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A Im böhmischen Landtage vergnügt sich die deutsche Minderheit damit, ein wenig Obstruktion zu treiben, um die Eroberung von Budweis durch die Tschechen mittels Ab­änderung der Gemeindewahlordnung zu verhindern. Man hintertrieb die Verlesung des Einlaufs durch formelle Ein­wendungen und beanstandete dann ein Namensverzeichnis der Abgeordneten, wobei der Abgeordnete Strache den ganzen Band im Wortlaut verlas, was einige Stunden in Anspruch nahm. Die tschechische Mehrheit erhob stürmischen Wider­spruch, mußte jedoch die Verlesung zulassen. Gegen drei Uhr erzielte Strache hierdurch den Schluß der Sitzung. Es wird ferner die Verlesung von Heyses Maria bon Magdala" vorbereitet gelegentlich der Interpellation über das Aufführungsverbot in Pilsen. Auch soll man die Absicht haben, gelegentlich einer Zuckerinterpellation die vierzehn Bände der Zuckerkonvention zur Verlesung zu bringen. Ein heiteres Parlament!

Die Berufung Lukacs' zum ungarischen Ministerpräsi­denten steht unmittelbar bevor. Graf Tisza selbst soll es gewesen sein, der angesichts der Lage die Berufung Lukacs dem Monarchen dringend empfahl. Die Opposition dürfte kaum mehr Widerspruch erheben, da ihr der ehemalige Finanzminister ganz sympathisch ist.

Die Absage des Zarenbesuchs in Rom wird naturgemäß noch weiter erregt debattiert. Nachträglich will man auf berschiedenen römischen Redaktionen entdeckt haben, daß gar nicht die Sozialisten an der Absage schuld sind, sondern die ostasiatischen Komplikationen. Das ist selbstverständlich nur eine Verlegenheitsausrede, die recht schrach ist. Ebenso töricht sind die Ausfälle gegen Darmstädter und andere nördliche(!) Kreise, die ihren Einfluß aufgeboten hätten, um den Zaren von der Reise abzubringen. Inzwischen hat der italienische Botschafter in Petersburg Weisung erhalten, nach Rom zu kommen. Man will offenbar auf der Consulta flaren Wein eingeschenkt haben. Ob Ministerpräsident 3anardelli, dessen geschwächter Gesundheitszustand erst neulich wieder teilnehmend(!) in der italienischen Presse besprochen wurde, diese Gelegenheit benußen wird, seinen Abschied zu nehmen, ist noch zweifelhaft, gilt aber als wahr­scheinlich.

gestellt werden kann, hatte sich in Prenzlau vor dem Schwur­gericht zu verantworten. Angeklagt war die Arbeiterfrau Sophie Heiner wegen vorsätzlicher Tötung ihres Stieffindes Frieda. Ihr Mann hatte aus erster Ehe vier Mädchen im Alter von 4 bis zu 12 Jahren; dazu kamen noch zwei ihrer eigenen Kinder. Bald nach der Verheiratung bemerkten die Nachbarn, daß die sonst blühenden Kinder immer mehr körperlich herunterkamen; sie wurden stets in einer Kammer eingesperrt gehalten und erhielten mehr Schläge als Essen. Alle menschlichen Begriffe aber übersteigt die Schilderung, die zwei der Kinder von den Mißhandlungen gaben, welche zum Tode der kleinen Frieda führten. Die Rabenmutter band die Füße des Mädchens mit einem Stricke zusammen und befestigte ihn sodann an dem Ofenhaken, so daß das Kind mit dem Kopfe nach unten hing. Nach Verlauf einer halben Stunde warf die verrohte Mutter das Kind auf das Bett und schlug es unbarmherzig mit einem Stocke. Dann wurde es mit einem Strid an den Bettpfosten geschnallt, wo es in völlig nacktem Zustande über eine Stunde aushalten mußte. Schließlich erlöste der Tod das gemarterte Kind von seinen Leiden. Das Schwurgericht verurteilte die Bestie in Menschengestalt zu zehn Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf die gleiche Dauer.

Während es vor einigen Tagen so schien, als neige sich der Streik in Frankreich seinem Ende zu, kommen jetzt aus Armentières Nachrichten, die höchst bedrohlichen Cha­rafter tragen. Die Tumultuanten zogen bis in die späte Nacht plündernd und raubend durch die Stadt; eine ganze Anzahl Brandstiftungen kommen vor; mit Revol­bern wurde geschossen- kurz, die Revolte, wie sie nicht schöner sein kann.

