vollsten Beifall zollen wird. Vor kurzem schon hatte der Gouverneur die Begnadigung aller politischen Gefangenen in Aussicht gestellt und rascher noch, als man erwartet hatte, ist der Ankündigung die Tat gefolgt. Ein Erlaß des Gouverneurs verfügt die Freilassung aller weaen volitischer Vergehen verurteilten Personen. Auch
wurden sofort Anstalten getroffen, um dieselben in ihre Heimat zu befördern. Eine Anzahl ist bereits entlassen und bis Ende dieser Woche werden alle freigelassen sein. Die Amnestie umfaßt auch die eingeborenen Gefangenen, welche bei verschiedenen Erhebungen beteiligt waren. Der Gnadenerlaß wird in der holländischen Bevölkerung von Südafrika jedenfalls den besten Eindruck machen und zur Versöhnung der beiden Rassen mehr beitragen als alle Reden Chamberlains.
starte politische Nachrichten.
* Die auptung des Abg. Singer im Reichstage, der Stadt Berlin sei für den von ihr geplanten Bau einer Untergrundbahn vom Potsdamer Platz nach dem Innern der Stadt durch kaiserliche Ordre die Konzession verweigert, wird offiziös für unbegründet erfärt; die Angelegenheit sei überhaupt noch nicht so weit, daß eine kaiserliche Ordre oder eine Entschließung der Staatsbehörden ergehen könnte.
* Nach einer Meldung aus Venezuela hat der Rebellenführer Matos dem venezolanischen Vizepräsi denten Ayala mitgeteilt, daß, wenn der Kongreß den Rücktritt Castros annehme, er all seinen Einfluß auf die Führer der Aufständischen dazu gebrauchen werde, den Bürgerkrieg zu beenden.
* In Port of Spain, der Hauptstadt der westindischenglischen Insel Trinidad, sind ernste Unruhen ausgebrochen. Der Pöbel legte Feuer an die Regierungsgebäude, welche vollständig zerstört wurden. Die Polizei schoß auf die Menge.
* In der westindischen Republit Santo Domingo haben sich die Aufständischen nach erbittertem Kampfe der Hauptstadt bemächtigt. Der Gehilfe des Gouverneurs, Ectrenique, und der Befehlshaber der Truppen, General Pena, wurden getötet. Der Gouverneur selbst befindet sich im Innern.
Hof und Gesellschaft.
*** Der Kaiser besichtigte gestern unter Führung des Prosessors v. Werner die Hochschule für die bildenden Künste in der Hardenbergstraße, hatte darauf eine Besprechung mit dem Reichstanzler Grafen v. Bülow und hörte von 11 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Militärfabinets Generaladjutanten Grafen von Hülsen- Häse ec. Nachmittags um 51 Uhr hörte der Kaiser im Elisabethsaal des Königlichen Schlosses einen Vortrag des Geheimen Regierungsrats Meydenbauer über die Ausgrabungen zu Baalbeck in Syrien, die bekanntlich vom Kaiser angeordnet und durch reiche Mittel gefördert worden sind.
Zur Reise des Kaisers nach Kopenhagen wird gemeldet, daß ihm während seines dortigen Aufenthalts Ser kommandierende General des I. Generalfommandos, Generalleutnant von Hedemann, Kommandeur zur See Caroc, und der Adjutant des Königs, Kapitän Gut, attachiert werden. Auf seiner Romreise wird der Kaiser auch die uralte Abtei von Grotta ferrata in den Alvaner Bergen besuchen, die als letter deutscher Kaiser Dito II. im Jahre 998 besucht hat. Die Mönche haben dem Kaiser eine mit prachtvollen Malereien geschmückte Pergamenturkunde überweisen lassen, in der sie ihn in griechischer Sprache einladen.
*** Der deutsche Kronprinz ist nunmehr, wie aus Kairo gemeldet wird, vollständig wieder genesen. Er hat bereits in Luksor Ausflüge zu Wagen und zu Pferde gemacht. Prinz Eitel Friedrich unternahm ebenfalls eine Wagenfahrt durch Kairo. Bei diesem guten Ge undheitszustande der kaiserlichen Prinzen erscheint eine Meldung aus Rom wenig glaubwürdig, daß sie auf die Fortsetzung ihrer Reise verzichten und nach Rom zum Empfang ihres Vaters gehen werden.
