Ausgabe 
24.10.1903 Zweites Blatt
 
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1Gin Meisterschuß. Mit einem Schuß ein Huhn und einen Hasen zu schießen, wird nicht mancher Jäger ver­suchen, soll aber jezt doch in Goldap einem glücklichen Nim­rod gelungen sein. Herr J. und Dr. D. gingen auf die Hühner- und Hasenjagd. Indem sie gegen einen kleinen Hügel losmarschieren, gehen vor ihnen einige Hühner hoch. Herr. schießt in gerader Richtung vor sich ein Huhn her­unter, und kaum liegt es auf der Erde, kommt vom Berge herab ein schwer angeschossenes Häslein herabgehumpelt und fällt ein Endchen hinter dem glücklichen Schüßen wider Willen" mausetot um. Was fehlt denn dem?" meinte ganz verblüfft Herr Dr. D., der Begleiter Is. ,,, ist Lampe etwa vor Schreck umgefallen?" Die Sache verhielt sich jedoch folgendermaßen: Der Hase hatte in der Schußrichtung am Berge gelegen und einige Schrote des auf das Huhn abgegebenen Schusses hatten ihn so gut getroffen, daß er nur noch einige Sätze machte und dann ein Opfer seiner Unaufmerksamkeit wurde. Die Geschichte soll zwar sehr unglaubwürdig flingen, aber vollständig wahr sein". Wir wollen das beste hoffen.

[ Von einer ganz neuen Wunderwirkung der X- Strah­len] weiß ein französisches Blatt zu berichten. Die merf­würdigen Strahlen sollen imstande sein, neuen Geigen ein altes Aussehen zu geben. Man braucht die Geigen nur einen Tag lang der Einwirkung der Strahlen auszusetzen und er­hält dann Instrumente, die mindestens 60 bis 70 Jahre alt zu sein scheinen. Vorsicht also beim Ankauf von Stra­divaril

[ Einen Schlag gegen den Feminismus] führte der Generalgouverneur von Kiew, indem er in einem Rund­schreiben, das er an die ihm unterstellten staatlichen und kommunalen Behörden richtete, die Anstellung von Frauen auf Kanzlei- und anderen Posten der staatlichen und städti­schen Institutionen untersagte; nicht einmal aushilfsweise sollen Frauen im staatlichen und kommunalen Dienst beschäf­tigt werden. Die bereits erfolgte Anstellung von Frauen erklärt der Gouverneur für ungesetzlich und fordert die ad­ministrativen Behörden auf, die angestellten Frauen sofort zu entlassen.

[ Wie leicht im Theater eine Panik entstehen kann] und wie rasch das Publikum den Kopf verliert, wenn auch nur ganz haltlose Gerüchte von angeblich drohender Gefahr um= Herschwirren, das zeigte sich in zwei Pariser Theatern: in der Komischen Oper und in der Comédie française". In der Komischen Oper hatte eine alte Dame heimlich eine Wärm­flasche ins Theater geschmuggelt, um sich die kalten Füße zu wärmen. Plötzlich ging von den Schuhen der Dame ein Brandgeruch aus, und im nächsten Augenblick ertönte der Ruf: Feuer!" Alles sprang von den Sißen auf und eilte in wilder Flucht den Ausgängen zu, obgleich der dienst­tuende Feuerwehrmann hoch und heilig versicherte, daß auch nicht die Spur von Gefahr vorhanden sei. Es ist ein Wun der, daß die ganz unerklärliche Panik nicht zahlreiche_Un­glücksfälle herbeiführte. Noch toller ging es in der Comédie française" zu. In einer Loge des vierten Ranges gab es plöglich einen gewaltigen Krach. Alles drehte sich um und blickte in die Höhe. Ein Herr im Orchesterraum, der nichts gesehen hatte, weil nichts zu sehen war, hielt es für durchaus nötig, Feuer!" zu rufen, worauf eine Dame laut versicherte, daß der Saal bereits voll Rauch sei und daß oben am Kron­leuchter bereits die Flammen aus der Decke züngelten. Ob­wohl die anderen Zuschauer weder Rauch noch Feuer sahen, suchten doch die meisten Hals über Kopf die Türen zu er­reichen, und es dauerte lange, ehe die Ruhe wiederkehrte. Und die Ursache der Panik? Im vierten Rang war ein älterer Herr ohnmächtig geworden und hatte, als er umfiel, zwei Stühle mitgerissen. Das war alles.

