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er ein völlig willenloses Werkzeug in der Hand der nigsmörder, insbesondere des Obersten Maschin, des Schwa­gers und Mörders der Königin Draga. Maschin war es, der, ohne den König erst zu fragen, auf die erste Kunde von dem Aufruf der Nischer Offiziere mitten in der Nacht die Urheber des Aufrufs in Nisch verhaften ließ. Er sandie Patrouillen, aus je einem Offizier und vier Soldaten be­stehend, in die Wohnungen der 24 Offiziere, von denen der Aufruf ausging, ließ sie trotz ihres Widerstandes sesseln und ins Gefängnis bringen. Maschin wußte, daß Obers Jankowitsch, der Kommandant der Nischer Division, es mi den Verhafteten hielt. So befahl, er denn im Namen des Königs, aber immer ohne dessen Vorwissen nachts um 4 Uhr die Amtsenthebung Jankowitsch'. Zugleich fordert er vom Kriegsminister, ebenfalls einent der Königsmörder, telegraphisch die Einsetzung eines anderen Komplizen, des Generals Djufnitsch, als Divisionär von Nisch. Djuknitsch war bereits pensioniert; Alexander hatte ihn seiner Zeit aus der Armee entfernt. Infolge dessen wurde König Peter in der Nacht geweckt und mußte eilends einen Ufas erlassen, der Djuknitsch reaktivierte und zum Divisionär von Nisch ernannte. In der ganzen Armee herrscht völlige Anarchie, der König ist völlig ohnmächtig. Maschin iſt in Wahrheit König von Serbien

Die Politik.

Dal Dentschtum in Oberschlesien hat vom Reichskanzlei Grafen Bülow die Zusicherung kräftiger Unterstützung erhalten. Der in Gleiwit abgehaltene erste oberschlesische Goutag des Deutschen Ostmarkenvereins hatte dem Kanz­ler nach Norderney ein Telegramm gesandt, das die Hoff­mung aussprach, daß auch in Oberschlesien den im Kampfe gegen das vordringende Polentum stehenden Deutschen die mächtigen Hilfsmittel des Staates nicht versagt bleiben werden". Darauf antwortete Graf Bülow unter anderm, die Pflege unseres Volkstums in Oberschlesien liege ihm nicht minder am Herzen, wie in Westpreußen und Posen. Er sei überzeugt, daß der Oberpräsident Graf Zedlitz mit bewährter Sachkenntnis die richtigen Wege finden wird, um die nationalen Gesichtspunkte, welche für die Politik der Staatsregierung maßgebend sind, unter den beson­deren Verhältnissen Oberschlesiens erfolgreich durchzu­Führen.

In oben sind gegenwärtig die deutschen Sozial­Demokraten zu ihrem diesjährigen Parteitage versam­melt. Die Begrüßungsreden hielten die Abgg. Kaden- Dres­ben und Bebel, der den Tag eröffnete. Zum ersten Vor­zenden des Parteitages wurde Abg. Singer, zum zweiten bg. Raden gewählt. Während des Parteitages soll eine Ronferenz der preußischen Sozialdemokraten stattfinden.

A Eine Denkmalsenthüllung, die einen aus geprägt politischen Anstrich gewann, hat in Trégnier ( Bretagne) stattgefunden. Dem von dort gebürtigen fran zösischen Bibelforscher Ernest Rénan ist dort ein Denkmal errichtet worden, zu dessen Enthüllung sich auch Minister präsident Combes eingefunden hatte. Bei dem Festmahl, das später stattfand, hielt Combes eine Rede, in der er unter anderm sagte: Frankreich hält die Aera der Er­oberungen für beendet. Wir sehen jenseits der Grenze nur Lächelnde Gesichter. Der Horizont gehört dem Frieden. Die Republik wird sich bemühen, ihn zu bewahren. Ic hoffe, wir werden bald das Morgenrot des allgemeinen Frie dens anbrechen sehen." Sehr schön. Aber wer garantieri dafür, daß alle französischen Ministerpräsidenten so benken?

Ost Prinz Heinrich von Preußen nach den Ver­einigten Staaten gereist, so muß selbstverständlich auch England einen dem Throne nahestehenden Prinzen dorthin entsenden: Aus London wird berichtet, daß der Prinz von Wales, also der Thronfolger, Ende September zum Besuch bes Brafbenten Roosevelt nach Amerika reist. Er wird von bem Geschwader des Admirals Wilson esfortiert.

belegenen Insel, mitten in er britchen Bai, das Sternen­banner gehißt. Selbstverständlich ist der Dreistigfeit ein neuer britischer Protest auf dem Fuße gefolgt. Aber schlies­lich wird sich England wohl beruhigen, wenn die Yankees sich gegen die Rüdgabe der Inseln sperren.