291. Sibimq.
Deutscher Reichstag.
- Kehraus.
Eigenec Bericht.
Die Auskehr, die im Reichstag gehalten wurde, brachte feine besonders belebten Momente. Bei dem Etat des Reichsjustizamtes brachte der Abg. Bassermann die Sprache auf den Schutz der Bauhandwerker und bedauerte, daß ein Gesez hierüber noch nicht zu stande gekommen sei. Staatssekretär Nieberding teilte hierzu mit, dies sei seither noch nicht möglich gewesen, weil man sich im Reichstag noch nicht über die beste Art des Handwerkerschußes einigen konnte. Nachdem dann noch der Abg. SchmidtMarburg gesprochen, kam der Abg. Stadthagen, auf der Journalistenbühne mit klagelauten begrüßt, zu Worte. Man fürchtete offenbar ein Tauerrede; die Sache ver ief indes schneller, als man gedacht hatte, wenn es auch heu e nicht an leberraschungen fehlte. Denn Stadthagen fam auf den bekannten Vorgang zu sprechen, daß ein Polizeibeamter einen Angestellten des Vorwärts" durch G währung von Geldmitteln zum Verrat von geschäftlichen Angelegenheiten verleiten ollte. Obgleich es cin leichtes sei, habe der preußische Minister des Innern bisher noch
Teine Verfolgung eintreten lassen. Er begünstige also notorische Verbrecher. Wegen dieses Ausdrucks zur Ordnung gerufen, bestritt er dem ,, Präsidenten der Mehri das Recht seines Einschreitens in diesem Falle, sodaß er einen zweiten Ordnungsruf bezog.
Abg. Dziembowski( Pole) bittet um Annahme der Resolution, Staatssekretär Nieberding wendet sich dagegen. Nach weiterer kurzer Debatte wird der Etat bewilligt und die Resolution Dziembowsli angenommen. Beim Etat Zölle und Verbrauchssteuern" erkundigt sich der Abg. Dr. Hermes( Freis. Vp.) nach einigen Einzelheiten des Saccharingesezes. Nachdem Staatssekretär v. Thielmann Auskunft gegeben hat, wird die Position bewilligt. Beim Postetat bringt Abg. Gaebel( Antis.) einige Wünsche vor, die Staatssecretar caette eingehend würdigt. Nach weiterer kurzer Diskussion vertagt sich das Haus bis zum 21. April nachmittags 2 Uhr.
50. Sigung.
Preussischer Landtag.
Haus der Abgeordneten.
Eigener Bericht.
- Nachlese. Angesichts des Schlusses der Etats debatte suchen vicle Volksvertreter noch geschwind allerlei zur Sprache zu bringen, was ihnen am Herzen liegt, und kurz wie die Reden der Abgeordneten sind die Erklärungen vom Minister.ische. Dem Abg. Das bach, welcher über Wahlbeeinflussungen der Bergarbeiter im Saarrevier lagte, erwiderte der Handelsminister Moeller, er habe die Bergbeamten angewiesen, sich jeder Beeinflussung zu enthalten. Abg. Vopelius hielt dem Abg. Dasbach vor, daß im Saarrevier gerade die katholischen Geistlichen die meisten Wahlbeeinflussungen verübten. Beim Etat der Eisenbahnverwaltung fand wiederum Minister Bud de Gelegenheit, verschiedene Regierungsmaß ahmen zu rechtsfe ti en Sc weit der Eisenbahndienst es zulasse, bemerkte er, sei die Regierung gern bereit, den Beamten die Möglichkeit zum Besuch des Gottesdienstes zu gewähren. Männliche Beamte würden nicht entlassen, um weibliche anzustellen. Die Bemessung der Urlaubszeit richte sich durchaus nicht nach dem Tienstalter des betreffenden Beamten.
