Nab und fern.
() Abgesagte Gedenkfeier. Die wie erinnerlich vom Marineverein Berlin beabsichtigte Gedenkfeier zum 25. Jahrestage des Unterganges E. M. S. ,, Großer Kurfürst", verbunden mit einem General- Appell der Ge setteten in Berlin, wird, wie uns zuverlässig von dort geschrieben wird, nicht stattfinden, da, nach einem einem Der Geretteten zugegangenen Schreiben sowohl der Staatssekretär des Reichsmarine- Amts, wie auch der Ches des Marinekabinetts diesem kameradschaftlichen Untersehmen nicht sympathisch gegenüberstehen, sodaß auch Der Kaiser sebst eine Musterung der Geretteten abgesehnt hat.
Die friesische Landrechnungs- Versammlung sand nach alter Sitte auch dies Jahr in Aurich statt. Bereits vor mehr als 600 Jahren war es bei den Friesen Gebrauch, einmal im Jahre in der Nähe von Aurich unter einer mächtigen Eiche, dem Upstallsboom, welcher auch auf einem Taler des Königs Georg V. dargestellt ist, zur Rechtsprechung sich versammeln, wozu Abgesandte aus allen ostfriesischen Landschaften sich einfanden. Der Upstallsboom ist längst der Zeit zum Opfer gefallen, und an seiner Stelle erhebt sich eine aus Steinen hergerichtete Pyramide, in welche eine Marmortafel eingelegt ist, welche die Inschrift trägt:„ Auf der Verjammlungsstätte ihrer Vorfahren, dem Upstallsbɔɔm, ercichtet von den Ständen Ostfrieslands." Bekanntlich hielten von jeher alle deutschen Stämme im Mai das sogenannte ,, Maifeld" ab, auf dem die Volksgenossen zur Rechtsprechung und zur Heerschau zusammentraten.
Die letzte Rettung. Was Automobilfahrern passie. cen kann, beweist folgender Unfall, der am Spandauer Schiffahrtskanal bei Berlin passierte. Ein Kraftwagen ge ciet plötzlich lichterloh in Brand, und um wenigstens et was von dem teuren Gefährt zu retten, blieb den Insassen kein anderer Entschluß übrig, als das brennende Automobil ins Wasser zu befördern. Viel wird allerdings auch das Wrack nicht mehr wert sein.
Das zweihundertjährige Jubiläum von Sanki Petersburg wird in diesen Tagen mit großem Glanze ge feiert. Bekanntlich gründete am 16. Mai 1703 Peter der Große auf dem sumpfigen Mündungsterrain der Newo eine neue Residenz. Gegen 80,000 Arbeiter waren unausgesett tätig, und wie durch Zaubermacht entstand in furzer Zeit die junge Stadt. Deutsche und holländische Handwerker jeder Branche wurden ins Land gezogen, und feine 50 Jahre nach seiner Gründung zählte Petersburg bereits 80 000 Einwohner. Die jeßigen Festlichkeiten ha ben zum Mittelpunkt eine große kirchliche Prozession, die von der Kasankathedrale zum Denkmal Peters des Großen zieht. Die Straßen in der Nähe des Monuments und die berschiedenen öffentlichen Gebäude, darunter das kleine historische Haus des Gründers der heutigen Hauptstadt, werden im Festschmuck prangen. Für das Volk arrangiert man Festlichkeiten. Die Bürgermeister der großen Städte Rußlands sind zu einem großen Bankett und anderen Festlichkeiten von der Stadtverwaltung eingeladen worden. Die Ruderklubs veranstalten eine Regatta, bei der eine Flotte von Galeeren, nach Art der Galeeren aus der Zeit Peters des Großen, die Hauptrolle spielt. In dem leinen Palast im Sommergarten, der früher von dem Monarchen bewohnt wurde, findet eine Ausstellung statt, in der man unter anderen historischen Merkwürdigkeiten auch eine Karte sehen kann, deren sich Peter der Große bediente, wenn er junge Leute examinierte, die von ihren Instruktionsreisen ins Ausland zurückkehrten. Außerdem enthält die Ausstellung ein Porträt des unglücklichen Sohnes des Monarchen, Alexis. Von anderen Dingen sind zu erwähnen eine Bettdecke, Epiegel, Tische, Stühle und Gobelins, die alle Eigentum Peters waren. Ferner sieht man seine Brille, Kleidungsstücke, die er getragen hat, geographische Darstellungen, ein Arbeitskostüm, welches er während seiner Hochzeitszeit trug.
