Nr. 42.
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Bratt@ bellagen: Oberbeffische Familienzeitung( täglio) Oberbeffische Beitschrift für Landwirtschaft, Obh- und Gartenbau, sowie die Gießener Seifenblasen( wöchentlich). Das Blatt erscheint an allen Berttagen nachmittags.
Donnerstag, den 19. Februar 1903.
Gießener
12. Jabrgang.
Insertionsprei 8: Die einspaltige Petitzeile für Gießen wit ganz Oberbeffen, die Kreise Wezlar und Marburg 10 Big font 15 Bfg.: Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Bfg.
Bostzeitungsliste No. 8369.
Redaktion und Expedition: Gießen Renenweg 28. Fernsprechenschink Rr, 862.
Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblaff)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Seifung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.
Zum filbernen Papftjubiläum.
Aus evangelischen Kreisen wird uns geschrieben: Am 20. Februar sind fünfundzwanzig Jahre ver slossen, seitdem der Kardinal Joachim Pecci zum Papst erwählt worden ist, und am 3. März feiert dieser greise Priester die 25. Jubelfeier seiner Krönung. Man wird gewiß nicht von einem evangelischen Christen erwarten, daß er die Einrichtung des Papsttums bespricht. Für ihn lann es sich lediglich um die Persönlichkeit handeln, die an ber Spiße der fatholischen Kirche steht und die sich auch bei den Andersgläubigen eine angesehene Stellung zu erobern mußte. Auf den kampffrohen Pius IX. folgte, wie denn vielfach in der Papstgeschichte ein gründlicher Wechsel der Temperamente bei der Neubesetzung des päpstlichen Stuhles beobachtet wurde, Leo XIII. als Friedenspapst. Der gläubige Katholik erblickt darin das Walten eines göttlichen Willens, der Nicht katholik sieht dieses Alterieren der Charaktere als eine logische Notwendig leit an. Denn ein Kriegspapst stärkt in der Regel durch Die Aufregungen seiner Politik die friedlichen Elemente des Kardinalskollegiums, wie ein Friedenspapst das gäcende Element belebt.
Graf Leo Pecci wurde am 2. März 1810 als Sohn einer wohlhabenden Gutsbesiperfamilie in Carpinet geboren. Seine Laufbahn war eine sehr rasche. Schon im Alter von 27 Jahren war er Delegat in Benevent, ein Amt, das unter dem Kirchenstaat mehr bedeutete als heute, denn ein päpstlicher Würdenträger war zugleich Verwal tungsbeamter und Staatsmann. In ersterer Eigenschaft hat sich Pecci sehr verdient gemacht um die Unterdrückung des Räuberunwesens in seiner Provinz. Im Alter von 33 Jahren wurde er Erzbischof und päpstlicher Nuntius in Brüssel, wo er sich eine sehr geachtete Stellung zu eringen wußte. Auch als Erzbischof von Perugia wußte er ich mit diplomatischem Geschick in die Verhältnisse hineinzufinden, indem er vor allem gute Beziehungen zu der
neuen Regierung unterhielt. Im Alter von 43 Jahren zum Kardinal ernannt, avancierte er sehr schnell in der pierarchie, bis er im Jahre 1878 zum Oberhaupte der latholischen Kirche erwählt wurde. Da er damals beceits 68 Jahre alt war, glaubte man, seine Amtstätigkeit verde nicht allzulange dauern; indes ist gerade sein Pr mat das längste seit Bestehen des Papsttums geworden. Seiner verständigen Mitwirkung ist die Beendigung des deut ichen Kulturkampfes zu danken, und es ist fennzeichnend für die Vorurteilslosigkeit seiner Anschauungen, daß er bem verstorbenen Fürsten Bismard eine unverhohlene Sympathie entgegenbrachte.
Leo XIII. ist nicht nur ein tüchtiger Staatsmann, sondern auch ein feinsinniger Poet. Seine Gedichte sind meistens in lateinischer Sprache abgefaßt, sie sind auch in deutscher Uebersetzung vorhanden, als deren beste dieenige des verstorbenen Dichters Dr. Franz Alfred Muth gilt. Den Huldigungen, die die katholische Welt ihrem lirchlichen Oberhaupte am heutigen Tage darbringt, schließen sich auch die stillen Glückwünsche aller evangelischen Friedensfreunde an, denn Leo XIII. auf dem päpstlihen Stuhl bietet die volle Gewähr für den religiösen Frieden!
261. Sigung.
Deutscher Reichstag.
Eigener Bericht.
