Nr. 244.
Erstes Blatt.
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Samstag, den 17. Oftober 1903.
Gießener
12. Jahrgang.
Insertionsprei 8: Die einfpaltige Betitzelle für Gießen wie ganz Oberheffen, die Kretse Wetzlar und Marburg 10 Pfg. fonft 15 Pfg.; Reklamen die Petitzeile 30 resp. 40 Pfg.
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Neuelle Nachrichten
( Gießener Tageblatt)
Anabhängige Tageszeitung
( Gießener Zeitung)
für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Esthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberheffen.
Bekanntmachung.
Der bisherige Steueraufseher Heinrich Germann bon Groß- Gerau ist zum Pfandmeister der Stadt Gießen ( Vollziehungsbeamten) ernannt, berpflichtet und heute in seinen Dienst eingewiesen worden.
Gießen, den 15. Oktober 1903.
Großh. Bürgermeisterei Gießen.
Mecum.
Bekanntmachung.
Die Kirchstraße wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Montag, den 19. 1. Mts. an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 17. Oftober 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Bekanntmachung.
Die Läwengasse wird wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten von Montag, den 19. 1. M. bis auf weiteres für den Fuhrwerts- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 16. Oktober 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Bekanntmachung.
Die am 29. August 1. Js. angeordnete Sperre der Westanlage zwischen Bahnhofstraße und Unterführung der Main- Weser- Bahn wird hiermit aufgehoben. Gießen, 15. Oftober 1903.
Großh. Polizeiamt Gießen.
Hechler.
Bekanntmachung.
Von der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. wird eine Aenderung des Wegüberganges in der Nähe der Station Grünberg der Bahnstrecke Gießen- Fulda bei km 22,42 in der Gemarkung Grünberg beabsichtigt.
Die hierauf bezüglichen Pläne lieger bis zum 27. d. Mts. bei Großh. Bürgermeisterei Grünberg zu Jedermanns Einsicht offen.
Grünberg, am 16. Oftober 1903.
Großherzogliche Bürgermeisterei Grünberg. Zimmer.
Die ftarke Hand.
[ Politische Wochenschau.]
Es waren im wesentlichen immer Schlagworte, welche die Masse begeisterten. Ein fräftiger Ton riß Schwachheit stets mit sich fort. Nicht umsonst wimmelt es in den Wahlauftufen von klingenden Phrasen und harnisch- rasselnden Rodomontaden. Nicht umsonst wurde das Wort geprägt von der gepanzerten Faust". Seit der letzte Säkularmensch von uns schied, seit Otto von Bismarck schläft unter seinen Eichen im Sachsenwalde, halten gar viele politische Diogenesse bei uns Umschau nach dem„ starken Manne", der die Wogen unserer inneren Politik glättet und sich nicht scheut, mit eiserner Hand zuzupacken, wo Güte nicht vom Flecke fam. Und nicht nur uns geht es so. Wo man hinblickt in Europa und der Welt: überall suchen sie den Mann". In Ungarn, das Schwächlingswirtschaft in unhaltbare Zustände stürzte, gehen sie seit Jahr und Tag mit der Laterne um und können doch den Retter nicht finden. Auf Khuen hatte man zuerst mancherlei Hoffnung gesetzt. Er hat alle enttäuscht. Er mußte sich vor der anstürmenden Schar seiner Gegner beugen, nicht etwa, weil er zu feige gewesen wäre, ihnen zu frozen, sondern deshalb, weil er zu schwach war, im rechten Augenblicke statt der Peitsche Zuckerbrot herumzureichen. Die Stärke liegt nicht immer im Angriff, viel häufiger gerade in der Abwehr. Und nicht immer iſt es Mut, wenn einer sich wie toll mitten unter seine Feinde wirft im Schlachtgetümmel; meistens ist es eine Torheit nur, die schönfärbende Chroniſten wohl auch Tollkühnheit zu nennen belieben. Noch einen Versuch mit der Politik der starken Hand" scheint Kaiser Franz Josef machen zu wollen. Stefan Tisza soll der Mann seiner Wahl sein. Dieser ungarische Magnat ist bekannt dafür, daß er sich schon lange danach sehnt, einmal ein paar deutliche Worte zu reden und ein paar energische Taten zu tun. Ob er mehr Glück haben wird als Khuen? Wir glauben es nicht. Den Zeitpunkt hat man im Lande an der Donau gründlich verpaßt, da es noch möglich gewesen wäre, mit fräftiger Faust Ordnung zu schaffen. Damals herrschte Das Schlagwort vom„ Fortwurschteln", das noch heute von Mund zu Munde läuft. Seitdem hat man glücklich so lange fortgewurschtelt", bis das Maß voll wurde bis zum UeberIcufen. Nun ist es natürlich auch für eine Politik der„ starken Hand" längst zu spät geworden.
