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Bom 10. deutschen Turnfest in Nürnberg.

Der Abend des Festsonntags war turnerischen Festvor­führungen gewidmet: dieselben fanden auf der Bühne im Freien statt und gewährten vermöge der effektvollen Scheinwerfer­Beleuchtung einen prächtigen Anblick. Der Turnverein In­dianopolis( V. St. von Amerika) turnte in vorzüglicher Weise am Reck. Die Frauenabteilung des Nürnberger Turn­vereins führte einen farbenprächtigen Kostümreigen vor. Den Beschluß der Aufführungen machte der Männerturnverein Nürnberg mit hübschen Pyramiden. Der Festplaß war - Der Festplaß war durch hunderte von Bogen- und Glühlampen beleuchtet, und namentlich die glänzend illuminierten Festbauten gewährten einen prächtigen Anblick. Der Besuch war ganz enorm, was schon daraus hervorgeht, daß an diesem Tage neben anderen Flüssigkeiten nicht weniger als 637 Hektoliter Bier tonsumiert wurden. Bei dieser Gelegenheit sei mitgeteilt, daß die Verpflegung auf dem Festplaße gut ist.

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Der Festmontag brachte vor allem einen Teil des all­gemeinen Wetturnens. Es turnten u. a. Turner aus dem Kreise Mittelrhein( dabei die H ssen). An jedem der drei Geräte, Reck, Barren und Pferd wurden je 2 vorgeschriebene und eine selbstgewählte Uebung verlangt, die je nach Art der Ausführung mit 5 Punkten bewertet wurden. Die Geräte­übungen sind der Bedeutung des Wettkampfes entsprechend sehr schwierig, so daß es nur den besten der guten Turner möglich ist, mit Aussicht auf Erfolg am Turnen teilzunehmen. Geturnt wurde von den 680 heute angetretenen Turnern recht wacker, namentlich bei dem Kürturnen sah man hervor­ragende Leistungen.

Besonderes Interesse erregte das Turnen der Ausländer, das ebenfalls am Montag stattfand. Es waren beteiligt aud Amerika Indianopolis( Barren), New- York( Barren), aus Italien, Rom( Schaufelringe, Barren und Stüßen) und aus Rußland St. Petersburg. Daneben fanden den ganzen Tag über Turnspiele statt, und zwar Wett- und Muster­spiele, sodaß der Turnplaß den ganzen Tag über sehr be= lebt war.

Gestern abend hielten, wie nachträglich bemerkt sei, die deutsch österreichischen Turner eine Festfneipe ab, die sehr gut besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Es war eine weihevolle Feststunde, in der manches fernhafte deutsche Wort gesprochen wurde, das wohl bei den Deutschen Desterreichs auf guten Boden gefallen sein wird.

Zum Schluß des heutigen Berichtes seien noch einige statistische Mitteilungen gemacht, die für sich selbst sprechen. Es wurden am Samstag 35 000 und am Sonntag gar 30 000 Postkarten vom] Festpostamt abgesandt, angerechnet die zahlreichen sonstigen Sendungen. Die elektrische Straßen­bahn beförderte trotzdem der Verkehr lange Zeit gesperrt war, 125000 Personen.

Lokales.

Gießen, 22. Juli 1903. * Die nächste Tagung des Verbandes Mittel­deutscher Handelskammern wird in Kassel statt­finden.

** Akademische 8. Der außerordentliche Professor in der Marburger juristischen Fakultät Dr. Walther Schücking erhielt einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universi­tät Gießen, hat ihn aber nicht angenommen. Es wurde zum Ordinarius in der Marburger juristischen Fakultät er­nannt.

