Ausgabe 
19.9.1903 Erstes Blatt
 
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Chamberlains Rücktritt.

Was noch bis zuletzt kein Mensch in London für wahr. scheinlich hielt, ist eingetreten: Joe Chamberlain, der all­mächtige Minister in den Kabinetts Salisbury und Balfour, ist zurückgetreten! Mit ihm haben zwei Gegner der Zoll­politik im Ministerium, der Schatzkanzler Ritchie und der Staatssekretär für Indien Lord Hamilton, ihre Ent lassung genommen, und König Eduard VII. hat ohne Zögern die Abschiedsgesuche der drei genehmigt!

Was bedeutet dieser unerwartete Rücktritt Chamber­lains, neben dem derjenige der beiden anderen Kabinetts mitglieder nur eine untergeordnete Rolle spielt? Auf den ersten Blick will es scheinen, als sei dieser plötzliche Abgang Chamberlains eine Niederlage. Aber es scheint nur so. Cham berlain ist nicht gegangen, weil seine Stellung im Parlament etwa unhaltbar geworden wäre durch den jüngsten Beschluß der Mehrheit des Ministeriums, zwar Vergeltungszölle, nicht aber koloniale Vorzugszölle, das Hauptstück der Chamber­lainschen Vorschläge, einzuführen. Nein, deshalb hätte der Kolonialminister ruhig im Kabinett bleiben können. Cham­berlain ist gegangen wie er in einem Briefe an Balfour selbst erklärt, weil er, nachdem sich das Kabinett durch jenen Beschluß zollpolitisch festgelegt hat, als Mitglied des Kabinetts nicht mehr so energisch für seine eigenen Zollpäne hätte agitieren können. Das will Joe der Starrkopf aber, denn er ist des endlichen Sieges seiner Ideen sicher. Und so zog er denn den Ministerfrac aus, um ihn mit dem, ihm ja auch gut sitzenden Gewande des politischen Agitators zu vertauschen.

Als Privatmann, den noch der Nimbus des bedeutenden Staatsmannes umgibt, wird Chamberlain zweifellos_er­heblich mehr für die Einbürgerung seiner Ideen in Eng­land tun können, als er jemals hätte tun können, wenn er Mitglied eines Kabinetts geblieben wäre, das eine zwar verwandte, aber doch auch zum Teil wesentlich verschiedene Zollpolitik auf seine Fahne geschrieben hat.

Anscheinend ein Besiegter, in Wirklichkeit aber sich seines fünftigen Sieges bewußt, schreitet Chamberlain aus dem Kabinett Balfour, das inzwischen bei der Verfolgung seiner eigenen Zollpolitik nichts anderes tut, als daß es viel­leicht wider Willen, vielleicht absichtlich Chamberlain die Wege ebnet. Die Politik Balfours ist nur eine Etappe auf dem Wege, der zum Siege der zollpolitischen Ideen Chamberlains führt.

Englands größter Staatsmann der Gegenwart ist nicht * der Mann, sich auf der Höhe seiner Kraft selbst kaltzustellen. Chamberlain weiß, daß er zurückkehren wird, und nicht mehr als Kolonialminister, sondern als Chef des Kabinetts, als Premierminister von England und als eigentlicher Lenker des neu gefaßten Weltreichs, das er aus Groß­britannien und seinen Kolonien zu schaffen gedenkt und das er schaffen wird, wenn der Weltfriede noch ein Jahr­zehnt erhalten bleibt.

Uns Deutsche liebt Chamberlain nicht; wir zahlen ihm diese Abneigung mit reichlichen Zinsen heim. Seine Zoll­politik richtet sich vor allem gegen uns. Nichtsdestoweniger haben wir keinen Grund, uns seines jetzigen Rücktritts zu freuen und in Jubelhymnen darüber auszubrechen. Denn dieser Rücktritt bedeutet nur einen Schachzug des schlauen und klugen Ministers, der genau weiß, was er will und der die Partie, deren Einsatz die Ministerpräsidentschaft von England ist, glatt gewinnen wird.