Präsident Castro macht wieder einmal durch einige feiner Heldentaten unliebsames Aufsehen. Zunächst wei­

gert fich dies noble Oberhaupt eines Gaunervolkes, die

Hof und Gesellschaft.

Der Kronprinz wird als Vertreter des Kaisers der feierlichen Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Großen in Rheinsberg beiwohnen; der Termin des Ent­hüllungsaktes ist der näheren Festsetzung durch den Kron­prinzen vorbehalten.

musländischen Schiedsrichter an den gemischten Tribunalen zu bezahlen. Diese Tribunale waren eingesetzt, um die Streitigkeiten zwischen ausländischen Gläubigern und vene­solanischen Schuldnern zu schlichten. Wahrlich, ein Ver­fahren, das an Filzigkeit und Arroganz seines gleichen fucht. Aber Castro weiß, er steht unter dem mächtigen Schuß der Union, deren willfähriges Werkzeug er ist. Sie braucht ihn neuerdings, um den Kolumbiern, die den Pa­namafanal abgelehnt haben, zu dem inneren Aufstande auch noch äußere Schwierigkeiten zu bereiten. Aus Cura­cao wird gemeldet: Aus allen Gegenden Venezuelas wer­ben Truppenbewegungen gemeldet, namentlich Grenze von Kolumbien. Man erwartet einen neuen Vor= Rob Castros gegen Rolumbien. Die Yankees umb Castro ein edles Brüderpaar.

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Zu der Hochzeit des Prinzen Andreas von Griechenland mit der Prinzessin Alice von Battenberg, die, wie wir meldeten, anfang Oktober d. I. in Darmstadt stattfinden wird, erfahren wir noch, Das Prinz Andreas nach erfolgter Vermählung mit seiner jungen Gemahlin bis zum Mai nächsten Jahres im Alten Balais am Louisenplay in Darmstadt Wohnung nehmen wird. Bis zu diesem Zeitpunkt wird der Prinz auch bei dem in Darmstadt garnisonierenden Garde- Dragonerregi. ment Nr. 23 meiter Dienste tun. Im Laufe des Monats Bai 1904 sebenti dal bermählte Paar tu dauerndem and lacto. überzufiebeln.

Zwischen Quirinal und Batikan scheinen Verhandlungen zu schweben, deren Ziel nur eine Verständigung sein fann. Ein römisches offiziöses Blatt meldet, daß König Viktor Emanuel während seiner Anwesenheit in Treviso eines Morgens sehr früh nach Bossagne fuhr. Wie es hieß, wollte der König den Geburtsort Canovas besichtigen. In Wahr­heit besuchte er jedoch den Pfarrer des Ortes Parolin, der ein Neffe Pius X. ist, und hatte mit ihm eine lange Unterredung.

O Recht lebhaft dürfte es bei dem Empfang des Zaren in Rom zugehen: Wie schon gemeldet, wollen die italienischen Sozialdemokraten dem Zaren ihren Groll über die Polizei­wirtschaft und Willkürherrschaft in Rußland besonders deut­lich ausdrüden. Wessen der Zar sich dabei zu versehen hat. das lehrt eine Meldung aus Kom, wonach sich dort in aller Deffentlichkeit ein Komitee unter dem Vorsiz des italienischen Bebel, des Abg. Ferri, gebildet hat, um das Auspfeifen, die Proteste in Parlament und Gemeinderäten und das Aus­hängen von Trauerfahnen zu regeln. Also eine Or­ganisation des Standals in optima forma! Eine solche Begrüßung wird für den 3aren etwas neues, aber auch et­was höchst peinliches sein.

Nab und fern.

Neue Volksheilstätte. In Bad Wildungen wurde die neu errichtete Teutsche Volfsheilstätte für Blasen- und Nierenleidende in Gegenwart des Fürsten und der Fürstin von Waldeck feierlich eröffnet. Der Fürst verlas ein Tele­gramm des Kaisers, das dessen Segenswünsche für die Anstalt zum Ausdruck bringt.