[ Der Bock als Gärtner.] Eine tragikomische Geschichte wird aus Leipzig berichtet. Seit einiger Zeit bemerkte ein dortiger Restaurateur, daß sich seine Fleisch- und Zigarren­vorräte auf eine Weise verringerten, die darauf schließen ließ, daß nur Diebeshände im Spiele sein konnten. Wer der Dieb war, das blieb trotz aller Recherchen ein Rätsel. Da tam der Restaurateur auf die Idee, sich des Nachts selbst auf die Lauer zu legen und nach dem unangenehmen Kom­munisten zu fahnden. Nichts regte sich, bis plötzlich die Schlüssel flirrten un ein Beamter der Wach- und Schließ­gesellschaft eintrat, nicht aber um seines Amtes zu walten und Einbrüche zu verhindern, nein, der Wächter über Eigen­tum und Sicherheit war es, der die Vorräte auf so bequeme Weise verringern half.

Was deutsch- brasilianische Zeitungen ihren Lesern auf­fischen, geht aus folgendem Telegramm" hervor, das der ,, Beobachter von Curityba" in seiner letten, nach Europa

gelangten Nummer, die vom 9. September datiert ist, sich) ,, direkt" aus Berlin kabeln läßt. Kaiser Wilhelm," so teilt das Blatt seinen Lesern mit, hat eine Vergnügungs­reise nach Bukarest angetreten. Bevor er jedoch diese Reise unternahm, erteilte er den Befehl, den Kronprinzen von Sachsen und den General v. Treitschke(?) aus dem Heeres­verbande zu entlassen.( Beide sind wahrscheinlich nicht loyal genug!)" Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß dieser Blödsinn brühwarm aus der amerikanischen Jingopresse hinübergenommen ist, die ihrem Leserkreise allerdings der­artiges Zeug aufbinden kann. Daß aber eine deutsche Zeitung dergleichen weiterdruckt, ist haarsträubend.

A[ Ein Duell mit Strümpfen.] Die Nue du Général Mori zu Paris war in einer der letzten Nächte der Schau­platz eines eigenartigen Duells. Zwei junge Frauenzimmer, Louise Hanin und Andrée Merle, hatten sich gezankt und be­schlossen, den Streit durch einen Zweikampf beizulegen; aber um einen tragischen Ausgang zu vermeiden, waren die ge­wählten Waffen zwei Strümpfe, die mit Sand gefüllt waren. Die leicht bekleideten Gegnerinnen schlugen mit ihren gefüllten Strümpfen auf einander los, bis Louise Hanin, von einem heftigen Schlag zwischen den Schultern getroffen, zu Boden sank. Sie wurde in ein Hospital ge­bracht, we ihr Zustand für höchst ernst erklärt wurde.

( Der auferstandcae Prophet Elias] alias Seftierer­apostel Dowie ist bei seinem Kreuzzug" gegen das sündige Newyork weiter vom Unglück verfolgt. Er hielt einen soge­nannten Heilgottesdienst ab, in dem seiner Ankündigung gemäß hunderte von ihren Krankheiten geheilt werden soll­ten. Es hatten sich denn auch zahlreiche Krüppel eingefun­den, doch gelang es dem heißen Gebet des Propheten nicht, auch nur eine einzige Heilung zustande zu bringen. Dowie droht jetzt Wallstreet aufzusuchen, um die bösen Wege der Stockbroker und Finanzleute vor aller Welt aufzudecken. Unter der Armee des wiedergekehrten Elias scheint eine Re­bellion ausbrechen zu wollen. Die Soldaten sehen nicht ein, daß sie sich kasteien sollen, während Dr. Dowie in einem der ersten Hotels in Lurus lebt.

