Ausgabe 
11.4.1903 Erstes Blatt
 
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zu verantworten hatte; da ihm aber nicht nachgewt Jen werden konnte, daß er um eine milde Gabe angesprochen hatte, so mußte er freigesprochen werden. Das Sen­sationelle an dem Falle war die Tatsache, daß der Bettler behauptete, mit dem Kaiser Franz Josef denselben Stamm­bater zu haben; der aus Zürich stammende Mann heißt nämlich tatsächlich Ritter Rudolf von Habsburg. Da be­kanntlich die Habsburger des Kaiserhauses im Mannes­stamme ausgestorben sind, so nimmt der Abenteure für sich die Anerkennung der reineren Abstammung in Anspruch. Obschon er freigesprochen worden war, wurde er an die Grenze abgeschoben.

Giessener Cagesneuigkeiten.

sowie je 228% von der Grund Gewerbe- und Kapi­talrentensteuer und beträgt die Einnahme hieraus wie ein­gerommen 810704 Marf. Aus dem Octroi ist unter Ab­zug der Rückvergütung und der Erhebungskosten der Betrag bon ca. 100 000 Mart in Einnahme vorgesehen. Die Schuldentilgung ist in Höhe von 179 245 Mart in Aussicht genommen. Der Etat wird gleich nach Ostern von der Stod verordneten- Bersamm'ung beraten werden.

** Stadttheater. Das Elbinger Operetten­Ensemble des Direktors Her n Walter Steinert eröffnet im hiesigen Stadttheater die Op retten- Nachsaison mit Mil­löckers berühmter Operette ,, Der Bettelstudent" statt mit Boccaccio". Den ersten Kräften des unter der musi­

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Gießen. Die Gemälde- Ausstellung am Brand, falischen Leitung des Kap Almeiſte 3 Herrn Schaß und unter welche wieder geöffnet ist, hat diesesmal wieder der Spielleitung des Oberregiss urs Herrn Siegfried Bruck ſtehenden Ensembles soll in der Operette Der Bettelstudent" hervorragende Kunstwerte befannter Meister aufzuweisen. Außer einer Kollektion von Werken( 18 Gemälde des her- Gelegenheit geboten worden, sich dem hiesigen Publikum vorragenden Schweden Bruno Liljefors), ist noch ein Teil aleich in gan; hervorragend n Partien zu zeigen. Die erste von der Ausstellung der Freien Vereinigung Darmstädter Operettensängerin Fräulein Amélie Stöger singt die Laura", die Opere tensonbrette Fräulein Mizze Barté Künstler der Ausstellung einverleibt worden und zwar von die Bonislava". Als Symon" und" Jan" werden sich Professor E. Bracht- Dresden, J. Hammer- München, O. Ub­belohde Groffenfeld, E. Selzam Utting u. s. w. Ferner sind die beiden Tenöre, Herren Nolte und" Sompner ein noch Werte von Thoma- Karlsruhe, Eckenbrecher- Berlin, Talat- führen; Herr Bruck bringt die fomishe Rolle des Allen­dorf" zur Darstellung Am Dienstag( 3. Feiertag) ge­Berlin, Grüßner- München, Chertzi- Neapel, Keller- Reutlingen München und Murthe- Düsseldorf vertreten. Nach Obigem langt das lezte Werk des Walzerkönigs Johann Strauß, die dürfte die gegenwärtige Ausstellung die interessanteste sein, dreiaftige Operett Wiener Blut", erstmalig zur Auf­führung. die jemals der Kunstverein aufzuweisen hatte und fann der Besuch derselben nur aufs angelegentlichste empfohlen werden. Der d'eser Tage in den Ruhestand getretene Kom­Die Ausstellung ist an den Feiertagen Mittags von 11 bis mandeur der Distrikts gendarmerie Oberstleutnant a. D. Kull­3 Uhr ununterbrochen geöffnet. mann hatte ursprünglich das Schusterhandwerk gelernt. Mitte der 50er Jahre trat er als Gemeiner beim 2. hess., ißigen 116. Infanterieregiment ein, wurde alsbald Unter­offizier und zeichnete sich im Gefecht bei Laufach im Jahre 1866 derart aus, daß er noch während des Krieges zum Offizier ernannt wurde. Im Laufe der Jahre wurde er zum Hauptmann befördert, machte den Feldzug 1870/71 mit, war längere Zeit Ehef der 8 Komp. des genannten Regi­Diftriftsoffizier in Oberhessen und dann in Rh inhess n. mens und trat dann zur Gendarmerie über. Er war zuerst An jedem Plaze stellte er seinen Mann und machte das Sprichwort: Schuſter bleib bei deinem Leiſten" vollſtändig