Chamberlain war viel klüger als die Staatsmänner von Desterreich- Ungarn, Daß er über eine ganz respektable Kauft
berfügt, hat er im südafrikanischen Kriege hinlänglich bewiesen. Und doch hütete er sich weislich, im Zollkampfe den Bogen zu straff zu spannen. Er wußte, die Stimmung war noch nicht geklärt, und Ueberraschungen waren also nicht ausgeschlossen. Sollte er seinen schwer genug errungenen Ruhm als erstklassiger Staatsmann leichtsinnig aufs Spiel setzen, um vielleicht Hohn zu ernten? Er dachte nicht daran, schied faltblütig aus Amt und Würden und zieht nun im Lande umber, um langsam und tastend, aber sicher und vollständig die Stimmung des Volkes zu seinen Plänen zu befehren. Er gab die Politik der starken Hand leichten Herzens auf, als er sah, daß die Masse, wenn auch vielleicht nicht gegen ihn, so doch auch nicht für ihn war. Gegen den Strom kann man auf die Dauer nicht schwimmen, da mag man so stark sein, wie man will.
Dieser Weisheit bittere Wahrheit hat der italienische Ministerpräsident Zanardelli erfahren müssen, der den Kampf gegen Sozialisten und Anarchisten vergeblich führte, weil er sich auf eine verläßliche Mehrheit nicht stüßen konnte. Es ist sehr ungerecht, wenn jetzt die italienische Presse alle Schuld an der Verschiebung des Zarenbesuchs auf diesen Mann schiebt, der wirklich getan hat, was er nur irgend konnte. Die Schuld trifft vielmehr jene Demonstranten, denen die Sucht nach Standal höher stand als das völkerschaftliche Interesse ihres Vaterlandes, und nicht zuletzt auch die indifferenten Leute, die so lange die zarenfeindliche Propaganda nur für einen Popanz für Kinder hielten, bis von ver Newa so demütigende Kunde fam. Auch Italien sehnt sich schon lange nach der„ starken Hand", die es aus dem Sumpf der Propaganda der Tat und der Camorra herausreißt. So lange diese Hand nicht da ist, muß man sich bescheidentlich damit begnügen, an der Seine freundliche Wirte zu finden, die um eigenen Vorteils willen über die gesellschaftliche Inferiorität" der Signora Italia diskret zur Tagesordnung übergehen. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, gewinnt die französisch- italienische Ertratour sowohl für die Staatsmänner in Berlin wie für die an der Newa ein unendlich harmloses Aussehen.
Wie wenig sich die Leute in Rußland um all den diplo= matischen Kleinkram fümmern, der an westeuropäischen Höfen so bedeutsam ins Gewicht fällt, lehrt seine ostasiatische Politik. Wenn irgendwo auf der Welt, so wären hier die Spuren von einer starken Hand" zu finden, die fest zugreift und nicht wieder losläßt, was sie einmal mit Beschlag belegt, so viele Panzer auch drohend auffahren mögen an den Küsten. Kein großsprecherisches Wort kam von der Newa, und in völliger Ruhe vollziehen sich am Stillen Ozean die gewaltigen militärischen Aktionen. Man ist sich seiner Kraft bewußt und weiß, daß bereit sein" alles heißt. Aber man neigt willig das Ohr zu friedlicher Zwiesprach und ist willens, auch dem Schwachen einen Teil des Rechtes zuzugestehen, des Rechtes, das in Wahrheit doch nur die Macht besitzt... Dic Politik der starken Hand", wie sie im Buche steht. Selbst der eiserne Kanzler hätte sie besser nicht treiben können.
