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das Gras wachsen hören, wollen diesen Entschluß des Ministers mit der Möglichkeit eines valdigen Rücktritts des Grafen Bülow in Verbindung bringen. Bekanntlich galt Herr v. Podbielski lange Zeit und gilt noch heute als der fünfte deutsche Reichskanzler.

Ein neuer Budde- Erlaß.

Der preußische Eisenbahnminister, dessen verstän­diges Wirken auf sozialpolitischem Gebiet wir bereits mehr­fach zustimmend erwähnen konnten, hat wieder einen neuen Beweis von seinem Verständnis für die sozialen Aufgaben der Staatsverwaltung gegeben. Er hat, wie un­ser Berliner CB.- Mitarbeiter uns schreibt, eine Verfügung erlassen, wonach den städtischen Arbeitern der Staats­eisenbahnverwaltung ebenso, wie bisher schon für den Kirchenbesuch, so auch freie Fahrt in 3. Wagenklasse für den Schulbesuch ihrer Kinder und für den Einkauf von Lebensbedürfnissen versuchsweise gewährt werden kann. Das Entgegenkommen des Ministers gegen die ihm un­terstellten Arbeiter wird allseitig Anerkennung finden.

Lokales.

Gießen, 19. Juni 1903.

*** Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz vom 16. Juni d. Is. wurde der Gerichtsacceſsiſt August Seibert in Gießen zum Gerichtsassessor ernannt. * Sturz vom Pferde. Gestern vormittag ging dem Oberleutnant R. von den 168ern in Bußbach das Pferd durch. Vor der veterinär- medizinischen Klinit stürzte er zu Boden und zog sich mehrere Verlegungen zu. In der chirurgischen Klinik wurde dem Verletzten ein Verband an­gelegt.

P. Sonntagsruhe der Postbeamten. Wäh­rend im Geschäftsverkehr die Sonntagsruhe mehr und mehr an Ausdehnung gewinnt, hat es noch nicht gelingen wollen, auch den Post- und Eisenhahnbeamten überall eine aus reichende Ruhezeit zu verschaffen. Die hiesigen Postunter­

beamten sind, wie wir hören, ebenfalls noch nicht in dem von der Behörde angestrebten Umfange in den Genuß der Sonntagsruhe gelangt, weil es an geeigneten Bersonen zu ihrer Vertretung fehlt. Vielleicht geben diese Zeilen Ver­anlassung, daß sich solche Personen beim Bostamt I melden.

** Zweites Abonnements Konzert. Der

gestrige Abend zeigte Steins Garten wieder im Hellen Lichter-| tetfte Raubmörder Detrois, ein taum den Knabenschuhen glanz; das dritte Konzert in dieser Woche fand statt. Wäh entwachsener Bursche, hat erst drei Wochen vor der Tat rend die beiden ersten Konzerte uns der welt- sein 18. Lebensjahr überschritten, so daß ihn die ganze bekannte Strauß brachte, konzertierte gestern unsere Regtments- Scheere des Gesezes, ohne Berücksichtigung seiner Jugend fapelle wiederum vor einem zahlreichen Publikum. Daß aber trifft; hätte er die Tat drei Wochen früher vollbracht, also drei Konzerte in einer Woche doch ein wenig zu viel ift, vor dem 18. Lebensjahre, wäre er mit einer Freiheitsstrafe ließ sich am Besuch konstatieren, der allerdings immerhin von 8-15 Jahren weggekommen. Nach dem Morde und zahlreich genug war, um das bekannte, durch die hellen der Beraubung seiner Tante, trieb der junge Mörder, das Damentoiletten äußerst ansprechende und belebte Bild her. Geld verjubelnd, sich mit Dirnen in Saarbrücken, Frankfurt, vorzurufen. Leider wurde es gegen 10 Uhr zum Sißen Mainz, Köln 2c. umher, und streute das Geld mit vollen ein wenig zu falt, sodaß der Stoff" der Herren Trescher Händen aus. Eine Beugin sagt aus: Sie hat den Ange­und Schrödel nicht wie sonst mundete. Die Kapelle er- flagten in St. Johann fennen gelernt. Sie hat ein Glas ledigte ihre Aufgabe in bekannter Schneidigkeit und sah sich Wein mit ihm getrunken und ist später mit ihm und einer infolge des reichen Beifalls zu mehreren Zugaben veranlaßt. Freundin ins Café gegangen. Die Nacht verbrachten die Wir machen noch darauf aufmerksam, daß Abonnementskarten drei zusammen. Sie erhielt zehn Mart. Detroit nannte an der Kasse stets zu haben sind. sich Rudolf Sturm, Bahntechniker aus Montigny. Nach einigen Tagen trafen die beiden Dirnen den Detrois auf der Bahnhofstraße in St. Johann. Sie gingen ins Café Schwarz und abends ins Apollotheater und während der Nacht ins Hotel Adler". Zeugin erhielt von Detroit Hut, Rock und Bluse. Beide Mädchen fuhren mit Detrois nach Köln, wo sie drei Tage blieben. Während des Tages wurden Wagenfahrten gemacht und abends ins Theater gegangen. In ähnlicher Weise hat der Mörder es noch in anderen Städten getrieben, bis er in Frankfurt verhaftet wurde.

