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zum Teil in Spinnen, daneben tritt allerdings das Striden mehr hervor. Zur Unterhaltung werden Bieder gesungen, Rätsel aufgegeben, Märchen erzählt. Beliebt find Neckereien zwischen den Mädchen- und Burschen= spinnstuben. Erit um 9 Uhr gehen die Burschen aus ihrer Spinnstube in die Spinnstube der Mädchen, um 10 Uhr ist im allgemeinen die Spinnstube zu Ende, nur an Festen dauert fie länger. Solcher Feste werden eine ganze Reihe gefeiert. Eröffnet werden sie durch den Einzug" zu Beginn des Winters, dann folgt die lange Nacht" am 23. Dezember, der Scheidowet" am zweiten Christtag, Nujahrsabend"( d. h. Sylvester); ihnen schließen sich fleinere Feste an am Epiphanias­tag, Fastnacht und zweiten Ostersonntag. An allen diesen Festen spielt natürlich der Tanz, der Reigen" eine wichtige Rolle. Der hochinteressante Vortrag regte den Hess. Blättern f. Volkskunde zum Abdruck gelangen. [ Stadttheater.] Morgen Freitag gelangt als 4. Klassikerborstellung zu fleinen Preisen ,, Wilhelm Tell" zur Aufführung. Die nächste Vorstellung ist erst am nächsten Mittwoch.

Ster und da hat man gegen das Wohnungsfürsorge-| sez den Einwand erhoben, daß es möglicherweise ben Abzug der Arbeiter vom Lande fördern werde. Die so genannte Landflucht" der Arbeiter ist allerdings schon feit langen Jahren eine ständige Klage der Landwirt schaft. Man führt sie darauf zurück, daß sich den Ar­beitern in den Städten höhere Löbne bieten, und daß fie dort dem Vergnügen mehr nachgehen fönnen als auf dem Lande. Versorge man so wird in Bezug auf das Wohnungsfürsorgegeseg eingewendet die Leute in den Städten auch noch mit guten Woh nungen, so würden sie die Städte erst recht vorziehen. Bei näherer Betrachtung erweist sich dieser Einwand nicht als stichhaltig. Es ist zuzugeben, daß die Mög­lichkeit der Erzielung höheren Lohnes manchen länd­lichen Arbeiter in die Stadt zieht, auch mag dies- wenigstens bei Unverheirateten manchmal der Vereine lebhafte Diskussion an, er wird voraussichtlich in gnügungen halber geschehen. Von Sachkennern wird Von Sachkennern wird aber nicht mit Unrecht darauf hingewiesen, daß recht häufig schlechte und unzureid, ende Wohnungen auf dem Lande die Arbeiter zum Wegzuge veranlassen und hier ist deshalb der Punkt, wo die ländlichen Gemeinden zur Verhinderung der sog. Landflucht" einsegen sollten. E fann feinem Zweifel unterliegen, daß der ländliche Arbeiter nicht so leicht geneigt sein wird, in die ihm fremde Stadt zu ziehen, wenn er ein behagliches Heim hat, ein eigenes Häuschen mit etwas Garten- oder Aderland befizt. Denn er weiß sehr wohl, daß ihm in der Stadt leicht Not und Entbehrung drohen, daß er dort in weit höherem Maße unter schwankenden Ec­werbsverhältnissen zu leiden hat, als auf dem Lande. Die ländlichen Gemeinden sollten deshalb darauf sehen, daß gute Wohnungen für die kleinen Leute vorhanden sind und sie sollten im Bedürfnisfalle zur Erstellung solcher Wohnungen die Hilfsmittel in Anspruch nehmen, welche ihnen das Wohnungsfürsorgegesetz in dem gleichen Maße bietet, wie den Städten. Es liegt also ganz in der Hand der ländlichen Gemeinden, mit Hilfe des Ge­sezes die Landflucht" der kleinen Leute einzuschränken oder möglicherweise ganz zu verhindern. Einem auf Besserung der Wohnungsverhältnisse der kleinen Leute hinzielenden Vorgehen der Landgemeinden sollten sich alle Freunde der Landwirtschaft und namentlich die ländlichen Arbeitgeber anschließen. Denn ebenso, wie die industriellen Arbeitgeber sich dadurch einen Stamm tüchtiger Arbeiter heranzuziehen suchen, daß sie diesen gute und billige Wohnungen bieten, werden auch die ländlichen Arbeitgeber sich auf die Dauer gute und ver­läßliche Arbeiter nur dann erhalten, wenn sie denselben ebenfalls ein behagliches Heim schaffen.