Neuer Sturm.- Die Auseinandersetzungen mit der Sozialdemokratie haben immer noch nicht ihr Ende gefunden. Zunächst behandelte der freisinnige Abg. Dr. Crüger nochmals die Frage des Ausschlusses der sozialdemokratischen Konsumbereine aus dem Genossenschaftsverband, wobei er namentlich darauf hinwies, daß diese Maßregel des halb getroffen worden sei, weil die sozialdemokratischen Organisationen als Produktivgenossenschaften auf eine Bernichtung der Gewerbetreibenden ausgehen. Der Zentrumsabgeordnete Schwarte- Lippstadt lud alsdinn die Sozialdemokratie und den Bund der Landwirte zu einem Waffengang bei der kommenden Wahlkampagne ein und verabschiedete sich mit dem Rufe ,, Bei Philippi sehen wir uns wieder". Sehr scharf wurde die Verhandlung erst, als der konservative Abg. Dr. Stöder nochmals mit der Sozialdemokratie ins Gericht ging, weil man ihm von dieser Seite Mangel an Wahrheitsliebe vorgeworfen hatte. In Erwiderung dieses Angriffs rief er der Sozialdemokratie zu, sie möge sich um den Meineid fümmern, den Bebel während des Tauschprozesses ge leistet habe. Abg. Ledebour lief bis zur Tribüne und rief unausgesetzt: ,, Er hat Bebel Meineid vorgeworfen." Der Präsident Graf Ballestrem erhob sich zwar, rief aber Stöder nicht zur Ordnung, weil Stöder seinen Ausspruch dahin auslegte, er habe damit sagen wollen, die Sozialdemokratie möge sich um den Meineid bekümmern, den eine Anzahl Blätter dem Abg. Bebel vorgeworfen habe. Nach einem kurzen Zwischenspiel, in welchem die Abgg. Reißhaus, Wurm, Herzfeld und Staatssetretär Graf Posadowsky auftraten, ging der Abg. Be
debour zu einem scharfen Angriff gegen Stöcker vor, wurde aber durch den Präsidenten ermahnt, sich eines gemäßigten Tones zu befleißigen. Nach Ledebour slaute bas Interesse sichtlich ab. Die nachfolgenden Redner Lenzmann und Graf Posadowsky behandelten die verschiedenen sozialpolitischen Probleme unserer Zeit. Da manche Redner, s. u. a. Stöder heute mehrfach zu Worte tamen, so zeigt sich bereits mit Deutlichkeit, daß die Debatte zu Ende geht. Der Abg. Singer erklärte, daß seine Partei den Reden des Abg. Stöder gegenüber nur das Gefühl der Gleichgiltigkeit, des Mitleids und des Ekels hege.
Hierauf wird die sozialpolitische Debatte geschlos sen. Abg. Beck-oburg wünschte bessere Maßnahmen zum Vogelschutz. Staatssekretär v. Posadowsky sagt solche Maßnahmen zu. Abg. Pachnide verlangt eine einheitliche Regelung des Verkehrs mit Fahrrädern and Motorfahrzeugen. Der Staatssekretär erklärte, eine solche Regelung ist in Aussicht genommen; die Ausführung der Vorschriften muß jedoch den einzelnen Bundesstaaten überlassen werden.
Die Politik.
Unser Verhältnis zu England.
Unmittelbar nach der Eröffnung der englischen Parlamentstagung nahm in beiden Häusern die Adresdebatte ihren Anfang. Im Unterhause wies der Führer der Liberalen, Campbell Bannerman, auf die auch anderwärts auffällig bemerkte Tatsache hin, daß in der Thronrede des Zusammengehens mit Deutschland in der venezolanischen Frage nicht gedacht sei, und erklärte dabei, daß er der Ansicht, England dürfe unter keinen Umstän den sich mit Deutschland verbinden, nicht zustimmen könne. Niemand, fügte er hinzu, kann verkennen, daß in den letzten Jahren eine heftige Handelsrivalität zwi schen den beiden Ländern geherrscht hat, daß der starke Antagonismus in einigen reisen sich bis zur Antipathie gesteigert hat. Der einzig angezeigte Weg ist der, der Rivalität mit größerer Tätigkeit und Intelligenz zu be gegnen, die Antipathie dadurch niederzuzwingen, daß wir zwar unsere eigenen Interessen wahren, dabei aber sorgsam darauf bedacht sind, dem Nachbar Mäßigung und Freundschaft zu zeigen. Der Premierminister Balfour ging in seiner Erwiderung auf das von dem Führer der Liberalen bewährte Kapitel der deutsch- englischen Beziehungen nicht ein, sondern beschränkte sich darauf, die Gemeinsamkeit des Vorgehens mit Deutschland in der Venezuelafrage zu rechtfertigen. Jm Oberhause unterzog sich der Lord- Präsident des Geheimen Rats, Herzog von Devonshire, dieser Aufgabe.
