Ausgabe 
23.5.1903 Erstes Blatt
 
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Sihung der Stadtverordneten.

W. Gießen, 23. Mai 1903.

Gestern Nachmittag um 4 Uhr eröffnete der Oberbürger­meister Mecum die Verhandlungen in der Stadtverord­neten- Versammlung, indem er Mitteilung machte über den schon bekannt gewordenen Besuch unserer Stadt durch den Landesherrn am 29. Mai aus Anlaß der Regimentsfeier. Ein Baugesuch von Jakob Hartmann von Heuchel­heim auf Gießens Gelände, welches demnächst nach Beendi­gung der Gemarkungsgrenzen- Regulierung zwischen Gießen und Heuchelheim der letzteren zufällt, findet durch die Ver­sammlung zustimmende Erledigung. Für ein Baugesuch des Ludwig Müller, Bahnhofstraße 61( es handelt sich um eine Backhausanlage) wird der erbetene Dispens nicht befürwortet. Ein weiteres Dispensgesuch von Hofmann für die Wetsteinstraße( um den vorhandenen Hofraum un­zulässig zu bebauen) findet ebenfalls keine Befürwortung. Das Gesuch des Müller Möser II. zur Erweiterung seines Mühlengrundstückes den daran grenzenden Stadtgraben über­bauen zu dürfen, wird abgelehnt. Wegen des angeforderten Straßenkostenbeitrages für die Länge des Bauplages auf welchem die katholische Kirche errichtet wird, fühlte sich die katholische Gemeinde beschwert und wird von der Versamm lung zugestimmt, daß etwa ¼ des geforderten Beitrages gestundet werden soll. Dem Konrad Rübsamen soll am alten Viehmarktplaß ein Kieslagerplat pachtweise über lassen werden, doch soll er denselben einfriedigen. Stadtv. Helfrich regt bei dieser Gelegenheit an den bei der Kana­lisation entbehrlichen Boden, welches zur Erhöhung des Schweinemarktes Verwendung findet, doch nicht wie es jetzt geschieht ohne Plan, dort abzuladen. Der Oberbürgermeister wird dieserhalb das Tiefbauamt anweisen. Beranlaßt durch die Genehmigung seitens der Versammlung für die Plockstraße hat H. Hettler ein Gesuch an die Bürger­meisterei gerichtet, ihm in der gleichen Weise wie Stalizky zu gestatten, seinen Wirtschaftsbetrieb auf den Bürgersteig der Südanlage ausdehnen zu dürfen. Die Baudeputation schlägt vor das Gesuch abzulehnen. Die Verhältnisse der Südanlage liegen ganz anders wie die vor dem Cafe Sta­lizty. Läge aber für das Cafe Hettler ein Bedürfnis für einen Wirtschaftsbetrieb im Freien vor, so könne sich der Gesuchsteller ja helfen, indem er seinen nach der Frankfurter­ftraße zu liegenden Vorgarten zu diesem 8wede benußen tonne. Die Versammlung lehnt das Gesuch Hettlers ab. Die Versammlung genehmigt für das Ausfahren der Schmutz­wassergruben bei der Provinzial- Siechenanstalt den von Chr. Nebe verlangten Betrag von 12 resp. 2 Mart pro Tonne. -Für die Herstellung der Bürgersteige in der Landgrafen­straße liegt ein Beschluß der Versammlung vor, daß dies mit Gail'schen Klintern geschehen soll. Es liegt nun wegen Lieferung dieses Materials von der Gail'schen Dampfziegelei eine Offerte vor, welche die Stadtverordneten gutheißen. Das Tiefbauamt hat den Antrag gestellt im Anschluß an die Bürgersteigregulierung in der Landgrafenstraße auch vor den Villen in der Ostanlage entlang dem Schoorweg Trottoir herzustellen. Die Baudeputation

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beantragt zu diesem Zwecke 1400 Mark zu bewilligen. Stadto. Hanau tann nicht einsehen, welche Verpflichtung die Stadt hat vor den beiden ron Stein u. Meyer dort am Schoorgraban erbauten Häusern 1400 Mark für Trottoir aufzuwenden. Der Oberbürgermeister bemerkt, nach dem man einmal das Bauen an jener Stelle erlaubt hat, hat die Stadt auch die Pflicht, die Straße in passierbaren Zustand zu versetzen und zu unterhalten.- Stadt. Krumm verweist darauf, daß die Bauerlaubniß zur Zeit unter der ausdrücklichen Bedingung an Stein u. Meyer erteilt wurde, daß dadurch der Schoorweg seinen Charakter als Anlage nicht verlieren dürfe, demgegenüber bemerkt der Ober­bürgermeister, daß den Besizern der Häuser das Be­fahren des Schoorweges mit leichtem Fuhrwerk ausdrücklich erlaubt sei. Es sei aber auch nötig, daß die Bewohner der Häuser auch bei Regenwetter in diese gelangen können, dafür müsse man sorgen. Stadtv. Wallenfels hielt die Notwendigkeit für vorliegend, daß an der geplanten Stelle was geschehen muß. Stadtv. Schmal! bemerkt, daß 1400 Mark für 2 Häuser zu viel seien. Liegen aber die angeführten Mißstände vor, so könne man diese mit be­scheideneren Mittel beseitigen.- Stadtv. Emmelius er­kennt das Vorliegen eines Mißstandes für die Bewohner der beiden Gebäude am Schoorweg an, aber er sei der An­sicht, daß es Sache von Stein u. Meyer set, hier Wandel zu schaffen. Der Oberbürgermeister bemerkt, daß die Anlieger selbstverständlich zu den Trottoirkosten beizu tragen haben. Stadtv. Krumm wundert sich nur über die Schnelligkeit mit welcher man an dieser Stelle verfährt, während z. B. die Leute im Schiffenberger Tal schon seit 6 Jahren auf ein Trottoir warten. Der Fall sei auch nicht so dringlich wie man thue. Wünschen aber die Besizer der beiden Häuser das Trottoir, so mögen sie es selber machen lassen. Danach wird der Antrag von den Stadtverordneten abgelehnt.

