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r. 36.

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Donnerstag, den 12. Februar

Gießener

12. Jahrgang.

1908.

Insertionsprei 8: Die einfpaltige Petitzeile für Gießen wit ganz Oberhessen, die Kreise Weglar und Marburg 10 fg fonit 15 Big: Reklamen die Petitzelle 30 refp. 40 Pfg.

Postzeitungslifte No. 8269.

Redaktion und Fryedition: Gießen Neuenweg 28. Fernsprechenschluß Nr. 369.

Neueste Nachrichten

( Gießener Tageblatt)

Alnabhängige Tageszeitung

( Gießener Zeitung)

für Oberheffen und die Kreise Marburg und Wetzlar; Lokalanzeiger für Gießen und Umgebung. Enthält alle amtlichen Bekanntmachungen der Großh. Bürgermeisterei Gießen und anderer Behörden von Oberhessen.

Hufmarsch zu den Wahlen.

RK. Die Sozialdemokratie hat in Berlin endgiltig den Wahlkampf eröffnet. Am Dienstag fanden in sämtlichen sechs Wahlkreisen politische Versammlungen statt, in denen bie Kandidaten aufgestellt wurden. Gleichzeitig stellten sich die sechs Bewerber mit ihrem Programm vor. Trei von ihnen, Singer, Heine, Ledebour, sind ihren Wählern als Abgeordnete, einer, Robert Fischer, der im fünften Wahlkreise kandidiert, ist ihnen als mehrfacher Kandidat bereits bekannt. Außerdem kandidiert im Wahlbezicke sei­nes Schwiegervaters Bleichröder der gemaßregelte Pro fessor Dr. Arons und ferner noch der Kassierer des Partei organs Richard Fischer.

Turch ihre frühe kandidatenbenennung dokumentiert die Sozialdemokratie den Willen, daß sie schon jest in die Wahlagitation eintreten will. Dadurch zwingt sie aber, da sich das Neß ihrer Organisation über alle Bauen des Reiches erstreckt, auch die übrigen Parteien zu einem Auf­marsch und so ergibt sich denn als Situationsplan vor dem Osterfest folgende Sachlage: Das Interesse der Reichs­tagsabgeordneten wird durd die Vorbereitung zu dem Wahlkampfe in Anspruch genommen und wir werden des­halb im Reichstage, je näher der Frühling heranrückt, leere Häuser haben. Unter diesen Umständen wäre es wünschenswert, wenn die Verhandlungen einen möglichst beschleunigten Verlauf nähmen. Bislang war das aller­dings noch nicht der Fall, aus dem einfachen Grunde, weil eine Rede im Plenarsaale des Reichstages völlig den Zweck einer Wahlprogrammrede zu erfüllen hat. So ergibt sich die Tatsache, daß das Redebedürfnis mit dem Anwesen­heitseifer in umgekehrtem Verhältnis steht. Die Abge­ordneten verweilen nur so lange in Berlin, als es für ben Speech nötig ist, und reisen dann in ihre Wahlkreise, um wieder einmal je nachdem auf einen Sprung im Hause vorzusprechen. So ist immer nur eine kleine Schar anwesend, die in einem ewigen Turnus ihre Physiognomie ändert. Selbstverständlich erlischt unter diesen Umständen auch das Interesse der Wählerschaft, und es wäre gewiß den meisten lieb, wenn die Versammlungen im Reichstage bald ihr Ende fänden. Die verschiedenen Vorlagen, die noch in der Schwebe sind, können ganz gut für den nächsten Reichs­tag aufgespart werden. Einzelne, wie z. B. die Frage der laufmännischen Schiedsgerichte, können nur gewinnen, wenn sie während der Campagne nochmals den Gegen­stand einer eingehenden Erörterung bilden. Wenn auch ber Reichstag noch vor Ostern geschlossen werden sollte, jo braucht das die Festsetzung des Wahltermines nicht zu beeinflussen. Eine Verfügung darüber ist bestimmt noch nicht getroffen; doch ist, wie Eingeweihte behaupten, die Mitte des Juni dafür in Aussicht genommen.

friede mit Venezuela!

