** Weihnachten.
Lokales.
Gießen, 24. Dezember 1908.
Viele milde Nächte
Schon santen auf die Täler,
Ruh' zu bringen dieser Welt:
Keine war milder,
Keine war hehrer,
Als die umfing der Hirten Feld.
Ja, wer wüßte ein Feft zu nennen, das mit seinen Vorbereitungen auf Wochen und Monate die fleißigen Hände so in Anspruch nimmt, das mit seiner unvergleichlichen Feier Herz und Gemüt in so eindringlicher Weise zur dankbaren Anbetung treibt wie gerade Weihnacht?! Ein italienischer Meister hat in stimmungsvoller Weise die heilige Nacht so wiedergegeben, daß nur vom Kindlein in der Krippe her alles Licht auf dem Bilde seinen Ursprung nimmt. Er bezeugt damit die alte Wahrheit: Licht und Wärme dieser Welt, Leben und Fortschritt dieser Zeit verdanken dem Christentum ihr Entstehen und ihre Kraft. Das ist mit tausend geschichtlichen Tatsachen bewiesen, das ist mit Herzenserfahrung bezeugt. Wie schmerzlich, wenn für so viele in unserem Volfe die alte Weihnachtsbotschaft von der Freude, die allem Volfe widerfahren wird, den rechten Inhalt verloren hat und man sich an der äußeren Feier mit Tannengrün, Lichterglanz und mancherlei irdischen Gabe und Gegengabe begnügt! Und im tiefsten Herzen bleibt doch eine stille Sehnsucht wach, die nach dem Wunder der Weihnacht, nach einem Heiland, der in der Fülle der Zeit erschien, sich streckt, aber vor allerlei irdischen Bedenken, Treiben und Sorgen unausgesprochen und darum unbefriedigt bleibt. Schaue in die Augen der Kinder, wenn sie von Weihnacht reden und wenn sie wiederum Weihnacht feiern. Vielleicht geht dir da eine Ahnung auf, wenn das Geheimnis der stillen heiligen Nacht offenbart wird, die durch die Jahrtausende hindurch die große Liebesgemeinschaft zwischen Gott und den Menschen verkündet!
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Der Großherzog hát am 23. Dezember den Kommerzienrat Sigmund Heichelheim und die Fabrikanten Gustav Mueller und Heinrich Schirmer in Gießen zu Handelsrichtern, die Fabrikanten Hermann Eichenauer und Heinrich Emelius in Gießen zu Ergänzungsrichtern bei der Kammer für Handelssachen mit dem Siz in Gießen mit Wirtung vom 1. Januar 1904 bis 31. Dezember 1906 ernannt.
** Die Sammlung für den Fonds, welcher Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog zur Förderung der Kunst zur Verfügung gestellt werden soll, ist in der Stadt Gießen beendigt und hat annähernd die Summe von 2200 Mt. ergeben. Um auch denjenigen, die von den Boten übersehen oder nicht zu Hause angetroffen worden Sind, Gelegenheit zu geben, sich in die Liste einzutragen oder nen Beitrag zu leisten, wird für nächsten Montag, den 8. d. Mts. auf der Bürgermeisterei- Zimmer Nr. 15 ne Lifte aufgelegt und eine Sammelbüchse aufgestellt sein. m Montag Abend wird die Sammlung endgültig gehlossen.
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* Dem Gerichtsvollzieher- Examen in voretter Woche unterzogen sich in Darmstadt 19 Aspiranten, and zwar 18 Militär- und 1 Zivilanwärter, während sich zum Polizeikommissariatsexamen 11 Prüflinge eingefunden hatten.
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* Vom 1. Januar 1904 ab find Nachnahmen bis 400 Mt. auf Bafete nach Bulgarien zugelassen. ** Seit gestern Mittag findet wieder regelmäßige Zuführung frischen Lahnwassers in den Bi.ßener Stadtbach statt. Die Speisung des Stadtbachs mit frischem Wasser war durch die Kanalisationsarbeiten seit fast einem Jahr unterbrochen und führte bei den Bachanwohnern zu ſtarten Unguträglichkeiten. Nachdem die Kanalisation soweit
vorgeschritten ist, daß durch dieselbe das Lahnwasser dem Stadtbach zugeführt werden kann, ist sämtlichen Uebelständen abgeholfen.