** Feste Preise. Die großen Warenhäuser haben ihren riesigen Umsatz nicht am wenigsten dem Umstande zu ver­danken, daß sie möglichst billige, aber feste Preise stellen. In kleineren Geschäften ist das Prinzip der festen Preise noch lange nicht so üblich, wie es im Interesse der Ver­käufer wie der Käufer zu wünschen wäre. Viele von diesen setzen noch immer voraus, daß sie stets überfordert werden und daher unter allen Umständen feilschen müssen, wäh­rend wieder zahlreiche Verkäufer durch dieses Mißtrauen eines großen Teils der Kundschaft verleitet werden, in allen Fällen höhere Preise zu fordern, als sie von vornherein zu erhalten gedenken. Wer also bei solchen Geschäftsleuten nicht feilscht, wird übervorteilt, wogegen der Käufer, der sich auf's Handeln verlegt, billig abkommt. Solche Miß­bräuche schaden aber auf die Dauer jedem Geschäft. Viel­leicht bricht sich diese Ueberzeugung in der deutschen Kauf­mannschaft doch allmählich Bahn. Ist es doch erst eine ver­hältnismäßig kurze Zeit her, daß der Brauch, in den Schau­fenstern und Läden ausgestellte Waren mit Preisangaben zu versehen, und sich beim Verkauf nichts abhandeln zu lassen, in Deutschland zuerst auftauchte. Für den Erfinder dieses Brauches gilt ein Pariser Krämer, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts einen Laden an der Ecke der Rue Dau­phine und des Quai Conti besaß. Das Geschäft- es hieß Au Petit Dunkerque erfreute sich ob der Neue­rung eines aroßen Zulaufs.

[ Ginen eigenartigen Kunstgenul verspricht in seinen Konzertanzeigen das Trompeterkorps der Potsdamer Leib­Gardehusaren. Als besonderer Vorzug der Kapelle wird der schwarze Pauker Arara vom Tongo angepriesen. Arara," so heißt es, steht einzig als schwarzer Pauker in der deut­schen Armee da, und repräsentiert zu Pferde, einem Schim­mel, mit seiner roten Uniform und schwarzer Hautfarbe, die deutsche Nationalfarbe, schwarz- weiß- rot. Ein präch­tiger Anblick für die, welche Arara zu Pferde schon gesehen haben. Hoffentlich für die anderen auch, die diesen eigen­artigen Kunstgenuß noch nicht hatten. Das übertrifft noch die künstlerischen Darbietungen der gelben Stiefel, die die Kapelle der Jäger zu Pferde als besonderes Zugmittel an­pries. Die Zivilkapellen bleiben übrigens, das sei lobend hervorgehoben, auf dem Wege fünstlerischen Wettbewerbs nicht zurück. Den Wirten von Gollnow und Umgegend empfiehlt ein Musikdirektor seine 22 Mann ſtarke Kapelle mit dem besonders lockenden Hinweis: Zu Hochzeiten, zu denen ich die Musik stelle, liefere ich eine ehrliche gute Koch­frau gratis." Das heißt wirklich raffiniert an den Kunst­Geschmack" appellieren.

Geschäfts- Uebernahme und Empfehlung.

Der Unterzeichnete beehrt sich hiermit ergebenst anzuzeigen, daß er das seither unter dem Namen Gg. Koch in Gießen betriebene

Uhren und Optische Waren- Oeschäft

fäuflich erworben und unterstelle die hierbei übernommenen Waren einem Ausverkauf. Regulateure, 14 TageSchlagwerk, ca. 1-1,05 Mtr. lang, so lange Vorrat reicht v. 20 M. an. Gleichzeitig empfehle ich mich in allen in der Uhrmacherei, Optik und Goldwaren Branche vorkommenden Reparaturen einschließlich komplizierter Uhren, unter reeller Garantie.

dienen.

Brillen nach ärztlicher Vorschrift.

Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine werte Kundschaft pünktlich und reell zu be= Einem geneigten Zuspruch gerne entgegensehend, zeichne

-

Mit aller Hochachtung

Julius Philipp, Ahrmacher.

Kochs Nachfolger.