Nach deutschen offziösen Mittegen steht der Ab­schluß der Washingtoner Verhandlungen in sehr naher Frist bevor. Die Friedensbedingungen, die den Mächten vorgelegt sind und die Bowen bereits in aller Form acceptiert hat, sind folgende:

Die Blockade wird aufgehoben. Die Frage der Vor­zugsbehandlung wird an das Haager Schiedsgericht ver­wiesen. Venezuela zahlt an jede der drei verbündeten Mächte sofort 27 500 Dollars. Das Schiedsgericht in Haag setzt einen Plan für die Verteilung der 30 Prozent der Zolleinnahmen von Puerto Cabello und La Guayra unter alle Gläubiger Venezuelas fest. Zur Regelung der briti schen( bezw. deutschen bezw. italienischen) Forderungen wird eine britisch( bezw. deutsch bezw. italienisch-) vene zolanische Kommission eingeseßt. Falls diese Kommission nicht zu einer Einigung gelangen kann, soll ein europäische Herrscher ersucht werden, die strittigen Punkte als Un parteiischer zu entscheiden. Falls Venezuela nicht inner­halb eines Monats nach Beginn der festgesetzten Zeit mit der Zahlung aus den Zolleinnahmen beginnt, soll Belgien ersucht werden die Verwaltung der Zölle von La Guahro und Puerto Cabello zu übernehmen. Es sollen Verhand­lungen über einen neuen Handelsvertrag zwischen Groß britannien( bezw. Deutschland und Italien) und Vene zuela eingeleitet werden.

Die Vertreter der Mächte haben dieses Protokoll nod nicht unterzeichnet, werden es aber aller Voraussichi nach tun. Angesichts dieser Bedingungen muß man gestehen, daß der kleine Diplomat Bowen über die großen Diplo maten der drei Blockademächte in allen Stücken gesieg hat. Daß er von diesen Diplomaten nicht allzugroße Hoch achtung hegt, hat er auch neuerdings bewiesen. Nachden ihm der obige Vorschlag durch den britischen Botschafter vorgelegt war, besuchte er den noch immer ans Zimmer gefesselten Botschafter und ließ eine Note mit der Er klärung zurück, daß das britische Protokoll höchst be friedigend für Venezuela und außerordentlich ehrenvol

für den Botschafter und dessen Regierung sei". Diese offi zielle Zensierung des Botschafters einer Weltmacht unt feiner Regierung seitens des Vertreters einer südamerika nischen Republik ist im diplomatischem Brauch bisher nich Mode gewesen. Jedenfalls ist das eine nicht zu leugnen daß die drei Mächte bei dem Handel nicht auf ihre Koster gekommen sind; immerhin aber ist es erfreulich, daß dic Sache wenigstens zu einem leidlichen Ende gebrach: worden ist.

Die Revolution in Venezuela soll, wie wir in Anschluß hieran noch mitteilen wollen, so gut wie beendet sein. Der Rebellenführer El Mocho und seine Anhänger haben die Sache aufgegeben. Daraus schließt man, daf auch Matos teine Hoffnung auf Erfolg mehr hegen könne Es bleibt abzuwarten, wieviel an dieser Nachricht zu treffend ist.

Weiter wird uns aus Curaçao gemeldet, der dortige venezolanische Konsul habe die Zurückgabe des von Deutsch­land beschlagnahmten ,, Restaurador" aus Gründen inter nationalen Rechts verlangt und desgleichen dagegen pro­testiert, daß Deutschland Curaçao als Basis für die Be­fchaffung von Vorräten benüze.

256. Sigung.

Deutfcher Reichstag.

Zehnstündiger Arbeitstag.

Eigener Bericht.

zu

Die sozialpolitischen Erörterungen fließen unaushalt­sam weiter; wenn sie auch naturgemäß nicht besonders viel neues zu bieten vermögen, so kann man doch damit zufrieden sein, denn in der Fürsorge für die notleiden­den Berufsschichten kann nicht genug geschehen. Das Neueste auf diesem Gebiete ist eine Resolution der Zen­trumspartei, eingebracht von Stößel und Gen. betr. Einführung eines Höchstarbeitstags von 10 Stunden in denjenigen Betrieben, die der Gewerbeordnung unterste­hen. Dieses Mal kam die Sozialdemokratie zuerst Wort; es sprach der Abg. Hoch, der ein Bouquet von Beschwerden der Regierung überreichte, wobei er sich auch, weil er mißfällige Aeußerungen über die Mitglie­der des Hauses gemacht hatte, einen Ordnungsruf zu­zog. Auf die Beschwerden erwiderte Staatssekretär Graf Posadowsky sehr eingehend, und zwar sagte er al­len jenen Anregungen, die hier noch nicht zur Sprache ge­kommen waren, wohlwollende Erwägung zu. Hierauf ging er auf die Einzelheiten ein. Aus seinen Darlegun­gen ist folgendes von Interesse: Die Seemannsordnung wird durch Vorlegung eines Geseßentwurfs betr. Rege lung der Tiefladelinie geändert werden. Zunächst wird die Seeberufsgenossenschaft in ihrer nächsten General­versammlung hierüber zu beraten haben. Den auf eine Linderung der Wohnungsnot hinzielenden Vereinigungen erteilte er den Rat, die Wohnungsfrage als eine Bo­denfrage aufzufassen und bei Zeiten darauf bedacht zu sein, sich den Grund und Boden zu sichern. Die Kran­fenversicherungsvorlage habe sich deshalb so verzögert, weil die Vorarbeiten umfangreicher Natur waren. Be­züglich der vom Abg. Hoch bemängelten Art, wie die Be­richte der Gewerbeinspektionen zusammengestellt wer­den, machte der Staatssekretär die Mitteilung, daß im Reichsamt des Innern feine Ueberredaktion size; die Berichte werden genau so zusammengestellt, wie sie ein­gehen. Als Bremser trat dann der Abg. Dr. Paasche auf, der vor einer Ueberlastung der Debatte mit ufer­losen Anträgen warnte. Im übrigen erklärte er sich gegen die schematische Festsetzung eines Höchstarbeitstages. Abg. Müller- Meiningen( fri. Vp.) bringt eine Anzahl Wünsche und Beschwerden vor. 11. a. spricht er über Vereinsrecht, das Verbot des Streitpostenstehens, Frauen­frage, Befähigungsnachweis usw. Abg. v. Waldow­Reißenstein tritt dem Abg. Müller- Meiningen und Wurm insofern entgegen, als sie gegen die landwirt­schaftliche Berufsgenossenschaft Vorwürfe erhoben hatten.

