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auer Wahrscheinlichkeit nach nicht auf seinen Posten zurückkehren. Es heißt, daß die allbekannte Komplott­riecherei im Mildiz Kiosk daran schuld sei. Eine Unzahl von Anklagen gegen ihn seien erhoben und seine Stellung dadurch unhaltbar geworden.

Der Zarenbesuch in Italien wird nun doch stattfinden! Der italienische Botschafter in Petersburg, der soeben in Rom eingetroffen ist, hat bestimmt erklärt, daß der Zar seine Reise nach Italien im kommenden Frühjahr unter­nehmen wird. Sollten auch dann sozialistische Kundgeb­ungen angefündigt werden, so wird die Zusammenfunst zu Schiffe, und zwar im Hafen von Neapel stattfinden. Der Besuch des Zaren soll in die Zeit unmittelbar vor oder nach dem Besuche Loubets in Rom fallen. Dieses unerwar­tete Entgegenkonumen des russischen Herrschers ändert in­dessen nichts an der Tatsache, daß das Schicksal des Kabi­ketts Zanardelli besiegelt ist. Zanardelli hat sein Rücktritts­gesuch, dem sich die übrigen Mitglieder des Kabinetts ange­schlossen haben, mit den üblichen Gesundheitsrücksichten be­gründet. Er empfiehlt dem König als seinen Nachfolger Visconti Venosta, dem früheren Minister des Auswärtigen und Ministerpräsidenten. Von anderer Seite wird Giolitti als fünftiger Ministerpräsident genannt. In jedem Falle dürfte das neue Kabinett nur ein Uebergangsministerium sein.

O Der neue Papst hat während seiner kurzen Regierungs­zeit schon manchmal zu abenteuerlichen Gerüchten unbeab­sichtigt den Stoff geliefert. Auch eine neue Meldung ge hört offenbar zu dieser Kategorie. Danach versuche Papst Pius X. neuerdings auf nichtoffiziellem Wege Verhand­lungen mit der italienischen Regierung über einen modus vivendi zwischen Vatikan und Quirinal anzuknüpfen. Als feine Motive seien erstens seine Friedensliebe und zweitens seine Lust an Bewegungsfreiheit anzusehen. Punkt zwei deckt sich also mit früheren Versionen. Natürlich, so wird hinzugefügt, läge dem Papst daran, daß Italien auf ihn zufäme".... Man wird nicht lange auf das Dementi dieser Information" zu warten brauchen. Sie ist nur deshalb von Interesse, weil sie offenbar wieder einen von den Tropfen darstellt, die den Stein höhlen sollen.

Das norwegische Ministerium Blehr hat seine Ent­lassung gegeben. Der Führer der Rechten im Storthing, Professor Dr. Hagerup, hat dem König bereits eine neue Ministerliste unterbreitet und ist mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt worden..

[ Eine gefährliche Schaustellung. In Völklingen pro­duzierte sich auf der Kirmes eine Tierbändigerin, die eine Riesenschlange um ihren Hals legte, um die Ungefährlich­keit des Tieres darzutun. Die Schlange zog sich jedoch plötzlich zusammen und preßte dem Mädchen den Hals zu, so daß es erstickte. Der Budenbesizer hieb so lange auf das mörderische Tier los, bis es zerstückelt und unschädlich ge­macht war.

[ Das Maulwurfspelzwerk,] das diesen Winter die Mode beherrschen wird, erregt schon jetzt das Entzücken aller Pariser und Londoner Damen. Im Durchschnitt mißt ein Maulwurfsfell nur drei zu zweieinhalb Zoll. Wenn des­halb ein alles bedeckender Motorrock für Damen aus Maul­wurfsfellen gemacht werden soll, müssen 700 Tiere ge­tötet werden! Eine gewöhnliche Stola von der jetzt moder­nen Breite und Länge erfordert 150 Felle. Die Pelzhändler Londons und anderer europäischer Hauptstädte brauchen also Maulwurfsfelle millionenweise. Die schottischen Maulwürfe sind die schönsten und besten. Ihr Pelz zeigt einen deut­lichen blauen Ton in seinem Grau. Er ist auch sehr dicht und vollkommen weich. Ein ungegerbtes Fell kostet dem Pelzhändler 75 bis 85 Pfennig; soviel muß er dem Fänger bezahlen, selbst wenn er die Maulwürfe zu tausenden be­stellt und kauft. Die Pelzhändler suchen natürlich das fleine Fell möglichst vorteilhaft zu verwenden. Manchmal werden die kleinen Felle übereinander gelegt, was sehr gut wirft.