* Die Erwartung, König Peter von Serbien werde nach dem Spruche des Obersten Kriegsgerichts die verur­teilten Nischer Offiziere begnadigen, scheint sich nicht erfüllen zu sollen; eine offiziöse Erklärung lehnt einen solchen Gnaden­aft des Königs rundweg ab. Gleichviel: Der Spaltung im serbischen Offizierkorps wird der König auch durch diese Härte kein Ende machen.

Düstere Nachrichten kommen über Bulgarien aus Kon­stantinopel. Es handelt sich um nichts mehr und nichts weniger, als eine Verschwörung, dazu bestimmt, den Sultan Abdul Hamid vom Throne zu stürzen. Zwanzig Offiziere sollen verhaftet und in die Verbannung geschickt worden sein. Man sagt, daß sie unterwegs ermordet wären. Gerüchte dieser Art sind nicht kontrollierbar, wenn sie aus der Türkei kommen. Die Mauern des Yildiz- Palastes sind undurch­dringlich, und fein offenes Wort drang je aus seinen Toren.

§ Das Urteil gegen den Direktor der Dortmunder Handels­bank, Bankier Wulff, lautet auf Jahre Zuchthaus, 6000 Mark Geldstrafe und 5 Jahre Ehrverlust. Er wurde des Meineides und Vergehens gegen das Handelsgeseß für schuldig befunden. Der Mitangeklagte, Gutsbesitzer Wolde­ring, wurde freigesprochen.

In Zentralamerika scheint es also doch wieder loszu­gehen. Die Regierung von San Salvador trifft bereits Vorkehrungen, um die Truppen Guatemalas, die, wie es heißt, in einer Stärke von 10 000 Mann mit Artillerie gegen die Grenze vorrücken, zurückzuschlagen. Ueber die eigent­liche Ursache dieser kriegerischen Verwickelungen ist Be­stimmtes bisher nicht bekannt geworden.

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Deer und flotte.

§ Der Prozeß Dippold hat, wie aus Bayreuth gemeldet wird, eine nicht unbedeutende Kostenlast verursacht; so sind allein an Zeugengebühren nahezu 4000 Mark zu zahlen ge­wesen. Wie verlautet, soll der Vater des Verurteilten, Gutsbesizer Dippold in Drosendorf bei Hollfeld, zur Er­stattung sämtlicher Untersuchungs- und Gerichtskosten heran­gezogen werden. Er dürfte zur Zahlung derselben auch ganz gut imstande sein, da sein Besitztum inklusive Wiesen- und Waldbestände einen Wert von etwa 70 000 Mark reprä­sentiert.

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Ein moderner Blaubart. In Desmoines, Iowa, wurd ein furchtbares Verbrechen entdeckt. Ein gewisser Ebeneza Blydenberg wurde verhaftet, weil er seine drei Ehefrauen vergiftet hat, um große Lebensversicherungsprämien einzu. streichen. Blydenberg machte, als er sich entlarvt sah, einen Selbstmordversuch.

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Ueber das Schicksal des kriegsgerichtlich zum Tode ver­urteilten Matrosen Kohler, der bekanntlich an Bord des Stationsschiffes Loreley" im Athener Hafen den Unter­offizier Biedrizki ermordet hat, ist bis jetzt eine Entscheidung noch nicht erfolgt. Kohler befindet sich gegenwärtig noch im Militärarrest in Wilhelmshaven in Haft. Es fiel auf, daß jetzt der Posten vor der Zelle des Mörders eingezogen wor den ist. Diese Maßnahme hängt mit dem großen Mangel, der zur Zeit an zum Wachtdienst verfügbaren Mannschaften im Standort herrscht, zusammen.

§ Eine schwere Bluttat fand vor dem Duisburger Schwur­gericht ihre Sühne. Der Bergmann Johann Wenguſt wurde wegen Doppelmordes und Mordversuchs zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Er wohnte bei der Familie Arich, unterhielt mit deren Tochter ein Liebesverhältnis und hatte mit ihr ein Kind. Der Alimentationspflicht wollte er nach vorangegangenen Zwistigkeiten durch Ehelichung der Arich ein Ende bereiten. Als Tochter und Eltern dieser Lösung sich abgeneigt zeigten, erschoß Wengust am 16. Juni seine bisherige Geliebte und deren Vater und verwundete die Mutter tödlich.