* Die Zuverlässigkeit des Bectillonschen Meßsystemé wurde in Prag schlagend erprobt. Dort wurde dieser Tage ein Mann, der mehrere Sprachen spricht, als verdächtig angehalten und vorsichtsweise in Haft genommen. Man fand bei ihm Papiere, die auf den Kamen Laurent Katherin Chautant lauteten. Da der Mann mit der Wahrheit nicht herausrücken wollte, wurde er nach dem Bertillonschen System anthropometrisch auf. genommen und die bezügliche Karte wurde nach Wien, Berlin und Paris gesandt. Aus allen drei Städten langte bie gleichlautende Meldung zur, daß das Individuum zufolge in der Karte angegebenen anthropometriſchen Daten mit dem Bäckergehilfen Konstant Bloch aus Sulz in Elsaß- Lothringen identisch ist, daß dieser Bloch bereits eine Reihe von Strafen hinter sich habe und wegen seines Bebenswandels aus Frankreich ausgewiesen sei. Jetzt erst gestand der angebliche Laurent Katherin Chautant ein, daß er sich dieser Papiere, die er von einem ,, Unbekannten gekauft haben wollte, bedient habe, um seinen virtlichen Namen zu verbergen. Der internationale Landstreicher wurde wegen Vagabondage und Beilegung eines falschen Namens zu 14 Tagen Arrest veurteilt. Nach Abbüßung der Strafe wird er in seine Heimatsgemeinde Eulz abgeschoben werden.
::: Die Großmut eines Millionenerben bildet in Brescia des Tagesgespräch. Dort starb der frühere Bürgermeister von Goito bei Mantua, Dr. Francesco Bolbrini, der mit Uebergehung seiner armen Verwandten jeinen Gutsverwalter Carlo Ceni zum Universalerben eines 3 Millionen Lire betragenden Vermögens machte. Obwohl das Testament unanfechtbar war, beschloß Ceni, von der ererbten Summe nur 500 000 Lire für sich zu behalten und 100 000 Lire seinen armen Ver-wandten zu schenken. Den Rest der Erbschaft, mehr als 8 Millionen Lire, überließ er großmütig den enterbten Berwandten des Dr. Boldrini und zahlte auch ein Legat von 200 000 Lire aus, das Dr. Boldrini in einem früheren Testament für eine Nichte festgesetzt, dann aber wieder zurückgezogen hatte.
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)[ Henequinhüte.] Die Panama- Strohhüte auf der Weltausstellung in St. Louis 1904 eine neu Konkurrenz erhalten. Diese geht von der merikanischen Regierung aus, welche für die Ausstellung Hüte aus ,, Henequin" herstellen läßt. Es sind dies die Fasern einer Alveart( Agave Irtli), welche bisher nur zur Fabrikation von Tauen und Fasergeweben verwendet wurden.
::: Einen trockenen ,, Willkommen" bot die Stadt Schweinfurt dem Prinzen Ludwig von Bayern, der dort, wie gemeldet, die landwirtschaftliche Ausstellung besucht. Er wurde vom Bürgermeister mit einer Ansprache begrüßt; zum Schlusse reichte der Vater der Stadt dem Prinzen einen kostbaren Deckelkrug zum Willkomm- Trunt. Als aber der Prinz den Deckel hob, machte er ein sehr verdubtes Gesicht: der Krug war nämlich leer! Das ganze befrackte und behandschuhte Empfangs- Komitee war im nächsten Augenblick mit dem Deffnen vɔn Flaschen beschäftigt und bald konnte der Prinz den Ehrenbecher aufs Wohl der Stadt Schweinfurt leeren.