Von einem neuen amerikanischen Gewaltstreich wird aus Britisch- Nord- Borneo berichtet. Bekanntlich hatten die Yankees dort bereits vor einigen Wochen sieben britische Inseln einfach anneftiert, was natürlich einen Protest der Londoner Regierung zur Folge hatte. Dieser Brotest ist noch nicht erledigt, und schon wieder hat ein ameri­Banisches Arieasichiff auf einer unter ienem Simmelsstrich

A Ueber den Verlauf der angeblichen Bestfälle" in Marseille ist es noch immer nicht möglich, sich ein flares Bild zu verschaffen. Offiziell wird die Existenz einer Best­epidemie hartnäckig geleugnet. Des weiteren besagt eine Bekanntmachung der Behörde, daß weder eine neue ber­dächtige Erkrankung, noch ein neuer Todesfall unter den Erfrankten vorgekommen sei, und die Entlassung der unter Beobachtung stehenden Personen bevorstehe. Der allge meine Gesundheitszustand in Marseille sei ausgezeichnet; die Sterblichkeitsziffer sei seit einigen Tagen unter dem Durch­schnitt. In direktem Widerspruch mit dieser Darstellung stehen Meldungen Pariser Blätter, daß in der Vorstadi Saint Mauront neuerdings zwei verdächtige Krankheits­fälle vorgefonimen sind. Zwei Wärterinnen im Salvator. Spinital ieien erfrankt.

Gerüchte von einem schweren Manöverunfall entstanden durch Auffindung eines herrenlojen defekten Luftballons der bayerischen Luftschifferabteilung Kranich" bei Kollin in Böhmen. Glücklicherweise sind die Befürchtungen nach Mit­teilungen der bayerischen Luftschifferabteilung unbegründet. Der Ballon ,, Kranich" war bei den Uebungen in der Nähe von Ingolstadt als sogenannter Füllsad verwendet worden, d. h. er war mit Gas gefüllt und diente dazu, andere Ballons nachzufüllen. Bemannt war er nicht. Jedenfalls ist er vom Sturm losgerissen worden.

Paris als Kriegshafen". Der französische Marine­minister will die Stadt Paris mit einem Kriegshafen be­schenken, allerdings nur en miniature. Der Marinemini­ster läßt in den Befestigungswerken der Stadt ein Bassin bauen, das 160 Meter lang, 10 Meter breit und 4 Meter tief ist; in diesem sollen sich Miniaturgeschwader bewegen, die aus Modellen von allen Kriegsfahrzeugen, die in Zukunft gebaut werden, gebildet sind. Die kleinen Schiffe werden nach den Plänen der Marineingenieure genau ausgeführt und mit ihrer ganzen Maschinerie und ihrer Bewaffnung ausgerüstet; dann wird man Versuche mit ihnen machen, um genau feſt­zustellen, was die Ausführung der Modelle im großen an Schnelligkeit, Widerstand usw. leisten wird. Man hofft so alle Mißgriffe im Bau der Kriegsschiffe vermeiden zu können. Die Modelle werden nach den Versuchen die Sammlungen des

Marinemuſeums bereichern.

Bergwerkskatastrophe. Ein schwerer Unglücksfall er­eignete sich im rheinischen Minengebiet. Auf einem zur Grube Von der Heydt" gehörenden Schacht stürzte in­folge Reißens des Förderkorbseiles eine Förderschale mit bier Bergleuten in die Tiefe. Sämtliche vier Verunglückten starben nach kurzer Zeit an ihren schweren Verlegungen.

tan Bab auf den Tisch des ungarischen Abgeordnetenhauses niederlegte, da sie ihm vom Abgeordneten Dienes zur Be­stechhung angeboten seien, und die den Sturz des unga­rischen Ministeriums hervorriefen, werden noch einen Ratten fönig von Prozessen verursachen. Sie liegen einstweilen in der Kasse des Abgeordnetenhauses. Jezt erschien der Rechtsanwalt eines der Dienesschen Gläubiger, um 575 Kronen von den 10 000 zu pfänden. Der Kassenchef des Abgeordnetenhauses konnte in die Ausfolgung nicht willi gen, weil das Haus über die Verwendung der Summe noch feinen Beschluß gefaßt habe. Mit diesem Bescheide will sich jedoch der Gläubiger nicht zufrieden geben und wird nun, da gegen die Bewilligung der Erefution selbst kein Einwand erhoben wurde, das Abgeordnetenhaus auf Her­ausgabe der Summe belangen. Inzwischen sind jedoch eine ganze Menge anderer Exekutionen von Gläubigern des

Eisenbahnunglück in Holland. Der Schnellzug Amster­dam Berlin entgleiste bei Barneveld. Drei Personen wurden schwer verlegt, darunter ein Deutscher namens Drocier(?). Sie wurden in das Krankenhaus zu Apel­doorn gebracht, wo sie sich den Umständen nach zufrieden­stellend befinden. 15 Personen wurden leicht verlegt.