Wer doch dem Sultan diese starke Hand" liehe, daß er endlich aufräumen könnte in Mazedonien! So reden die Weisen. Und sie bedenken nicht, daß das Interesse der beteiligten Mächte gegen eine starke Balkan- Politik spricht und daß wider so viele die Macht nicht reicht, die der Khalif besitzt. Er wäre schon viel weiter mit seinen Reformen, ständen ihm nicht so viele Müßiggänger im Wege, die in seine Arbeit hineinreden. Er möchte schon, aber er fann nicht. Daraus sieht man abermals, daß es die starke Hand" allein nicht tut, die Abdul Hamid gewißlich besitzt. Wie der gesunde Menschenverstand nichts nüßt, wenn ein franker Wille ihn bannt, so reicht auch unter Umständen die Stärke allein nicht aus, um Hindernisse aus dem Wege zu räumen, die böser Wille errichtet hat. Das Geschlecht jener Giganten ist ausgestorben, die den Ossa auf den Belion türmten. Und lebten sie heute noch und säßen in den Kabinetten Europas, so würden sie vermutlich lächeln über die Toren, die sich heiser schreien nach den Männern mit ,, starker Hand". Und sehen nicht, ieviele es gibt und wie wenig sie doch leisten im großen Völkerkampfe ums Dasein!
Bulgarische Kriegsdrommeten.
Krieg in Sicht! So klingt es zur Abwechselung wieder einmal vom Balkan herüber! Die eine Zeitlang krampfhaft darniedergehaltene Spannung zwischen der Türkei und Bulgarien soll sich hauptsächlich infolge der illoyalen Haltung der Pforte gegenüber den bulgarischen Repatrierten- aufs neue bedrohlich gesteigert haben, und wie vor Monaten wird auch jetzt wieder aus Bulgarien berichtet, wenn Fürst Ferdinand der Türkei nicht bald den Krieg erkläre, gehe er unweigerlich des Thrones verlustig. Nach Meldungen aus Sofia bereiten sich in Bulgarien ernste Ereig nisse vor. Die Unzufriedenheit mit dem Fürsten ist im Wachsen. Die Blätter veröffentlichen heftige Artikel gegen den Fürsten und beschuldigen ihn antifonstitutioneller Handlungen. In russophilen und mazedonischen Kreisen erklärt man ganz ungeniert, das weitere Verbleiben Ferdinands in Bulgarien sei unmöglich, wenn er sich nicht für den Krieg gegen die Türkei erkläre. Man glaubt, er werde zu Gunsten seines Sohnes auf den Thron ver= zichten müssen.
Inwieweit diese Sensationsnachrichten tatsächlich be gründet sind, entzieht sich selbstverständlich einstweilen der Kontrolle. Wahrscheinlich steht es um Ferdinands Stellung nicht so schlimm, wenngleich zweifellos die mazedonischen Demagogen gegen ihn das Volk aufwiegeln. Die Pforte handelt zweifelsohne höchst unflug, wenn sie diesen Hezzereien mit ihrer unehrlichen Taktik gegen die bulgarischen Flüchtlinge Vorschub leistet. Es ist Tatsache, daß vielen der nach Mazedonien zurückgekehrten Bulgaren statt der von der Pforte feierlich versprochenen Straflosigkeit harte Strafen zu teil geworden sind. Das steigert natürlich die Erbitterung in Bulgarien, zugleich aber wirft es dahin. daß viele mazedonische Flüchtlinge, um nicht gleichfalls bei der Rückkehr bestraft zu werden, in Bulgarien bleiben und die Agitation gegen die Türkei eifrig unterſtüßen. 650 nach dem Wilajet Monastir zurückgekehrte Bulgaren sind sämtlich verhaftet und angeklagt worden; die Hälfte ist bereits verurteil, und 250 sind nach Kleinasien deportiert worden!
Die Erbitterung darüber in Bulgarien ist um so größer angesichts der Tatsache, daß die Bandenbewegung allmählich nachläßt: Je mehr die bulgarische Bevölkerung ihrer Ohnmacht gegenüber der Türkei inne wird, um so stärker wird ihr Groll, um so stürmischer ihr Verlangen, das offizielle Bulgarien solle sich der von der Türkei vergewaltigten Landsleute in Mazedonien annehmen. In der Hauptsache ist das Abflauen der Bandenbewegung dem Herannahen des Winters zuzuschreiben, vielleicht auch dem Nachlassen der Kräfte und Mittel des Komitees. Ein gänzliches Aufhören der Bandenbewegung ist aber nicht zu erwarten, und im nächsten Frühjahr wird der Tanz wohl wieder von reuem beginnen, falls bis dahin nicht eine verständigere Haltung der Pforte Platz gegriffen hat. Aber ist das zu erwarten? Uebrigens tauchen am südöstlichen Gewitterhimmel noch einige neue Wetterwolfen auf. Serbische Konsuln melden aus der Türkei, daß infolge des Gerüchts, Serbien rüste sich für einen Krieg mit der Türkei, die Albanesen eine drohende Haltung gegen die serbische Bevölkerung annehmen. Das könnte ja recht nett werden, wenn zu den bulgarisch- türkischen Feindseligkeiten auch noch serbisch- türkische sich gesellten!
