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Abg. zangerhans besprach in abfälliger Weise bie ärztlichen Ehrengerichte. Der Kultusminister Studt stellte eine Vorlage für die bessere Vorbildung der Heb­ammen und eine Gebührenordnung für diese in Aus­sicht. Der Abg. Graf Douglas forderte durchgrei­fende Maßnahmen zur Bekämpfung ansteckender Krank­heiten und des übermäßigen Alkoholgenusses. Der Kul­tusminister sprach die Hoffnung aus, daß recht bald burch einen geseggeberischen Akt die Absichten des Grafen Douglas verwirklicht würden. Dem Abg. Martens erwiderte ein Regierungsvertreter, daß über eine Re­form der Medizinalfollegien bereits Verhandlungen ein­geleitet seien. Auf eine Anregung des Abg. Edels erklärte tin Regierungsvertreter, der Kultusminister verhandle mit dem Reichskanzler, um eine Ausdehnung des Para­graphen 35 der Gewerbeordnung, der die Ausübung ines Gewerbebetriebes wegen Unzuverlässigkeit ver Jage, auf die Kurpfuscher herbeizuführen. Das werde Joffentlich bei der nächsten Novelle zur Gewerbeordnung jelingen.

Nab und fern.

( Eine Expedition nach Deutsch- Dstafrika will die Kolonialgesellschaft zu Hannover mit Hilfe deutscher Ko. lonialfreunde ausrichten. Die geplante Ecre.i.ion soll bie Landschaft Dhehe bereisen und das Ansiedelungswesen und die Anlage von Eisenbahnen für das gesamte Gebiel prüfen.

+ Eine Liebestragödie hat sich in einem Potsdame Hotel abgespielt. Daselbst machten der Dr. phil. Ditten. berger aus Charlottenburg und die Diakonissin Gabriel Klein aus Berlin gemeinsam durch Gift ihrem Leben ein Ende. Das Paar war am Abend vorher in dem Hotel abgestiegen und hatte in einem vorher bestellten Zimmer das Abendbrot eingenommen. Am anderen Morgen fiel es auf, daß die Fremden garnicht zum Vorschein kamen. Als auf wiederholtes Klopfen die Tür nicht geöffnet wurde, schickte man zur Polizei, worauf die Tür gewaltsam ge­öffnet wurde. Den Eintretenden bot sich ein schrecklicher Anblick dar; mit verzerrten Gesichtszügen und in sich zu­sammengetrümmt lagen die Leichen der beiden Gäste in ben Betten. In dem Zimmer fanden sich acht völlig ge­leerte Opiumflaschen ver. Zwischen Dr. Dittenberger und der Gabriele Klein bestand schon seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis; über den Anlaß zu dem Doppelselbst­mord ist man bisher noch im Ünklaren.

::: Das Londoner Panama. Der Londoner flüchtige Millionär Mr. Whitaker Wright ist von Newyorker De­tektives bei der Landung in Amerika verhaf et worden. Er erklärte, seine Angelegenheit sei lediglich eine ge schäftliche Transaltion, von der er angenommen habe, daß sie im Parlament erledigt worden sei. Er erklärte fer­ner, daß er ohne Aussehen zu machen, den Beamten folgen werde, und bat, daß man die Verhaftung nicht in die Presse bringen möge. Vor dem poitzetrichter wurde dem Berhafteten mitgeteilt, daß er arretiert worden sei, weil er sich durch die Flucht der Gerechtigkeit entzogen habe. Bezeichnend ist es, daß die amerikanische Presse sich des Mannes annimmt. Sie nennt ihn einen ,, modernen Monte Christo" und einen ,, Napoleon der Börse", der allerdings jezt sein Elba gefunden habe. Wright beruft sich darauf, amerikanischer Bürger zu sein und nicht ausgeliefert wer­den zu können. Doch irrt er sich darin. In den bezüglichen Verträgen zwischen England und Amerika ist nur von Personen, nicht von Untertanen oder Bürgern die Rede.

Bunte Chronik. Die zu 6 Jahren Zuchthaus ver­urteilte Münchener Stiftsoberin Elise von Heusler hat nun doch in letzter Stunde durch ihren Verteidiger Re­bision beim Reichsgericht anmelden lassen.

- In der Betriebswerkstatt der Meyerschen Aktien­gesellschaft für elektrotechnische Apparate in Berlin er­folgte eine Explosion, bei welcher ein Arbeiter tötlich berunglückte. Der Materialschaden ist bedeutend.

