Ausgabe 
21.3.1903 Zweites Blatt
 
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Vermischtes.

[ Der Soldatenkönig und die Berlinerinnen.] In einem Vortrag, den der Schriftsteller Ernst v. Frens dorff im Verein für die Geschichte Berlins hielt, machte er interessante Mitteilungen über Maßnahmen des Col­batenkönigs Friedrich Wilhelm I. von Preußen, die in das Frauenleben damaliger Zeit tief einschneiden. Eine Hof­dame, die ihre toketterie nicht lassen wollte, wurde dabongejagt. Traf der König eine Frau, die nicht ganz schlicht gekleidet war, so warf er ihr die ehrenrührigsten Bezeichnungen an den Kopf. Eein Lob erhielten Frauen, wenn sie lediglich zu geschäftlichen Verrichtungen aus­gingen und die kinder inzwischen ,, wohl versorget" hat­ten. Der König traf einst in Charlottenburg ein wohl­gekleidetes ,, Frauenzimmer", das er sofort anſchnauzte; auch sagte er ihr gleich Liebschaften auf den Kopf zu. Und er hatte recht, sie gestand ihre Liebschaft ohne weiteres ein, und zu seinem Erstaunen vernahm der König, daß sie mit seinem eigenen Kammerdiener ver­tehrte. Er ließ beide aufs Echloß tommen und bestellte schnellstens einen Probst, der die beiden sofort traute. Der König gab strenge Kleiderordnungen für die ver­schiedenen Stände an. Die Damen halfen sich schließlich, indem sie die einfachen Kleider mit Epigen verzierten, und der Wert eines Kleides wurde dann oft genug nur nach den angehängten Kanten und Epißen berech­net. Uebrigens klagten die Hausfrauen viel über den Uebermut des Gesindes, über zu hohe Lohnforderungen. Es berührte auch wesentlich die Frauen, daß der König die Herenprozesse zwar noch nicht ganz beseitigte, aber doch sehr milderte. Er ließ z. B. einer 22jährigen bere"

einen Physitus und einen Geistlichen beigeben, auf de ren Gutachten hin sie ins Spinnhaus nach Spandau geschickt wurde zur Erziehung in weiblichen Arbeiten. So viel bekannt, war dies der letzte Herenprozeß in Berlin.

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[ egen und Liebe.] Der Alterspräsident der fran­zsischen Akademie, Legouvé, der dieser Tage im hohen Alter von 96 Jahren verstarb, war bis in seine lebten Lebenstage ein eifriger Anhänger des Fechtsports. Täg­lich machte er einen Gang von 15 Minuten mit seinem Fechtlehrer und noch wenige Stunden vor seinem Tode freuzte er mit jenem den Degen, um ihn aber schon nach 10 Minuten ermüdet sinken zu lassen und sich zu Bett zu legen zum ewigen Schlaf. Legouvé erklärte, daß er schon in seiner Eigenschaft als dramatischer Au­tor eine Vorliebe für den Degen haben müsse. ,, Was wollt Ihr" so pflegte er zu seinen Freunden zu sagen ,, in einem Theaterſtüd mit einem Mann an­fangen, der eine Pistolenkugel in die Brust erhalten hat? Der taugt Euch zu gar nichts mehr. Anders aber, wenn es einen Degenstich abgesezt hat. Dann kehrt der Ver­wundete nach zwei Minuten, mit der Hand zwischen zwei Westenknöpfen und mit einem heiteren Lächeln auf den Lippen auf die Szene zurück. Die von ihm heimlich Geliebte, für die er sich geschlagen, ruft aus: ,, Sie sind ja so bleich. Um Himmelswillen, was fehlt Ihnen?" Er: Jch, Fräulein?" Sie: ,, Oh, meine Ahnung, Sie haben sich geschlagen, Heinrich, für mich?" Und die Her­zen finden sich für ewig.

[ Die verhafteten Polizeibeamten.] Ein Pariser Polizeikommissar hatte in einer Kneipe einen Mann ver­haftet und wollte ihn zur nächsten Polizeiwache führen,

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als der Verhaftete plöglich rebellisch wurde und den e amten aufforderte, sich zu legitimieren; das verlangten benn auch die anderen Männer, die sich in der Kneipe be fanden und nahmen gegen den Beamten und einen Polizei­inspektor in Zivil, der ihm zu Hilfe tam, eine drohende paltung an. Das Amüsanteste war, daß zwei Polizisten in Uniform der Menge recht gaben und den Kommissar gleichfalls nach seinen Papieren fragten. Jest legte sich ber Polizeiinspektor ins Mittel und sagte: Ich kenne den Herrn persönlich, er ist wirklich Polizeikommissar!" - ,, Wer sind Sie selbst denn?" examinierten die Polizisten,

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Ich bin der Polizeiinspektor Soundso!"- ,, Womit wollen Sie das beweisen?" ,, Hier ist meine Karte." , Eine Karte fann jeder haben Sie kommen auch mit zur Wache!" Und so mußten sich denn der Kommissar und der Polizeiinspektor unter dem Gejohle der Menge zur Po­lizeiwache führen lassen; es war noch ein Glück, daß man ,, der Sicherheit wegen" auch den Verhafteten mitnahm. Auf der Wache war aber die Posse noch nicht zu Ende. Der Polizeioffizier war nicht anwesend, und ein alter übereifriger Wachmeister, der ihn vertrat, erklärte ohne weiteres die beiden Polizeibeamten für ,, gefährliche Bur schen", die einen Denkzettel haben müßten. Zufällig er. schien in diesem Augenblicke der Polizeikommissar Durand, der seinen Kollegen und den Polizeiinspektor warm be­grüßte und die Freilassung der beiden so hart mitgenom­menen Beamten bewirkte.

Bunte Chronik. Das Schwurgericht zu Kottbus ver­urteilte den Arbeiter Wilhelm Kniesche aus Treppen­borf wegen Raubes und Mordes zum Tode und Ab­erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit.

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ob der alte Herr schon darin sei

..o das würde i

ZLIM

HUMOR

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21. März.

sche Famili

1903.