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Giessener Cagesneuigkeiten.

Gießen, 23. Mai 1903.

** Am 18. oder 19. Junt wird wie bestimmt ver­lautet Graf Waldersee, der Inspekteur der III. Armee­Inspektion, zur Besichtigung der drei Bataillone hier ein­treffen. Auch die 100 jährige Jubelfeier unseres treffen. Auch die 100 jährige Jubelfeier unseres Regiments ist nun definitiv auf den 29. Mai festgesezt. Voraussichtlich wird der Großherzog 1.50 Uhr hier eintreffen, um sich direkt nach Oswalds Garten zur Parade zu begeben. Hieran anschließend Besichtigung des neuen und alten Schlosses. Nach erfolgtem Diner im Offizierskasino am Brand Abfahrt, die auf 5.50 Uhr festgesetzt ist.

**[ 8ur Reichstagswahl.] Die Vorstände des freisinnigen und nationalliberalen Vereins haben es seitdem Schloßmacher Offenbach abgelehnt hat für unsere Wahlkreise zum Reichstag zu kandidieren an Bemühungen nicht fehlen lassen, doch noch den rechten Mann zur Wahl zu stellen. Wir hören, daß heute Abend die Vertreter der bürgerlichen Parteien sich schlüssig machen werden, über die Person des

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Kandidaten, der wie man versichert, entschiedener Anhänger von Handelsverträgen ist.

* Heute Nachmittag hält der Reichstagskandidat Herr Kreisrat Dr. Wallau im Guntrum'schen Saale in Schliz eine allgemeine Wählerversammlung ab. Morgen Sonntag finden Wählerversammlungen in Schotten und Ulrichstein statt in welchen er sich ebenfalls als Kandidat vorstellen wird.

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** Friedberg. Wie die Volkswacht" mitteilt, hat eine Vertrauens männerversammlung des hessischen Bauernbundes beschlossen, bei der bevorstehenden Reichstagswahl für die Wiederwahl des seitherigen Abgeordneten Grafen Oriola ein­zutreten.

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* Alsfeld. Die Sozialdemokraten stellten für den Reichstagswahlkreis Alsfeld- Lauterbach- Schotten Dr. Michels aus Marburg als Kandidaten auf.

** Der Großherzog hat den provisorischen Assisten­ten bei der Gewerbeinspektion Gießen, Dr. phil. Wilhelm Schneider aus Buzbach zum Assistenten bei dieser Behörde

ernannt.

** Oberlehrer Herr August Klein an der Augustiner­schule zu Friedberg wurde auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.

** Ernannt wurde der Gefangenwärter am Pro­vinzialarresthaus in Gießen Heinrich Balser zum Gefangen­aufseher an dieser Anstalt.

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* Die Stadtverordneten wählten gestern zum Schularzt den Kreisassistenzarzt Dr. Bötticher. Weiter bewilligten die Stadtverordneten zu dem schon bestehenden Zuschuß der Omnibus- Gesellschaft noch weitere 3000 Mt. zur Deckung des Fehlbetrages vor 1902.

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Jubiläum. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Gewerbebant Gießen, Stadtverordnete Petri beging gestern sein 25jähriges Jubiläum als Mitglied dieser Körperschaft.

§ Der neue Bürgermeister Kaiser von Bad Nauheim soll am 1. Juni in sein Amt eingewiesen werden, an welchem Tage auch die Städteordnung in Kraft tritt.

** Mainz, 22. Mai. Durch das heute verkündete Ur­teil der ersten Straffammer wurde der Redakteur der Mainzer Volkszeitung", Bernhard Abelung wegen Beleidigung S. M. des Kaisers, verübt durch die Veröffentlichung zweier Artikel, zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.

** Friedberg, 21. Mai. Ueberfahren und sofort ge­tötet wurde vorige Nacht auf dem Güterbahnhof Frankfurt der von hier gebürtige Rangierer Karl Geier. G. stürzte beim Rangieren unter den Wagen und sein Körper wurde überfahren.

Gtezes, 23. Mai. aus dem heutigen Womenmarit tosteren Butter per Pib. 1.10-1.25 Mt. Hühnereter 6 Pfg., 2 St.11 Bfg., EnteneterSt. 6-7 Pfg., Käse per St. 5-8 Pfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Pfg., Erbsen ver Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Pfg., Tauben per Paar Mr. 0.80-1.20), Hühner per Stüd Mt. 1.40-2 20, Hahnen, p.r, Stüd Mt. 1,30-2.00, Enten per Stüd 2.00-2.40, Gänse p. Bsd. 54-60 Pfg, Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfg., Rindfleisch per Pfd. 60-66 Bfg. Schweinefleisch per Pfd. 66-76 Bfe Schweine­fleisch gesalzen per Pfund 0.80 Pfa., Kalbfleisch per Pfd. 68-74 Pfg., Hammelfleisch per Pfd. 52-72 Pfg., Kartoffeln per 100 kilo 8.50-0.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mr. 9.00-10.00, Milch per Liter 18 Pfa. für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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