Bis gestern ist die Bergung der auf der Zeche ,, Moltke" bei Gladbeck Verschütteten noch nicht gelungen. Die Rettungsarbeiten werden auf jede nur mögliche Weise beschleunigt.

- In Hamburg hat ein Arbeiter in angetrunkenem Zustande seine Logiswirtin mit einem Instrument, an­scheinend einem Beil, totgeschlagen.

Das Schwurgericht in Elberfeld verurteilte den bortigen Feuerwehrmann Caspers wegen Brandstiftung in zwei Fällen zu drei Jahren Zuchthaus.

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In Rhäzuens bei Chur sind 27 Häuser abge­brannt. Zwei Kinder kamen dabei in den Flammen um. - Unweit Koluszki( Russisch- Polen) entgleiste ein Zug ber Weichselbahn. Drei Wagen wurden zertrümmert. Einer Frau wurde der Brustkasten eingedrückt. Sie war sofort tot. Mehrere Reisende erlitten sehr schwere Ver­legungen, einer wurde infolge des Schreckens wahn­[ innig.

Vermischtes.

)[ Ein Kasino für deutsche Studierende] will man in Jena unter der Aegide mehrerer dortiger Professoren errichten. Das Projekt wird von dem Deutschen Verein für Gasthausreform unterstüßt, der ein Geschenk von 500 Mark stiftete und weitere Beiträge in Aussicht stellte. Man beabsichtigt, 30 000 Mark Geschenke zu sammeln und von den Studenten, die das Kasino benußen wollen, einen geringen Semesterbeitrag, vielleicht nur eine Mark, zu verlangen. Durch diese Geschenke und Beiträge will man erreichen, daß der Trunkzwang im Hause ausge schlossen wird und daß einzelne Räume: Salon, Turn­saal, Bibliothek usw. gestellt werden können, in denen überhaupt nicht verzehrt wird. Auch wird man die nicht­alkoholischen Getränke vor den alkoholischen begünstigen, die letzteren jedoch nicht ganz ausschließen.

V[ Das Schiffe- Tageblatt.] Auf den großen Passagier. dampfern der englischen Cunard- Linie, die zwischen Eu­ropa und Amerika verkehren, erscheinen jetzt richtige Ta­geszeitungen, die vermittelst Marconi- Depeschen in der Bage sind, ihre Leser über alle Tagesereignisse zu unter­richten. Bisher erschienen schon auf den großen Dampfern aller Nationen Schiffszeitungen, die aber naturgemäß nur Unterhaltungsmaterial und Schiffsneuigkeiten bringen konnten. Durch die drahtlose Telegraphie ist es jetzt aber möglich, stets mit dem Festlande in Verbindung zu blei­ben und alles wichtige sich von dort berichten zu lassen.

[ Ein Häkchen, das sich spät trümmt.] Jn Ham im Commedepartement( Frankreich) lebte, wie der Pa­riser ,, Gaulois" zu erzählen weiß, eine siebzigjährige Frau. Sie hatte einen großen Kummer. Jeden Morgen und jeden Nachmittag sah sie die Schulkinder eifrig an ihrem Fenster vorüberlaufen, und dann mußte sie immer daran denken, daß all diese kleinen Gesellen lesen und schreiben fonnten, und sie allein nicht! Vor einigen Wochen faßte sie sich ein Herz und ging zum Schulmeister. Ich möchte gern die Buchstaben lernen; wollen Sie mich unterrichten?" Der Lehrer äußerte feinen tränkenden Zweifel an der Aufnahmefähigkeit seiner al­ten Schülerin, sondern holte eine Fibel herbei, und der Unterricht begann sofort. Noch nie hatte der Lehrer in seiner Klasse solchen Eifer und solchen Forischritt erlebt. Nach vierzehn Tagen buchstabierte das alte. ib. hen glückstrahlend, nach zwei Monaten las es fließend, und heute kann es bereits einen leidlichen Brief schreiben.