Ueberschwemmungen in Desterreich haben großen Schaden angerichtet. Infolge anhaltender heftiger Regen­güsse wurde der Eisenbahnverkehr auf verschiedenen Streden in Salzburg, Tirol, Kärnthen und Krain unterbrochen. Bahlreiche Brüden sind weggerissen und Dammrutschungen verursacht worden. In Feistritz sind sechs Gebäude ein. gestürzt, viel Vieh ist umgekommen.

Bunte Chronik. In Hamburg tagt gegenwärtig die Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik unter dem Vorsitz Professor Schmollers. Professor Frande- Ber­lin hielt einen Vortrag über die Lage der in der Seeschiff­fahrt beschäftigten Arbeiter.

-In Hermsdorf bei Braunau wurde die Wirtschaf­terin Teuber im Schlafe mit einer Art erschlagen und ihres Geldes und ihrer Schmucksachen beraubt. Der Täter ist bisher nicht ermittelt.

Hus dem Gerichtssaal.

* Priva ber 6. Alaffe wurden folgende

63 410( na Ma Richelfast), 200 110 000 m auf 29719, 26 138, 38

auf Nr. 3851, 365099, 37 139, 983 767. * Der Ve Alsfeld beab

aber wohl in Schwebe bleiben müssen, bis das Abgeordneten Anisstellung ei

Martin Dienes angemeldet worden. Die Prozesse werden d. Js. zu Al

Vermischtes.

[ Der jüngste Beteran aus dem Striege 1870-71] ist em Nürnberger, nämlich der Musiker und Spezereihändler Hans Gmeiner. Gmeiner ist am 26. Juni 1855 geboren,

sein Ausmarsch erfolgte am 1826 1, 1855 von 15 Jahren 1 Monat. In der Musikkapelle des 15. In­fanterieregiments hat Gmeiner den ganzen deutsch- franzö­fischen Feldzug mitgemacht. Vor Paris wurde er zum Unter­offizier befördert, beim Einzug in Paris schmetterte seine Trompete kräftiger denn je. Als Unifum sei mitgeteilt, daß, nachdem die Beförderung zum Unteroffizier erfolgt war, der Bataillonsarzt ihn auf doppelte Menage sette. Das rasche Wachstum des jungen Mannes und der stets zu.

§ Aufgehobenes Todesurteil. Vom Feriensenat des Reichsgerichts wurde das gegen den russischen Erntearbeiter Beter Konieczny gefällte Todesurteil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Schwurgericht zu Güstrow zurückverwiesen. Konieczny war seiner Zeit schuldig befunden worden, am 31. Mai d. J. seinen mit ihm zusammen in Dalwitz beschäftigten Landsmann Franz Piesyt durch Bier, in das er Arsenik getan, vergiftet zu haben. Als Motiv des Angeklagten, welcher die Tat be harrlich leugnet, ist Anstiftung der Ehefrau des Piesyk angenommen; diese lebte getrennt von ihrem Ehemanne in der Heimat des Angeklagten, welcher erst kurze Zeit vor­her von dort nach Deutschland gekommen war. Die Auf­hebung des Urteils erfolgte wegen prozessualer Verstöße.

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§ Der Streit um die Dienesschen 10 000 Kronen. Die 10 000 kronen. die, wie erinnerlich, der Abgeordnete Zol­

rechtigt erscheinen.

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[ Die Hundertjahrfeier Chicagos] findet am 30. d. M. statt. Aus der kleinen Hütte eines weißen Einwanderers, der sich im Jahre 1803 am Ufer der Großen Seen nieder­ließ, ist die heutige Hauptstadt der Petroleumfönige und der Pökelfleischkaiser entstanden und hat sich mit märchen­hafter Schnelligkeit zur Millionenstadt entwickelt. Daß eine solche Stadt die hundertste Wiederkehr ihres Gründungs­tages königlich feiern muß, ist selbstverständlich. Schon da mit sich Newyork, die seßhafte Rivalin Chicagos, grün und blau ärgere, muß alles so großartig wie nur irgend mög lich gemacht werden. Man spricht von einem eigenartigen Fackelzug", der von 600 mit Acetylen beleuchteten Auto­mobilen veranstaltet werden soll. Auch Neuauffrischungen historischer Episoden will man sich leisten, so einen Ueberfall durch Rothäute, die den Kriegspfad beschreiten werden, um die kleine Festung anzugreifen, hinter deren Mauern die ersten Kolonisten eine Zuflucht suchten. Der Ueberfall soll nur imitiert sein, dafür sollen aber die Rothäute echt, fein in der Schlacht erprobte, tätowierte und mit Adlerfedern Der geschmückte Gestalten. Auch die furchtbare Feuersbrunft, die Chicago einst fast vollständig vernichtete, soll refonstituiert werden. Hier werden die Veranstalter viel zu tun haben, um zu verhüten, daß der imitierte Brand sich nicht zu einem echten auswachse.