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[ Eine spiritistische Oper. Eine wundersame Nachricht kommt aus Palermo, und der sie übermittelt, ist ein sonst ganz ernst zu nehmender Berichterstatter der Turiner Stampa". Im Hause des Senators Amato Pojero, ehe­maligen Bürgermeisters von Palermo, spukt es. Das wäre an sich nichts wunderbares, denn Haus- und Klopfgeister sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Die Geister im Hause des Herrn Senators begnügen sich aber nicht damit, das Tambourin zu schlagen, die Mandoline zu zupfen oder - à la Anna Rothe Blumen zu werfen, nein, sie sind viel gesitteter und gebildeter und haben eine große Oper, deren Text sie nach berühmten Mustern selbst ge= schrieben haben, fir und fertig komponiert! Die Medien, durch deren Hand sie dieses Wunder bewirkten, sind die eigenen Söhne des Herrn Senators, Eduard und Franz Pejero. Das überirdische Wesen, das ihnen den Operntert in die Feder diftierte, nennt sich Felia", während der Geiſt Jo" das Komponieren besorgte und den jungen Leuten die Musik Note für Note, mit allen Motiven, Schlüsseln, Zeitmaßangaben u. s. w. vorsprach. Die Oper führt den symbolischen Titel: I travolti"( eigentlich: Die Verdrehten, d. H. die, deren Geist verwirrt ist), und die Musik wird allgemein sehr günstig beurteilt. Es muß be­merkt werden, daß die Söhne des Herrn Senators im wachen Zustande vom Versemachen keine Ahnung haben und einen Baßschlüssel nicht von einem Hausschlüssel unterscheiden. Wer's nicht glaubt, kann sich selbst überzeugen, wie die Geister komponieren. Der Bürgermeister läßt sein Haus für jeden anständig angezogenen Menschen offen.

Das Neueste aus den Witzblättern.

Viel verlangt. Der kleinen Erna fällt das Butter­brot auf die Erde, natürlich mit der gestrichenen Seite nach unten; weinend läuft das Kind zur Mama. Erzürnt wen­det sich die junge Hausfrau an die Köchin: Ich muß Sie schon bitten, daß Sie den Kindern das Butterbrot nicht immer auf der verkehrten Seite streichen!"

Humor des Auslandes. Ist es dir schon auf­gefallen, daß die meisten Helden verheiratet waren?". ,, Mein Lieber, jeder verheiratete Mann ist ein Held!" Ein Gemütsmensch. ,, Liebe Ida, Einer von uns beiden muß dieses Semester seinen Doktor machen. Also, bitte!!" ( Jugend.) Kaltblütig. Räuber: Halt! oder ich gebe Feuer!" -Reisender: Danke sehr für Ihre Liebenswürdigkeit, ich rauche nicht!"

Daher. A.: Seit seiner Verheiratung hat Krause sehr schnell eine Glaze bekommen."- B.: Kein Wunder, seine Frau läßt ja kein gutes Haar an ihm."

Vorsichtig. Schön ist meine Tochter allerdings nicht aber, wie Sie ja wissen, eine reiche Erbin!"- Hmda darf ich mich wohl zuvörderst nach Ihrem werten Befinden erkundigen, gnädige Frau."

Schwere Geburt. Erster Kadett: Kommt Kurt heute?" Zweiter Kadett: Nee, darf nich! Muß Bett hüten; kriegt Schnurrbart!"

In der Instruktionsstunde. Hauptmann: Ein­jähriger Silbermann, was würden Sie machen, wenn kom­mandiert würde: Freiwillige vor!" Einjähriger: Nu, Herr Hauptmann, ich würde Platz machen, damit die Frei­willigen vortreten können!"

Das Stadtfräulein auf dem Land e. Herr Huber, wie viel Ferkel sind das?" Ae 15 Stück,' m Fräulein!" ,, Alle von einem Mutterschwein?" Ja. gnädiges Fräulein!" Das hat aber mal gut gebrütet!" Kindliche Vorstellung. Bauchgrimmen gehabt, Onkel?" Das muß dir doch arg weh tun?" du so' n großen Bauch hast."

Hast du schon' mal Freilich, öfter." Warum?"- ,, Weil

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Es werden im Auguſt dreiundzwanzig Jahre,

AUS DEM REICHE

DES

Nr. 250

Samstag, den 24. Oktober

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1903.