()[ sa, welche Lust, Soldat zu sein!] Für die Unter­haltung seiner Soldaten sorgt in wahrhaft väterlicher Weise der Oberst Prud'homme vom 6. französischen In­fanterie- Regiment in Brest. Von dem Wunsche beseelt, bei den Soldaten den Geschmack für Sports aller Art zu entwickeln, vor allem aber in der Absicht, seine Leute den traurigen Wirkungen des Alkoholismus zu entziehen, hat er angeordnet, daß die Unteroffiziere sich in ihren freien Stunden, unter der Leitung eines Offiziers, dem Faß­ball- Spiele widmen und dieses Spiel dann ihrer Mann­schaft beibringen sollen. Ein Theater, das seine Schau­spieler, seine Dekoration, seinen Spielplan hat, ist in der Kaserne eingerichtet worden, und es fanden berei s meh­rere Aufführungen eines Stückes von Courteline statt. Ferner wird den Soldaten umsonst Gesang- und Tanz­unterricht erteilt. Das ist noch nicht alles: der Oberst hat auch beschlossen, einen Lese- und Versammlungssaal in der Kaserne einzurichten. Hier können die Leute lesen, die Korrespondenz erledigen, sich unterhalten u. s. w. Die zur Kaserne gehörigen Terrains ließ der Oberst urbar machen, und in einen Gemüsegarten verwandeln, in wel­chem sich die Soldaten wie eine Landwirte- be­schäftigen dürfen. Mehr kann man nicht verlangen. Ob aber ,, nebenbei" auch ein wenig Zeit für militätische Uebungen übrig bleiben wird?

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[ Ein vielversprechender Junge.] Vor einem Lon­doner Polizeigerichte stand dieser Tage ein Schornstein­feger, der von seinem zwölfjährigen Söhnchen verifajt worden war; der fleine Bursche erzähle dem Präsidenten, daß er ruhig am Herdfeuer sich zu schaffen gemacht habe, als sein Vater hinzulam und ihm eine Ohrfeige ver­septe. Joseph lief so ort hinaus und holte einen Polizei­mann. ,, Und warum hat dich dein Vater geschlagen?" fragte der Polizeirichter Plowken.-, Ec sang, und ich sagte, daß er aufhören solle," erwiderte der Junge festen Tones.- ,, Warum denn?"- ,, Wil ich nicht gern singen höre." Wenn dir dein Vater verspricht, in Zukunft nie mehr in deiner Gegenwart zu singen," sagte der Richter weiter ,,, könntest du ihm dann verzeihen?"- ,, Meinet­wegen!" antwortete der Kleine Kläger unter allgemeiner Heiterkeit. Nach dem Verteidiger des Vaters soll sich die Geschichte nicht ganz so zugetragen aben, wie sie der Junge erzählte. Der Schornsteinfeger sei eingeschla in ge wesen, und als er plößlich aufwachte, habe er die Hand seines Sohnes in seiner Tasche gesunden; deshalb habe er ihm die Ohrfeige gegeben. Sie fönnen gehen," sagte ber Richter zu dem Veter ,,, und behandeln Sie ihn in Zukunft so gut, wie Sie können."- Die Geschichte ilingt wie ein verfrühter Aprilscherz.

Die ,, notleidende" Frau. Herr Beecham, Fabrikant in London, besißt ein ungeheures Vermögen. Er ist von seiner Frau getrennt und gibt ihr eine jährliche Pension bon 50 000 Mart. Sie verlangte vor Gericht, daß er ihr mehr geben solle, denn mit 50 000 Mark tönne sie nicht austommen; sie könne nicht Pferde und Wagen halten, den Winter in Nizza leben u. s. w. Der Gatte erwiderte, daß seine Frau in ihrer Jugend Nähmädchen gewesen sei und deshalb nicht so sehr noble Passionen" haben dürfe. Die Klägerin wurde dann auch mit ihrer Klage abgewiesen, da sie als ehemaliges Nähmädchen sehr gut mit 50 000 Mart auskommen könne. Die Familie ist übrigens rei­zend. Der Mann hatte die Frau nach einem Jrrenhause gebracht, bbwohl sie ganz gesund war. Der Sohn be­freite sie und setzte dann die Scheidung durch, was nicht schwer war, da Herr Beecham mit einer anderen Frau zu­sammenlebte. Aus Rache weigerte sich dann der Vater, ber Mutter mehr als das Notwendigste", d. h. 50 000 Mart, zu geben, weil er fürchtete, daß sie dem Sohne, der ein armes Mädchen heiraten wollte, Geld geben könnte. Auch mit seiner Tochter lebt Herr Beecham auf dem Kriegs­juße.