** Die Wahlen zur Handwerkskammer. Das Material für die Ersazwahlen zur Handwerkskammer ist nunmehr von Gr. Ministerium an die wahlberechtigten Korporationen abgegeben worden, mit dem Anfügen, daß das Ergebnis der Wahl bis zum 15. April dem in den Stimmzetteln bezeichneten Herrn Wahlkommissär einzureichen ist, andernfalls die Stimmzettel nicht berücksichtigt werden. Die für die Wahl zur Verfügung stehende Beit iſt ſonach schon sehr kurz bemessen, und kommt weiterhin in Betracht, daß die österlichen Feiertage für die Abhaltung der Bersammlungen nicht günstig sind. Die notwendige Ver­ständigung über die in den einzelnen Wahlkörpern und Wahlbezirken zu wählenden Handwerksmeister dürfte so

in etwas erschwert sein, trotzdem wird es sehr wünschens­wert erscheinen, wenn eine Einigung vorher erfolgt,

schon um Stimmenzersplitterung zu vermeiden. Wer seither die Thätigkeit der Handwerkskammer verfolgte, fonnte mit Genugtuung feststellen, daß die Mitglieder der Rammer mit voller Einmütigkeit an die derselben gestellten, nicht leichten Aufgaben herangingen, daß sie alle das Hand­wert betreffenden Fragen in befriedigender Weise zu lösen suchten. Ein wichtiger Faktor zur Ermöglichung fruchtbarer Arbeit war aber, daß die Mitglieder im Laufe der ver­gangenen 3 Jahre sich vollständig in den zu behandelnden Stoff einzuarbeiten und allen Fragen mit vollem Verständnis gegenübertraten. Es wird deshalb die Sache des Handwerks nur fördern können, wenn bei den Ersaßwahlen auf diese Tatsache Rücksicht genommen und in allen Wahlbezirk.n darnach gestrebt wird, die seither wohl bewährten Männer, die sich in uneigennütziger Weise in den Dienst des Ganzen gestellt hahen, wieder zu wählen: 8um Wohle de& Handwerkerstandes!"

*** Die Fleisch beschau im Gießener Schlacht­hause ist seit dem 1. April auf Grund des Reichsges& g ändert. Eine ganze Anzahl Fünfmarkstück großer blauer Farbstempeln werden dem untersuchten Fleisch aufgedrückt. ( Wir zählt n an einem ausgeschlachteten Kalb nicht weniger als 12 Aufdrücke.) Die Hausfrauen, denen die Megger das gestempelte Nahrungsmittel aushändigen sind gerade nicht sehr erbaut von dieser Neuerung, werden sich aber mit der Beit daran gewöhnen müssen.

** Aus dem städtischen Voranschlag für 1903/1904 welcher zur Einsicht für Jedermann seit einigen Tagen auf der Bürgermeisterei offen liegt ist zu ersehen, daß die Betriebsrechnung mit 1720 890 Mart also der Vor­anschlag im Ganzen mit 3194 458 Mark in Einnahme und Ausgabe abschließt.- Der Rest aus früheren Jahren ist in der Betriebsrechnung auf 140546 Mart in Einnahme gestellt, von welcher Summe 55 675 Mart in Ausgabe stehen. Die zur Ehebung kommenden Gemeindesteuern be­stehen nach dem Voranschlag aus 14% der Einkommensteuer

Den

VORZUG

zu Schanden.

** Ulrichstein, 10 April. Am Dienstag kom­

mender Woche wird der Schloßbau- Verein zu Gießen am Hause des Kaufmanns Natan Reiß eine Gedächtnißtafel an= bringen lassen zur Erinnerung an die Tatsache daß Feld­marschall Blücher nach der Schlacht bei Leipzig, auf der Verfolgung Napoleons begriffen, in jenem Hause sein Quar­iier aufgeschlagen hatte.

Standesamt- Nachrichten der Stadt Gießen.

Aufgebote.

7. April. Johannes Knobeloch, Sergeant dahier mit Katharina Keil in Nieder- Ohmen. 8. Adam Nickel, Gärt ner dahier mit Elisabeth Henriette Auguste Weiß dahier. 9. Ludwig Wilhelm Krug, Gerichtsassessor in Mainz mit Sophie Friederike Adami dah'er.

Eheschließungen.

4. Ap il. Georg Heinrich Wenderoth, Schlosser dahier mit Anna Pauline Kliffmüller dahier. Johann Heinrich Krauth, Sergeant im Inf. Regt. Nr. 168 zu Buzbach mit Katharine Schneider dahier. 7. Otto Eschbach, Schloss r dahier mit Karoline Riedhammer dahier. 9. Wilhelm Pfeil, Frieseur dahier mit Ottilie Helene Dietrich dahier. Geborene.