noch weiter im Schlafe store. Diese Drohung führte er auc aus wurde aber von dem Vermieter wegen rückständiger Whete, do r einen Vertrag nib: ausgehalten hatte, verklagt Es kamen dadurch zwei Red tanwälte, Zeugen und Sachver " andige in Tätigkeit, aber der Richter war flug genug, ein Versöhnung der Parteien herbeizuführer. Das fostete zwa große Mühe, aber schließlich kam doch eine Einigung zustande Der Mieter, der des Hahnes wegen die Wohnung zu früh verlassen hatte, mußte einen Teil der Miete nachzahlen, die Kosten des Verfahrens wurden unter den Parteien geteili und so stellte sich der Hahnenprozeß auf Mt. 8501 Ein teurer Godell

In Londoner politischen Kreisen rechnet man mit dem Rücktritt noch weiterer Mitglieder des Kabinetts, nämlich aller freihändlerisch gesinnten Minister.

Deer und flotte.

Nab und fern.

Die Hochwasserkatastrophe im Gasteiner Tal, Schreckensnachrichten kommen in gedrängter Folge aus dem überschwemmten Gasteiner Tal, in dem die empörte Ache furchtbare Verheerungen angerichtet hat. In Gastein selbst ist Gessenharters Dependance spurlos ver­schwunden. Das Mietshaus Höller, das Dekonomiegebäude Hotel Zum Hirschen" ist verloren, das Grand- Hotel Gasteinerhof", ein, Prachtbau, der eine Million gekostet hat, ist um ein bis zwei Dezimeter gesunken und scheint verloren. Das Hotel Grabenwirt mußte geräumt werden. Die elektrische Anlage Gessenharter samt Maschinen ist weg­geschwemmit. Das Thermalwasser ist abgesperrt. Die Mühle Windischbauer in Badbruck ist zerstört. Zehn Vrücken, auch die Schreckbrücke über den Wasserfall, sind zerstört. Bei Landgastein wurden fünf Leichen von den Fluten vorbeigetragen. Die oberhalb Gasteins belegenen Dörfer sind durch Geröll schwer bedroht. Im Katschtal soll der Ort Leoben vollständig vernichtet sein. Ein Forsthaus mit neun Insassen wurde von den Fluten fortgeschwemmt.

Dank des Generalstabs an die Bahnverwaltungen. Durch ein Schreiben an den Minister der öffentlichen Arbeiten, Budde, hat der Chef des Generalstabes, der preußische Ge­neraloberst Graf v. Schlieffen, seinen Dank für die muster­haften Leistungen der Eisenbahnverwaltungen bei Erfüllung der besonders hohen Anforderungen ausgesprochen, welche aus Anlaß der Truppentransporte des Kaisermanövers, namentlich der Abtransporte der Fußtruppen von vier Ar meekorps, noch am Tage des Manöverschlusses gestellt wor den sind. Minister Budde hat dies jetzt den in Frage kommenden Eisenbahndirektionen mitgeteilt, indem er zu gleich auch seinerseits allen beteiligten Beamten und Be­diensteten seinen Dank und seine Anerkennung ausspricht.

Die Danziger Leibhusaren als Gäste in Warschau. Auj Befehl des Kaisers reist Generalleutnant v. Mackensen mit den Kommandeuren des 1. und 2. Leibhusaren- Regiments, sowie einer Anzahl Husarenoffizieren zum 24. September nach Warschau zum 250jährigen Jubiläum des russischen Leibgarde- lanenregiments, welches dem Kaiser die ent sprechende Einladung übermittelt hatte. Die Offiziere des Warschauer Garderegiments waren bekanntlich im vorigen Jahre Gäste der Danziger Leibhusaren- Brigade.

Das neue Linienschiff Hessen", auf der Kieler Ger maniawerft unter der Bezeichnung L" erbaut, lief gestern glücklich vom Stapel. Die Taufe vollzog, wie bereits an gekündigt, der Großherzog von Hessen. Dem feierlichen Afi wohnten Prinz und Prinzessin Heinrich, sowie höhere Ma rineoffiziere bei.

Hus dem Gerichtssaal.

Uebersehen läßt sich die Größe der Verheerungen und der Verlust von Menschenleben bisher nicht, da Bad Gastein längere Zeit von jedem direkten Bahn- und Telegraphen­verkehr abgeschnitten war und nur mit Lebensgefahr über Landgastein eine notdürftige Verbindung mit der Außen­welt aufrecht erhalten wurde. Die Badegäste mußten sich als unfreiwillige Gefangene betrachten! Doch scheint es jetzt gelungen zu sein, die Verbindung wieder aufzunehmen. Wenigstens wird uns aus München berichtet, daß Fürst Herbert Bismarck mit seiner Gemahlin, die auch in Gastein eingeschlossen maren dort angekommen ist.