Wie deutsche Studenten ihre Universitätserinne. rungen treu bewahren, zeigte sich bei dem Begräbnis ber Heidelberger Zuckertante", Frl. Kätchen Rißhaupt. Die Verstorbene, die eine Konditorei innehatte, in der mehrere Korps verkehren, wurde durch Kränze aus ganz Deutschland geehrt, die wagenweise zum Grabe gefahren werden mußten.

Lokales.

Gedenktafel für den 19. März.

1239. Hermann von Salza, Hochmeister des Deut­schen Ordens t. 1702. König Wilhelm III. von Eng­land t. 1782. Wilhelm von Biela, der Entdecker von drei Kometen* 1813. Der Afrikareisende Livingstone geboren. 1835. Der Lustspieldichter Paul von Schön­than in Wien*.- 1862. Der Maler Echadow t. 1867. Publikation des Bündnisvertrags Preußens mit den Südstaaten.

** Ostersonntag und Passahfest. Das Zusammen­treffen des diesjährigen Ostersonntags mit dem ersten Tage bes jüdischen Passahfestes hat seit langer Zeit nicht statt. gefunden, geschieht nur selten, nach viel ährigen Zwischen. räumen. Auf dem Konzil von Nicäa glaubte man, dies burch die Bestimmung, der Ostersonntag solle stets der erste Sonntag nach dem Vollmond der Frühlings- Tag- und Nachtgleiche sein, zu verhindern. Diese Rechnung erwies sich weniger genau als die nach jüdischem Kalender, den der berühmte Mathematiker Gauß als feinste mathematische Berechnung darstellte. Die irrtümliche Festsetung der Konzilsgelehrten beweist das Jahr 1903.

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ribattelegramm. Bei der heute Vormittag erfolgten 11. Biehung der legten( Haupt)-Klasse der Hessisch­Thüringischen Staatslotterie wurden folgende Gewinne gezogen:

20000 Mt. auf: 1956 Worms, 10 000 Mt. auf: 71411, 5000 Mt. 35 924, 71613, je 3000 Mt. auf: 17670, 37 164, 41 713, 48 673, 65 342, 66 688, 91 295, 91 648, 97 505.( Ohne Gewähr.)

** Enteignung im Selters weg.] In der Ent­eignungésache der Stadt gegen Lampus fand heute Vormittag auf dem Kreisamt Termin unter Vorsiz des Herrn Kreis­amtmann Dr. Kranzbühler statt. Eine Einigung der Par­teien hat leider nicht stattgefunden, sodaß nunmehr in die Enteignung von Amtswegen eingetr ten werden wird. Im Laufe der Verhandlung wurden recht interessante Gelände­preise bekannt gegeben, so zahlte beispielsweise auf dem Sel­tersweg Herr Rudolph für sein Baugelände p.o Quadrat. meter 25 Mt., perr Eberhard M zzer 50 Mt, Herr Roth ( i Fr. Schellenbergs Nachf.) einschließlich Mitbenusunge­recht der Brandmauer und Esenträger 65-80 Mt., Herr Wirfig für sein Anwesen( umgebautes neues Haus mt mo. de nem Laden) umfassend 628 Quadratmeter, nur 76 000 Mt. Die Stadt hat daraufhin, nachdem eben eine Einigung mit Lampus nicht zu erzielen war, ihr Gebot von 55 000 auf 45 000 Mt. herabgesetzt. Man wolle hier in Betracht ziehen, daß das Lampus'sche Anwesen 460 Quadratmeter groß ist und bei dem Gebot von 55 000 Mt. der einzelne Dua­dratmeter also über 119 Mark anfangs hätte bezahlt sein fönnen.

** Die deutschsoziale Reformpa tei stellt im Wahlkreise Alsfeld Lauterbach- Schotten den bisherigen Ver­treter Bindewald, in Friedberg Büdingen den Defonomen Wilhelm Bähr Herrenhaag auf. Im Wahl. freis Bensheim Erbach fandidiert, für die Sozial­demokraten Rau- Mühlheim; die deutschsoziale Reformpartei wird den Landtagsabgeordneten Hirschel Offenbach auf­stellen, aber nur für den Fall, wenn der seitherige national­liberale Vertreter des Wahlkreises Geh. Reg.- Rat Haas nicht mehr kandidiert; die 8 ntrumspartei hat bereits einen Ran­didaten nominiert in der Person des Landtagsabgeordneten v. Brentano- Offenbach.