Die weitere Debatte bot tein erhebliches Interesse dar. In rascher Folge wurden der Bauetat, der Justizetat und der Etat des Ministeriums des Innern erledigt. Damit war die dritte Lesung des Staatshaushaltsetats und die Etatsberatung überhaupt beendet.
Das„ Blumenmedium" vor Gericht. ( Nachdruck verboten.) Hg. Berlin, 24. März. Zweiter Verhandlungstag.
Nach kurzer Vernehmung einer Frau Colbrich, der die Rothe den Geist des verstorbenen Kommerzienrats Roeßler herbeizitiert hat, der aber sonderbarerweise mit der Stimme der Rothe gesprochen habe, bellagi sich die Angeklagte darüber, daß ihr
der graue Unterrock
der auf dem Gerichtstisch liegt, erst auf dem Polizeipräsidium vom Leibe gerissen worden sei, während die Anflage behauptet, dies sei zugleich mit der Wegnahme der Blumen geschehen. Die Polizeiagentin Bingenheimer habe ihr auf dem Polizeipräsidium gesagt: ,, Sie alte dumme Frau, weshalb haben Sie mir denn den Rock nicht gleich gegeben, ich wollte Ihnen ja helfen, denn ich bin selbst Spiritistin." Der Polizeikommissar von Stracht bezeichnet diese Aussage als Echwindel. Im Protokoll des Untersuchungsrichters ist ebenfalls nichts über diesen sonderbaren Vorgang enthalten. Dann fommt der ,, Clou" der Eißung, die Vernehmung des Zeugen Groll, zweiten Vorsißenden des Spiritistenvereins Psyche". Der Zeuge will die Rothe in einer Reihe von Eizungen genau benau beobachtet haben und hält einen Betrug für ausgeschlossen.
Echter Trance.
Der Zustand der Rothe war seiner Meinung nach der echte Trance. Dabei fämen inbetracht: Unempfindlichkeit und Starre des Körpers. Es sei nach den Lehren des Spiritismus eine Hypnose, aber während die Hypnose von lebenden Menschen ausgeht, ist es in diesem Falle ein unförperliches e en, eine Psyche, welche das Medium beeinflußt. Frau Rothe hatte nichts in den Händen, mit offenen reinen Händen kamen ihre Apporte zu stande, z. B. ein Glasei. Auf die Frage des Präsidenten, ob er auch eine Theorie dafür habe, woher das Ei stamme, meinte der Zeuge, es müsse ein Atom gewesen sein, das sich in der head des Mediums berkörperte.
Gefängnisse kein Ort für Blumenapporte.
Der Zeuge weiß auch die Frage genau zu erklären, warum die Rothe nicht im stande war, im Gefängnis Blumen und Früchte zu..materialisieren". Das Bu
fer Leute.
Sie waren nach Pokrowa bon
der Gräfin
die
ihm
Zanin und dem Doktor, ihrem unvermeidlichen Begleiter,
herbeigezogen worden."
,, Von der
Echelm
auf.
Jawohl, nicht nur ich, sondern auch andere haben
prang Sanin?" rief er voller Freude.
Hie mit eigenen Bu
aud
zeitweise
übertragen war,
schent." reicht haben Sie die Güte Worausschließen Sie dies, Herr Revisor? BielIch sehe, Herr Gouverneur," sagte er in herbem seine Geistesgegenwart und Recheit wieder auf. die Verwaltung von Ostsibirien viel zu wünund zugleich lebte
Tone,
etmaigen mi
zu mischen.
den zu verfolgen." Beschüßer bin, aber auch nicht darnach trachte, jeman,, Die Familie Banin, deren Beschützer Sie sind Bissen Sie ein für alle Mal, daß ich niemandes habe ich gewissermaßen aufge
hört, Generalgouverneur zu sein." Zeitweilig
an
in Anspruch genommen werden. und Tauwert), womit überhaupt die mann, die Steuerbordwache der Unterſteuermann oder auf wird, wenn die Leute nicht vom eigentlichen Schiffsdienst Die Backbordowache führt als Offizier der Obersteuer - hiffen statt deffen der Sinntamann, der fein
den an Deck bleibt zum Arbeiten( Rep it qu


