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* Im Reichstagswahlkreise Dessan- Zerbst haben die Libe­ralen als Kandidat den früheren Richstagsabgeordneten Eisenbahndirektor a. D. Schrader aufgestellt.

Eine sozialdemokratische niederrheinische Parteiver­sammlung hat beschlossen, zu den preußischen Landtags­wahlen überall, wo die Aufstellung sozialdemokratischer Kandidaten möglich ist, solche aufzustellen, sonst aber die liberalen Kandidaten zu unterstützen.

In Sidney wurden drei deutsche Zimmerleute, die einer dortigen Baugesellschaft vertraglich verpflichtet sind, an der Landung gehindert. In Australien besteht nämlich ein Ge­setz, das gelernte Arbeiter, die vor der Ankunft einen Ar­beitsvertrag mit einer australischen Firma abgeschlossen haben, von der Einwanderung ausschließt.

* Als Nachfolger des Grafen Khuen- Hedervary scheint jetzt Dr. Alexander Wekerle, der bekannte ungarische libe­cale Politiker, allein in Betracht zu kommen. Der flüchtige Dienes soll in London verhaftet worden sein.

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Prinz Arsen Karageorgiewitsch, der Bruder des Königs Beter, soll zum Oberbefehlshaber der serbischen Armee er­aannt worden. Prinz Arsen, der russischer Oberst ist, soll Die im serbischen Heere seit dem Königsmorde erwachsenen Zwistigkeiten zwischen den Offizieren beilegen.

Hof und Gesellschati.

Der Kaiser an Bord der Hohenzollern" passiert den Dere- Sund mit den Begleitschiffen Nymphe" und Sleipner". Das Fort Kronberg wechselte Salutſchüsse nach der Kaiserflottille.

*** Die Kaiserin ist in Posen eingetroffen und am Bahnhof von dem Kommandierenden General von Stülp. nagel, dem Festungskommandanten Hoyer von Rotenheim, dem Oberpräsidenten von Waldow, dem Regierungspräsi denten Krahmer, dem Polizeipräsidenten von Hellmann und dem ersten Bürgermeister Dr. Wilms empfangen worden. Die Kaiserin unternahm sofort eine Rundfahrt durch die Stadt, insbesondere durch die vom Hochwasser betroffer.en Stadtteile. Nach beendeter Rundfahrt durch die Stadt be gab sich die Kaiserin zum Frühstück nach dem Generalkcm­mando, auf dem ganzen Wege von der Bevölkerung jubend begrüßt. Die Stadt zeigt reichen Flaggenschmuck. Ter Bahnhof ist prächtig geſchmückt.

Nab und fern.

Häuser ein. Die Bewohner liefen schreiend auf die Straße. Auf dem Festland wurden in Bari, Taranto, Stabia, Castellamare und Neapel verschiedene Stöße verspürt.

Verhaftung von Nihilisten. Auf der Wirballer Chaussee vurden zwei russische Zollbeamte festgenommen, die eine Menge nihilistischer Schriften bei sich führten. Die Ver­afteten wurden nach Petersburg transportiert. Aus Kra au wird gemeldet, daß die dortige Studentin Melanie Mamroth, die Tochter eines Bankiers aus Russisch- Polen, vegen nihilistischer Umtriebe an der russischen Grenze ver haftet und nach Warschau eskortiert worden ist.

Frieda Sittl ergriffen. Die aus dem Magdalenenstift bei Teltow entwichene minderjährige Besserungsgefangene Frieda Sittl ist bei ihrer verheirateten Schwester in Pan fow verhaftet worden. Gegen die Schwester ist ein Straf berfahren eingeleitet worden. In Neu Weißensee entflohen aus der Besserungsanstalt Bethabara vier Mädchen, konnten aber nach kurzer Frist wieder zurückgebracht werden.

Bunte Chronik. Auf dem Thorner Schießplatz wurde der Feuerwerksleutnant Beutel vom Artilleriedepot Marien burg während eines schweren Gewitters mit seinem Pferde oom Blitz erschlagen.

Im Hafen von Swinemünde sind nahe am Bollwert ein Fischer aus Ahlbeck und sein Sohn ertrunken. Letzterer var vom Focksegel über Bord geschleudert und der Vater ihm nachgesprungen, um ihn zu retten.