Giessener Cagesnenigkeiten.

Das Großh. Regierungsblatt Nr. 10, ausgegeben am 17. Februar enthält: Verordnung, die Xusführung des Gesezes über das Verfahren in Forst­und Feldrügesachen in der Fassung der Bekanntmachung vom 13. Oftober 1890 betreffend. Vom 14. Febr. 1903.

[ Hessische Vereinigung für Volkskunde.] Vorgestern, Dienstag sprach Herr Pfarrer Schulte aus Beuern über die Spinnstuben im nörd lichen Oberhessen. Der Vortragende fennzeichnete zunächst furz die hohe Bedeutung, welche die Spinn­stube für das soziale Leben unserer Landbevölkerung hat, in ihrer Eigenschaft als Arbeits- und Unter­haltungsstube der Jugend, die zur engsten Stamerad schaftlichkeit in ihr zusammenwächst. Wenn heute diese Bedeutung nicht mehr dieselbe ist, wie noch vor wenigen Jahrzenten, ja wenn an einigen Octen die Spinnstube bereits vollständig eingegangen ist, so sind die Gründe dafür verschiedener Art. Ener der wichtigsten ist das Verschwinden des Flachsbaues, der natürlich das Schwinden des häuslichen Spinnens und Webens nach sich zieht. Seinerseits ist er wiederum tief begründet in der Veränderung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse. Immerhin ist gerade in Oberheffen die Spinnstube noch bis heute lebensfräftig geblieben, als Vereinigung von jungen, meist gleich altrigen Leuten einerlei Geschlechtes: man unterscheidet deshalb Mädchen- und Burschenspinn­stuben. Von Martini bis Pfingsten kommen sie allabend. lich außer Samstags um 6 Uhr zusammen und zwar, je nach den örtlichen Verhältnissen, entweder stets in ein und demselben Haus oder abwechselnd bei jedem der Teilnehmer. Die Arbeit besteht auch heute noch

[ Besizwechsel.] Wie wir vernehmen, ist das am Steinweg( Kreuzungspunkt Eichweg) gelegene Seppelmann'sche Haus, welches sich durch seinen Renaissancestil besonders vorteilhaft hervorhebt, von Herrn Schwan, zum Preise von 50000 Mark fäuflich erworben. Ferner ging das Hotel Seipp für 87000 Marf an einen Herrn Oppel aus Thüringen über. Die diesjährige Bausession und die damit zu­sammenhängende Veräußerung von Grundstücken hat in diesem Frühjahr ganz besonders angezogen; rechnen wir nur einmal die Befizwechsel aus den letzten Tagen zusammen: Steins Garten für 2250000 Mart, Weidig 120 000 Marf, Seng- Seltersweg 75 000 Mark, Seipp 82000 Mart, ehemals Störner'iche Garten 68 000 Mart und die Summen, welche vom Staat für An­fauf der Befizungen auf dem Gelände der Kliniksneus bauten aufgebracht werden hinzu, so fann man, ohne zu übertreiben, ruhig behaupten, daß Wertobjekte für zusammen eine Million ihre Besizer gewechselt haben. ** Messerheld. Gestern Abend gegen 10 Uhr famen zwei Handwerksburschen in die Wirtschaft zum Schwanen" dabier, um dortselbst zu übernachten. Da beide ange­trunten, auch fein Platz für dieselben vorhanden war, so wurden sie abgewiesen. Sie wurden nunmehr grob und als der Wirt sie bis in den Hausflur begleitete, erhielt er von einem derselben einen Stich in die Schulter, sodaß derselbe ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der Täter ergriff die Flucht und gelang es bisjjetzt nicht, dessen habhaft zu werden. Der Name, sowie die Per­sonalien desselben wurden indessen festgestellt.

Aus Hessen und nachbargebieten.

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Nieder- Gemünden. Dieser Tage wollte ein Sol­lefteur hier Bilder verkaufen, angeblich für einen Kirchenbax in Offenbach, ging zum Bürgermeister und den Beigeordneten, um sich eine Empfehlung zu holen. Als beide Hrren den Fremden an den Pfarrer verwiesen, zeg er vor zu verschwinden. sicherlich hat der Betreffende unter dem Deckmantel der Frömmigkeit unreelle, schwindelhafte Angebote gehabt.