In der Umgebung von Glatz ging ein wolkenbruch­artiger Regen nieder, der die Nebenflüsse der Neiße ge­fahrdrohend schwellte. Man fürchtet Ueberschwemmungen.

Lokales.

** Den ausständigen Maurern der Bau- Unter­nehmer Langöns- Gambach und Kreh Buzzbach wurden nach mehrmaligen Unterhandlungen nunmehr ihre letzten Forderungen bewilligt.

bber bortigen ebar Bohe von 1500 Die Absicht bie gabe fern geleger bandlungen nich Staatsanwaltscha Monaten. Die 88 Uhr verfündet

** Am 5. Oktober d. J. wird in Warburg( Westf.) eine von der Reichsbankstelle in Kassel abhängige Reichsbant­Nebenstelle mit Kasseneinrichtung und 6 schränktem Giro­verkehr eröffnet werden.

Gießen, 19. September 1903. ** Privattelegramm. Bei der heute Vormittag erfolgten Biehung der 6. Klasse der Hessisch- Thüringischen Staatslotterie wurden folgende Gewinne gezogen: 200 000 mf. auf Nr. 80 449( nach Darmstadt), 10 000 Mt. auf Nr. 86 708( nach Darmstadt), 5000 mt. auf Nr. 18 274( nach Mainz), 5000 Mt. auf Nr. 31 891( nach Grünberg), 3000 Mark auf Nr. 6111, 8514, 21 128, 34 696, 45 740, 56 939, 59 328, 60 602, 70 695, 80 649, 80 869, 82 635, 93 962, 94 040.

§ Im Lanrahütter Wahlkrawall- Prozeß beantragte der Staatsanwalt gegen 17 Angeklagte je 2 Jahre, gegen 4 i 3, gegen 1 einen, gegen die anderen je 6 Monate bis ic 4 Wochen Gefängnis. Für Korfanty senior beantragte er 2 Jahre Gefängnis, für Korfanty junior 2 Jahre, für Wicit 3 Jahre Gefängnis. Freisprechung empfahl er für drei Angeklagte.

§ Der Streithahn. Vor dem Mainzer Amtsgericht spielte sich ein Prozeß ab, der auch als abschreckendes Beispiel für weitere Kreise von Interesse sein dürfte. Ein Haus in der Neustadt ging in anderen Besitz über, der neue Eigentümer war ein Freund des Federviches und schaffte sich Hühner und einen Hahn an, der schon des Morgens um 3 Uhr die Nachbarn aus dem Schlummer frähte. Ein Einwohner des Hauses versuchte darum den Eigentümer des Hauses und der Hühner, den Hahn zu entfernen. Der Hauseigentümer lehnte aber das Ersuchen rundweg ab, ebenso den Vorschlag den Hahn des Nachts einzusperren, damit man sein frühes Krähen nicht böre. Darauf drohte der Mieter, daß er trot feines Bertrade ausziehen werde, wenn ihn das Vich

) Kinzenbach, 18. Sept. Zu den Kirchweihfesten, die in der Bürgermeisterei Azbach am nächsten Sonntag ge­fetert werden, dürfte wohl Kinzenbach am nächsten gelegen sein. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, hat Herr Gastwirt Louis Beusch sogar eine Kapelle von der bewährten Fuldaer Artilleriefapelle engagiert, welche bereits in diesen Tagen aus dem Kaisermanöver zurückgekehrt ist.

** Ter Großherzog hat dem Gerichtsvoll, ieher Theodor Metz in Homberg a. d. O. anläßlich seiner Verseß­ung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienst­ordens Philipps des Großmütigen und dem Rechner der evangelischen Kirche zu Stammheim, Kreis Friedberg, Peter Luther, das allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: " Für langjährige treue Dienste" verliehen.