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Am
* Stadttheater Gießen. Am Samstag Nachm. halb 3 Uhr( 2. Weihnachtsfeiertag) geht das Kindermärchen " Blappermäulchen" von Hermann Steingoetter in Szene. Das heitere, dem Kindergemüt angepaßte Bert hat bis jezt überall einen durchschlagenden Erfolg erzielt." Stadttheater in Erfurt ging es in vergangener Saison nicht weniger als 13 Mal in Szene. Sonntag, den 27. Dez. geht Nachmittags als Fremdenvorstellung, Pension Schöller", Abends die Schwantnovität„ Der Hochtourist" zum ersten Mal in Szene. Das luftige Wert von Kraatz( Autor von Logenbrüder u. a. Stüde) und Steal geht augenblicklich über alle deutschen Bühnen.
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** Die Anlagen musit in Gießen findet am dritten Feiertag in den Südanlagen 11,30 Uhr mit nachfolgendem Programm ftatt. 1. Dubert. z. Op. Norma" von Bellini. 2. Maiblümchen- Gavotte von Krauße. 3. In lauschiger Nacht, Walzer von Ziekler. 4. Finale a. d. Op. Mida von Verdi.
** Dem„ Franff. Gener." wird aus Gießen geschrieben: Infolge der Differenzen über das Ausfahren des Lahnpofals auf der Gießener Rennstrecke, von dem der Deutsche Ruderverband verlangte, daß er als Wanderpreis alljährlich ausgefahren werden müsse, während die Gießener Ruder gesellschaft, welche in neuerer Zeit nur alle 2 Jahre Regatta abhält, nur hierbei um den Botal starrten lassen will, hat sich nun neuerdings der Deutsche Ruderausschuß mit dieser Angelegenheit beschäftigt und, um die Differenzen beizulegen, den Vorschlag gemacht, den Lahnpofal für die Folge als Herausforderungspreis auf dem Gießener Basser ausfahren zu lassen. Die Gießener Rubergesellschaft hat diesem Vorschlag zugestimmt mit der Bedingung, daß der Preis dem Sieger nur dann als Eigentum zufällt, wenn er auf drei hintereinander folgenden Regatten hintereinander gewonnen
wird.
Die Großherzogliche Landeswaisenkasse zu Darmstadt hatte im Jahre 1902/03 eine Gesamteinnahme von 202 679,60 Mt., die Ausgaben betrugen 201468,39 Mr. Ende März 1902 waren 1933 Waisen in Verpflegung, zugegangen sind 468( 95 aus Oberhessen, 162 aus Startenburg, 73 aus Rheinhessen und 138, welche während der Lehrzeit Unterstüßung erhalten) und abgegangen 419( 69 aus Oberheffen, 172 aus Startenburg, 48 aus Rheinhessen und 130, welche während der Lehrzeit Unterstüßungen erhalten), sodaß Ende März 1903 1982 Watsen in Verpflegung blieben.
+ Krofdorf, 24. Dez. Die mit der Inhaftierung des 1. Bürgermeistereisekretärs verbunden gewesene Suspendierung vom Amte ist nach seiner Freilassung wieder aufgehoben worden.
XEudorf, 23. Dez. Am vorigen Sonntag Abend fand in der Schäfer'schen Wirtschaft eine Versammlung hiesiger Landwirte statt behufs Gründung einer Kornhausgenossenschaft und Errichtung eines Getreidelagerhauses für den Kreis Alsfeld.
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Nidda, 21. Dez. Gestern Abend wurde im Gafthof Bur Traube" die diesjährige Weihnachtsbescheerung der Kleinkinderschule abgehalten, wozu sich zahlreiche Freunde der Schule eingefunden hatten.
+ Friedberg, 23. Dez. Gegen das schöffengerichtliche Urteil im Sängerfrieg in Oberrosbach haben sämtliche Verurteilte Berufung eingelegt.
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Griedel, 23. Dez. Gestern mittag scheuten vor Bußbach- Licher Bahn die Pferde eines einer Lokomotive der Bu hiesigen Fuhrwerks, gingen durch und rannten die ChausseeDer Wagen wurde stark beschädigt, böschung hinunter. während Insassen und Pferde keine nennenswerten Verlegungen davongetragen haben.
Renzendorf, 20. Dez. Die Mitglieder des Deutschen Flottenvereins der Orte Brauerschwend, Hergersdorf, Hopfgarten, Ober- und Unter- Sorg, Kainrod und Renzendorf gründeten heute eine Ortsgruppe Renzendorf. Mitgliederzahl vorläufig 48.