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[ Bom Drechslerlehrling zum Pfarrer.] Weihbischof Bolaska in Debreczin( Ungarn) weihte vorgestern seinen ge­wesenen Diener Anton Solinger zum Pfarrer von Nagy­Toszeg. Beim Festbankett teilte der Bischof in seiner Rede mit, Pfarrer Solinger sei Drechslerlehrling gewesen und habe in der Werkstätte seines Vaters gearbeitet. Als Soldat machte er den bosnischen Feldzug mit und brachte es zum Wachtmeister. Dann trat er als Diener in die Debrecziner Pfarre. Als Diener studierte er die Gegenstände des Gym­nasiums, maturierte, beendete die theologischen Studien, wurde zum Priester geweiht, wurde Kaplan in Toszeg und erhielt nunmehr die Installation als Pfarrer.

[ Die Ansichtspostkarte in England.] Während der Sommerferien ist in England der Gebrauch der Ansichts­Postkarte so angewachsen, daß in vielen Postämtern die Be­amten Ueberstunden arbeiten müssen und trotzdem mit der Arbeit nicht fertig werden können. Aus Douglas, einem Orte auf der Insel Man, wurden an einem Tage mehr als 100 000 Ansichtspostkarten versandt. In dem Seebade Mars gate sind weitere sechs Postbeamte angestellt worden, und trotzdem bleiben dort täglich ganze Postsäcke für die Post des nächsten Tages liegen, weil man die durch die Postkarten vermehrte Arbeit nicht bewältigen kann.

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[ Bei der Hinrichtung des Raubmörders Detrois] in Mainz ereignete sich, wie nachträglich bekannt wird, ein grausiger Zwischenfall. Das bei der Exekution benutzte Fallbeil mußte nämlich zweimal in Bewegung gesetzt werden, ehe der Kopf des Delinquenten, welcher beim ersten Male nicht vollständig vom Rumpfe getrennt worden war, in den bereitstehenden Korb fiel. Zu diesem schaurigen Vorgange verden folgende Einzelheiten bekannt. Nach dem ersten Fallen des Beiles wurde der Gefängnishof, auf dem die Hin­richtung stattfand, durch die Gendarmerie von den geladenen Zuschauern geräumt und eine sofortige Besichtigung der Richtstätte vorgenommen. Diese ergab, daß sich beim Vor­schieben des Körpers des Delinquenten ein Teil des Rock­fragens desselben in die Nute eingeklemmt hatte, in welcher das Fallbeil bei seinem Herabfallen geleitet wird. Dadurch wurde der Fall naturgemäß abgeschwächt und das Beil blieb, da der Delinquent instinktiv den Hals einzog, im Unter­fiefer stecken. Auch an einigen Fasern des Halses hing noch der Kopf, der auf diese Weise nicht in den Korb fallen konnte. Nachdem das Beil nochmals gehoben und wieder gesenkt, war der Kopf vollständig vom Rumpfe getrennt, so daß er nun zu dem Körper in den Sarg gelegt wurde. Die Schneide des Fallbeils hat beim Einschlagen in den Unterfiefer eine nicht unerhebliche Scharte erhalten. Den Scharfrichter dürfte dieserhalb keine Schuld treffen, da er, wie berichtet wird, den Delinquenten vor der Hinrichtung angeblich nicht zu Gesicht bekommen hat und daher dessen Toilette" nicht in Ordnung bringen fonnte.

Verhafteter Defraudant. Der 21jährige Postgehilfe Seger genannt Seibring, der am 5. d. M. nach Unterschla gung eines ihm anvertrauten Betrages von 4200 Mark aus Duisburg flüchtig geworden war, ist am Schalter eines Post­amts in Berlin verhaftet worden. Er wollte dort einen postlagernden Brief in Empfang nehmen. In dem Besis des Defraudanten wurden noch etwa 60 Mart vorgefunden. von dem veruntreuten Gelde hatte er nach seiner Angabe seinem Vater bereits 3300 Mart übersandt, während er 600 Marf einem Mädchen, mit dem er sich amitsiert, geschenkt haben will.

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