Die Politik.

Ministerkrise in Frankreich?

A In Franfreich droht eine Ministerkrisis auszubrechen, deren Opfer dann der Finanzminister Rouvier werden würde. Er hat einen Gesezentwurf betr. die Besteuerung der Kleinen Branntweinbrenner eingebracht, der bei den Anhängern der Regierung auf Widerstand gestoßen ist. Wenn Rouvier diesen Gelegentwurf nicht noch zurückzieht, muß er zurücktreten. Zieht er ihn zurück, so stößt er damil seine ganze Etatsberatung um. Es ist halt nicht leicht, Minister zu sein, besonders in Frankreich.

Crispi Gegner der Eyescheidung.

::: Die in Italien gegenwärtig viel Staub aufwirbelnde Frage, ob die Ehescheidung gefeßlich für zulässig erklärt werden soll oder nicht, hat schon den verstorbenen Mi­nisterpräsidenten Crispi stack beschäftigt, wie sich aus seinen nachgelassenen Bapieren ergibt. Dabei ist Crispi zur Verwerfung der Chescheidung und des Vorrangs der Zi­viltrauung vor der kirchlichen gekommen, und zwar aus

juridischen Gründen. Den Gegnern des Ehesch idungs­gesetzes in Italien wird diese jeßt bekannt werdende Tat­fache zweifellos ein sehr willkommenes Argument gegen die Regierung sein.

England in Finanznoi.

8 England braucht Geld! Und nach altem Rezept will es die nötigen Summen durch andere für sich aufbrin­gen lassen. Herr Chamberlain, dessen Politik die Geld­not des Landes Fejächlich zu verdanken ist, war der nächste dazu, die Sache den Leuten, die zahlen sollen, beizubringen; er hat auch die nötige Unverfrorenheit, das so zu tun, als ob es einen Widerspruch gegen ein solches Verlangen nicht gebe. Bei einem in Gra­hamstown( Südafrika) ihm zu Ehren veranstalteten Ban­fett tam Herr Chamberlain mit der Sprache heraus: Er erklärte, er wende sich an alle Kolonien, wenn er sage, daß sie nicht täten, was sie angesichts ihrer Verpflich­tungen dem englischen Reiche gegenüber tun müßten. Msdann erklärte er angesichts der erhöhten Bewilligung der Kapkolonie an die englische Flotte, mit der Zuwen­dung dieser Kolonie für die Flotte sei es nicht getan. Diese Bemerkung wird als Vorbpte einer der Kolonie aufzuerlegenden Geldabgabe aufgefaßt. Die anderen Ko­lonien werden väter drankommen.

Kurze volitische Nachrichten.

* Der Kaiser hat genehmigt, daß i Narine­oereine in ihren Fahnen den Reichsadler als Haupt­emblem sühren dürfen, jedoch mit der Maßgabe, daß die Ordenskette auf der Brust des Adlers wegfällt, und daß an der Fahnenstange schwarz- weiße Fahnenbänder mit dem preußischen Adler und mit der Ausschrift: ,, Preußischer Landeskriegerbund" angebracht werden.

* Dr. Karl Peiers veröffentlicht eine Erklärung, in der er seine Beschuldigung, Leutnant a. D. Bron­sart v. Echellendorf sei der Fälscher und Urheber bes ,, Tucker- Briefes", zurücnimmt. Peters gibt an, daß sein Vertrauensmann sich in einem Irrtum befunden habe.