Bad Salzschlirf, 19. Dez. Wie hoch hier infolge der schnellen Entwickelung unseres Badeortes die Grundstücke im Werte gestiegen sind, beweist die Tatsache, daß ein hiesiger Arzt vorige Woche einen Bauplatz zum Preise von 32 000 Mt. faufte, der vor 10 Jahren für nur 300 Mt. zu haben war.
Worms, 24. Dez. Wie die W. 3tg." erfährt, haben die Stadt und der Kreis Worms bis jetzt etwa 10 000 Mt. für die Spende aufgebracht, ohne daß die Sammlung völlig abgeschlossen ist. Gute Resultate hat die Sammlung auch in Darmstadt zu verzeichnen. Das hiesige Ergebnis übertrifft allerdings alle Erwartungen.
Stadttheater Gießen. Nachtasy 1.
Scenen aus der Tiefe des Lebens von Marim Gorky. Ein Asyl für den Abschaum der Menschheit, eine Höhle des Lasters, deren branntweingeschwängerte Atmosphäre vom Elend durchs eucht ist, eine Herberge, deren Gäste aus entloffenen Sträflingen, Dieben und Säufern besteht und ein Apostel, welcher diesen Jammergeschöpfen die Nächstenliebe predigt und die Lehre verkündet, daß auch der Gesunkenste, der Schlechteste und Gemeinſte immer Mensch bleibt und als solcher geachtet werden muß. Gorky hat dem Ganzen eine einheitliche Handlung nicht gegeben. Es sind Scenen, fast ohne Zusammenhang, in denen er die düsteren Bilder
entrout.
Die heißt Klotilde Morgenthau. Geheim sind sie schon längst verlobt; Allein thr Vater schreit und tobt, Wie man auch flehend zu ihm spricht: " Es wird noch nicht veröffentlicht! Sie zählt ja taum achtzehn Jahr', Er ist noch nicht' mal Ref'rendar- Das Offizielle wird vertagt, So lange als es mir behagt!" Klodilde schwimmt in Herzeleid. Da naht die holde Weihnachtszeit. Und eines Tags zu seiner Frau Spricht finnend Vater Morgenthau: „ Na, Alte, laß uns' mal bedenten, Was Ernst wir und Klodildchen schenken." Die Gattin schaut ihn innig an:
" Ich weiß nur eins, geliebter Mann, Was ganz ihr Herz befried'gen tann. Schent' ihnen ist genug mit Warten 8weihundert Stüd Berlobungskarten!" Zwar fährt der Hausherr auf wie immer:
"
Du unbernünft'ges Frauenzimmer!"
Doch sie, nach schlauer Frauen Art, Geht ihm mit Anmut um den Bart. „ Na," spricht er endlich, dann' mal los! Ünd dein Gedante ist famos Verlobungskarten?!
hm, und doch, Ich weiß was Wirkungsvollres noch!" Wir drucken's gleich, was kann da sein, In's Weihnachts- Abendblatt hinein, Und, wenn den Baum ich angebrannt, Dann spielt man's ihnen in die Hand. Die Ueberraschung, die wird nett. Es wird gedruckt, und zwar recht fett!" Das Fest ist da, die Kerzen flammen; Das Brautpaar aber steht beisammen, Die Herzen Klopfen heiß und schnell: Ach, wären wir erst offiziell! Der Vater aber flüstert leise
Der Mutter zu verschmißterweise: , Bald muß es tommen!' s ist halb Sieben! Fett! hab' ich an den Rand geschrieben!" Jezt schrillt die Vorsaalklingel ha, Das Blatt, das Abendblatt ist da! Der Hausherr hat's ergriffen schon Und spricht mit feierlichem Ton: " Ihr Kinder, heute steht was drin, Das ist gewiß nach Eurem Sinn. Da, da—": Klotilde Morgenthau Ernst Friedrich Fett: e. s. a. V.
Edwin Bormann.
Aus dem Gerichts[ aal.
Straffammer.
Gießen 22. Dezember 1903.
Der Handwerksbursche Friedrich Bornhöft von Schwerin und Gustav Kesten von Wattenscheid nahmen aus einer Wirtschaft zu Buzbach wo sie eingekehrt waren verschiedene dem Kaufmann Nern dortselbst gehörige Kleidungsstücke mit. Das Schöffengericht Bußbach verurteilte dieserhalb Bornhöft zu vier Wochen Gefängnis, während Resten mit fünf Tagen davonfam. Die von dem letteren eingelegte Berufung wurde heute fostenpflichtig verworfen. Der jugendliche Arbeiter Albert Ritter von Frutigen( Schweiz) entwendete im verfloffenen Sommer dem Obsthändler Ludwig Weber von Weidenhausen Kirschen. Darüber zur Rede gestellt, geriet er in Zorn und versetzte Weber mit einem Messer am Arm, sodaß dieser zur Zeit noch an den Folgen zu leiden hat. Es wird auf ein Jahr und drei Monate Gefängnis erkannt.