Jahre 6 Monate alt, Ehefrau des Werkmeisters Friedri Weber dahier. Marie Köhler, geb. Scherff, 23 Jahre 9 Monate alt, Ehefrau des Glasermeisters Theodor Köhler in Alsfeld. 9. Johannes Feuster, 34 Jahre 9 Monate alt, Fabrikarbeiter dahier.

28 März. Dem Ofenseßer Albert Heß ein Sohn. 29. Tem Postschaffner Christoph Beck r II. eine Tochter, Katharine Elisabeth Susanne. 1. April. Dem Sergeanten Wilhelm Luh ein Sohn. Dem Werkmeister Friedrich Weber eine Tochter, Marie Mathilde Wilhelmin. Dem Taglöhner Heinrich Wagner eine Tochter, Karoline. Dem Kaufmann Julius Berdur ein Sohn. 2. Dem Knecht Ludwig Win rich ein Sohn, Ludwig W lhelm. 3. Dem Hilfsweichen­steller Karl Müller ein Sohn, Friedrich Ernst. 4. Dem Registrator D to Stier ein Sohn, Karl. 8. Dem Esen­bahnwerfmeister Rudolf Larbig eine Tochter, Th res» Wilm. Gestorbene.

4. April. Valentin Henn, 91 Jahre 4 Monate alt Furschüß dahier. 6 Marie Mathilde Wilhelmine Weber, 4 Tage 20 Stunden alt, Tochter des Wertmeisters Friedrich Weber dahier. 8. Wilhelmine Weber, geb. Hans, 27

grösster

Ausgiebigkeit

hat

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

1. Ofterfeiertag, den 12. April. Rollefte zum Besten des Kirchenfords. In der Stadtkirche. Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Scheunemann. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam. Pfarrer Scheunemann. Abends 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. Im Anschluß da an: Beichte und Vorbereitung zu der mit der Konfirm tion verbundenen Abendmahlsfeier.

In der Johanneskirche. Vomittags 9 30 Uhr: Pfarrer D. Naumann. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die Johanne gemeinde. Pfarrer D. Naumann. Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Euler.

2. Osterfeiertag, den 13. April. Kollefte für die Armen.

In der Stadtkirche.

Vormittags 9.30 Uhr: Ronfirmation der Kinder auf der Matthäusgemeinde. Feier des heil. Abendmahls. Pfarre Schlosser.

Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung be Konfirmanden aus der Markusgemeinde. Pfarrer Sche

nemann.

Abends 6 Uhr Pfarrassistent Begt.

Im Anschluß daran feierliche Entlassung der Knaben horstschüler.

In der Johanneskirche.

Vormittags 9.30 Uhr Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Rindergottesdienst für die Butat gemeinde. Pfarrer Euler.

20

Gro

ausgeführt

Wilhelm)

Nachmittags 2 Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfi manden aus der Johannesgemeinde. Pfarrer D. au mant.

Nächsten Sonntag den 19. April, Quasimodogeniti, findet die Konfirmation der Kinder aus der Markusge.

meinde in der Stadtkirche, derer aus der Jo

hanneskirche und in Verbindung damit die Feier des heil. Abendmahls statt. Die Beichte dazu wird am Sam tad den 18. April, nachmittags 2 Uhr, in beiden Kirchen

gehalten.

Bei der Konflemation wird eine Rollefte zum Besten der Armen erhoben werden.

Am Sonntag Quasimodogen.ti, nachmittags 2 Uhr findet die Vorstellung und Prüfung der Konfir manden aus der Lucas- und Miltärgemeinde in der Johanneskirche statt.

Marktbericht.

Gießen, 11. April Aus dem heutigen Wochenmarkt fofteten Butter per Pib. 1.20-0.00 Mt. Hühnereler 6 Bfg, 2 St.11 Bfg., Enteneierst 6-7 Pfg., Käse per St. 5-8 Pfg. Kasematte 2 St. 5-6 Bfg., Erbsen ver Liter 21 Bfg., Linsen per Liter 32 Bfg. Lauben per Paar mr. 1.00-1.20, Hühner per Stüd Mt 100-170, Hahnen, yr Stud Mt. 0,85-2.00, Enten per Stid 2.00-2.40, Gänse p. Blb. 54-60 Pfg. Ochsenfleisch per Pfd. 66-76 Bfq., Rindfleisch per Bfd. 60-66 Pfg. Schw inefleisch per Pfo 66-76 Bia Schweine fleisch gesalzen per Bfund 0.80 Bfa., Kalbfleisch per Bfd. 66-72 Bfg., Hammelfleisch per Pfd. 52-72 Bfq., Kartoffeln ber 100 Kilo 6.00-0.00 mt., Zwiebeln per 3t. Mt. 6.00-7( 0, Milch per Liter 18 Pfa.

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