In Köln brach auf dem Holzmarkt eine Revolte aus, bei der die Polizei gegen etwa 100 Personen mit blanker Waffe vorgehen mußte. Viele Erzedenten wurden verwun­det, die Rädelsführer verhaftet.

-In Mülheim a. Rh. sind die Angehörigen dreier Fami­lien, 14 Personen, nach dem Genuß gekochter Pilze schwer er­franft.

* Der Papst bei der Messe erkrankt. Den neuen Papst haben die Strapazen der Krönung stark mitgenommen. Als er gestern vor einer großen Zahl Andächtiger die Messe zelebrierte, wurde er infolge der schlechten Luft, die in der ungenügend gelüfteten Kapelle herrschte, von einem leich­ten Unwohlsein befallen, konnte jedoch nach einer kurzen Ruhe die Kapelle verlassen und in seine Gemächer zurück­fehren. Ein Arzt aus Venedig, der zugegen war, stellte fest, daß es sich nur um ein vorübergehendes nuvohlsein handle, das von den Anstrengungen der letzten Tage her rühre. Alle Empfänge sind verschoben worden, wie es heißt bis Donnerstag. Wenn der Papst den Ratschlägen des bekannten Wollapostels Dr. Jäger folgt, so wird er schleu­nigst sein Bett aus der Ecke des Zimmers rüden lassen. Dr. Jäger hat nämlich herausgefunden, daß Leo XIII, an einer chronischen Selbstvergiftung durch die üblen Ricch­stoffe" verstorben ist, die sich in der Bettecke angesammelt hatten. Da der Papst in Kleidung und Bettzeug bis auj die Handschuhe hinaus reinwollen, ja weißwollen ist", so so hatte er nach Dr. Jäger Anspruch auf den Tod von Altersschwäche, ein Lebensende, das jedenfalls nach dem hundertsten Jahre liegt. In Rom verlautet, daß in vati­lanische Kreisen große Entrüstung darüber herrscht, daß oicle Bechandlungen des Konklave den Zeitungen mitgeteili wurden. Es ist eine Kommission ernannt worden, um, wenn möglich die Schuldigen zu ermitteln. Aufsehenerregende Enthülungen werden allgemein erwartet. Inzwischen wird der Ersag der Unkosten im Betrage von je 200 Mart pre Tag an die am Konklave beteiligten Kardinäle zurückgehalten.

Aus dem Gerichtsfaal.

8 Majestätsbeleidigungsprozeß gegen Tolstoi. In Leipzig wird heute der Prozeß wegen der in einer russischen Ausgabe der Tolstoischen Schrift Du sollst nicht töten" enthaltenen Beleidigung Kaiser Wilhelms verhandelt. Die inkrimi­nierten Abschnitte beziehen sich auf die Wilhelmshavener Rede Kaiser Wilhelms bei der Verabschiedung der China­Truppen, insbesondere auf die angebliche Aeußerung Par­don wird nicht gegeben!" und außerdem auf die Berliner Refrutenbereidigungsrede, in der der Kaiser es als Pflicht der Soldaten bezeichnet habe, im Notfall auch auf Vater und Bruder zu schießen, um den König zu schützen. Bei dem Prozeß handelt es sich nun um die Freigabe oder Einziehung des betreffenden Buches.

Der deutsche Verein für Ton-, Zement- und Kalk: industrie hat in Stärke von etwa 300 Personen, darunter piele Damen, einen Ausflug nach Wien unternommen, um die großen Werke seiner Branche in der dortigen Umgebung zu besichtigen. Im Rathaus wurden die Teilnehmer dei Fahrt durch Vizebürgermeister Strobach feierlich begrüßt. Bei dem Festmahl, das sich anschloß, brachte dieser einen begeistert aufgenommenen Trinkspruch auf die verbündeten Monarchen Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Josef aus. Der Vorsitzende des Vereins dankte mit einem Trinkspruc auf Wien. An den deutschen und den österreichischen Kaiser wurden Huldigungstelegramme abgesandt.

Es zog ein flotter Bursch zum Rhein Nach Bonn, dort zu studieren.

Der Vater sprach, sollst fleißig sein Und keine Zeit verlieren;

Die gute Mutter aber sprach:

Lauf nicht den rhein'schen Mädchen nach, Mit ihren Feuerblicken,

Sie würden dich entzücken."