* Im Riesenstreik in Armentieres dürfte demnächst doch wohl eine friedlichere Stimmung Plaz greifen. Der sozialistische Führer Jaurès soll die Absicht haben, seinen Einfluß in beruhigendem Sinne geltend zu machen. Auch in Dünkirchen wird's ruhiger. Die Kohlenverlader haben sich die Mißbilligung der Hafenarbeiter zugezogen, weil sie ohne Zustimmung der Genossenschaft in den Aus­stand eingetreten sind. Infolgedessen wird den braven Leuten wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Arbeit wieder aufzunehmen. Bedrohlicher sieht die Sache in Bilbao aus, wo sich die Zahl der Ausständigen jezt auf nahezu 19 000 beläuft. Der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen, und die Gendarmerie mußte verstärkt werden.

In Bulgarien scheint man friedlich werden zu wollen. Neuerdings wurde wenigstens die Entlassung einer weiteren Reserveklasse verfügt. Dazu wird offenbar offiziös bemerkt, daß die Regierung überhaupt zu größeren Entlassungen bereit sei, wenn die Türkei dasselbe tue. Bisher lag die Sache bekanntlich umgekehrt.

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Lokales.

Gießen, 22. Oftober 1908. * Der Großherzog empfing am 21. Oktober u. a. den Oberpfarrer Vogt von Lauterbach, den Professor Gisebius von der Landesuniversität Gießen.

** Geburtstag der Kaiserin. Auf den öffent­lichen Gebäuden wehen heute aus Anlaß des 45. Geburts. tags der Kaiserin die Fahnen, die Truppen haben einen dienstfreien Tag und Parade- Anzug angelegt. Vertrauens

voll blickt das deutsche Volk zur Kaiserin Augusta Viktoria, der vielgeprüften Tochter vom Fürstenstamm des meer. umschlungenen Schleswig- Holstein empor und wünscht ihr, der hohen Protektorin der Nächstenlieben, daß allzeit die Liebe des Volkes, der Segen den sie so reich ausgestreut, erhalten bleibe.

Die meiſtverschuldete Stadt in Deutschland ist nach einem soeben erschienenen statistischen Ausweis die Reichs­hauptstadt. Sie hat rund 313 Millionen Anleihe und son­stige Schulden, einschließlich eines vorübergehend aufgenom= menen" Darlehns von 9,7 und der Amts- u. s. w. Kau­tionen von 11,2 Millionen Mark. Die nächſtgrößte Schuldenlast hat die Stadt München( 147,5 Millionen), dann folgen Frankfurt a. M. mit 107, Leipzig mit 82,6, Köln mit 73,4, Hannover mit 68,8, Dresden mit 63,3 und Breslau mit 57 Millionen Mark. Unter den folgenden sieben Städten, die zwischen 40 und 50 Millionen Schulden haben, befindet sich auch das reiche" Charlottenburg mit 43,5 Millionen; mehr haben Elberfeld, Magdeburg, Nürn­berg und Düsseldorf( von 47 Millionen herab bis auf 44), weniger Mannheim und Stettin( 42 Millionen). Auch in Bezug auf die Höhe der Gesamtausgabe für Tilgung und Verzinsung der Schuldenlast steht Berlin( mit 16% Millionen Mark) an der Spize; den nächst höheren Be­trag hat zu diesem Zweck aber Köln( mit 10,8 Millionen) aufzuwenden und ihm folgen dann erst München( mit 8,4) und Frankfurt a. M.( mit 7,4 Millionen Mark). Die Ge­samtsumme der Schulden für 52 Städte beläuft sich auf über 1865 Millionen Mark, nicht gerechnet eine inzwischen neu aufgenommene Anleiheschuld von 216 Millionen, zu der bald auch noch die Berliner 228 Millionen- Anleihe wird zu rechnen sein.

