Ausgabe 
24.6.1903 Erstes Blatt
 
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Wähler des 1. Hess. Wahlkreises

Gießen- Grünberg- Nidda!

Was in den Tagen vor dem 16. Juni, dem Hauptwahltage, die Deutsch soziale Reformpartei und die ver­einigten liberalen Parteien im Wahlkampfe trennte, das laßt uns jetzt vergessen. Im Kampfeseifer der Wahl­kampagne fallen hüben wie drüben harte Worte, das liegt in der menschlichen Natur. Solche Auswüchse der Leidenschaft dürfen niemals den klaren Blick des Wählers trüben und zu Schritten verleiten, die dem Allgemein­wohl später schaden würden. Es war eine jede von beiden genam ten Parteien darauf bedacht, die höchste Stimmen. zahl zu erhalten. Jetzt aber nun, da das Geschick es wollte, daß unser seitheriger Reichstags: abgeordneter, Bürgermeister Köhler- Langsdorf, dem liberalen Kandidaten um wenig Stimmen nachgeblieben ist, laßt den Parteihader ruhn; unsere vornehmste Aufgabe ist jetzt die, unseren Wahlkreis, der eine Urkraft von Deutschtum in sich birgt, und immer deutsch vertreten war, nicht den Sozialdemokraten auszuliefern.

Wähler von Stadt und Land, als vor 5 Jahren Bürgermeister Köhler die meisten Stimmen auf sich vereinigte, da waren die Liberalen keinen Augenblick im Zweifel, wen sie in der Stichwahl ihre Unterstüßung zu­wenden sollten.

Gegen die Sozialdemokratie!

so hieß es damals, und, Bürger, ist die Situation heute eine andere? Nein! Wir, im 1. hess. Wahlkreis, wollen keinen Sozialdemokraten als Reichstagsabgeordneten, wir wollen keinen Abgeordneten, der gegen die bestehende Staatsordnung ist.

Wir wollen einen Abgeordneten, der in Ruhe und mit verständigem Blick die erforderlichen Reformen in unserem Staate weiter ausbauen hilft.

Wir wollen einen Abgeordneten, der die Wünsche und Mängel unserer ganzen Provinz, besonders die des Bauern- und Handwerkerstandes kennt und denselben Rechnung zu tragen bestrebt ist.

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Wir wollen einen Abgeordneten, der mit dem Wirken und Schaffen unserer Bevölkerung auf's Engste verwachsen ist.

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Ihr Wähler, die Garantie für all dieses zusammen bietet Euch kein sozialdemokratischer Abgeordneter, nicht buchen Wolfes der Stadtverordnete Krumm; zeiget morgen am Donnerstag, dem Tage der Stichwahl, daß der Wahlkreis Gießen­Grünberg- Nidda auch fernerhin von einem deutschen Manne im deutschen Parlament vertreten sein soll. Als vor wenigen Tagen im selben Blatte von einem Freund Köhler's die Parole:

Das Vaterland über die Partei,

-

den Wählern in Erinnerung zurückgerufen wurde, da waren wir uns klar, daß dieser Rat der einzig richtige ist. Deshalb erwarten wir von jedem deutschen Bürger, daß er bei der bevorstehenden Stichwahl keinen Moment im 3weifel ist, wem er seine Stimme zu geben hat! Jeder reichstreue Wähler muß in einem kritischen Augenblicke der Entwickelung Deutschlands sich bewußt bleiben, daß er berufen ist, mit seiner Stimme den Ausschlag zu geben, ob die sozialdemokratische Herrschaft noch mächtiger werden, oder ob eine ruhige Ausbauung der inneren Verhältnisse unseres lieben Vaterlandes angebahnt werden soll!

Darum giebt es morgen am Stichwahlstage nur die eine Parole:

Wir wählen Wann für Mann

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den Mann, der durch harte Arbeit sich emporgearbeitet hat und uns die Bürgschaft bietet, daß auch durch ihn unsere Interessen aufs beste vertreten werden.

[ 1844]

Mehrere Wähler von Grünberg und Umgegend.

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