Im Garten des Wirtshauses saßen in Lauben mehrere Familien, die dort in Sommerfrische weilen, und ein Stu­dent hörte durch Zufall, während er den Garten durch­schritt und seine Kommilitonen das Lied vom flotten Bur­schen sangen, wie eine junge Dame sagte: Hörst du, Papa, jetzt singen sie das Lied, das du gedichtet hast." Und sc war es. Der Vater der jungen Dame, Professor Müller aus Quedlinburg, hatte das Lied in feuchtfröhlicher Stu­dentenzeit erdacht. Auf Einladung der Studenten nahm der alte Herr, der sich noch großer Rüstigkeit erfreut, an der Kneiptafel Platz und gar mancher Schoppen wurde auf das Wohl des Dichters geleert.

§ Ein verklagtes Regiment. Wegen Zerstörung eines Radfahrerweges wird das in Schwedt( Oder) garnisonierende Dragonerregiment Nr. 2 schadenersatzpflichtig gemacht wer­den. Auf dem Wege zur Kavallerieübung nach Altengrabow benutzten neulich einzelne Abteilungen des Regiments den bei Brandenburg( Havel) nach dem neuen Krug angelegten Radfahrerweg und beschädigten diesen so erheblich, daß seine Wiederherstellung etwa 300 Mt. kosten wird, welche nun das Regiment bezahlen soll.

[ Start im Drud".] Im Offenbacher Handels­kammerbericht für das Jahr 1902 findet sich folgende Stelle: Der Druck, unter welchem die allgemeine Geschäftslage leidet, macht sich im Geschäftsjahr 1901/02 auch für die Offenbacher Druckluft- Anlage fühlbar...."-Der Luft­druck der Druckluft scheint demnach dem ersten Druck nicht gewachsen zu sein.

§ Zwei Todesurteile bestätigte der Feriensenat des Reichs­gerichts durch Verwerfung der eingelegten Revisionen. Der 27jährige Maurerhandlanger Friedrich Klindtworth hatte in der Nacht zum 26. April in Rotenburg die 34jährige Ehefrau seines Mitarbeiters Tamke aus ihrem Hause gelockt, unter der Angabe, daß ihr Mann, mit dem er auf einem Richtfest gewesen, betrunken im Felde liege. K. hat die Frau vergewaltigt und dann durch Ersticken ermordet.- Das Schwurgericht Dessau hatte den 22jährigen Tischler­gesellen Paul Aust aus Harpersdorf wegen Mordes zum Tode verurteilt, welcher am 6. April in Hohenerrleben die 16jährige Tochter seines Meisters durch Revolverschüsse ge­tötet hatte. Eifersucht gegen die von A. Verführte war der Beweggrund.

Ein entsetzliches Explosionsunglück, dem zwei Sol daten von der 4. Kompagnie des in Neu- Ruppin garnisonie renden Infanterieregiments Nr. 24 zum Opfer fielen, er eignete sich in der Werkstatt des Tischlers Dräger daselbst Ein Sohn des letzteren, der Gefreite Dräger, und dessen Freund, der Musketier Wilhelm Kraus aus Berlin, hatten trotz des bestehenden strengen Verbotes vom Truppenübungs plaz in Jüterbog ein untrepiertes Schrapnell, einen soge nannten Blindgänger bei ihrer Rückkehr nach der Garnisor mitgebracht. In der Werkstatt des Vaters Dräger's spann ten beide das Geschoß in einen Schraubstock und befeuchteter es mit Benzin, um zunächst den Rost aufzuweichen. Bein Wiederabschrauben sind die Soldaten vermutlich mit der brennenden Zigarre dem Zünder zu nahe gekommen; denr plötzlich explodierte das Geschoß. Die Wirkung war furcht bar. Dräger wurde von unzähligen Schüssen in den Un terleib getroffen, so daß ihm der Leib und die Brust voll ständig aufgerissen und zerfekt wurden; ferner wurde ihm die Nase teilweise zerrissen, die Hand schwer verletzt und beide Augen beschädigt. Kraus erhielt ebenfalls mehrere Schüsse in den Körper. Die Unglücklichen verstarben bald darauf unter den gräßlichsten Schmerzen.

Verhaftete Entführer. Der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, nunmehr auch die Befreier" der minderjäh­rigen Besserungsgefangenen Frieda Sittl aufzuspüren und zu verhaften. Es sind drei bekannte Berliner Verbrecher. Frieda Sittl hatte ihre Befreier nicht verraten, da sie wohl hre Rache fürchtete.