** Schul- Ausflüge wurden gestern von einzelnen Klassen des Realgymnasiums und der Ober- Realschule unter­nommen. Einen dreitägigen Ausflug an den Rhein, von Mainz bis Koblenz trat die Ober- Prima gestern_morgen uter Führung des Herrn Prof. Dr. Strack an, Samstag abend kehren die Ausflügler zurück. Eine zweitägige Tour machte die Uater- Prima unter Führung des Herrn Prof. Dr. Holzmann von Koblenz nach Köln, letztere traten ihren Ausflug am Mittwoch morgen an und kehrten gestern abend zurück. Die übrigen Klassen machten eintägige Ausflüge und kehrten sämtlich gestern abend zurück. Die Ober- Sekunda der Ober- Realschule, unter Führung des Herrn Oberlehrer Dietrich, und die Ober- Sekunda des Realgymnasiums, unter Führung des Herrn Prof. Dr. Sturmfels nach Bad Nassau durchs Lahntal. Die Untersekunda der Ober- Realschule machte ihren Ausflug nach Herborn, unter Führung des Herrn Professor Hetterich während die Unter- Sekunda des Realgymnasiums ihren Ausflug nach der Saalburg unter­nahm; die Führung hatte Herr Prof. Schaumann. Die Ober- Tertia der Realschule war nach der Amöneburg unter Führung des Heren Dr. Dittmar und die Ober- Tertia des Realgymnasiums unter Führung des Herrn Prof. Dr. Collin machten von Greifenstein nach Braunfels. Heute ist in den Klassen die Tätgkeit wieder aufgenommen bis auf die Ober­Prima die morgen abend erst wieder zurückkehrt.

Mainz, 18. Juni. Der gestern zum Tode verur­

Alten- Buseck, 19. Juni. Bei frischer Tat ertappt wurde die Frau des Schneiders G., welche aus der Laden­fasse des Konsums sich bereicherte

*

** Krofdorf, 17. Juni. Bei einem verendeten Schwein des Ph. Amend ist die Schweinefeuche amtlich festgestellt

und über das Gehöft die Sperre verhängt.

Gottesdienst der israelitischen Religionsgesellschaft. In der Synagoge, Südanlage. Sabbathfeier am 20. Juni 1903.

Freitag Abend 8. Uhr. Samstag Vormittag 8 Uhr. Nachmittag 4 Uhr. Sabbathausgang 935 Uhr.

Wochen jottesdienst: Morgens 6 Uhr. Abends 8 Uhr. Städtisches Schlachthaus. Ochsenfleisch 50, Kubfleisch 45 Pfg. Hente und Morgen. Drud und Verlag der Gießener Verlagsdruckeret, für die Redaktion verantwortlich: Albin Klein, Gießen.

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Wähler des 1. Hess. Reichstagswahlkreises!

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Wir haben eine ehrenvolle Niederlage erlitten! Hunderten von socialdemokratischen und liberalen Versammlungen standen nur 4 Bauernbündlerische und 2 Versammlungen des Bundes der Landwirte entgegen und nur in einer socialdemokratischen und in zwei liberalen Wahlversammlungen wurde den Gegnern von unseren Freunden erwidert. Dennoch rückten die Bauernbataillone zielbewußt und geschlossen heran, um Hunderte ihre Stimmenzahl vermehrend, aber nur dem Umstande, daß die Gießener Libe= ralen mit wahrer Berserkerwut in der Stadt Gießen vorgingen, gelang es, unseren Candidaten aus dem Felde zu schlagen!

Es gelang ihnen das aber auch nur darum, weil unser Candidat, der Abgeordnete Köhler- Langsdorf, durch langwierige Krankheit verhindert war, selbst sich am Wahlkampf zu beteiligen, und der Abg. Hirschel zumeist in anderen Kreisen agitirte.

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Wen wollen wir nun in der Stichwahl wählen:

Wir schlagen Ihnen vor, Keinen von Beiden! Strengste Wahlenthaltung fei unsere Parole!

Denn einen Sozialdemokraten wählt kein patriotischer Mann, und für den Liberalen einzutreten, dessen Gefolgschaft in Gemeinheiten und Gehässigkeiten gegen uns und unseren Kandidaten das Aeußerste sich leistete, das verbietet uns unsere Ehre!

Mögen sich die Beiden einander warm halten, sie sind einander würdig! Gießen, den 19. Juni 1903.

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[ 1820]

Der Wahlausschuß der deutsch- socialen Reformpartei.

Ein junger, durch seine Mitarbeit an der Deutschen Volkswacht" bekannter Bauer aus der Gegend von Grünberg sendet mir heute eine Anzahl ihm anläßlich meiner Nichtwahl zugegangener gemeiner Karten und Unfläthigkeiten und schreibt mir dazu folgendes:

-

Nach der schmutzigen, gemeinen und gehässigen Kampfesweise dieser übergebildeten Städter gegen uns Bauern bitte ich Sie, sofort eine Parteifundgebung wenn Sie noch einen Funken Ehrgefühl im Leibe haben zu veranlassen, um alle diejenigen, welche es nicht vor­- tehen, am Stichwahltag daheim zu bleiben, aufzufordern, für Krumm zu stimmen. ,, Keine Stimme für Heyligenstaedt.

"

,, Keine Geldproßen und Advokatenherrschaft!"

Ich veröffentliche diesen Brief darum, um den verehrten Herren Liberalen in Gießen zu zeigen, wohin es fommen muß, wenn sie fortfahren, dem Bestreben der Bauernschaft um Echaltung ihres Standes bitterste Feindschaft, Gehässigkeiten und Gemeinheiten entgegenzustellen: doch nur zur Stärkung der Sozialdemokratie! Wollen Ste, meine Herren Liberaleu, dieselben? Ich bedaure diese Stärkung im Interesse unseres Volkes und unseres Vaterlandes, aber hindern kann ich sie nicht. Doch bemerke ich, daß diese Veröffentlichung nicht unsere Stichwahlparole, sondern vorerst nur ein Stimmungsbild sein soll.

[ 1821]

Langsdorf, den 18. Juni 1903.

Ph. Köhler, Langsdorf.

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