** Die gemeinsame Sigung des Konzert, Saalbau und Theatervereins, welche gestern Abend im Gesellschaftshaus stattgefunden hat, ergab, daß unsere seit Jahren mangelhaften Theaterverhältnisse in bessere Bahnen gebracht werden. Den Stein ins Rollen gebracht zu haben, verdient eigentlich ein vom Herrn Bolizeiamt­mann Hechler verfügter Polizeibefehl, wonach im Leib'schen Saal um bei einer eventuell einmal ausbrechenden Panik durch Feuer 2c. Unglücksfälle zu verhüten z. B. die Stühle am Boden befestigt werden sollen. Wollte der Besizer des gen. Saales diesem Befehl nachkommen, dann könnten andere Festlichkeiten, wie Bälle, Kommerse, welche gerade am besten die Rentabiletät des Baues sichern, nicht mehr darinnen ab­gehalten werden. Der Besitzer versteht sich also nicht zu dieser Umänderung und die Folge ist nun die, daß die drei obengenannten Vereine andere Theaterräume zu beschaffen sich verpflichtet fühlen. Daß sie an diese Frage gern heran­gehen, zeigte der zahlreiche Besuch der Versammlung. Herr Prof. Dr. Fromme referierte über die Theaterfrage sehr ausführlich und auch von einem sehr praktischen Standpunkte aus. Die finanzielle Frage wurde sehr eingehend erörtert, und danach zu urteilen, können wir die Hoffnung hegen, daß nicht allein die Bürnehmen", wie Herr Loz humoristisch zu betonen beliebte, sondern auch weite Kreise, unsere Geschäftsleute und Handwerker mit frisch an's Werk gehen werden. Für Beschaffung von Bau­plänen wird ein Preisausschreiben erfolgen, für welches 3000 Mt. vom Saalbauverein und cirka 2000 Mr. bom Theaterverein zur Verfügung stehen. Nach langer Diskussion erfolgte die Wahl zweier Kommissionen, einer Bau- und einer Finanz- Kommisson. In die Erstere wurden gewählt die Herren Kommerzienräte Gail, Georgi, Emmeltus und Heyligenstaedt, Justizrat Mez, Stadtverordneter Haubach und Professor Bier­mann. Die Bau- Kommission setzt sich zusammen aus den 1. Vorsitzenden der drei Vereine, den Herren Prof. Dr. Fromme, Geh. Rat Oncken und Geh. Nat Sprengel und den Herren Oberbürgermeister Mecum, Bauinspektor Becker, Stadtverordneten Kirch und Kaufmann Lotz.

** Landwirtschaftliche Ausstellung Gießen. Auf der landw. Ausstellung im September d. J8. in Gießen findet auch eine Konkurrenz in Molkereiprodukten statt und zwar in folgenden Klassen: Klasse 1: Süßrahmbutter, Klasse 2: Sauerrahmbutter, Klasse 3: Bauernbutter, Klasse 4: Käse, Klasse 5: andere Molkereiprodukte. Die Einsendung der betr. Produkte hat bis zum 5. September, nachdem eine ordnungs­mäßige Anmeldung vorausgegangen ist, zu erfolgen, und werden dieselben hiernach am 8. September durch 2 Preis­gerichte von Sachverständigen beurteilt und prämiiert.

Sämtliche Produtte werden alsdann unter Beifügung der zu­erkannten Preise in einer besonderen Abteilung auf der Aus­stellung ausgestellt. Als Preise kommen zur Vergebung: Siegerehrenpreis, 1 Staatsmedaille, Medaillen und Diplome.

** Der große Preis von Gießen, der am Sonn­tag, den 26. Juli, auf der Radrennbahn( Sportplaz an der Hardt) zum Austrag kommt, besteht aus einer Summe in baar von Mt. 500 für den ersten, 250 für den zweiten und 125 Mt. für den dritten Sieger. Niemand, der Inte­resse für Radsport hat, wolle dieses für Gießen einzig da­stehende sportliche Ereignis übersehen.

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** Deutsches Turnfest Nürnberg. Nach einer gestern abend eingegangenen Depesche des Gauturnwarts Will, hat die vom Turngau Hessen entsandte Muster­riege Preis- Anteil und der Turner Müller vom T.-V. Gießen 52 Punkte im Einzelwetturnen errungen. Gut Heil!

* Die tritischen Tage des zweiten Halbjahres 1903 sollen nach Falb die folgenden sein: 1. Ordnung 24. Juli, 22 August, 21. September, 20 Oftober und 4. De­zember; 2 Ordnung am 7. September, 6. Oftober, 5. No vember und 29. November; 3. Ordnung am 8. August und 18. Dezember.

Das Jubiläumsfest des Gießener Schüßen vereins hat mit dem gestrigen Tage sein Ende erreicht. Waren an den beiden letzten Tagen auch nicht so viele Be­sucher auf dem Festplate, so beteiligten sich doch umsomehr Schüßen, darunter viele von auswärts, an dem Preisschießen. Die Resultate deos lben sind Folgende:

a. Jubiläumsscheibe( 175 m.) 36 Ringe Schulz Marburg 35 Wilh. Becker- Gießen

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Roth Frankfurt a. M. Thomann- Offenbach a. M. Färber Offenbach a. M Stein- Fechenheim Biz Kastel Salbei- Offenbach Rauch- Hanau Gieße- Offenbach Kopp Fein- Fechenheim A. Difore- Gießen Trtor- Gießen Ulrich Marburg Schütz- Weilburg

Die Preise für die Jubiläumsfestscheibe b standen in recht schönen und wertvollen Gegenständen, die zum Teil von Gönnern und Mitgliedern des Vereins gestiftet wurden. Hier nur die 10 ersten Preise:

1. Preis: 1 Bierservice mit 6 Gläsern aus geschl. Glas und aus Geweihen zusammen gestellten Ständer; gestiftet von unserem Reichstagsabgeordneten Herra Kommerzienrat Hyligenstädt.