Die von dem Schotten Maclean gegebene Schilderung der Lage in Marokko erweist sich doch als recht euphemistisch. Jetzt sollen sich die Schürfa, ein außerordentlich einfluß­reicher Stamm, dem Präsidenten Bu- Szumare, der schon von aller Welt verlassen sein sollte, angeschlossen haben. Damit wäre für den Sultan die Lage sehr verschlechtert. Auch heißt es, daß neuerdings die Regierungstruppen wie­der einmal von den Insurgenten geschlagen worden wären und ernsthafte Verluste erlitten hätten. Weiter berichtet man, daß eine Verschwörung, die sich gegen das Leben des belgischen Gesandten richtete, nur an der Uneinigkeit der Stämme im legten Augenblicke gescheitert sei. Und Maclean wußte doch soviel Schönes über die unangetastete und un­antastbare Herrschaft seines reformfreudigen Sultans zu sagen und über die gewitterlose Ruhe, die im Lande herrsche und nur von Böswilligen für ein unhaltbarer Zustand er­klärt werde!

Heer und flotte.

Die veralteten Hochsee- Torpedoboote werden auf der Kieler Werst zur Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit mit neuen Kesseln versehen und sollen hernach in der Ostsee eine Division bilden.

Der Marine- Verein von Kiantschou ist als erster Krieger­verein aus unseren Kolonien dem Kyffhäuser- Bund bei­getreten. Der Verein zählt 6 Ehrenmitglieder und 71 Mit­glieder.

Eine neue Mitrailleuse ist von einem gemeinen franzö fischen Soldaten erfunden worden. Das Kriegsministerium wendet der neuen Waffe seine spezielle Aufmerksamkeit zu. Die Mitrailleufe ist 2 Meter und 15 Zentimeter lang und wiegt 1800 Kilogramm. Sie ist aus 20 Rohren zusammen­gesezt, die in zwei Minuten 480 Schüsse abgeben können mit einer Munition von 24 Patronen für jeden Lauf. Die Läufe sind nach Art der Lebelgewehre gezogen und die Schußweite beträgt 3000 Meter.

Nah und fern.

Die 228 Millionen- Anleihe der Stadt Berlin ist von der Regierung genehmigt worden. Sie soll in zwei Serien zerlegt und nach Bedarf ausgegeben werden. Die erste soll in Höhe von 128 Millionen Mark ausgegeben und vom 1. April 1908 ab amortisiert werden. Der Zinsfuß ist auf v. H. festgestellt.

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** Wie uns aus sicherer Quelle mitgeteilt wird, ist Herr Pfarrer Schwabe zu Rödgen zum Pfarrer der Markusgemeinde zu Gießen ernannt worden.

* Die Vorlage des Oberkonsistoriums, die Aus. arbeitung eines Kirchenbuches für die evangel. Kirche des Großh. Hessen wurde, wie vom Geh. Kirchen­rat Köstlin- Gießen ausgeführt, von der Landessynode ge­nehmigt. Der 1. Teil liegt im Druck bereits vor, der 2. Teil soll ohne weitere Beschlußfassung der Synode fertig gestellt werden.

Freiherr v. Wrede verhaftet. In Köln a. Rh. wurde der Freiherr Georg v. Wrede verhaftet, der vor einiger Zeit von der Straffammer in Braunschweig wegen Betruges zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war, sich aber der Vollstreckung des Urteils durch die Flucht entzogen hatte. Der Festgenommene wurde in sicherer Begleitung der Straf­anstalt in Wolfenbüttel zugeführt.

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Ortsgewerbeverein- Gießen. In der am 20. d. Mtz. abgehaltenen Generalversammlung, welche sehr schwach besucht war, wurde über das geplante Genossenschaftswesen für das Großherzogtum Hessen verhandelt. Nach längerer Debatte, in welcher das Für" und Wider" lebhaft zum Austausch gebracht wurde, beschloß man: das geplante Unternehmen durch Aufnahme von 5 Aftien à 200 Mt. zu unterstützen, im übrigen aber zunächst noch eine abwartende Stellung einzunehmen, und zwar ins besondere deshalb, weil man für die Allgemeinheit einen tat­sächlichen Nutzen z. Zt. noch nicht erkennen tann."

Ein peinlicher polizeilicher Mißgriff passierte in Mei­ningen. Dort arretierte ein Polizist die Gattin des komman­dierenden Generals des XVI. Armeekorps, v. Stößzer, die zusammen mit ihrem Gemahl in einem dortigen Hotel Wohnung genommen hatte. Der General, der unmittelbar hinter seiner Gemahlin ging, intervenierte sofort, und der Beamte entfernte sich unter Entschuldigungen.