Erdbebenpanik in Süditalien. Aus den verschieden ten Orten der südlichen Hälfte der apenninischen Halbinsel laufen Meldungen über schwere Erderschütterungen ein, die sich wellenförmig von Stadt zu Stadt fortpflanzen. Am heftigsten scheint die Bewegung auf Sizilien geweſen zu ein. In Mineo( Brovinz Catania) stürzten mehrere

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[ Die erboste Schwiegermama.] Eine tragikomische Szene trug sich auf den Thorner Telegraphenamt zu. Eine Dame wünschte ihren in Berlin wohnenden Schwiegersohn per Telephon zu sprechen. Der Gewünschte lehnte jedoch ein Gespräch mit der lieben Schwiegermama ab. Hierüber erzürnt, machte die Dame ihrem Herzen in so lauter Weise Luft, daß sie den Dienstbetrieb auf dem kaiserlichen Tele­graphenamt störte. Als der Telegraphenbeamte die Schalter­fenster schloß, schlug sie mit den Händen gegen diese. Einige Poftunterbeamte konnten die Wütende nicht zum Fortgehen bewegen. Erst als zwei handfeste Polizeibeamte erschienen, gelang es diesen, die erzürnte Schwiegermama gewaltsamı aus dem Telegrammannahmeraum zu entfernen.

§ Eine erneute Verhandlung gegen den Matrosen Kohler Don S. M. S. Loreley", der bekanntlich wegen Ermordung seines Vorgesetzten Biederitzki zum Tode verurteilt wurde, findet am 15. d. Mts. vor dem Oberkriegsgericht der Ma­rinestation der Nordsee in Wilhelmshaven statt. Das Reichs­militärgericht hatte, wie noch erinnerlich sein dürfte, das Urteil des Oberkriegsgerichts bezüglich der Jahnenflucht Kohlers aufgehoben und in die Vorinstanz zurückverwiesen. Aus diesem Grunde ist eine erneute Verhandlung gegen Kohler erforderlich geworden. Das Todesurteil wird hier­oon jedoch nicht berührt.

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[ Die Hochzeit eines Riesen.] Der Riese" Ehmke ist dieser Tage mit seiner Buchhalterin auf dem Standesamte zu Groß- Flintbek ehelich verbunden worden. Der glückliche Gatte, welcher seiner Zeit als der größte Soldat der deut­schen Armee den Kaiser auf mehreren Auslandsreisen be­gleitete, mißt 2,18 Meter; er reist seit einigen Jahren als ,, Sehenswürdigkeit" und macht mit diesem Metier zweifel­los weit bessere Geschäfte, wie während seiner früheren Stellung als Bierfahrer einer Kieler Brauerei.

§ Der Prozeß Humbert brachte an seinem zweiten Ver handlungstage die Fortsetzung des Verhörs Frederic Hum berts. Die Taktik des Gatten Thereses geht dahin, völlig Unwissenheit über die geibaftlichen Tricks seiner Frau zu jeucheln. Der Präsident meiß ihm aber verschiedentlich nach, baß er selbst über Einnahmen und Ausgaben Thereses Buck Jeführt habe. Die Enthüllungen, die diese mit großem Bomp für den zweiten Verhandlungstag angekündigt hatte, vollen noch immer nicht kommen. 1. a. mußte Humberi nich zugestehen, daß er die Berichte über niemals abgehal ene Sigungen des Verwaltungsrates Viagère verfaßt habe. Therese mischt sich ein und ruft: Herr Präsident, Sie sind ms nicht wohlgefinnt."

A[ Ein Schwächling".] Auf ein Pariser Polizeiami fam dieser Tage ein alter, gebückter, aber ganz fräftig schei. nender Mann, um sich über einen Zimmerdiebstahl zu be flagen. Als er sein Alter, 100 Jahre, angab, geriet das ganze Polizeiamt in Aufregung. Aber er ist am 4. Juli 1803 in Paris geboren daran ist nichts zu ändern! und wurde wegen allgemeiner Schwäche nicht zum Wehr­dienst herangezogen. Duval, so heißt der Greis, ist nic frank gewesen; er ist und trinkt gut, selbst dann und wann über den Durst, aber dies ist notwendig für seine Gesund­beit".