() Wie russische Bauern ,, löschen". Vor einigen Tagen, so lesen wir in russischen Blättern, entstand im Kirchdorfe Popajino, Kreis Etariza, ein großes Feuer, das schnell um sich griff und sich im Laufe einer Etunde auf das halbe Dorf verbreitete. Da es gerade Feiertag war, so versammelten sich auch aus den benachbärten Dörfern große Menschenmengen. Ans Löschen des Brandes dachte jedoch niemand, und zwar aus folgendem Grunde: Unter anderen Gebäuden war auch die fiskalische Branntweinbude in Brand geraten. Angesichts des köstlichen Nasses, das dort in großen Mengen aufgespeichert war, trat alles übrige in den Hintergrund. Die kaum begonnenen Löscharbeiten wurden eingestellt. Jeder ließ das Haus des Nachbars oder seine eigene Hütte im Etich, und eilte zur Branntweinbude, um in der allgemeinen Verwirrung sich wenigstens einen Teil des köftlichen Getränkes anzueignen. Mit kaum glaublicher Gaschwindigkeit verschwanden Hunderte von Flaschen in den Brust, Seiten- und Hosentaschen der ,, Retter", was dort nicht Platz finden konnte, wurde im Stiefelschaft untergebracht. Im Besize dieser edlen Beute ließ man ruhig das Dorf brennen, zog sich hinter einen Zaun oder sonst an ein verstecktes Pläßchen zurück und gab sich nach den Strapazen und Aufregungen dem Genusse des mit so großen Mühen erkämpften Göttertrankes hin. Die Fol gen traten nur zu bald an den Tag: nach kurzer Zeit waren nicht nur die meisten Männer, sondern auch viele Frauen und sogar Kinder sinnlos betrunken. Bald begann auch noch eine allgemeine Schlägerei der Beute wegen, und während die Flammen prasselten, die Häuser krachend zusammenſtürzten, das Vieh in den Ställen aus Todesangst an den Stricken zerrte und blökte, konnte man an einer Stelle das Geschrei der Streitenden, an einem anderen Orte den wilden Gesang der Betrunkenen vernehmen. Als das halbe Dorf niedergebrannt war und das Volk sich zerstreut hatte, fand man die Leichname von zwei Männern, die sich einfach zu Tode getrunken hatten. Ein Glück war es noch, daß die Bauern nicht in den Besitz der in der Branntweinbude aufgespeicherten Spiritusfässer gelangen konnten, denn in diesem Falle wäre die Zahl derjenigen, welche das Schicksal der erwähnten beiden Männer geteilt hätten, groß gewesen. Im ganzen sind 17 Gehöfte mit allen Nebengebäuden niedergebrannt.
(::) Im Gefängnis erdrosselt. Ein kaum glaublicher Vorfall wird gegenwärtig in der italienischen Presse lebhaft besprochen und hat bereits zu energischen Maßnahmen der italienischen Regierung Veranlassung gegeben. Vor einigen Wochen wurde in der Nähe von Rom ein Matrose Namens d'Angelo wegen Insubordination gegen seinen Kapitän verhaftet und in das Gefängnis ,, Regina Coeli" zu Rom gebracht, nachdem er während des Transports von den ihn begleitenden Karabinieri in unmenschlicher Weise geprügelt worden sein soll. Im Gefängnis tobte und schrie d'Angelo so sehr, daß man ihm, wie einem Jrrsinnigen, die Zwangsjacke anlegen mußte; aber anstatt sie ihm, wie es Vorschrift ist, nur höchstens acht Stunden zu lassen, mußte er sie drei, nach einer anderen Version sogar fünf oder sechs Tage tragen. Während dieser ganzen Zeit nahm er weder Speise noch Trank zu sich, weil er freiwillig verhungern wollte, wie die einen behaupten, weil er nichts erhielt, sagen die andern. Als der Matrose am siebenten Tage seiner Gefangenschaft so schwer erkrankte, daß sein Tod jeden Augenblick eintreten konnte, wurde der Gefängnisarzt gerufen, aber der Herr Doktor tam erst 11 Stunden später, nachdem er gerufen worden war und konnte nur noch den inzwischen wirklich eingetretenen Tod des Patienten feststellen. Die Autopsie der Leiche ergab, daß er von den Wärtern mißhandelt und erwürgt worden war. Der Direktor des Gefängnisses ,, Regina Coeli" wurde daraufhin strafweise nach Catania verseßt, der Gefängnisarzt entlassen und unter Anklage gestellt. Die eigentlichen Urheber des Mordes wurden sofort verhaftet.
* Das Erbbegräbnis der Leipziger Bank. In einem tiefen Kellergewölbe des stolzen Gebäudes am Rathausring, das einst dazu bestimmt gewesen, den Geschäftsbetrieb der Leipziger Bank aufzunehmen, und das nunmehr von der Leipziger Filiale der Deutschen Bank bezɔgen worden ist, werden gegenwärtig die dokumentarischen Reste des alten Leipziger Finanzinstituts, alle bis zum Jahre 1890 zurückreichenden Korrespondenzen, Geschäftsbücher und schriftlichen Belege des Etammhauses in Leipzig, Chemniß, Plauen i. V., Aue und Markneukirchen, in sichere Aufbewahrung genommen. Es ist ein eigenes Geschick, daß diese Belege aus der Geschichte eines mächtigen und doch so bald zerschmetternden Bankinstitutes gerade in jenem Baue ihre Ruhestätte finden, dessen Emporwachsen gleichzeitig ein weiteres Emporblühen der Leipziger Bank zu verheißen schien. Jetzt erzählt nur noch diese„ Bücher- Gruft" von ihrer entschwundenen Größe. Was an Belegen bis zum Jahre 1890 vorhanden war, mußte die Metamorphose zur ,, Pappe" durchmachen.