*** Die Waise von Lowood ging gestern Abend am hiesigen Stadttheater in Scene. Filn. Brücher, zu deren Benefiz das Stück gegeben wurde, war erkrankt, ihre Rolle hatte Feln. Würtemberg übernommen. Das Schauspiel von Charlotte Birch- Pfeiffer bringt in seinen 4 Akten die Leiden einer Waise Jane Eyre, die im Hause ihrer Tante Mistreß Reed nichts als Haß und Verachtung erlebt, trotzdem sich das Kind so sehr nach Liebe sehnte. Ja, der Haß geht soweit, daß Jane Eyre die Tochter von Miß Needs Bruder- auf 8 Jahre ins Waisenhaus Lowood gebracht wird, bis sie dort aufgewachsen gut gelernt fich dann selbst durchs Leben schlagen fann. Lina Schmidt als Miß Reed wußte die hochtönige, faßionable Rolle gut aus­zufüllen und es kommen dadurch die Charaktere zwischen ihr und der Jane Eyre so grell im Gegen saß, daß der Zuhörer mitfühlen mußte wie doch im Leben Hochmut und Verachtung so nahe beieinander sind. Feln. Würtemberg hat in ihre Rolle Temperament und Leidenschaft in gegebenen Momenten gut hinein­zuflechten gewußt, aber auch das Herzliche und Liebe­bolle brachte sie zum Ausdruck; ihr ganzes Auftreten war ein perfektes. In der zweiten Abteilung des Stückes findet man die ausgestoßene Jane Eyre als Erzieherin in dem Hause des reichen Lord Rowland Rochester( Herr Heinrich Gerlach), wo sie die Vorsehung an die Seite eines Waisenkindes, der Nichte des Lords, gestellt hat. Diesem Kinde schenkt sie all ihre Liebe und Hingebung, dabei begegnet sie dem Baron aber gemessen und taftvoll. Rochester, anfangs empört darüber, findet Gefallen an ihrem charakter­bollen Wesen und es trifft sich auch hier wieder- wie im Leben daß gerade zwei Menschen, welche Anfangs infolge ihrer besonderen Ueberzeugung sich gegenüber­stehen, doch zuletzt zusammen harmonieren. Herr Gerlach hätte seinen Lord etwa 8 salonmäßiger spielen fönnen, aber immerhin legte er in seine Worte Accent und sein Auftreten gefiel allgemein. Die anderen Rollen wurden ebenfalls entsprechend gegeben; so daß am Schluß das Haus mit großem Beifall nicht zurückhielt. [ Besitzwechsel] Burts Mühle ging heute für 200 000 Mt. in den Besitz des Herrn Kohlenhändlers Eduard Klinkel über. Die Söhne des neuen Besizers werden den Betrieb voraussichtlich weiterführen.

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*** Gießener Pferdemarkt. Die Pferdemarkt- Kom­mission hat beschlossen, gleichwie bei dem vorjährigen Herbstpferdemarkt Pferde in Privatbesig zur Vor­führung bez. Prämiierung zuzulassen. Es sind hierfür folgende Abteilungen vorgesehen und zwar: 1. Reit­pferde unter dem Reiter gezeigt; 2. Wagenschläge einzeln oder paarweise im Geschirr oder vorgeführt; 3. Arbeits­schläge einzeln oder paarweise im Geschirr oder vorge­führt. In jeder Abteilung wird ein Ehrenpreis gegeben. Anmeldungen zur Prämiierung haben bei Herrn Defo­nomierat Schlenke- Hardthof oder Weinhändler A. Schwan Gießen zu erfolgen. Die Vorführung der Privatpferde beginnt vormittags 11 Uhr in dem hier für vorgesehenen Prämiierungsring Für die Zuschauer ist ein besonderer abgeschlossener Raum geschaffen: für die geladenen Gäste eine kleine Tribüne errichtet. Höchste Seltenheit. Einem hiesigen Pflanzen züchter ist es mit vie'er Mühe, unter Mitbenutzung der permanenten Sie in der Backstube des Conditors Amend in der Bahnhofstraße, gelungen, einen prachtvollen Gummi baum jezt schon zur Blüte zu bringen. Es ist dies um so auffallender, a's die Gummibäume in der jeßigen frühen Jahreszeit sogar in ihrer Heimat selten blühen. Da be­fanntlich der Gummibaum nur wenige Tage blüht, ist der­felbe bis Sonntag im Eafe Amend, Bahnhofstraße aus gestellt.

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