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Die Wirren auf dem Balian.
$ Die bulgarische Regierung fährt fort, auf die bulgarische Bevölkerung im eigenen Lande wie in Mazedonien beschwichtigend einzuwirken. In der Sobranje gab der Ministerpräsident Danew eine in diesem Sinne gehaltene Erklärung ab. Nachdrücklich ermahnte er die Mazedonier und ihre Freunde in Bulgarien, die Ruhe und den Frieden zu bewahren, und die Ordnung der mazedonischen Angelegenheiten den Mächten zu überlassen. Daß es der bulgarischen Regierung mit ihrer Friedensliebe ernst ist, zur Zeit wenigstens, darf nicht bezweifelt werden. Auch der bulgarische Generalstabschef General Jliew, der mit dem Korrespondenten des Morning Leader" in Sofia eine Unterredung hatte, versicherte aufs bestimmteste, daß ein Krieg zwischen der Türkei und Vulgarien wegen der mazedonischen Frage ausgeschlossen sei. Demselben Blatte gehen aus Wien interessante Mitteilungen zu über einen Vertrag zwischen der Türkei und Griechenland, welcher bereits abgeschlossen oder dem Abschluß nahe sei. Danach ginge Griechenland die Verpflichtung ein, während eines etwaigen Krieges zwischen der Türkei und Griechenland freundschaftliche Neutralität zu beobachten, wogegen die Türkei Griechenland das Versprechen gebe, die zwischen den beiden Ländern schwebenden handelspolitischen Fragen tunlichst r. ch den Wünjchen Griechenlands zu regeln, und außerdem Griechenland Hoffnung auf Vereinigung Kretas mit dem Königreiche machen soll. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß fich die Regierung des Eultans im Hinblick auf die Möglichkeit eines Krieges gegen den unruhigen Nachbar im Süden durch Versprechungen mannigfacher Ari Versprechungen sind ja wohlfeil zu sichern sucht. Das Neuste aus Marokko.
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Nachrichten aus Fez besagen, daß Kaid Omar über die Rebellen einen fleinen Sieg errungen hat und daß die Brannes- Kabylen hundert Gefangene nach der Hauptstadt gesandt haben. Man glaubt, daß der Kriegsminister Menebhi einen umfassenden Angriff auf die Riatatabylen unternehmen wird, zu welchem 3mede Verstärkungen und Munition nach Fez abgegangen sind. Auf Wunsch des Sultans Abdul Aziz hat die britische Regierung zwei Offiziere im Majorsrang naay Marotto gesandt, von denen der eine als Instrukteur für die Kavallerie, der andere
als solcher für die Artillerie Verwendung finden soll. Die Heranziehung britischer Offiziere durch den Sultan deu et darauf, daß England eisrig bestrebt ist, seinen durch fanzösische Intriguen etwas gesunkenen Einfluß am maroffa nischen Hofe wieder neu zu beleben.
Kurze volitische Nachrichten.
* Der Kaiser hat dem in Mannheim garnisonicrenden 2. Badischen Grenadier- Regiment Kaiser Wilhelm I. Nr. 110, dessen Chef der Kaiser ist, eine Stif tung im Betrage von 25 000 Mr. gemacht.
* Das Entlassungsgesuch des Oberpräsidenten v. Bit ter ist bereits genehmigt worden. Herr Dr. v. Bitter hat infolgedessen die Führung der Geschäfte niedergelegt.
* Die Budgeikommission des Reichstags hat die beantragte Ausbesserung der Gehälter von Oberstleutnants mit 15 gegen 12 Etimmen abgelehnt.
* Der braunschweigische Landtag beschloß ein stimmig, die Regierung zu ersuchen, ihren Bevollmäch tigten im Bundesrate anzuweisen, gegen die Wiederzulassung der Jesuiten zu stimmen."
* Abermals eine Spionageaffäre! Tem Megger Blatte ,, Lorrain" zufolge wurde nach einer fürzlich stattgehabten Spindrevision ein Sergeant vom FeldartillerieRegiment Nr. 34 in Met wegen Verdachtes, des Verrates militärischer Geheimnisse chastet. Aus dem ihm unterstellten Magazin sollen Zünder gefehlt haben.
24. Cigung.
Preussifcher Landtag.
Daus der Abgeordneten.
Eigener Bericht.