Einweihung des Potsdamer Kaiser Friedrich Denkmals. Auf dem Luisenplatz zu Potsdam wurde das von der Stadt errichtete Standbild Kaiser Friedrichs, ein Werk des Bild­hauers Eugen Börmel, in Anwesenheit des Kaiserpaares, des Kronprinzen und der in Berlin weilenden Prinzen und Prinzessinnen feierlich enthüllt. Die Prinzen Eitel Friedrich, Adalbert, August Wilhelm, Oskar und Joachim waren bei der Leibkompagnie des 1. Garde- Regiments eingetreten, die zusammen mit der Leibeskadron der Garde du Corps die militärischen Ehren erwies. Der Kaiser, in der Uniform des 1. Garde- Regiments, und die Kaiserin, in einem matt­blauen Sammetkostüm, nahmen in einem prunkvollen Baldachin Platz. Nach einer Hymne des Männergesang­bereins entwarf Bürgermeister Vorfastner in kurzen Worten ein Lebensbild des Kaisers Friedrich. Dann fiel die Hülle, während die Truppen präsentierten. Mit dem Gesang der Nationalhymne und dem Niederländischen Dankgebet" schloß die erhebende Feier.

* Die Verhaftung eines mutmaßlichen Anarchisten wird aus Kiel gemeldet. Auf dem dortigen Hauptpostamte er­schien ein Fremder und nahm die Berliner anarchistische Zeit­schrift Neues Leben" in Empfang. Ein benachrichtigter Polizeibeamter stellte fest, daß der Unbekannte Ausländer ist und unter verschiedenen Namen aufzutreten pflegt. Er hat demnächst seine Ausweisung zu gewärtigen.

Dynamitattentat. Gegen das Haus des Pfarrers in dem luxemburgischen Orte Medernach wurde ein Dynamit­attentat gerichtet, das großen Sachschaden anrichtete. Es handelt sich um einen Racheakt.

** Gemälde- Ausstellung. Dr. Caesar, der Besizer des alten Gebäudes, die frühere Hirsch- Apotheke am Markt zu Gießen, hat deren untere Räume auf einige Wochen Leib dem Aelteren überlassen, welcher darin eine Gemälde- Ausstellung veranstalten wird.

A Neuer Raubanfall auf eine russische Bahn. Aus Tam­bom wird gemeldet, daß zwischen Tambow und Ljade der Rjäsan- Uralschen Bahn in einem Güterzuge der Versuch gemacht wurde, einen Wagen zu berauben. Der Schaffner wurde verwundet. Die Uebeltäter entfamen. In kurzer Zeit ist dies schon der dritte Fall, daß russische Bahnzüge von Räubern überfallen werden.

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Herr Theaterdirektor Steingoetter teilt uns mit, daß von jeßt an für eine gleichmäßige Durchwärmung des Theatersaales Sorge getragen ist.- Dringend wird auch darauf hingewiesen, daß der Anfang der Vorstellungen pünktlich 8 Uhr stattfindet.

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** Stadttheater Gießen. Auf vielseitigen Wunsch findet am nächsten Sonntag noch eine Extra- Aufführung von Der blinde Passagier" statt; da dies die zweite Aufführung des Stückes im Sonntagsabonnement ist, so wird den Abonnenten gestattet, für ihre Plätze Gutscheine für eine andere Abonnementsvorstellung ohne Aufschlag einzulösen. Diese Sonntagsaufführung des hübsch ausgestatteten Stückes ist unter allen Umständen die letzte. Sonntag Nach­mittag 3,30 Uhr findet die erste Kindervorstellung der Saison statt und zwar gelangt Die Mär vom tapferen Schneiderlein" zur Aufführung.

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Selbstmordversuch. Heute vormittag wurde in Gießen ein 16jähriges Mädchen, das anscheinend frei­willig den Tod in der Lahn am sog. Konfirmandensprung suchen wollte, von dem Bademetster Phil. Müller, und zwar in dem Moment als es untergehen wollte, gerettet. Müller war ca. 80-100 Meter von dem Tatort entfernt und sprang dem Mädchen, das etwa 20-25 Meter vom Ufer entfernt war, nach. Das Mädchen wurde seinen Eltern zu­geführt.