** Wadenrod. Am Montag Abend 8 Uhr brach bei Herrn Schuhmacher Well Feuer aus, dessen Hof­raite, sowie eine angrenzende Scheuer des Landwirts Streuter wurde ein Staub der Flammen, die Entstehungs­Ursache ist bis jetzt noch unbekannt.

r. Wißmar. Der von der Kreisverwaltung für junge, der Schule entlassenen Mädchen anberaumte Haushal tungsfurjus ist jetzt beendigt. Die Beteiligung von Seiten der Gemeindemitglieder hätte eine größere sein können, denn die Zahl betrug 19, von denen 13 unserer Gemeinde angehörten. Aber die jungen Mädchen nebst einigen jungen Frauen haben in den 6 Wochen des Unterrichts unter dem Regiment der Fräulein Merle sich theoretisch wie praktisch reichliche Kenntnisse er­worben. Die Schlußprüfung, welche in Gegenwart der Kreis- Bürgermeisterei-, Gemeinde- und Schulbehörde abgehalten wurde, gab ein sehr befriedigendes Resultat. Zu den Reichstagswahlen. Aus dem Hüttenberg ( Kreis War) wird geschrieben: Eine von 120 Wählern besuchte Versammlung von Vertrauensmännern des Bundes der Landwirte zu Ebers- Göns im Kreise Bezlar hat sol­genden Beschluß gefaßt: In der Befürchtung, daß durch

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die Agitation des Bundes der Sandwirte eine Bersplitterung der bündlerischen Stimmen bei der bevorstehenden Reichs­tage wahl im Kreise Weglar- Altenkirchen herbeigeführt wird, halten wir eine weitere Agitation des Bundes der Land­wirte für die Aufstellung eines eigenen Kandidaten für zwecklos und fönnen nur allen bündlerischen Wählern des Bablfreises empfehlen, bei der kommenden Reichstagswahl geschlossen für den Kandidaten der deutsch- sozialen Reform­partei" einzutreten, die ja jederzeit im Prinzig die Interessen des gesamten Mittelstandes, also auch der Landwirte, ver treten hat. Bugleich erwarten wir von den chriftlich- sozial g finnten Wählern, daß sie den getroffenen Abmachungen gemäß die Kandidaten der deutsch sozialen Reformpartei unterſtüßen.

** Friedberg. Durch Vertragsabschluß zwischen der Direktion der Main Weserbahn und der hiesigen Stadt ist endgültig das Projekt der Unterführung der Bahn am Fauerbacher Tor angenommen. Die Arbeiten werden bald begonnen werden. In der gestrigen geheimen Sigung der Stadtverordneten wurde der Finanzaspirant Presser aus Bad Nauheim zum Stadtrechner gewählt.

Dillenburg. Ein grober Unfug rohester Art wurde in der Nacht auf Sonntag an dem Bismarck­denkmal unserer Stadt verübt. Demselben wurde ein Sad um den Kopf gebunden und eine leere Flasche in den Arm der Statue gelegt. Auch wurden an ber schiedenen Häusern die Fensterscheiben eingeschlagen und mehrere Straßenlaternen zertrümmert. Man nimmt an, daß diese Bubenstreiche von mehreren Händen aus­geführt worden sind. Einen der llebeltäter hat man bereits als einen Gymnasiasten ermittelt, welcher zum Teil seine Tat eingestanden hat.

Warttbericht.

Gieken. 19. Febr. Auf dem heutigen Wochenmarkt foñeten Butter per Bib. 0.90-1.00 wt. Hübnerelter 1 St. 7-8 Bfg., Enteneier t. -00 fg., Räse per St. 5-8 Bfg.. Käsematte 2 St. 5-6 Bfg.. Erbien ver Liter 21 Bfg., Binsen set Liter 32 Bfg., Tauben ver Baar T. 0.80-1.10, 6übner per Städ Mt 100-1 50, Bahnen, per Stüd Mr. 090-2.40, Enten per Stüd 2.00-2.50, änie v. Bfb. 54-60 fg., Dobienfleisch per fb. 66-76 Bfg., Rindfleisch per Bfb. 60-66 Bfg. Schweinefleisch per Bfo 66-76 Big Schwine­fleisch gesalzen per Bfund 0.80 fa., Kalbfleisch ver Bfb. 66-72 Bfa., Hammelfleisch per Bfd. 52-72 Bfg., artoffeln per 100 ila 6 50-7.00 mt., Swiebeln per St. E. 6.00-7.00, Milch per Liter 18 Pfa.

Weylar, 18. Febr. Auf dem hiesigen Wochenmarkt kostete bas Pfund Bu ter 1.05 Wit., Eier 2 Stüd 13 Bfg.

Beglar, 18. Febr. Auf dem beutigen hiesigen Viehmarkt wurden aufgetrieben: 230 Stück Rindvieh und 450 Schweine

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