[ Die Bedeutung des Triregnum.] Das Triregnunt, auch Tiara genannt, mit den der Papst gekrönt wurde, be­steht bekanntlich aus drei übereinanderliegenden Kronen. Seine Bedeutung wird sehr verschieden ausgelegt. Nach einigen Historikern soll das Triregnum an die drei Kronen erinnern, die den Päpsten nach einander von Konstantin, Chlodwig und Karl dem Großen gestiftet wurden. Nach anderen zeigten sie die Herrschaft des Papstes über die drei­fache Kirche an: die kämpfende, leidende und triumphie­rende. Nach einer weiteren theologischen Auslegung seien sie das Symbol der dreifachen doktrinären, sakramentalen und pastoralen Autorität. Endlich sollen sie das Symbol der Macht der Kirche sein, die sich, wie die Jesu Christi, ihres Gründers, über das zeitliche Leben hinaus, und daher auf die irdischen, höllischen und himmischen Dinge erstrecke.

§ Der dritte Verhandlungstag des Humbert- Prozesses brachte noch immer nicht die angekündigten Enthüllungen Thereses. Das Interesse im Publikum nimmt denn aud sichtlich ab, der Saal war verhältnismäßig leer von Zu jörern. Die Zeugenvernehmungen brachten im allgemeinen nichts Neues. Große Heiterkeit erweckten die Aussagen des Anwalts der angeblichen Crawfords, Parmentier, über die Art und Weise, wie er mit seinen Klienten verkehrte. Prä­ident: Fanden Sie es nicht sonderbar, daß Ihre Klienten 20 Jahre lang ihre Briefe postlagernd unter Chiffre kom­men ließen?" 3euge: Die Einrichtung der postlagernden Briefe existiert doch nun mal." Parmentier behauptet, daß er feinen Verdacht schöpfen konnte. Er wiederholt, daß er den Besuch zweier Herren erhalten habe, die sich als Craw­fords legitimierten und mit Romain oder Emile Daurignac feinerlei Aehnlichkeit hatten. Das Honorar für seine Be mühungen betrug 350 000 Francs.

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[ Eine hübsche Dichterehrung] wird aus Göttingen berichtet. Im Walddorfe Bremte feierte in einem Wirts­haus eine studentische Verbindung ihr Stiftungsfest und sang unter anderem auch das Lied:

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[ Ein langer Zeitungstitel.] Die Wiener Zeitung" feierte soeben das Jubelfest ihres 200jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß bringt sie das getreue Faksimile ihrer ersten Nummer, deren absonderlich langer Titel folgender­maßen lautete: Wiennerisches Diarium, Enthal­tend Alles Denchwürdige/ so von Tag zu Tag sowohl in dieser Kayserlichen Residenz- Stadt Wienn selbsten sich zu­getragen/ als auch von anderen Orthen auß der ganzen Welt allda nachrichtlich eingeloffen/ Mit diesem besonderen Anhang/ Daß auch alle die jenige Persohnen/ welche wochent­lich allhier gestorben/ hingegen was von Vornehmen ge­bohren/ dann copuliret worden/ ferner anhero und von dannen verreiset/ darinnen befindlich. Mit Ihro Römischen Kayserlichen Majestät allergnädigsten Privilegio."

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LD. Kaiser Franz Josef und der Phonograph. Die k. k. österreichische Akademie der Wissenschaften hat für ihr Archiv in der kaiserlichen Villa zu schl mehrere Phono­gramme von Kaiser Franz Josef aufnehmen lassen. Das phonographische Archiv der Akademie dient in erster Linie historischen und philologischen 3mecken, es enthält also Platten, die die Stimmen hervorragender Zeitgenossen fest­halten, ferner Aufnahmen von Sprachen und Dialekten, wie sie jetzt gesprochen werden. Dieses eigenartige Museum umfaßt schon eine ziemliche Anzahl von Nummern. LO. Ein unbekanntes Gedicht Richard Wagners, das jetzi von einem Münchener Blatte veröffentlicht wird, dürfte an­Jesichts des heftigen Streites gelegentlich der bevorstehenden Wagnerfeier die weitesten Kreise interessieren. Wagner übersandte zum 27. Geburtstage Ludwigs II. am 25. Auguſt 1872 seinen Röniglichen Freunde" als Zoll der Dankbar­keit die eigenhändig geschriebene Orchesterskizze vom dritten Akt der Götterdämmerung" mit folgender Widmung: Vollendet das ewige Werk! Wie im Traum ich es trug, Bie mein Wille es wies, Was bange Jahre beengt

Des reifenden Mannes Brust, Aus winternächtigen Wehen

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