* Die ungünstigen Meldungen über den Gesundheits­zustand des gegenwärtig in Mentone weilenden Präsi­Benten Krüger bewahrheiten sich erfreulicherweise nicht. Sein Aussehen ist wie ein Augenzeuge mitteilt ziemlich frisch und sein Gang dem Alter nach elastisch.

* Der serbische Königspaar weilte am Mitt­woch am Grabe König Milans im slavonischen Kloster Kruschedol und wurde in Cemlin seitens des Vertreters Desterreich- Ungarns offiziell begrüßt. Der Besuch des Gra­bes Milans bedeutet die Ankündigung, daß Serbien Mi­lans Politik der Anlehnung an Desterreich- Ungarn wieder befolgen will.

* Aus Mazedonien tommen neue Nachrichten über türkische Greuel: Bei der Stadt Stip sollen neuerdings eine große Anzahl Weiber und Kinder von den Türken niedergemezelt worden sein. In Mazedonien hat sich eine neue Verschwörung gegen die Türken gebildet, ihre Anhänger wollen Eisenbahnen, Brücken, Telegraphenlei­tnugen in die Luft sprengen.

* Der Belagerungszustand für die Republik Guate­mala ist erklärt worden.

Der fächfifche Ehezwift.

Im Scheidungsprozeß des sächsischen Kronprinzen­paares fand Mittwoch in Dresden die zweite Verhandlung statt. Ihr wohnten verschiedene ärztliche Sachverständige bei. Der Gerichtshof hatte dieselbe Zusammensetzung, wie in dem vor 14 Tagen stattgehabten Termin. Als Zeuge war neben dem bereits früher vernommenen Kriminal­Kommissar Schwarz ein Kammerdienec der früheren Kron­prinzessin namens Ranisch auf Antrag des Anwalts des Kronprinzen, Justizrats Dr. Körner, geladen worden. Nach längerer Beratung wurde von den Verteidigern der Prin­zessin ein Antrag auf Vertagung gestellt, um genaue Be­obachtungen über den Geisteszustand der Prinzessin anzu­stellen. Während so die Anwälte der Prinzessin die ganze Affäre aus einer Geisteskrankheit der unglücklichen Frau ableiten wollen, scheint man auf der Gegenseite das Vor­handensein einer geistigen Störung entschieden bestreiten zu wollen. Der amtliche ,, Dresd. Anz." weist darauf hin, daß bei der Prinzessin zur Zeit ihres Fehltritts feine Anzeichen einer geistigen Depression, sondern nur solche eines sittlichen Zrrens" vorhanden gewesen seien.

Inbezug auf Giron erklärte der Anwalt der Prinzessin Dr. Zehme dem Dresdener Korrespondenten des ,, Wiener Fremdenblatts" gegenüber, die Behauptung, Giron habe für den Abbruch der Beziehungen eine Gelbentschädigung erhalten, für unrichtig. Er, Zehme, sei niemals beauf­tragt gewesen, Giron Vorschläge materieller Natur zu machen. Ich weiß auch nicht, sagte der Anwalt, moher bas Geld hierfür genommen sein sollte. Der Anwalt ist der Ansicht, daß die Triebfeder aller Handlungen Girons dessen Eitelkeit sei, und das Bestreben, in der Welt von sich reden zu machen. Auf die Frage, ob er glaube, baß der Abbruch für alle Zeiten erfolgt sei, oder da­

wirklich ein prächtiger Mensch, weit über den Durchschnitt

er nicht

viel­

falls eine gewuje leicht ist fie faum ie in Gefahr geraten feine Matellosigkeit zu sehr pochen sollte Berechtigung, ber Männer erhaben, fein Selbstbewußtsein hat jeden­tvenn schon doch immerhin

auf

Doch bald

dieser entwickelt ſeit den gleichen Namen. änderten sich Langgezogene Ruf Hänschen!" in Wie schön der unten im Garten laut wurde. Trug doch sein Junge den Tagen, da jeme Gedanken, da sich der und stattlich hatte sich man auch fein Sinnen mischte,

ihn

endet. Doch zahlt tätigen Zweden gether gung findet. eine Anlage erhoben, die regelmäßig mit der Verurteilung Mit fröhlichem Halloh bricht die Jagdgesellschaft auf. Jagdgericht abgehalten wird, dann wird wohl gegen jeden seinen Obolus, der zu wühl­

mors Heat in stiŸy sa mie in feiertäglichem Schmeigen.

über sind. Ein baumlanger Mann kommt gerade auf sein Versted führt. Dort will er unterschlüpfen, bis die Treiber vor­Doch diesmal hilft ihm alle seine Schlauheit nichts! Hand schwingt er

er die nächste Jurche an, die ihn zu einer dichten Hecke

zugefchri­

in der

einen

Dicken