Bunte Chronik. Bei einem heftigen Unwetter wurden in der Nähe von Linz( Rhein) mit Abwickeln eines Telegraphendrahtes beschäftigte Soldaten vom Blizze getroffen. Ein Soldat ward schwer verletzt und ein Offizier vom Pferde geschleudert. Drei auf dem Basaltwerk Sortselbst beschäftigte Arbeiter wurden durch einen Blizstrahl gelähmt, desgleichen ein Schiffer, der mittelst Kahn über den Rhein sehen wollte. Das Fahrzeug sant. - Der Tierarzt Iskraut aus Jerichow wird von der Staatsanwaltschaft zu Stendal wegen Sittlichkeitsverbrechens an der neunjährigen Helene Sanftleben in Tangermünde steckbrieflich verfolgt.
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Der Wirt Wille bei Zeche ,, Minister Achenbach" in ber Nähe von Dortmund erschoß seine Frau und ententleibte sich selbst. Die Eheleute hinterlassen sechs Kinber, von denen das älteste zehn Jahre zählt.
Vermischtes.
[ Ein ,, doppeltes" Hoch.] Vom Schlusse der Tagung des Landesausschusses in Straßburg wird folgender Zwi schenfall berichtet: Der sozialdemokratische Abgeordnete Emmel hatte vor Verlesung des kaiserlichen Erlasses den Saal verlassen. Er hat seinen Siz neben dem Abgeord neten Seyller. Beim Kaiserhoch ließ nun Abgeordneter Seyller seine Stimme besonders mächtig erschallen und cief dann, auf den leeren Siz des Abgeordneten Emmel deutend: ,, Herr Präsident! Ich habe für zweie hoch ge cufen!" Unter allgemeiner Heiterkeit leerte sich der Saal
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(( 22)[ Die längste Straße Berlins] soll nach allgemei Ermittelung
ner Ansicht die berühmte Friedrichstraße sein. Das ist aber irrig. Die größte Länge der Berliner Straßen hat jezt die Seestraße, denn sie mißt 3680 Meter. Dann folgt bie Müllerstraße mit 3640 Meter, und erst an dritter Stelle kommt die Friedrichstraße mit einer Länge von 3300 Meter.
[ Einen nicht wahlberechtigten Bürgermeister] hat die Stadt Elberfeld. Das dortige Stadtoberhaupt, Oberbürgermeister Funcke, ist in Elberfeld selbst nicht wahl. berechtigt, weil er in einer zwar eingemeindeten, aber zum Wahlkreise Remscheid- Lennepp- Mettmann gehörenden Straße wohnt. Herr F. wird demnach in diesem Kreise seinem Wahlrechte genügen müssen. Daß der Bürgermeister einer Stadt in ihr selbst nicht wahlberechtigt ist, dürfte mit dem Fall Funcke" wohl einzig dastehen.
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)-([ Ein Pökelfaß zu sechs Kindern gesucht]- dieses start kannibalisch flingende Inserat kann man in dem Hohenstein- Ernsttaler Tagblatt lesen. Es handelt sich aber nicht um das Auftauchen menschenfresserischer Neigungen in Deutschland, sondern es ist nur ein von Gal genhumor diktierter Notschrei eines verzweifelten Fami lienvaters. Von Haus zu Haus war er mit seinen sechs ,, Würmern" auf die Wohnungssuche gezogen. Nirgends wollte man ihn aufsuchen, und nun will er die kleine Gesellschaft, um ihr ein Obdach zu verschaffen- einpökeln.