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1 silberner Tafelaufsaß.

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Brauerei Bichler.

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1 silberner Tafelaufsatz( gestiftet von Herrn Juvelier Carl Brück."

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1 Reisefoffer mit Toilettegegenständen, geftiftet von Herrn Aug. Rilbinger,

ein in modernem Rahmen eingefaßter Spiegel,

1 silbernes Theeservice mit Tablett.

1 geschnigter Stuhl.

1 Konfektdose aus geschliffenem Glas und mit si bernem Deckel, gestiftet von Herrn Brauereidirektor Lemmé.

Die Preise, bet denen keine Namen vermerkt sind, haben Vereinsmitglieder gestiftet.

Nachstehend nun die Schießresultate auf die anderen Scheiben; gestrichen haben wir hier die Namen der mit Er­folg hervorgegangenen auswärtigen Schüßen.

Scheibe Laufend Wild( 60 m)

1. Preis: Aug. Kilbinger- Gießen 35 Ringe Frit Seibel

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Auflege stand- Scheibe( 100 m):

A Wieseck, 20. Juli. Auf ein am Sonntag vom Bezirkskriegerfest an den Großherzog gerichtetes Begrüßungs­telegramm traf folgende Antwort ein: Gratultere zum Stiftungsfest und Fahnenjubiläum, sowie zu der von Seiner Majestät dem Kaiser verliehenen Fahnenschleife. Herzlichen Dank für treue Wünsche. Ernst Ludwig."

> Aus dem Biebertal. Holzversteigerung im Walde. Auf eine erneute Eingabe des Zentralvorstandes des Gewerbe­vereins für Nassau hat die Königl. Regierung beschieden, daß eine allgem. Anordnung, die Holzversteigerung nur an Ort und Stelle abzuhalten, nicht getroffen werden könne, doch solle Hinweisung ergehen, die für den Lokal- Bedarf be­stimmten Nutzhölzer soweit möglich größtenteils im Walde zum Verkauf zu stellen.

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Grünberg. Am Dienstag abend trafen von einer Besichtigung des Bahnbaues Laubach- Mücke mit Equipage der Direktionspräsident Thomé- Frankfurt in Begleitung von vier Direktionsmitgliedern auf dem hiesigen Bahnhof ein. Mit Sonderzug fuhren die Herren abends 7.36 über Gießen nach Frankfurt zurück. Die Eröffnung der Bahnstrecke soll, wie wir zuverlässig erfahren, am 1. Oftober erfolgen.

Wetterfeld. Die etwa 20 Jahre alte Tochter eines Landwirts, die auf dem Felde mit dem Hacken von Dick­wurzeln beschäftigt war, tehrte nicht nach Hause zurück. Die Angehörigen fanden auf dem Felde die Hacke, doch das Mädchen war spurlos verschwunden. Ob ein Verbrechen oder ein Unglücksfall vorliegt, muß die angestellte Nach­forschung ergeben.

** Schotten. Am 12. d. Mts. fand die feierliche Ueberreichung der Gesellenbriefe, verbunden mit einer Aus­stellung der gefertigten Gesellenstücke, sowie der Schüler­arbeiten der beiden Zeichenschulen statt. Als Vertreter der Großh. Zentralstelle war Herr Hauptlehrer Höhn aus Nidda erschienen. 14 Junggesellen, die sämtlich die Note gut be­standen" erhielten, wurden die Gesellenbriefe eingehändigt. Bei dieser Gelegenheit gelobten die Junggesellen durch Hand­schlag sich jederzeit dem eben erhaltenen Diplom würdig zu zeigen. An der Gesellenprüfung beteiligten sich 2 Schreiner, 1 Spengler, 1 Zimmermann, 1 Holzbildhauer, 1 Weißbinder, 2 Schlosser, 1 Wagner, 2 Schneider, 1 Schmied, 1 Schuh­macher und 1 Buchbinder.

* Butzbach, 20. Juli. Meisterprüfung. Am gestrigen Tage wurden zwei hiesige junge Handwerker durch die Meister- Prüfungskommission aus Gießen praktisch ge= prüft. Die theoretische Prüfung findet im Monat September statt. Nidda hat 12 Kandidaten aufzuweisen, welche sich heute der Prüfung unterziehen.