Börsenge czgebung und Handwerkerg set. Im preußischen Abgeordnetenhause scheint sich lang, sam die Sitte einzubürgern, daß Angelegenhei.en der Reichsgesetzgebung immer mehr zur Sp ache 15umen. Ec äußerte sich heute der freisinnige Abg. Funk über die Börsengese gebung, die ab irato gemacht sei und die Börse, wie die Rentiers schädigt. Insbesondere sei das Verbot des Terminhande's und geniser Papiere schädlich und die Emissions- und Umfasstempel scien zu hoch. Den Nutzen habe lediglich das Ausland. Bi Handels, minister Möller stieß er mit seinen Ausführungen auf einen guten Resonanzboden, denn Möller ist der Ansicht, daß in der Tat eine baldige Aenderung der Börsen. gefeggebung nötig und erfreulich sein würde. Der nach folgende Redner Felisch trat nun nochmals su die grundsätzliche Einführung des Besähigungsnachweises ins. besondere bei dem Bauhandwerk ein. Die weileren Reden der Abg. Ganz, Deser, Reichardt, von Eynern behandelten je nach dem politischen Standpunkt der Abgeordneten einen dieser beiden Punkte. Den Schluß der Berhandlung, an der sich die Abgg. Dr. Deser, Dr. Arendt, Ernst, Metge, Schaffner beteiligten. war gänzlich der Frage der Fortbildungsschulen gewidmet. Handelsminister Möller teilte im Laufe der Beratung mit, daß die Einführung des obligatorischen Fortbildungsunterrichts nicht überall möglich sei.
Nab und fern.
:: Erbprinzlich sachsen- meiningensche Silferhochzeit. Jm engsten Familientreife begingen in Kiel der Gropring und die Erbprinzessin von Meiningen, die Schwester unseres Kaisers, das Fest der fünfundzwanzigsten Wiedertehr ihres Hochzeitstages. Um neun Uhr vormittags nahm das Jubelpaar die Glückwünsche der Familienmitglieder entgegen. Der jugendliche Prinz Adalbert von Preußen war ebenfalls erschienen. Um 12 Uhr begaben sich Bring Heinrch und Gemahlin mit den fürstlichen Gästen an Bord des Linienschiffes ,, Kaiser Friedrich III." zur Frühstückstafel. Bei dieser Gelegenheit sei daran erinnert, daß vor fünfundzwanzig Jahren im Berliner Schlosse eine Doppelhochzeit gefeiert wurde. Eine Entelin Kaiser Wilhelms I. und eine Großnichte desselben, Entelin seines Cruders Prinzen Karl, wurden zu gleicher Zeit getraut. Brinzessin Charlotte von Preußen reichte dem Erbprinzen Bernhard von Sachsen- Meiningen, Prinzessin Elisabeth don Preußen dem damaligen Erbgroßherzog und jeßigen Großherzog Friedrich August von Oldenburg die hand. Erbgroßherzogin Elisabeth starb nach siebzehnjähriger Che; ber anmutigen Kaiserschwester aber ist es beschieden, bie silberne Myrte in das Haar zu winden.
V Ein neuer Unfall Mommsens. Der greise Ge schichtsforscher Mommsen wurde, während er in Gedanken bersunten den Fahrdamm an der Ede der Berliner Frie drichstraße überschreiten wollte, von einer Droschte an gefahren und heftig auf den Bürgersteig geschleudert. Das Bublitum erkannte den greisen Gelehrten, der sich über den Borfall sehr indigniert äußerte, sofort und half ihm ( eine Bücher, seine Brille und seinen Hut zusammensuchen
erhob er sich; bei der größten Kälte
Tugenden gleich. Sobald er einen Geheimrat erblickte,
General bis zu bessen Wagen und entblößter einen
sein Haupt, sobald jemand Namen des Zaren aussprach. Er stellte übrigens in feiner Gegenwart den übrigens bezügjedesmal
Alexander werenin gab ohne Schwierigkeiten eine ein
in
allem
eigenen Willen
will niemals warten mochte, beschloß sie, ihre Ver
kannte Da
nur
ihren
her Schmierigkeiten mählung recht bald zu feiern. Werenin kannte teine Hin
sich darum NE
Minna das Lachen betam. herrn getrennt, eine stramme Haltung an, worüber nun und nahm, wenn auch durch eine Tür von seinem BrotIch bin's, Herr
Leutnant," gab griz zur Antwort
Einige
unterbrückte Flüche
jenseits, dann
erscholl
blazes mit
Schlacht
Kennerblid,
daß es hier zu
einer blutigen
kommen mußer einen geistigen Sieg erfechten, Er überlegte noch, sollte er m
,, drängeln"
jedenfalls siegen" mußte er.
ab
Also ging er ruhig einmal die queubildende Mengs
nazieren.