§ Großen- Linden, 17. Sept. Gest en tagte hier eine gemeinsame Versammlung der Kirchenvorstände von hier und Allendorf a. d. Lahn. Es handelte sich dabei um eine ge­plante anderweitige Regelung der zweiten hiesigen Pfarr­stelle, dessen Inhaber bisher den Namen Pfarrer von Allen­dorf und Diakon in Großen- Linden führte. Da nun zur 1. Pfarrstelle noch die fast gleich große Gemeinde Klein­Linden gehört, so beabsichtigt man, die eine Stelle nach Klein- Linden zu verlegen und nach gutem Vernehmen den Kirchendienst der Gemeinde Allendorf in beide Pfarrstellen zu teilen. Alle drei Gemeinden wünschen am seitherigen Zustand festzuhalten.

Der Großherzog hat der durch die evang. Dekanatssynode des Dekanats Grünberg auf die Dauer von 5 Jahren vollzogenen Wahl des evang. Pfarrers Ferdinand Dörr zu Ober- Ofleiden zum Stellvertreter des Defans des Defanats Grünberg die Bestätigung erteilt.

+ Die 3aren familie wird am 25 September auf Schloß Wolfsgarten eintreffen. Wie schon früher, wird der Aufenthaltsort durch einen Zug Dragoner un eine Partie russischer und deutscher Kriminalpolizisten her­metisch von der Außenwelt abgeschlossen werden.

** Auf der Germaniawerft lief gestern vorm. 111 Uhr das neuerbaute Linienschiff» L» glücklich vom Stapel. Den Taufaft vollzog der Großherzog von Hessen und taufte es auf den Namen Hessen". Nach der Taufrede des Großherzogs und nach dem Taufakt sprach der Großherzog folgende Worte:" Seiner Majestät Linienschiff Hessen" begrüße Ich mit dem Rufe, der in den Herzen meiner Unter­tanen und aller Deutschen widerhallen möge: Seine Majestät der Kaiser Hurra! Hurra! Hurra!"

Rodheim a. d. B., 18. Sept. Obgleich Rodheim bei dem angebrochenen Manöver ausnahmsweise von jeglicher Einquartierung verschont geblieben, so herrscht hier doch ein bewegtes militärisches Leben. Tagtäglich wird unser Ort von Truppen berührt auch holen sämtliche Regimenter, die nach dem Hinterland untergebracht sind, hier ihre Postsachen ab. Ja am Donnerstag wurde sogar auf dem hiesigen Rathause ein Kriegsgericht abgehalten, woselbst sich ein Mann vom 117. Infanterieregiment, der sich an einem Unteroffizier tätlich vergriffen haben soll, zu verantworten hatte. Zu dieser Verhandlung war ein höherer Offizier aus Darmstadt zum Verhör am hiesigen Orte.

|| Der erste Hauptgewinn der Landw. Aus­stellungslotterie ist nach Lindheim gefommen. Der glückliche Gewinner ist der Schornsteinfegermeister Esel, welcher den­selben für 4000 Mt. an Herrn Pferdehändler Michel- Gießen wieder verkaufte.

** Verschwunden ist seit einigen Tagen aus Gießen ein faum 17jährige Lehrling Sch. mit einer 27jährigen Gouvernannte. Wohin sich das ungleiche Liebespärchen zurückgezogen, fonnten wir nicht in Erfahrung bringen.

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Vom Dünsberg, 18. Sept. Die ganze Gegend um den Dünsberg stand in der abgelaufenen Woche unter dem Zeichen des Manövers. Am verflossenen Mittwoch haben die Soldaten ihren Einzug in den Orten des Biebertales gehalten und am Freitag hat sich die Einquartierung so gehäuft, daß oft alle Waffengattungen, selbst im kleinsten Dörfchen, vertreten sind. Für das Militär bringt auch der geringe Mann mit Freuden ein Opfer und das beste was Küche und Keller bieten, wird aufgetragen. Der Ruf: Die Soldaten fommen" seßt Alt und Jung in freudige Bewegung und fröhliche Gesichter leuchten ihnen bei ihrem Ein- und Auszug entgegen. Mit großem Intereffe folgen auch die Bewohner den militärischen Uebungen und wird es allgemein bedauert, daß Mannschaften und Pferde so sehr unter dem anhaltenden Regenwetter zu leiden haben.