Eine vierte Marinestation im Ostseegebiete soll im nächsten Jahre nach der Zustimmung des Reichstags auf Alsen, gegenüber den Düppeler Höhen angelegt werden. Zu den Stationen Kiel, Danzig, Flensburg tritt Sonderburg. Es soll ein Liegeplatz für unsere Artillerieſchulschiffe und das Artillerieversuchsschiff Freya" gewonnen werden, da diese Schiffe in den Kieler Gewässern feinen geeigneten Uebungs­plaz finden können und unter Alsen üben müssen. Anlage der Sonderburger Station bedeutet eine erhebliche Kohlenersparnis; von dort aus können die Schulschiffe in furzer Zeit das Uebungsfeld erreichen, während von Kiel aus eine lange Fahrt und ein starker Kohlenverbrauch unver­meidlich sind. Die Bauten beschränken sich im wesentlichen auf eine große Anlegebrücke und auf einen Kran zum Heißen der Schwimmscheiben für die Schießübungen, da der Sonder­burger Hafen dank seiner Lage einen natürlichen Schutz gegen Nordost- und Nordweststürme bietet. Von besonderem Wert ist, daß selbst die großen Schiffe, die über 5 Meter Tief­gang haben, den schmalen Sund zwischen dem Festland und der Insel Alsen befahren können. Auf der neuen Station werden außer der Freya" der Mars", die Karola", die Olga", der Brummer", der Ulan" und der, Hai" Liege­stellen erhalten. Diese Flotte hat mit Einschluß der an Bord befindlichen Schüler eine Gesamtbesatzung von reichlich 2000 Mann.

Aus dem Gerichtssaal.

Vermischtes.

[ Von der Posener Bismarckfeier] wird uns noch über folgende indirekte, aber um so packendere Ehrung des großen Kanzlers berichtet. Die Pläße bei der großen Festtafel waren nicht belegt, dagegen waren auf den Tischen vom Feſtaus­schuß Blätter folgenden sehr löblichen Inhalts verteilt: Vierhundert Pläge zu belegen,

§ Das Urteil im Berliner Prozeß gegen Steldt und Ge­nossen fiel milder aus, als man nach dem, was über die sitt­lichen Verfehlungen des Angeklagten und seiner Mitschuldigen bisher in die Deffentlichkeit gedrungen war, allgemein an­nahm. Steldt wurde zu neun Monaten Gefängnis ver­urteilt, ebenso die eine der Angeklagten, die ihm die Haupt­tupplerdienste bei seinem strafbaren Umgange mit schul­pflichtigen Mädchen geleistet hatte. Eine andere Angeklagte erhielt 6 Monate, zwei 2 Monate, eine 3 Tage Gefängnis, drei wurden gänzlich freigesprochen. Die Straftaten sollen sich bei der Beweisaufnahme als wesentlich leichter heraus­gestellt haben, als die ursprüngliche Anklage behauptete. Wesentlich soll ins Gewicht gefallen sein, daß die Mädchen, um die es sich handelte, alle schon verdorben und weit über ihr Alter körperlich entwickelt waren.

war uns zu schwer, um dessentwegen muß sich mit seinem Platz bequemen ein jeder und's nicht übel nehmen, wenn er nicht grad das Plätzchen fand, auf das er paßt nach Rang und Stand. Wo in dem Blut der deutschen Reben Bescheid sich deutsche Männer geben und bis zum Rand die Becher schenken, um ihres Bismarck zu gedenken,

da ist trinkt aus und füllet frisch. allüberall ein Ehrentisch!

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A Ein peinlicher Handel macht in der englischen Gesell schaft unangenehmes Aufsehen. Der englische Vizekönig Indien, Lord Curzon, hat ein recht wenig faires Tausch geschäft mit dem Maharadscha von Benans gemacht. Einem Vorfahren des Maharadscha wurde von der indischen Regie­rung für seine großen, während des Sepoyaufstandes ge= Teisteten Dienste eine prachtvolle Möbelausstattung aus ge­schnißtem und bemaltem Elfenbein zum Geschenk gemacht. Damals wurden diese Möbel auf etwa 25 000 Mark ge­schätzt, heute sind sie das Zehnfache wert, da sie in dieser Feinheit der Ausführung nicht wieder hergestellt werden können. Diese Möbel wollte Lord Curzon dem Maharadscha abkaufen. Der sagte aber in echt orientalischer Art, das könne er nicht, er wolle sie dem Vizekönig zum Geschenk machen! Der meinte wiederum nun, das könne er nicht, da die indische Regierung außerordentlich scharfe Beſtim mungen getroffen hat, die den europäischen Beamten die Annahme von Geschenken seitens der indischen Fürsten ver bieten. Lord Curzon schlug daher dem Maharadscha ein Tauschgeschäft" vor. Für die beinahe unschäßbaren Elfen­beinmöbel, die dazu noch ein Erbstück waren, gab er dem Maharadscha eine Büchse, deren Wert von Sachverständigen im besten Fall auf 600 Mark veranschlagt wird.