Die Politik.
* Gelegentlich einer Feier zu Ehren des Freiburger Historikers v. Holst in Chikago hielt der Berliner Botschafter der Union, Charlemagne Tower, eine Ansprache, in der er sich über die deutsch- amerikanischen Beziehungen mit sehr großer Wärme ausließ. Er wies auf das innige Verhältnis hin, das zwischen den amerikanischen Gelehrten und den deutschen Denfern schon seit Jahrhunderten besteht, auf Friedrich den Großen, den besten Denker und Staatsmann seiner Zeit", der mit den um ihre Freiheit ringenden Kolonien sympathisierte, und schließlich auf Kaiser Wilhelm II., den größten deutschen Denker und Staatsmann unserer Tage". Die liberale Denkungsart der drei großen germanischen Völker sei ein festes natürliches Band. Die Zukunft sei durchaus hoffnungsvoll.
Auf wiederholte Beschwerden von Landlehrern aus der Danziger Gegend über un pünktliche Auszahlung ihrer Gehälter hat die königliche Regierung ein sehr scharfes Resfript erlassen, in dem gesagt wird, die pünktliche Auszahlung der Lehrergehälter gehöre zu den vornehmsten Pflichten der Gemeinden, und sie hätten unter allen Umständen dafür zu sorgen. Eventuell müßten die Schulkassenrendanten aus ihren Aemtern entfernt werden.
+ War bisher immer von Seiten der dänischen Protestler behauptet worden, daß die Bevölkerung Nordschleswigs unter unter der deutschen Zwangs"-Herrschaft stetig abnehme, so beweist neuerdings was widerwillig selbst die Protestpresse einräumen muß das Steigen der Wahlmänner, daß eine Wende für Nordschleswig eingetreten und eine aufsteigende Bewegung zu verzeichnen ist. Hoffentlich werden sich die guten Leute, aber schlechten Politiker, damit mun endlich zufrieden geben.
In Hannover ist unter dem Namen Mittelstands- Vereinigung eine nene politische Partei gegründet worden, die den Zusammenschluß des erwerbstätigen Mittelstandes und die Wahrung der Berufs- und Standesinteressen bei den politischen Wahlen und bei den Gemeindewahlen bezweckt. Angesichts des schon an und für sich überaus zerklüfteten Parteiwesens in unserem Vaterlande war diese Neugründung jedenfalls dringend von Nöten!
Dieser Tage finden in Berlin wichtige Besprechungen statt, an denen der bayerische Finanzminister Frhr. v. Rie del und Ministerialrat v. Pfaff teilnehmen. Offiziell werden zwar die Handelsverträge als Gegenstand der Besprechung bezeichnet, aber es verlautet mit einiger Bestimmtheit, daß in erster Linie die Reichsfinanzreform zur Erörterung stehen wird.
Seit einiger Zeit schon kommen aus China wieder allerhand dunkle Nachrichten, die darauf schließen lassen, daß die fremdenfeindliche Politik der Kaiserin- Mutter noch immer fortbesteht. Der Hauptanstifter der Boyer, der famose Prinz Tuan, soll wieder nach Peking zurückgekehrt sein, und im
jugendlich, und dennoch hatte sie die ruhige, gleichmütige etwas start blonde Farbe ihres Gefichts war noch vollkommen englischen Damen aus der reichen Gentry. Die frische, aber
Mistreß Johnston zeigte den vollkommenen Typus der
lich wenig Vergnügen und gewiß wenig Nutzen für Ellens fo großes Unglück nicht; bei solchem Ball gibt es doch wahrfeine Gattin ängstlich zu ihm aufblickte, ich sehe darin ein Nun," fiel Herr Johnston so rauh und heftig ein, daß und was Lord Archibald betrifft, ſo ist es mir
Gefundheit.
Humoreske von Käthe Lubowski.
Die neue Wirtschafterin.
Das muñ
( Nachdruck verboten.)
friegt hab'" Beute ist's mit Ihnen zu bereden. meinte fie Das is lang' her, daß ich das nich mehr zu hören gesightings Solterichen
Dann kommen Sie in Ihr Stübchen, ich habe etwas