X Lauterbach, 18. Juli. Heute Morgen verunglückte an dem Bahn- Nubau Grebenhain- Gedern ein Bahnarbeiter aus Württemberg. Auf der Fahrt ins Krankenhaus ver­schied er jedoch bereits schon, als der Wagen in Herbstein antam. Die Leiche traf heute Nachmittag hier ein.

** Oberwalgern bei Fronhausen. Die hiesige Gemeinde­jagd, welche seither von einem Herrn aus Marburg gepachtet war, wurde für den Preis von 310 Mt. auf zwölf Jahre an die Herren Lucas und Brenner in Gießen verpachtet.

* Wetzlar, 20. Juli. Der Obst- und Gemüseverwertungs­kursus an hiesiger landw. Schule wurde heute mit 42 Teil­uehmerinnen aus Stadt und Land eröffnet.

* Offenbach, 20. Juli. Wie wir hören, beabsichtigt der Großherzog in der ersten Hälfte des Monats August unserer Stadt einen Besuch abzustatten. Der Großherzog wird bei einem hiesigen Großindustriellen absteigen und zwei im Nordende befindliche Fabriken besichtigen."

Mainz, 21. Juli. Zu Ehren der hier anwesenden deutschen Gastwirte läßt sich ihr Kollege, der Dicke Schorsch" aus Fränkisch- Crumbach 3 Tage lang, von Mittwoch an, im Schützenhof sehen. Schorsch wiegt 425 Pfund und hat 2 Meter im Umfange.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

Gießen, den 21. Juli 1908. Frau Katharine Will von Gießen ist wegen Frei­heitsberaubung angeklagt. Sie soll den Taglöhner Johannes Euler dahier etwa 34 Stunden in seinem Zimmer, wo er sich zum Schlafen hingelegt hatte, eingeschlossen haben. Da die Angabe des einzigen Belastungszeugen Euler sehr unbe­stimmt sind, tommt das Gericht zur Freisprechung. Das hiesige Schöffengericht hat s. 8t. den Taglöhner Adam Maurer von Alten- Bused wegen Körperverlegung z. N. des Philipp Moos von Lollar zu 30 Mt. Geldstrafe und wegen Bedrohung desselben zu 8 Mt. Geldstrafe verurteilt. Der vom Angeklagten gegen dieses Erkenntnis erfolgten Berufung wird heute stattgegeben und wegen Körperverlegung auf 10

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1. Preis: A. Kaufmann, Rechtsanwalt- Gießen 35 Ringe| Mt. Geldstrafe erkannt. Im übrigen erfolgt Freisprechung.

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Fr. Seibel- Gießen

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Nikolaus- Gießen

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A. Kilbinger- Gießen

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Ritter- Laubach

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Adolf Möhl- Gießen

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Kreuter- Grünberg

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Hogy- Laubach

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Standmeister- Scheibe( freih. 175 m):

4. Preis: A. Diforé Gießen 53 Ringe

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A. Kilbinger

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Ed. Noll Feldmeister Scheibe( freih. 300 m) 2. Preis: Adolf Möhl- Gießen 53 Ringe Gg. Appel

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Der Schweizer Ernst Schreier von Sonnenberg hat sich wegen Sachbeschädigung und Diebstahl zu verantworten. Er wird für schuldig erkannt, dem Pächter Wendel von Ofarben eine Kuh derart mißhandelt zu haben, daß diese geschlachtet werden mußte. Eine andere Kuh hat infolge Mißhandlungen die Milch verloren. Einem Mitknecht hat er eine Uhr, einem anderen eine Hose entwendet. Das Ges richt erkennt auf eine Gesamtstrafe von 9 Monaten Gefäng nis. Zum Schluß nimmt Julius Rée von Bleichen­bach auf der Antlagebant Plag. Der auf Abwege geratene, welcher bereits wegen Meineids und Betrugs bestraft ist, ist der Sohn des zu Bleichenbach verstorbenen Kirchenrats Detan Dr. Rée. Er ist beschuldigt, in der Zeit vom 10. Februar bis 10. März d. I. aus der Wohnung der Minna Leopold zu Bleichenbach über 30 Flaschen Wein gestof len zu haben; außerdem hat er zwei arme hiesige Einwohner um 133 Mr. bezw. 24 Mt. gebracht. Bezüglich des ersten Falles erfolgt Freisprechung, des Betrugs aber wird er für überführt erachtet und in eine Gefängnisstrafe von 8 Monaten und 2 Wochen genommen.

Verantwortlich: für den politischen und Inseratenteil Albin Klein; für das Lokale, den Gerichts." und" Oeffentlichen Sprechsaal": Fr. Oppermann Druck und Verlag der Gießener Berlagsbruckerei( vorm. Wilh. Keller), Gießen.