[ Bebels Vetter".] In den Straßen von Graudenz flanierten, wie der dortige Gesellige" zu berichten weiß, gelegentlich einer Parteiversammlung viele Sozialdemo­fraten, die im Knopfloch eine rote Rosette zur Schau trugen. In vielen dieser Rosetten war ein Miniaturporträt an­gebracht, das u. a. die Neugier eines Herrn erregte, der in der Altestraße einen jüngeren Genossen" fragte, wen das Porträt wohl vorstelle. Bestürzten Blicks hielt der Gefragte das Knopfloch mit seinem Schmuck mit der flachen Hand zu und betonte auf die nochmalige Frage stotternd und ver­legen: Das ist ein Verwandter von mir!" August Bebel, den das Porträt darstellt, wird an jenem, mutigen" Vetter sicherlich große Freude haben.

§ Eine böse Stiefmutter, die den schlimmsten Personi­fikationen diefer Spezies im deutschen Märchen an die Seite

O[ Die Kaiserlichen Prinzen im Münchener Hofbrän haus.] Der Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich besuch. ten, wie wir bereits erwähnten, gelegentlich der Rückfahrt von Bad Kreuth auf der Durchreise München, und natür. lich auch das dortige Königl. Hofbräuhaus. Die Prinzen waren ebenso wie ihre militärischen Begleiter in Zivil. Nach. dem sie die Schwemme" im Parterregeschoß betreten hatten, bedienten sie sich dort der Ortssitte entsprechend selbst; sie schwenkten zunächst am Brunnen ihre Krüge aus und hol­ten sich dann selbst an der Schenke je eine Maß Bier. Hier­auf setzten sie sich mit ihren Begleitern an einen Tisch mitten unter die übrigen Gäste, ohne von diesen erkannt zu werden.

[ Der Redaktionshase.] Einen wirklich treuen" Abonnenten nennt das Schlettstädter Tagebl." sein. All­jährlich werden den Redaktionen die ersten Schmetterlinge, die ersten Maitäfer, die größte und allergrößte Kartoffel 2c. von den Abonnenten dargebracht, und diese Tatsachen werden im Blatt gebührend vermerkt. Daß aber der erste Hase der Redaktion überreicht wird, dürfte zu den Seltenheiten ge­hören; solches geschah aber dem genannten Blatte, dem ein alter, treuer Abonnent und Waidmann seinen ersten dies­jährigen Hasen zuschickte, ein Eingesandt", das bereitwillige Aufnahme fand.

[ Ein ehrenhafter" Advokat.] Ein Pariser Anwalt hatte, wie dortige Blätter zu erzählen wissen, kürzlich die Verteidigung einer spitzbübischen Dirne übernom­men und von ihrem Zuhälter eine bestimmtes Honorar er halten; er nahm sich aber eigenmächtig noch etwas mehr, indem er mit der Dirne in Verkehr trat. Als der Freund der Dame das erfuhr, erklärte er, daß er dem Advokaten die Knochen im Leibe zerbrechen werde, und der Anwalt, der seine ganze Zukunft gefährdet sah er lebt haupt­sächlich von der Verteidigung angeklagter Dirnen und Zu­hältererbot sich, vor einem Ehrengericht" der Zuhälter zu erscheinen und die Streitfrage von ihnen entscheiden zu lassen. Und so geschah es! Das Ehrengericht" erklärte den Anwalt für nichtschuldig, so daß er der bevorzugte Verteidiger der ehrenwerten Korporation bleiben darf wenn ihn nicht die Anwaltskammer zum Teufel jagt!

Das Neuefte aus den Witzblättern. Stimmt auffallend. Wissen Sie schon, Bankier Gold­heim gibt seiner Tochter, die den Regierungsrat Schulze heiratet, eine halbe Million Mitgift!" Ja, ein guter Rat ist ebenteuer!"