** Vom Manöver der 25. Hssischen Division. Die 25. Division manöveriert z. 3t. in den Grenzbezirken der Kreise Marburg, Biedenkopf, Wezlar und Dillkreis. Die 116er lagen am Dienstag um Weitershausen. Vor­gestern war allgemeiner Ruhetag, die 49. Brigade lag in der Gegend Gladenbach, Weidenhausen, Erdhausen, die 50. Brigade in Nieder- weidbach, Altenkirchen. Gestern früh wurde das abgebrochene Gefecht wieder aufgenommen und zog sich weiter südwestwä ts nach dem Dilltale. Die hessische Division hatte gestern in der Umgebung von Roß­bach, Altenkirchen Biwack. Exzellenz von Lindquist war gestern und heute bei der Fortsetzung der Gefechte an­wesend und leitete dieselben. Heute Nachmittag beziehen die Regimenter 115, 116 und 117 b.i Wezlar Quartier.

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Die Obstverkaufs- Vermittelungsstelle in Marburg beginnt ihre diesjährige Tätigkeit in der zweiten Woche des Oktober. Auch ein Obstmarkt wird noch abgehalten werden. Bestellungen auf gutes baumir.ifes Tafel- und Wirtschaftsobst gehen bereits reichlich ein.

= Ober- Seibertenrod. Die gräuliche Mär von der Tötung eines neugeborenen Kindes durch die eigene Mutter ist von Anfang bis Ende von dem Torrespondenten, der die Nachricht in die Presse brachte( unferes Wissens in den Frtf. Gen.-Anz.), frei erfunden. Die Phantasie hat dies in Herrn einen bösen Streich aespielt. Die gerichtliche Untersuchung hat ergeben, daß es sich um ein tot geborenes Kind handelt.

(:) Oberofleiden, 17. Sept. Gestern fand unter dem Vorsitz des Herrn Kreisschulinspektors Mathes- Alsfeld die zweite amtliche Zusammenkunft der Lehrer des Bezirks Homberg statt. Herr Lehrer Walther Oberofleiden helt eine in jeder Beziehung musterhafte Lektion mit seiner Oberklasse. Nach erfolgter Diskussion führte der Herr Kretsschulinsp ftor die Neubestrebung auf dem Gebiete des Aufsaßunterrichts von Professor Dr. Schiller- Gießen in anschaulicher Weise vor. Freitag fand die amtlich Konferenz des Inspektionsbezirks Niedergemünden statt.

Homberg. Nächsten Dienstag feiert der frühere Stadt- und Polizeidiener Herr G. M. Kraus seinen 80. Geburtstag. Möge es ihm vergönnt sin, bei törperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische noch lange unter uns zu weilen.

Marburg, 16. September. Professor D. Karl Mirbt, der Reftor der Universität für das nächste Amtsjahr, ist zum Konsistorialrat ernannt worden.

Mainz, 18. Sept. Die hiesige Straffammer ver­urteilte die Witwe Diller aus Worms, Inhaberin der be­kannt n Kaffee- und Surrogatfabrit, wegen Steuerhinter­ziehung zu 24 640 Mt. Geldstrafe.

Aus dem Gerichtssaal.

Straffammer.

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Gießen, 18. September. Die Sache gegen Ludwig Haubeil und Genossen von Gießen findet durch Berufungsrücknahme ihre Erledigung. Der Beigeordnete Christian Merle von Ober- Schnütten wurde unter der Anklage einen Gendarmen beleidigt zu haben, vom Schöffengericht Nidda in eine Geldstrafe von 100 Mt. genommen. Auf Anfinnen des Kreisamts ver­folgte die Staatsanwaltschaft Berufung um eine Gefängnis­strafe zu erzielen. In der heutigen Sigung stellt sich heraus, daß der Strafantrag verspätet gestellt ist, weshalb das Gericht zur Einstellung des Verfahrens gelangt. Die Sache gegen Wilhelm Merle von Angerod muß wegen Ausbleibens wichtiger Zeugen vertagt werden. Der 70jährige Landwirt Valentin Jeckel von Ober- Mörlen hat sich an zwei schulpflichtigen Kindern vergangen. Mit Rücksicht auf die Unbestrafiheit und das hohe Alter des Angeklagten sieht das Gericht von der üblichen Zuchthaus­strafe ab und verurteilt ihn zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren nebst 5 Jahren Ehrverlust. Zum Schlusse hat sich der Pfarrer Ferdinand Feitsch von Rendel wegen_ver= gehens im Amte zu verantworten. Er gesteht zu, daß er:

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