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Da ist neben dem widerlichen, heimtückischen Herbergswirt und seinem verbrecherischen Weibe der Schlosser Kleschtsch ein ehrlicher Arbeiter" der seine Frau geprügelt und gepeinigt hat, bis sie an der Schwindsucht zu Grunde geht, da ist Wofzka Pegel ein junger heißblütige Slave, den die Menschen schon einen Dieb nannten als er kaum laufen fonnte, da ist ein verkommener Schauspieler, ein ehemaliger Baron und eine Anzahl verlotterte Existenzen, die das Schicksal in die Lafſterhöhle zusammengetrieben hat. Der Installateur Baul Noad in Gießen verkaufte an
Und diese Geschöpfe, welche sich durch das gemeinsame Leid gebunden fühlen sollten, stehen sich fremd gegenüber, verspotten in rohester Weise gegenseitig ihre Schwächen und sind sich nur im Hasse gegen ihre Existenz ihr bejammernswertes Dasein einig. Aber es sind dennoch Menschen, unter der Hüpe schlummert noch ein Körnchen menschliches Empfinden und der Bilger Luka ist es, der dieses Gefühl wieder weckt und bei allen Licht und Freude verbreitet. Wenn Gorky objektiv sein sollte, mußte er natürlich auch manches Krasse und Niedere bringen; immerhin dürfte sein nervenerregendes Nachtasyl nicht Jedermanns Sache sein. Uebrigens ist jüngst von„ sachverständiger" Seite über dieses recht schlecht geurteilt worden; es wurde behauptet, daß die gezeichneten Charaktere nicht echt seien, da die Herbergsbewohner viel zu viel philosophierten. Hierzu etwas zu bemerken, sind wir leider außer Stande, da wir mit russischen Gaunern bis jetzt noch nicht in Berührung gekommen sind. Die gastierende Truppe„ das Esemble der Individualitäten" leistete zum größten Teile Vorzügliches. Herr Stickel als Herbergswirt fonnte als Type eines frömmelden Geizigen gelten und Fr. Dorny und Fr. Huber, Frau und Schwägerin des Wirtes, boten Vortreffliches. Ganz ausgezeichnet war Herr Neher, der den Schauspieler wunderbar fein durchgearbeitet hat. Najfa, ein Hintertreppenro mansüchtiges Mädchen, wurde von Fr. Mahabett sehr gut dargestellt und auch Herr Laaser befriedigte durchaus. Nur Herr Rippert als Pilger Lufa fonnte uns nicht gefallen. Hier scheint dem Dacfteller seine„ Individudlität“ im Wege gewesen zu sein.
H. H.
Leider war der Besuch gestern Abend ein überaus
mäßiger.
An eine Weihnachts- Ueberraschung. ( Nachdruck verboten.) Ernst Friedrich ist ein junger Mann, Der aus dem ff füssen fann; Und die er sehnlichst wünscht zur Frau,
einen Althändler dahier einen fupfernen Badeofen, welder turze Zeit vorher einem Bewohner der Grünbergerstraße aus einem unverschlossenen Raum abhanden gekommen war. Darüber unter Anklage gestellt, erklärte er, den Ofen von einem ihm dem Gesicht, aber nicht dem Namen nach Befannten gekauft zu haben. Troz hoher Belastungsmomente erfolgt Freisprechung. Die Reisenden Simche Taffet und Abraham Roth von Dabrowa werden wegen Urkundenfälschung und Betrugsversuch, begangen durch Anfertigen von faschen Bestellscheinen, zu je zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Zum Schlusse nimmt Georg Kraft von Wallenrod, welcher wegen Bettelns der Landespolizeibehörde überwiesen war, seine Berufung zurück.
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Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil: Alb in Klein für das Bokale, den Gerichts." und" Deffentlichen Sprechsaal": Fr. Opperman
,, Jugendfrisches Aussehen“.
Wir versäumen nicht, unsere verehrten Leser und Leserinnen mit Beginn der rauhen Jahreszeit auf die Vorzüge von Byrolin und Byrolin- Seife aufmerksam zu machen.
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