[ Man muß sich zu helfen wissen.] Eine amüsante Ge­schichte von einem Schriftsteller, der zu einem originellen Reflamemittel griff, um sein Buch zur allgemeinen Kennt­nis zu bringen, wird aus Paris berichtet. Der betreffende Schriftsteller, Jean Lombard, hatte während langer Jahr: mit Armut und Kränklichkeit zu kämpfen gehabt. Er hatte. mehrere Romane geschrieben, die von einigen, die sie ge­lesen hatten, für geniale Werke angesehen wurden; aber sie hatten einen gänzlichen Mißerfolg im Buchhandel. Auf sein letztes Buch hatte er aber alle seine Hoffnungen auf Anerkennung und sogar auf materiellen Erfolg gesetzt. Bei der Veröffentlichung ging es dem Buch indessen allen An­zeichen nach ebenso wie allen seinen Vorgängern. Da griff der Autor zu einem Gewaltmittel. Er spekulierte auf die oft bewiesene Tatsache, daß die beste Art, ein Buch viel ge­lesen zu machen, ist, es öffentlich als unpassend" zu bezeich­nen. So schrieb er aus Marseille einen Brief, unterschrieben ,, ein empörter Republikaner", an die Behörden, worin er ein gewisses Buch als gefährlich für die öffentliche Sittlich­feit bezeichnete und die Verfolgung des Verfassers verlangte. Daraufhin wurden Nachforschungen angestellt und auch die Identität des Autors und des Briefschreibers festgestellt aber die Absicht des Schriftstellers war erreicht.

Die Einweihung des Ketteler- Denkmals, das zu Ehren des in China ermordeten deutschen Gesandten im Schloß­garten zu Münster in Westfalen errichtet wird, ist nunmehr endgültig auf Sonntag, 25. d. Mts., festgesetzt worden. Der Kaiser wird sich bei der Feier vertreten lassen.

In der Buchhandlung. Backfisch:" Ich möchte einen Liebesbriefsteller." ,, Bedaure sehr, mein Fräulein, die sind vergriffen, den letzten hat soeben Ihre Frau Mutter gekauft."

Neue Ordnung. Professor Mein Hut ist wieder nicht da! Es wäre doch wünschenswert, daß derselbe seinen be= stimmten Plag hätte!"-Dienstmädchen( suchend): Da ist er! Er war beim Reinemachen in einen Eimer Wasser gefallen!"- Professer: Tut nichts, wenn ich nur sicher bin, daß ich ihn von nun an dort immer finde!" Unwahrscheinlich. Richter( zu einem ältlichen Fräulein): ,, Wie alt sind Sie, Beugin?"- Zeugin:" Dreißig Jahre." Richter: Zeugin, ich mache Sie auf die Folgen des Mein­eides aufmerksam... Sie können noch nicht dreißig Jahre ult sein!"

Ein Schlaumeier. Mama: Frißchen, wohin willst du denn mit dem Wecker?"- Fritchen: Zu Papa! Sein Bein ist eingeschlafeni"

Verschnappt. Fräulein: Heute wurde ich von meh­reren Herren verfolgt und belästigt, bis eine alte Dame fam und mir ihren Schutz anbot... so eine unverschämte Person!"

Der Landwirt.

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pc. Haltbarmachung der Baumpfäbic. Bei der Herbst­pflanzung der Obstbäume spielt die wichtige Behandlung der Baumpfähle eine große Rolle. Die abgeschälten Pfähle, Gartenstöcke u. s. w. werden, nachdem sie gehörig ausgetrocknet sind, mit dem unteren angespigten Ende einige Tage etwas tiefer in Kaltwasser( Kalkgrube) gestellt, als sie nachher in den Erdboden kommen sollen. Das Holzwerk durchtränkt sich mit diesem Kalkwasser. Nachdem nun die Holzpfähle nach einiger Zeit wieder gehörig ausgetrocknet sind, werden sie mit verdünnter Schwefelsäure öfter bestrichen. Dadurch bildet sich schwefelsaurer Kalk oder Gips, der eine ſteit­ähnliche Schicht erzeugt, die der Feuchtigkeit Trotz bietet. Ein anderes Mittel: Man rühre in gekochtes Leinöl pulve risierte Kohle und rühre die Mischung so durcheinander, bis sie die Dicke einer Anstreicherfarbe erhält, und bestreiche da mit den untersten Teil des Baumpfahles, der in die Erde getrieben werden soll. Anbrennen der Baumpfähle hat menig Zweck. Für einen Pflanzenstamm aus einer wirklich guten und soliden Baumschule werden Pfähle von Lärchen­holz empfohlen. Pfähle von 10 Ctm. Stärke in der Erde halten so lange aus, bis sich der Baum allein tragen kann.

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