Präsident Steijn an der Riviera. Der frühere Prä­sident des Dranjefreistaates, Steijn, weilt seit einigen Tagen in Cannes an der Azurküste, um sich von den Prüfungen der letzten Jahre zu erholen. In einer kleinen Villa an der prächtigen Promenade de la Croisette hat sich der Er­präsident des Dranjefreistaates mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern niedergelassen, zwei reizenden Mädchen von zehn und zwölf Jahren, mit rosigen Gesichtern und langen, seidigen blonden Locken. Die bescheiden aussehende Villa liegt etwas außerhalb der Stadt Cannes in vollkommener Ruhe. Das Wohnhaus ist in Palmen verborgen; präch tige Gärten umgeben es, und der Blick erstreckt sich auf das Meer. Hier verbringt Steijn, in einem kleinen Wagen sitzend er kann nicht gehen einen Teil seiner Tage. Eine Lähmung seiner Glieder zwingt ihn zur völligsten Un­beweglichkeit. Nur sehr schwer fann er sich seiner Hände bedienen, so daß seine Frau ihm bei Tisch das Essen vor­schneidet. Der Präsident muß die strengste Ruhe beobachten, er darf niemand empfangen, kaum daß einige Freunde sekundenlang mit ihm sprechen.

Bunte Chronik. In dem Kurhaus auf der Heide bei Stuttgart erfolgte eine schwere Gaserplosion. Der Archi­tekt Hauser sowie ein Kurgast und ein Hausdiener erlitten schwere Brandwunden.

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§ Die diesjährigen Kontrollversammlungen im Kreise Alsfeld finden statt: zu Nieder- Ohmen am 12. Nov., vorm. 9,20 Uhr, am Bahnhof für die Bes wohner von Azenhain, Bernsfeld, Elpenrod, Ermenrod mit der Herrnmühle, Flensungen mit Mücke, Hainbach, Ilsdorf, Kirschgarten, Lehnheim, Merlau mit der Herrnmühle und Trippmühle, Nieder- Dhmen mit Ober- Grubenhof, Ober. Dhmen mit der Lackmühle und Rahnsmühle, Ruppertenrod mit der Nikolausmühle, Wettsaasen. Am 12. Nov., nachm. 3 Uhr am Bahnhof in Nieder- Gemünden für die Bewohner von Bleidenrod, Büßfeld, Burg- Gemünden, Deckenbach, Ehringshausen mit Oberndorf, Gontershausen, Haarhausen, Höingen, Homberg mit Wäldershausen, Maul­bach, Nieder- Gemünden, Nieder- Ofleiden, Ober- Dfleiden, Otterbach, Rülfenrod, Schadenbach. Zu Kirtorf am 13. Nov., vorm. 9,30 Uhr, auf dem Marktplaß, für die Bewohner von Appenrod, Arnshain, Bernsburg, Dannenrod mit Neu- Ulrichstein, Erbenhausen, Gleimenhain, Heimerts­hausen, Kirtorf, Lehrbach mit Schmitthof, Ober- Gleen, Ohmes, Ruhlkirchen, Wahlen. Zu Ober- Breidenbach am 13. Nov., nachm. 2 Uhr auf dem Brunnenplaß. für die Bewohner von Groß- Felda, Restrich, Klein- Felda, Nieder- Breidenbach, Ober- Breidenbach, Romrod, Schelln­hausen, Storndorf, Strebendorf, Vadenrod, Windhausen, Zeilbach mit der Burgmühle und Duckbörnerhof.

In der Grube Victoria bei Senftenberg stürzte ein Stollen ein; drei Bergleute wurden verschüttet.

Bei einem heftigen Föhnsturme ist das Dorf Vasön im Taminatale bis auf ein Haus abgebrannt. 40 Familien sind obdachlos. Es liegt Brandstiftung vor.

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W. Viehmarkt Gießen. Der gestrige Fahr­biehmarkt hatte einen Vorrat von 80 Gangochsen. Troz des kleinen Quantums der aufgefahrenen Tiere, war, da es an Kundschaft fehlte, der Handel gedrückt. strengen Vorschriften zur Verhütung der Seuchengefahr beranlassen die Käufer zurückzuhalten. Trotz des schlechten Marktes verlangten die Händler hohe Preise und waren auch nicht zu bewegen, abzulassen. Bezahlt wurde für Gangvieb pro Paar 1. Sorte 860-900 Mark, einige wenige bessere Paare bis zu 950 Mark. 2. Sorte 770-840 Mf.; 3. Sorte 650-750 Mt. blieben ca. 12 Baar überſtändig- Der Schweine­markt hatte einen Auftrieb von 800-900 Stück. Der Handel war bei guten mittleren Preisen überaus flott, so daß die Verkäufer ihren Vorrat schnell abgesetzt hatten und der Markt früh zu Ende ging. Markt: 10. und 11. November, am zweiten Markttage auch Krämermarkt.

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