2[ Auch ein Zweikampf.] Von dem berühmten französi schen Kritiker Sainte- Beuve, dem dieser Tage in Paris ein Denkmal gesezt wurde, erzählt ein Pariser Blatt fol gende Anekdote: Sainte- Beuve, der wegen seiner scharfen Zunge in Dichterkreisen sehr gefürchtet war, hatte ein mal den Dichter Ratisbonne schwer gekränkt. Die beiden waren bis dahin gute Freunde gewesen, aber Ratisbonne, der, wie die meisten Dichter, sehr empfindlich war, konnte die Schmach, die Sainte- Beuve ihm angetan hatte, nicht auf sich sitzen lassen und forderte den bissigen Kritiker zum blutigen Zweikampfe heraus. Gemeinsame Freunde bemühten sich, den Streit beizulegen, aber Sainte- Beuve erklärte mit großer Entschiedenheit:, Von dem, was ich gesagt habe, kann ich nichts zurücknehmen, und ich bin bereit, Genugtuung zu geben. Ihr kennt mich und ihn; wir sind beide nicht mehr die jüngsten, und bei unse rem Leibesumfang würden wir einen Zweikampf mit De gen oder mit Säbeln nicht geschickt genug durchführen können. Ich schlage daher folgende Duellart vor: Man seze jeden von uns in einen Rollstuhl und gebe jedem von uns einen Regenschirm als Waffe; dann lasse man uns gegen einander los, bis einer besiegt auf dem Plaze bleibt." Es braucht nicht erst gesagt zu werden, daß das seltsame Duell nicht stattfand.
)([ Die Schicksale eines Buches.] Auf einer Auktion von Kunstgegenständen und Antiquitäten in Manchester wird dieser Tage ein lateinisches Gebetbuch aus dem Jahr: 1516 versteigert werden, das mit 20,000 Mark bewer tet ist. Das Buch hat eine eigenartige Geschichte. Ein Bauer aus der Umgegend der englischen Stadt Klanarth brachte vor einiger Zeit zu einem Büchertrödler in Lam peter einen Sack mit alten Büchern, für welchen ihm großmütig 10 Mark bewilligt worden. Zwei der erworbenen Bücher verkaufte der Trödler dann für 10 Mark an einen anderen Händler, der eins, das Gebetbuch, für 80 Marl an einen Antiquar in Manchester weiterverkaufte. Der Antiquar bekam für das Buch 8000 Mart, und jetzt ist es für 20,000 Mark zu verkaufen.
( ,,)[ Damen als Forschungsreisende.] Drei Alpenfüh rer aus Valtoumanche sind dieser Tage nach Südamerika abgereist, um mit einer amerikanischen Dame Namens Pick eine Forschungsreise durch Bolivia, Patagonien und Feuerland zu machen. Die Reise soll sechs Monate dau ern. Man wird sich vielleicht noch erinnern, daß vor einigen Wochen auch nach Asien mehrere Alpenführer ge gangen sind, um sich an einer gleichfalls von einer Dame unternommenen Himalaya- Fahrt zu beteiligen.
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(:)[ Poetischer Briefwechsel zwischen einem Richter und einem Sträfling.] Die schwierigsten Stunden seines Lebens so wird aus Newjort gemeldet hat der dor tige Polizeioffizier Ernst v. Diezelski hinter sich. Der Richter Flammer gab ihm nämlich den ebenso freundlichen wie schmeichelhaften Auftrag, eine Anzahl Verse als Ant wort auf das Gesuch eines vagabondierenden Poeten zu schmieden, der kürzlich nach Blackwells Island geschickt wurde, von wo er wieder losgelöst zu sein wünscht. Rich ter Flammer war ob der launigen Verse des modernen Troubadours sehr heiter gestimmt, ermittelte jedoch, nach dem er sich über das Vorleben des stromernden Poeten genau erkundigt, daß dieser am besten im Arbeitshause aufgehoben sei, weshalb er das Gesuch zurückzuweisen ge dachte. Das sollte nun v. Diezelski, der in der deutschen Armee gedient hat, ehe er Newyorker Blaurock wurde, in schönen Versen tun, weil er allgemein als großes Genie gilt. Er bestieg auch sofort den Pegasus, arbeitete eine ganze Nacht unverdrossen und legte dann, müde und er schlafst von der anstrengenden Arbeit, dem Kadi sein Gei stesprodukt mit der Bemerkung vor, es sei die anstren gendste Arbeit seines Lebens gewesen, und er wünsche in Zukunft von ähnlichen Folterqualen verschont zu blei ben. Der Richter las die poetischen Ergüsse, die bei wei tem nicht an die Geistesprodukte eines Goethe oder eine? Schiller heranreichen, und schickte sie dem Dichter John Donelly auf Blackwells Jsland zu; aus den gereimter und doch so ungereimten Zeilen kann er lesen, daß er seine sechs Monate pflichtschuldigst abzubrummen hat.- So gemütlich wie in Amerika dürfte es doch wohl nirgend in der Welt zugehen!
Das große Los der preußischen Klaffenlotteri im Betrage von 500 000 mt. wurde gestern gezogen. Es fiel auf die Nr. 9421. Von Gewinnen über 100 000 Marb blieb nur noch ein solcher von 150 000 Mt. im Rade
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